|
[ Reiseberichte ]
[ nächste Seite ]

MARCO POLO Reiseführer New York: Reisen mit Insider-Tipps. Alrun
Steinrück (Autor)
ADAC Reiseführer New York: Hotels-Restaurants-Jazz
Clubs-Parks-Architektur-Museen-Shopping-Oasen der Ruhe.Christine
Metzger (Autor)
Washington Square
Ground Zero
Börse
Brooklyn Bridge
auf der Brooklyn Bridge
Empire State Building
im South St Seaport
Manhattan Skyline
Freiheitsstatue |
 |
Rock'n Roll - Blues -Country -
Jazz
Amerika mit Musik
Text und Fotos: Horst Wehrse
Der Landeanflug auf New York ist atemberaubend,
unter uns ein Lichterteppich soweit das Auge reicht. Von Paris bis
zum John-F.-Kennedy-Flughafen benötigen wir gut 8 ½ Stunden. Mit
Air-France war ich vorher noch nie geflogen. Der Service gefällt
mir, mein Wunsch nach einer weiteren kleinen Flasche Wein wird
immer mit einem Lächeln quittiert – und mit einem frischen
Getränk.
Ab heute, 12. Januar 2009, benötigen ausländische Besucher für die
Einreise in die Vereinigten Staaten erstmals eine Reisegenehmigung,
um im Rahmen des Programms für visumfreies Reisen (Visa Waiver
Program) das Land zu betreten. Ich hatte diese Berechtigung ein
paar Wochen vorher im Internet beantragt. Aber der Grenzbeamte
interessiert sich überhaupt nicht für dieses Papier, er fragt nur
nach der "Green Card", und die hatte ich noch nicht zur
Hand. Also Formular besorgen, ausfüllen und hinten anstellen.
Ein Super Shuttle bringt mich binnen kurzer Zeit nach Manhattan und
erwartungsvoll betrete ich das per Internet reservierte "Hotel
Grand Union" in der 32nd Street, einige Meter von der Fifth
Avenue und dem Empire State Building entfernt und somit mitten im
Big Apple.

New York
Es ist lausig kalt und der sternenklare Himmel lässt für die
nächsten Tage keine wärmeren Temperaturen erahnen. Dick vermummt
beginne ich das Abenteuer New York und esse standesgemäß in der
Fifth Avenue zu Abend – im Wendy´s. Der Burger schmeckt nicht
schlecht, er wird mit einigen Bieren in der benachbarten Heartland
Brewery ergänzt. Dicke Stretch-Limousinen fahren die Straße
entlang, aus den Gullys entweicht weißer Dampf.
Gegen Mitternacht mache ich mich, mit der nötigen Bettschwere
versehen, auf den Heimweg. In Europa ist es wegen der
Zeitverschiebung immerhin schon 6.oo Uhr morgens.
Der nächste Tag steht ganz im Zeichen eines langen ausgedehnten
Stadtspaziergangs. Wie erwartet scheint die Sonne, das Thermometer
zeigt sechs Minusgrade an. Ich schlendere die Fifth Avenue entlang,
verweile ein paar Momente am Madison Square, überquere den Broadway
und halte am Washington Square mit dem eindrucksvollen
Triumphbogen.
Eine Frau, ehemals Deutsche, erklärt mir den Weg nach Soho und dann
bin ich auch schon am Ground Zero.
Mit gemischten Gefühlen blicke ich auf den Zaun, der das Gelände
umschließt, führe mir noch einmal die schrecklichen Bilder der
unvorstellbaren Katastrophe vor Augen und denke an das
unmenschliche Leid, das hier erlebt werden musste. Das World Trade
Center, ehemaliges New Yorker Wahrzeichen, wurde 2001 dem Erdboden
gleichgemacht.
Mittlerweise haben die von Machtkämpfen begleiteten
Wiederaufbauarbeiten begonnen und der ganze Platz gleicht nur noch
einer Riesenbaustelle, 1,6 Mio. Tonnen Schutt mussten weggeräumt
werden. Auf dem Weg zum Financial Center habe ich einen guten Blick
auf die World Trade Center Site, wie der Ort heute genannt wird.
Leider hat das Museum geschlossen, ich hätte gern an einer Führung
teilgenommen.
Zusammen mit Elisabeth war ich 1985 das bisher einzige Mal in New
York und natürlich hat ein Besuch der über 400 m hohen Twin Towers,
wie das Gebäude auch genannt wurde, nicht gefehlt. Die Aussicht war
phänomenal. Ansonsten verlief diese Reise nicht immer geradeaus und
wir mussten uns durchaus mit einigen Handicaps
auseinandersetzen.
