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[ Reiseberichte ]

Polyglott on Tour - Andalusien
Andalusien -Thomas Schröder
Andalusien aktiv - Petra Neunkirchen, José M. Godinez Calvo
Málaga
Myrthenhof
Löwenhof
Generalife
Sacromonte
Sacromonte
Blick auf Alhambra
Moschee-Kathedrale
Blick auf Cordoba
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Sevilla
Sevilla
Sevilla
Cádiz
Marbella
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Andalusien
wo selbst die Mauren sich schon wohlfühlten
Text und Fotos: Horst Wehrse
A n d a l u s i e n, schon allein der Name weckt Träume
und Sehnsucht in mir.
November 1990
Die erste Reise in Spaniens Süden trete ich mit Harms und Wilfried an. Wir
fliegen nach Málaga und fahren von dort mit dem Zug weiter nach Granada und Córdoba. Zum Schluss wird noch ein kleiner Aufenthalt in Torremolinos
eingelegt.
Wieder naht die Buß- und Bettagswoche mit den traurigen Feiertagen im grauen
November. Dieser Tristesse möchten wir entgehen.
In Düsseldorf steigen wir in den Flieger der LTU und kurz darauf haben wir
Deutschland schon hinter uns gelassen. Die Pyrenäen sind aus der Luft gut zu
erkennen.
In Málaga suchen wir uns ein preiswertes Hotel und machen uns auf den Weg.
Die Stadt konnte sich in den letzten Jahrzehnten dank der
verkehrstechnischen Lage als Knotenpunkt für Costa del Sol-Urlauber auf über
500.000 Einwohner verdoppeln.
Nach kurzer Pause in einer Tapa-Kneipe setzen wir den Spaziergang fort und
gehen in Richtung Gibralfaro.
Über einen verwinkelten Weg erreichen wir unterwegs die Alcazaba, eine alte
maurische Residenz. Im Museum kann ein Modell der früheren Festung
besichtigt werden.
Auf dem Berggipfel befindet sich der Gibralfaro, früher eine arabische
Verteidigungsanlage.
Man hat einen tollen Ausblick von hier, so sieht man den Hafen und schaut
direkt in die Stierkampfarena hinein.
Die Stadt wirkt mediterran, sie hat schöne Palmenanlagen und Brunnen, aber
keinen Badestrand am Mittelmeer.
Abends sitzen wir draußen bei einer Flasche Wein und schauen einem Jongleur
zu. Plötzlich werde ich aufgefordert, ihm zur Hand zu gehen. Als er mich
entlässt, fehlt meine Armbanduhr, doch ich habe nichts gemerkt. Er gibt sie
mir grinsend zurück und die Zuschauer lachen.
Der Zug fährt gemütlich nach Granada, Oliven- und Zitrusbäume stehen zu
beiden Seiten der Gleise.
Im Bahnhof spricht uns eine ältere Dame an und offeriert uns ein preiswertes
privates Quartier in ihrer Wohnung. Da sie wohl nicht über genügend Betten
verfügt, muss ich mit einer etwas improvisierten Liege auskommen, aber es
ist ja nur für einige Nächte.
Granada, ca. 270.000 Einwohner, liegt wunderschön an den Hängen der Sierra
Nevada in rd. 700 m Höhe. Die schneebedeckten Gipfel sind immer zu sehen.
Aber natürlich steuern wir sogleich die Sehenswürdigkeit der Stadt oder der
Region, wenn nicht sogar des Landes, an, die Alhambra.
Selten hat mich ein Bauwerk dermaßen fasziniert. Von außen eher wuchtig, ist
innen eine Eleganz anzutreffen, die ihresgleichen sucht. Die Elemente Licht,
Schatten und Wasser sind perfekt und spielerisch eingesetzt.
Der Alhambra-Palast besticht durch seine goldenen Stuckarbeiten und
Ornamente. Beeindruckt hat mich der Myrtenhof mit dem länglichen
Wasserbecken, in dem sich die Rundbögen des Torre de Comares spiegeln. Gern
hätte ich ein Foto ohne Besucher gemacht, aber es ist mir nicht gelungen.
Wasser bedeutete während der Bauzeit des Hofes Reichtum.
Ein weiterer Höhepunkt ist für mich die Besichtigung des Löwenhofes mit dem
Brunnen in der Mitte, der, so scheint es, von 12 Löwen getragen wird.
Wir halten uns etliche Stunden auf, schlendern langsam durch die einzelnen
Säle, bestaunen die Fresken und Mosaiken, gehen dann am Palast Karl V.
vorbei zum Generalife, der Sommerresidenz der Sultane. Der hier angelegte
Garten mit den Wasserspielen und Brunnen gilt als einer der schönsten der
Welt.
Anschließend trennen wir uns, Harms geht ins Zentrum zurück, Wilfried und
ich zum berühmten Höhlenviertel Sacromonte. Um 1.500 n. Chr. wohnten hier
die gitanos, heute finden Flamencoshows statt. Wir gehen eine ganze Weile
auf dem Berg herum, schauen in einige Höhlen und stellen fest, dass hier
doch noch vereinzelt gewohnt wird.
