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In der Namib Wüste
Pause in der Wüste
Sossusvlei
Yellowbilled Hornbill
Elefanten im Etosha National Park
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Südliches Afrika
vom Kap zu den Victoriafällen
Namibia
Bei der Einreise nach Namibia ist ein Formular
auszufüllen. Alles geht gut, bis Maria aus Argentinien an der Reihe
ist. Sie hat kein Visum, denn in ihrem Land gibt es keine
namibische Botschaft und in Kapstadt hatte sie keine Zeit mehr,
sich um diese Formalität zu kümmern. Es wird hin und her
telefoniert, Faxe werden versandt und empfangen, nach gut fünf
Stunden sind die Unterlagen beisammen und wir können die Fahrt
fortsetzen.
Für Europäer besteht keine Visumpflicht.
Auch in Namibia das gleiche Bild, Sand, Geröll,
Steine und Berge in der Ferne. Ein Schäfer treibt seine Herde mit
einem Jeep vor sich her.
Das Hobas Camp, unsere nächste Bleibe, ist relativ groß, ein Kiosk
mit Holsten-Bier im Angebot ist vorhanden, gute Sanitäranlagen, es
gibt sogar einen Kondom-Automaten.
Wir fahren zum nahe gelegenen Fish-River-Canyon, dem größten Canyon
in Afrika, und erleben einen unbeschreiblich schönen
Sonnenuntergang.
Rechtzeitig zum Sonnenaufgang sind wir wieder an gleicher Stelle
und wagen uns an den Abstieg, es geht etwa 500 Meter hinunter.
Unten am Fluss hat man eine grandiose Aussicht.
Beim Aufstieg werde ich von Francois überholt, er will seinen
Rekord von 34 Minuten einstellen und es gelingt ihm, er schafft es
in 32 Minuten. Beim nächsten Versuch will er am Vorabend ein Bier
weniger trinken und statt des Rucksacks nur noch eine Wasserflasche
mitschleppen. Die meisten von uns benötigen eine knappe Stunde,
Maria kommt, vollkommen ausgelaugt, als letzte an. Einige Mungos
laufen am Kraterrand entlang.
Jetzt kann ich verstehen, dass der Canyon-Trail mit 85 km nur im
Winter erlaubt ist, im Sommer ist es einfach zu heiß für diesen
anstrengenden Sport.
Wir verstehen uns in der Gemeinschaft eigentlich ganz gut, dennoch
bilden sich nach und nach zwei Gruppen. Auf der einen Seite die
Holländer, Engländer, eine Frau aus Tasmanien und Andrea, auf der
anderen Francois, Shane, die Neuseeländer Warren und Daphne, Sergio
aus Uruguay, Maria und Lucia aus Argentinien und die Deutschen,
Thomas, Dieter und ich.
In den jeweiligen Camps haben wir viel Freizeit und teilweise
nutzen wir sie, indem wir Maria die deutsche Sprache beibringen.
Als ich sie zwei Jahre später in Buenos Aires besuche, erinnert sie
sich noch an die Worte "Rotwein" und
"Weißwein".
Lucia war mit einem Deutschen verheiratet und kennt einige Begriffe
und Gewohnheiten. So ist ihr auch das Stimmungslied "Rucki
Zucki" geläufig.
Die Campingplätze sind relativ sicher, so dass einige von uns
nachts unter dem Sternenhimmel schlafen und gar nicht ins Zelt
gehen. Fahrer Francois hat seinen Platz oben auf dem Bus.
Am nächsten Tag quälen wir uns rund 500 km durch die Wüste Namib,
Sand und Steine soweit das Auge reicht. Alle paar Stunden begegnet
uns mal ein Auto oder ein Eselskarren, hin und wieder kommen wir
durch ein Dorf. Die Häuser oder Hütten sind mit Wellblech bedeckt.
An einem Baum mit riesigen Webervogelnestern halten wir an, ein
Nest wird von einem kleinen Papagei bewohnt, auch Schlangen sollen
sich darin wohl fühlen, meint Francois.
Wir freuen uns über jeden Strauß und über jeden Springbock, der die
Eintönigkeit auflockert, einmal ist ein Pavian und später ein
Schakal zu erkennen. Einige Windräder sind in der Ferne
auszumachen, sie treiben Wasserpumpen an, Höckerbäume stehen dann
und wann am Pistenrand.
