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Palacio Carlos V.
Blick auf Granada
und im Hintergrund die Sierra Nevada
Myrtenhof
Löwenhof gestern
Löwenhof heute
Alhambra
Blick auf Gibraltar
Affen in Position
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Frühling an der Costa del Sol
Torremolinos, Granada, Gibraltar
Text und Fotos: Horst Wehrse
Torremolinos
An den letzten Tagen meines sechsten Lebensjahrzehnts
möchte ich es noch einmal richtig "krachen lassen". Deshalb fahre ich nach
der Landung in Malaga mit dem Zug gleich weiter bis Torremolinos. Der Ort
gilt zwar wegen der Hochhäuser als gewöhnungsbedürftig, dafür ist aber, wie
ich mich erinnere, abends richtig was los. Im Hotel "Marina Sur" hatte ich
ein preiswertes Zimmer gebucht. Es liegt ein paar hundert Meter vom Strand
entfernt, in die Innenstadt benötigt man zu Fuß etwa eine halbe Stunde.
Schnell einchecken, kurz frisch machen und schon kann
der Abend beginnen. Jetzt im März 2010 zeigt das Thermometer abends noch
angenehme 15 Grad an, tagsüber steigen die Temperaturen auch schon auf über
20 Grad. Welch ein Unterschied zu den kalten Monaten in Deutschland, wo sich
der seit Jahrzehnten stärkste und längste Winter noch nicht endgültig
verabschiedet hat.
Auf dem Weg ins Zentrum komme ich an diversen Bars,
Diskotheken und Nachtclubs vorbei, doch sie haben geschlossen. Liegt es
daran, dass heute Sonntag ist? Später in den Fußgängerzonen begegne ich nur
älteren Leuten und konstatiere, der Reiseführer hat doch Recht wenn er
schreibt, dass Torremolinos außerhalb der Saison den Werbeverkaufsfahrten
und Reisegruppen jenseits der 70 vorbehalten ist. Dieser Eindruck bestätigt
sich auch Stunden später im "Marina Sur", wo die Hotelbar zum Ballsaal für
Seniorentanz umfunktioniert war.
Am nächsten Morgen checke ich aus, fahre mit dem Zug
nach Malaga, gehe zum benachbarten Busbahnhof und nach ein paar Minuten
starten wir nach Granada. Unterwegs kommen wir an riesigen Olivenhainen
vorbei. Rund zwei Stunden später erreichen wir unser Ziel.
Granada
Ins Zentrum der vielleicht schönsten, von vielen
Dichtern besungenen und auf alle Fälle einer der berühmtesten Städte
Spaniens, kommt man mit dem Bus 3 oder 33. Die Strecke führt an der
imposanten Stierkampf-Arena vorbei. Rund 240.000 Menschen wohnen in Granada.
Ich bitte den Fahrer um einen Hinweis, wenn wir in Hotelnähe sind und gehe
dann die restliche Strecke zu Fuß. Die nächste Nacht werde ich im Hotel "Don
Juan" unterkommen. Es wird gerade renoviert und einem Aushang entnehme ich,
dass die Zimmerpreise in der Saison fast doppelt so hoch sind wie heute.
Im warmen Licht der Frühlingssonne mache ich mich
sofort auf den Weg zur Alhambra, dem Wahrzeichen der Stadt. Es ist
nicht sehr weit, schon nach kurzer Zeit bin ich am eindrucksvollen Plaza de
la Trinidad in Sichtweite der Kathedrale. Am Plaza Isabel la Catolica
starten Busse der Linie 30 zum Eingang des "maurischen Märchenschlosses".
Die Anzahl der Besucher vor dem Eingang ist
übersichtlich und nach nur kurzer Wartezeit erhalte ich das begehrte Ticket.
Für die Begehung des Palacio Real ist eine exakte Uhrzeit vorgegeben, in
zwei Stunden bin ich an der Reihe. Mein Reiseführer schreibt, dass es in der
Saison gar nicht möglich ist, eine Eintrittskarte für denselben Tag zu
erhalten und dass eine Internetreservierung sinnvoll und empfehlenswert ist.
So habe ich genügend Zeit, die anderen
Sehenswürdigkeiten der "Roten Festung" in Ruhe zu besichtigen. Zunächst gehe
ich zum Generalife, dem früheren Sommersitz der Nasriden-Könige.