Die von mir in Stolzenau eingetauschten Dollarscheine waren nicht
mehr gültig, der Kurs des Dollars lag damals bei unvorstellbaren DM
4,20 und eine Kreditkarte hatten wir nicht. Elisabeths Banker riet
ihr davon ab und gab dieser Zahlungsmodalität keine Zukunft.
Wir flogen dann nach Houston und fuhren mit dem Greyhound-Bus zum
Besuch von Verwandten nach El Paso. Zusammen unternahmen wir mit
zwei Autos einen Ausflug zum Grand Canyon und nach Las Vegas. In
New Orleans war unser Portemonnaie leer, wir besaßen nur noch
Euroschecks.
Bei der achten Bank hatten wir Glück und konnten einen Scheck
einlösen, 300,- DM abzüglich 15 Dollar Bearbeitungsgebühr wurden
uns eingetauscht, mehr war nicht drin. Sofort lösten wir eine
Zugfahrkarte nach New York, um wenigstens den Rückflug nicht zu
verpassen. Die nächsten Tage lebten wir sprichwörtlich von Wasser,
Brot und Liebe. Kein Gedanke mehr an romantische Fahrten durch die
Südstaaten mit einem Mietwagen …..
Doch jetzt hat mich die Gegenwart wieder eingeholt. Im wahrsten
Sinne des Wortes, denn ich gehe gerade an der Wall Street vorbei
und schon stören Worte wie Finanz- und Wirtschaftskrise,
Spekulationschaos, Subprimes und Maßlosigkeit mein
Urlaubswohlbehagen.
Nicht weit von hier legt die Staten Island-Fähre ab und, da sie
kostenlos ist und einen guten Blick auf die Freiheitsstatue
verspricht, besteige ich das Schiff, das tagsüber halbstündlich
ablegt. Lady Liberty ist wirklich gut zu erkennen und ich habe den
Eindruck, dass die meisten Mitreisenden genau wie ich wegen dieser
Sehenswürdigkeit unterwegs sind und nicht, um auf den Stadtteil
Staten Island zu gelangen. Sie werden aber auch mit phantastischen
Ausblicken auf die Manhattan Skyline belohnt. Dieses Panorama ist
unvergleichlich und ich bleibe trotz der Kälte während der gesamten
Fahrt an der Reling stehen. Nach 20 Minuten sind wir leider schon
am Ziel.
Zurück in Manhattan statte ich der im Schatten riesiger
Wolkenkratzer stehenden Trinity Church einen Besuch ab und gehe
anschließend doch noch durch die Wall Street. George Washington
grüßt wuchtig von der Federal Hall, wo er seinerzeit seinen Amtseid
ablegte. Das Haus der Börse, New York Stock Exchange, ist noch
weihnachtlich geschmückt – ob den geprellten Anlegern das
recht ist? Eintritt in dieses Gebäude wird nur Privilegierten
gewährt, Touristen und andere neugierige Gäste bleiben draußen.
Das Trumps Building ist hier zu finden, die Deutsche Bank und BMW
haben u. a. in dieser Straße ein Büro oder eine Niederlassung.
Am East River entlang orientiere ich mich zur Brooklyn Bridge, habe
allerdings etwas Mühe, den Fußgängeraufgang zu finden. Zwei
Polizisten zeigen mir den rechten Weg und so spaziere ich zum
Stadtteil Brooklyn. Pflastermüde ziehe ich eine Fahrt mit der
Subway zum Hotel zurück einer längeren Wanderung vor und steige in
die Linie 6. Die Fahrt kostet 2 Dollar.
Nach dem Abendessen verweile ich in mehreren Cocktailbars.
Besonders gefallen hat mir die Bar 230 Fifth, Ecke 27th Street. Sie
befindet sich im 20. Stock und der Gast kann sich entweder drinnen
oder, mit Wolldecken versorgt, auch draußen auf der vom Schnee
befreiten Terrasse aufhalten. Heizstrahler lassen den Aufenthalt
angenehmer werden. Der Ausblick ist gigantisch, die Preise haben es
aber auch in sich.
Am nächsten Morgen lasse ich es ruhiger angehen, mein Knie verlangt
nach einer Pause. So nehme ich an einer organisierten
Stadtrundfahrt teil und es ist sehr interessant und unterhaltsam.
Am Empire State Building in der Höhe von Macy´s besteige ich den
Bus und fahre dann, fast auf der Strecke, die ich gestern zu Fuß
abgelaufen bin, bis zum South Street Seaport. Von hier beginnt eine
tolle Fahrt mit dem Wassertaxi. Wieder geht es Richtung
Freiheitsstatue, allerdings fahren wir wesentlich näher an diese
Sehenswürdigkeit heran. Eine junge hübsche Frau versorgt uns an
Bord permanent mit Informationen über New York. Der Blick auf die
Manhattan Skyline ist wieder traumhaft an diesem sonnigen, aber
eiskalten, Wintertag.