Plötzlich merken wir, dass einige Hunde bellend auf uns zurennen. Wir nehmen
die Beine in die Hand und laufen den Berg hinunter, aber es ist keine Straße
in Sicht. Uns bleibt keine andere Wahl, als auf das Dach eines am Berg
gebauten Hauses zu steigen und langsam hinunterzuklettern. Der Hausherr
steht auf dem Hof und ich weiß nicht, wer größere Augen gemacht hat, er oder
wir.
Nachdem unser Trio wieder komplett ist, stärken wir uns in einer Bar und
erholen uns von dem Schrecken. Auf dem Programm steht dann noch der Besuch
des Albaicín, ein ehemaliges maurisches Wohnviertel, und der Kathedrale.
Córdoba heißt unser nächstes Ziel und wir nehmen wieder den Zug. Auch hier
bemühen wir uns um eine preiswerte Unterkunft. Der Wirt ist uns allerdings
nicht sehr gewogen, nachts beschwert er sich einige Male, dass wir zu laut
sind und droht mit Rauswurf. Wie kann er nur so verbittert sein, wir haben
doch nur Skat gespielt und etwas Wein getrunken - oder etwa nicht?
Wir gehen zum Fluss, dem Guadalquivir, mit der schönen Brücke und erfreuen
uns über die prächtige Aussicht auf das Stadtpanorama. Auf der anderen Seite
steht der Torre de la Calahorra, ein maurischer Turm, in dem das Stadtmuseum
untergebracht ist.
Vom Alcázar (de los Reyes Cristianos), ehemalige königliche Residenz, ist
mir der Garten mit den Brunnen, Teichen und Palmen nachhaltig in Erinnerung.
Die Kathedrale oder Mezquita ist jedoch das Paradestück der Altstadt. Sie
zählt zu den interessantesten Moscheen der Welt. Mit dem Bau wurde im Jahre
786 begonnen. Im 15. Jahrhundert hat man einfach eine Kathedrale in den
Komplex eingepflanzt und spricht seitdem von einer Moschee-Kathedrale.
Beeindruckt bin ich von der Säulenarchitektur im Innenraum und vom Mihrab,
der Gebetsnische.
Im Vorgarten leuchten reife Orangen von den Bäumen.
Einen kurzen Besuch statten wir noch der Synagoge ab und dann geht es wieder
zurück nach Málaga. Im Bahnhof werden wir fortwährend von einem jungen
Burschen belästigt, der uns unbedingt zu einem Hotel führen will. Wir
beantworten seine Vorschläge stets mit "zu teuer", aber irgendwann geht es
nicht mehr weiter und wir müssen, um souverän zu bleiben, zu seinem Angebot
stehen. So gehen wir gemeinsam zur nächsten Unterkunft, der Schlepper erhält
von uns ein Trinkgeld, später sehe ich, dass der Hotelier ihm auch noch
einige Münzen in die Hand drückt. Doch wo sind wir gelandet, in einer
Kaschemme, nicht mal die Haustür lässt sich verriegeln, nachts wird einfach
ein Baumstumpf unter die Klinke gestellt. Aber es ist ja nur für eine Nacht.
Am letzten Tag fahren wir mit der Bahn nach Torremolinos. Die
Hochhäuserkultur und das gesamte touristische Ambiente missfällt meinen
Mitreisenden. Wir wandern am Strand entlang und sammeln Muscheln, nur einige
Mutige haben sich an diesem tristen Novembernachmittag an das Wasser gewagt.
Gegen Abend begeben wir uns zum Flughafen.
März/April 1997
Dieses Mal bin ich allein unterwegs und fliege von Hannover wiederum bis
Málaga.
Gleich nach der Ankunft bemühe ich mich um einen Bus und fahre sofort weiter
nach Sevilla, der mit 650.000 Einwohnern größten Stadt Andalusiens. Die
Hotelsuche bereitet einige Schwierigkeiten, denn die meisten Häuser sind
ausgebucht und haben keinen Platz mehr für mich, aber irgendwann habe ich
doch noch Erfolg. Ich hatte nicht bedacht, dass diese Stadt ein Zentrum für
Karfreitagsprozessionen ist und dementsprechend viele Besucher in der "Semana
Santa", in der Karwoche, zu Gast hier sind.
Mein erster Gang führt in die Innenstadt und ich bestaune die Kathedrale,
die zu den größten der Welt gehört. Sie wurde auf den Resten einer
ehemaligen Moschee erbaut und kann durch 9 Tore betreten werden, ein Tor
führt zum Patio de los Naranjos. Der Giraldo, ein Glockenturm, der
ursprünglich als Minarett errichtet wurde, ist 98 m hoch.
Im Laufe des Tages spaziere ich dann zum Alcázar mit dem Palacio Pedro I.
und sehe mir das ehemalige Judenviertel, Barrio de Santa Cruz, an.