Gegen Abend erreichen wir das Sesriem Camp im Naukluft Park. Ein
Schild am Eingang zeigt die Öffnungszeiten an: Sunrise bis
Sunset.
Kurz darauf fahren wir zum Sesriem-Canyon und halten uns dort eine
Weile auf. Die Schlucht ist bis zu 30 m tief. Früher waren sechs
Stricke oder Reepe nötig, um den Boden zu berühren oder um einen
Eimer Wasser zu schöpfen, daher der Name.
Pünktlich zum Sonnenaufgang sind wir an den Sossusvlei-Dünen. Erste
Sonnenstrahlen streicheln die bis zu 300 m hohen Sandberge und
erzeugen ein Schattenspiel, wie ich es noch nie vorher gesehen
habe. Diese Konturen, es ist unvorstellbar schön.
Das Besteigen der Düne ist ganz schön anstrengend, lohnt sich aber.
Die tolle Aussicht ist jeden Tropfen Schweiß wert. Der Abstieg ist
einfacher, wir lassen uns nur hinunterrollen.
Ein Shuttlebus bringt uns etwa 5 km weiter in die Dünenlandschaft
und wir gehen zum Dead Vlei, einem ausgetrockneten See mit
abgestorbenen Bäumen.
Im Camp steht noch ein anderer Which Way-Bus. Der Fahrer erzählt
uns, dass er am Vortag die Dünen fluchtartig verlassen musste. Ein
heftiger Windsturm machte jede Sicht unmöglich.
Nachts läuft eine Oryx-Antilope oder auch Spießbock genannt
zwischen den Zelten. Das Mondlicht spiegelt sich auf dem weißen
Sand und man meint, in einer Winterlandschaft zu sein.
Auf der Weiterfahrt halten wir in einem kleinen Ort an und kaufen
wieder ein. Das Sortiment im Laden ist sehr übersichtlich, eine
Katze hat es sich auf einem Regal zwischen Salz und Mehl gemütlich
gemacht. Es wird deutsch verstanden und gesprochen, denn
Südwestafrika, das jetzige Namibia, gehörte bis zum Ende des 1.
Weltkriegs zu Deutschland.
Etwa um die Mittagszeit erreichen wir Windhuk. Die Hauptstadt des
Landes zählt knapp 200.000 Einwohner. Unser Platz ist durch einen
hohen Zaun gesichert und hat außerdem einen Wachturm.
Endlich wieder in der Zivilisation rufe ich zu Hause an und erlebe
meine Mutter ganz aufgelöst am Telefon. Sie meint, nachdem sie etwa
acht Tage nichts von mir gehört hat und ich auch auf keine
Mailbox-Nachricht reagiert habe, ich sei Opfer des Anschlages in
Kapstadt geworden, hätte ich doch beim letzten Anruf nur die
Explosion erwähnt. Die nächsten Stunden plagt mich ein sehr
schlechtes Gewissen.
Windhuk ist noch sehr deutsch geprägt. Wir parken auf dem
"Rathausparkplatz", es gibt die "Daimler"-, die
"Krupp"- und "Lutherstraße" und "Willi´s
Würstchenbude". Ich kaufe mir Briefmarken und erledige erst
mal die obligatorische Urlaubspost. Die neuesten Nachrichten
entnehmen wir der "Allgemeinen Zeitung". An der
Tankstelle versorgen wir uns mit Feuerholz und Kühleis.
Francois empfiehlt Shane und mir, den Abend in Joe´s Beer House zu
verbringen. Erstaunlicherweise stellt sich bald die ganze
Reisegruppe ein. Wir genießen den Abend, können endlich mal wieder
an einem Tisch sitzen und haben elektrisches Licht. Ich gönne mir
ein Gemsbokfilet. Es ist kalt geworden, die Taxifahrer haben ihre
Heizung angestellt.
Wir sind auf dem Weg zum nächsten Highlight, dem Etosha National
Park, etwa 400 km liegen vor uns. In Otjiwarongo esse ich in einem
von Deutschen geführten Cafe einen Apfelkuchen. Beim Fleischer
müssen wir warten, wegen Stromausfalls funktioniert die Waage
nicht. Unterwegs kommen wir an vielen Termitenhügeln vorbei.