Nachdem wir die Brooklyn Bridge und die Manhattan Bridge von unten
bewundern durften, legt das Schiff an und ich warte auf den
Bus.
Bis zum nächsten Halt kommen wir u. a. am UN-Gebäude, dem Trumps
Tower, an Tiffanys und dem Chrysler Building vorbei, beim
Rockefeller Center steige ich aus. Etliche Schlittschuhläufer
vergnügen sich auf der Eisfläche. Inmitten dieser mächtigen
Wolkenkratzer, immerhin 14 an der Zahl, komme ich mir klein und
verlassen vor. Nach dem Besuch des General Electric-Gebäudes gehe
ich zur Kathedrale des Hl. Patrick und versuche, die vielen
Eindrücke zu verarbeiten. Laut Reiseführer handelt es sich bei
diesem Gotteshaus um die elftgrößte Kirche der Welt, mir ist es
nicht so vorgekommen. Nun folgt noch ein kleiner Spaziergang zum
Times Square. Hier staune ich wieder über das hektische Treiben und
die stetig wechselnde Neonreklame. Der fast 20 km lange Broadway
bahnt sich seinen Weg über den Platz, in einem der vielen Theater
wird gerade "König der Löwen" aufgeführt.
Wieder im Bus, begeben wir uns, vorbei an international
renommierten Hotels, zum Central Park und müssen dann in der Nähe
des Times Square das Fahrzeug wechseln. Mein Ticket hätte noch für
die Uptown-Tour gegolten, aber ich habe an diesem Tag genug gesehen
und entscheide mich, zum Empire State Building zurückzufahren. Die
Stadtbesichtigung auf diese Art und Weise gefällt mir, denn das
Prinzip "hop on/hop off" lässt genügend Eigeninitiative
und selbst bestimmte Aktivität zu.
Mit dem Fahrstuhl geht es in den 80. Stock des Empire State
Building hinauf. Die gewaltigen Ausmaße dieses Gebäudes erstaunen
mich und es dauert, bis ich endlich die Aussichtsplattform erreicht
habe. Unter uns liegt Manhattan im Glanz der Spätnachmittagssonne.
Obwohl es klirrend kalt ist, laufe ich einige Male auf der
Außenballustrade um die Turmspitze herum und versuche die Bauwerke
unter uns zu bestimmen. Hudson River, East River, Central Park,
Chrysler Building, Rockefeller Center, Freiheitsstatue, alles ist
gut zu erkennen und die Aussicht einfach unvorstellbar schön und
interessant. Dass ich mir bei diesem Höhenflug eine mittlere
Erkältung einheimse muss in Kauf genommen werden.
Bevor ich nach diesen aufregenden Besichtigungen eine Kaffeepause
im Starbucks einlege, sehe ich mir noch das Kaufhaus Macy´s an.
New York liegt am nächsten Morgen unter einer dicken Schneedecke.
Der Shuttlebus zum Flughafen La Guardia erscheint mit 40minütiger
Verspätung und, da ich diese Erfahrung in den USA schön öfter
gemacht habe, schwöre ich mir, beim nächsten Mal eine Stunde früher
aufzubrechen. Aber es ist nichts passiert, gleich draußen wird mir
mein Rucksack abgenommen und die Bordkarte ausgedruckt. Mein Flug
nach Birmingham hat zwei Stunden Verspätung.
Nun, da ich noch reichlich Zeit habe, bitte ich am Delta Air
Schalter, mir die Meilen für diesen Flug gut zu schreiben, aber
mein Name taucht nicht im Computer auf. Die Dame ist überhaupt
nicht kooperativ und erklärt mir nur, was alles nicht möglich ist,
von Hilfe und Unterstützung kann keine Rede sein. Auch findet sie
nicht meinen in einigen Tagen anberaumten Flug von Atlanta nach Ft.
Lauderdale. Entnervt frage ich bei Cockpit Reisen in Bremen nach
und mir wird bestätigt, dass alles in Ordnung ist, die Dame am
Schalter hätte nur die Buchungsnummer eingeben müssen. Mein
Verhältnis zu Delta Air ist seit diesem Moment getrübt und auch
spätere Flüge bestätigen dieses Vorurteil. Die Bordverpflegung ist
mit der anderer Gesellschaften nicht zu vergleichen, so erhält der
Fluggast auf einem mehr als zwei Stunden langen Flug lediglich ein
Getränk und einen Keks, beim Heimflug von Atlanta nach Paris wurde
mir die zweite kleine Flasche Wein gleich in Rechnung gestellt.
Wenn ich da Air France denke ….
Nach knapp drei Stunden landen wir in Birmingham.
[ nächste
Seite ]
|