Eine schöne Brücke, die Puente Isabell II, führt über den Guadalquivir. Von
hier hat man eine interessante Aussicht auf die Stadt.
Von ferne höre ich Musik und nach kurzer Zeit erblicke ich die ersten
Prozessionswagen, sie fahren direkt an mir vorbei und dann über die Brücke
ins Zentrum. Den ganzen Spätnachmittag und Abend werde ich jetzt
Prozessionsmärsche beobachten, mich durch Menschenmassen drängeln, staunen
und fotografieren. Ich bin sehr ergriffen, damit hatte ich nicht gerechnet.
Am Abend verteilen sich alle Zuschauer auf die umliegenden Tapa-Bars und man
braucht schon etwas Ellenbogengewalt, um an die Theke zu kommen und eine
Bestellung aufzugeben. Der Tinto verano, ein gekühlter junger Rotwein, wird
hier gern getrunken, mir hat er nicht so zugesagt, der konventionelle auf
Zimmertemperatur gehaltene Wein schmeckt mir besser und ich bin ihm nicht
untreu geworden.
Alles in allem ist Sevilla eine Stadt, die ich gern noch einmal wiedersehen
möchte, aber nicht während der Semana Santa.
In südwestlicher Richtung geht es weiter und mein nächstes Ziel heißt Jerez
de la Frontera, 175.000 Einwohner. Die Stadt ist weltbekannt wegen seiner
Weine bzw. seiner Sherryfabriken. Sherry ist der englische Name für Jerez.
Dicke Holzfässer mit dem edlen Nass stehen vor den Bodegas und natürlich
komme ich nicht umhin, einige Produkte dieses Ortes zu verkosten.
Heute ist Ostersonntag, dieser Feiertag scheint der Familie zu gehören, denn
die Innenstadt ist abends wie ausgestorben und ich habe Mühe, ein geöffnetes
Restaurant zum Abendessen zu finden.
Mit dem Zug fahre ich weiter bis Cádiz. Die Stadt hat 160.000 Einwohner und
liegt direkt an der Costa de la Luz resp. am Atlantik.
Die meiste Zeit verbringe ich in der schönen Altstadt, die auf einer
Landzunge liegt. Dabei erkunde ich die üblichen Sehenswürdigkeiten, so die
Alte und Neue Kathedrale und die Burg Santa Catalina. Mehrere Stunden
verbringe ich im Parque Genovés und erlebe hier abends einen schönen
romantischen Sonnenuntergang.
An einem Tag unternehme ich einen Ausflug nach Gibraltar. Leider hatte ich
versäumt, meinen Personalausweis mitzunehmen, ich musste ihn im Hotel
hinterlegen, und so wird mir der Eintritt nicht gestattet, schade. Und das
in einer Zeit, wo über Europäische Union und Währungseinheit diskutiert
wird. Aber die Fahrt ist nicht umsonst erfolgt, ich steige auf dem Rückweg
in Tarifa, am südlichsten Punkt Europas, aus und habe freie Sicht bis auf
das marokkanische Festland.
Mit dem Autobus geht es von Cádiz nach Marbella an die Costa del Sol. Direkt
am Busbahnhof entspricht ein Hotel meinen Vorstellungen. Auch in dieser
Stadt, in der eine halbe Million Menschen wohnen, ergibt sich ein gleiches
touristisches Programm. So findet man auch hier einen Leuchtturm Gibralfaro,
eine maurische Festung und die Alcazaba. Ich konzentriere mich aber lieber
auf den endlosen Strand, mache lange Spaziergänge am Wasser, beobachte das
touristische Treiben und statte den Strandbistros einen Besuch ab.
Abends gönne ich mir in einem Restaurant eine leckere Fischplatte. Die
Speisekarte gibt es auch in kyrillischer Schrift.
An einem der nächsten Tage fahre ich in einen Vorort in der Nähe der
Stierkampfarena und treffe mich als Vertreter von Call ´n Deal mit einigen
zukünftigen Geschäftsfreunden aus England und Spanien. Das Gespräch und die
Verhandlung verlaufen in meinem Sinne und wir verabschieden uns herzlich.
Aber es kam dann, aus Gründen, auf die ich hier nicht weiter eingehen will,
doch nur zu einer kleinen kurzen Zusammenarbeit.
Der Urlaub neigt sich dem Ende zu und ich denke bereits an den Heimflug.
Anstatt bis Málaga durchzufahren, steige ich bereits in Torremolinos aus und
verbringe hier die letzte Nacht.
Ganze Heerscharen von Touristen sind unterwegs, das Warenangebot an
Souvenirs, Sonnencreme, Geschenkartikel, Mitbringsel und anderen typischen
Ferienartikeln ist unübertrefflich. Auch hier verweile ich einige Stunden am
Meer und gebe mich meinen Gedanken hin.
Abends halte ich mich die ganze Zeit draußen auf, esse frische Meeresfrüchte
am Stand, genieße den guten spanischen Wein und kaufe hier und da eine
kulinarische Leckerei.
Andalusien ist schon toll.
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