Der Nationalpark ist etwa so groß wie das Bundesland Hessen, ca.
23.000 qkm. Die sogenannte Pfanne ist ein ausgetrockneter See,
deshalb auch der Name Etosha: Ort des trockenen Wassers.
Gleich nachdem wir die Zelte im Okaukuejo-Safari-Camp aufgeschlagen
haben, gehe ich zur Aussichtsplattform vor der Wasserstelle und
beobachte die Tiere. Es ist grandios, man hat die beste Sicht auf
Giraffen, Zebras, Kudus, Spring- und andere Böcke, Strauße,
Elefanten und Schakale. Auch ein Nashorn kommt in der Dämmerung zur
Tränke.
Immer wieder treibt es mich zur Zuschauerterrasse, ein
wunderschöner Sonnenuntergang beendet den Tag auf gebührende
Weise.
Später, im Schein der Flutlichtanlage, erfrischen sich 17 Giraffen
auf einmal und wir sitzen in der ersten Reihe.
Den ganzen nächsten Tag streifen wir mit unserem Fahrzeug durch das
Parkgelände und sehen bis auf Löwen alles, was wir uns vorgestellt
und erträumt haben.
Zebras, Antilopen aller Gattungen, Elefanten, Giraffen, Gnus,
Strauße, Schakale, Hyänen, einmal sogar einen Gepard und eine
afrikanische Wildkatze. Habichte und ein Tukan mit einem schönen
gelben Schnabel, der Yellowbilled Hornbill, beobachten das
Treiben.
Unser Lunch nehmen wir im Halali-Camp ein, auch hier ist eine
Wasserstelle mit vielen Tieren. An der Telefonzelle versuche ich
eine Verbindung zu meiner Familie herzustellen, beim 50. Mal klappt
es. Es bedarf einer Telefonkarte für 20 namibische Dollar, was gut
5,- DM entspricht.
Gegen Abend sind wir zurück, ein kleines Mädchen kommt mir ganz
aufgeregt entgegen und berichtet von vielen Elefanten. Ich laufe
zur Wasserstelle und tatsächlich sind über 25 Tiere am Loch, große,
kleine, mittlere, Bullen, Kühe und Junggesellen. Sie gehen nach
einem gewissen "Ritual" oder bleiben stehen, die Kleinen
immer dazwischen.
Am nächsten Tag brechen wir unser Lager ab und steuern das
Namutomi-Camp an, ein ehemaliges deutsches Fort. Mittelpunkt ist
ein schlossähnliches Gebäude mit Zinnen und Türmen. Die Sonne
verwandelt sich vor dem Untergehen in einen wahren Feuerball.
Auch hier können wir die Tiere am Wasser beobachten.
Nach Rundu am Okavango sind es etwa 300 km. Jetzt wird es
afrikanisch. Wir sehen unterwegs nur noch Schwarzafrikaner. Auch
die Ortschaften, Dörfer und Häuser sind anders.
Am Ortseingang von Rundu warnt ein Hinweisschild vor Aids und
empfiehlt, unbedingt Kondome zu benutzen. Wir bauen die Zelte in
der Nkwasi-Lodge auf, direkt am Fluß, auf der gegenüberliegenden
Seite ist Angola. Viele Einheimische waten durch das seichte
Flusswasser von einem Land in das andere, Männer, barbusige Frauen
und Kinder. Ihr Gepäck transportieren sie auf dem Kopf.
Abends trinke ich einige Flaschen Bier in der Bar. Die Bezahlung
ist recht umständlich und die Rechnung wird mit dreifachem
Durchschlag erstellt.
Eine Gesangsgruppe unterhält uns mit einheimischer Folklore.
Die letzte Nacht in Namibia verbringen wir im Ngepir Camp, kurz vor
der Grenze nach Botswana. Auch dieses Lager liegt direkt am
Okavango. Bei einem Spaziergang am Fluss entlang entdecken wir vier
Flusspferde im Wasser. Man sagt, dass Hippos mehr Menschen töten
als die Raubtiere. Einmal raschelt es im Gebüsch, zum Glück sind es
nur einige Ziegen auf der Futtersuche.
Es ist schon spät geworden und ich nehme eine Dusche unter freiem
Himmel im Schein meiner Taschenlampe.
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