Glücklicherweise sind nur einige Gruppen unterwegs und so habe ich viele
Gelegenheiten, diese paradiesische Gartenanlage in Ruhe und ganz entspannt
auf mich einwirken zu lassen. Gerade jetzt, im warmen Licht der
Nachmittagssonne, entfalten die Wasserspiele eine zauberhafte Atmosphäre.
Nun wird es Zeit für die Festung. An Bäumen mit reifen
Orangen geht es vorbei, im Hintergrund leuchten die schneebedeckten Berge
der Sierra Nevada. Zunächst sehe ich mir den Hamman an, das in moslemisch
geprägten Gebieten immer anzutreffende Badehaus.
Und dann bin ich auch schon auf dem ältesten Bereich
der Alhambra, der Festung Alcazaba. Sie ist wegen ihrer roten Mauern für den
Namen verantwortlich, al-Hamra heißt übersetzt "Die Rote". Vom 26 m hohen
Turm "Torre de la Vela" bietet sich eine wunderbare Sicht auf die Umgebung,
auf die Berge der Sierra und auf die zahlreichen Höhlen des Sacromonte.
Nachdem ich mir den runden Innenhof des Palacio Carlos
V. mit seinen Säulengalerien angesehen habe, wird es Zeit für den
Königspalast der Nasriden, der auch, wie andere einmalige Sehenswürdigkeiten
ebenfalls, manchmal als Achtes Weltwunder bezeichnet wird.
Eigentlich bin ich ganz froh, dass die Anlage nur
kontrolliert betreten werden darf, denn so verläuft sich die Menge und man
kann die Pracht der maurischen Baukunst einigermaßen in Ruhe betrachten.
Der Palast besteht aus drei Bereichen: dem Mexuar, dem
Serrallo und dem Harem. Der Mexuar diente in früherer Zeit Versammlungen und
war Gerichts- und Empfangssaal. Er besticht durch seine herrlichen
Azulejo-Kacheln und der einmalig schönen Fassade.
Und doch wächst meine Begeisterung im Serrallo, dem
nächsten Komplex. Der Myrtenhof (Patio de los Arrayanes oder Patio de
Comares) ist in seiner Schönheit einmalig und nicht nur ich bin ergriffen
von dieser Pracht. Säulen und Ornamente, die Wasserspiegelung im Zierbecken,
all das wird in einer Leichtigkeit vorgestellt, wie man es selten erlebt.
Auch der Saal der Gesandten (Sala de los Embajadores) bringt seine Besucher
in Verzückung. Im Prunkraum staune ich über die Deckenkuppel aus Zedernholz
und die unterschiedlichen Wandarabesken.
Der Harem mit seinem berühmten Löwenhof (Patio de los
Leones) gilt als absoluter Höhepunkt der Alhambra, als das Glanzstück der
islamischen Baukunst – nur, die Löwen sind weg. Tatsächlich, sie werden
zurzeit restauriert. Mich stört es nicht so sehr, da ich mich von einem
früheren Besuch noch gut an diesen Brunnen erinnern kann. Zur
Veranschaulichung erlaube ich mir, in diesem Bericht ein früheres Foto zu
positionieren. Der Hof ist von Arkaden umsäumt. In diesem Bereich sehe ich
mir noch die Sala de los Abencerrajes mit der herrlichen Kuppeldecke und die
Sala de los Hermanas mit ihrer wunderschönen Stalaktitenkuppel an. Die Sala
de los Reyes ist geschlossen und kann momentan nicht besichtigt werden.
Total begeistert, aber auch ergriffen von dieser
schwerelosen Eleganz und Leichtigkeit des Gesehenen, fahre ich mit dem Bus
zurück zur Kathedrale. Einen Abstieg über den Sacromonte, wie beim
vorherigen Mal, versage ich mir. Der geneigte und interessierte Leser mag es
im früheren Reisebericht nachlesen.
Vor der Kirche werden auf langen Tischen Kräuter aller
Art und Teesorten in verschiedenen Variationen angeboten. Die Catedral Santa
Maria de la Encarnación wurde auf den Resten einer Moschee gebaut und 1561
eingeweiht. Endgültig fertig gestellt war sie allerdings erst im Jahre 1704.
Hohe, mächtige Säulen prägen den Innenraum. Die halbrunde Capilla Mayor
bildet das Prunkstück des Gotteshauses.
Leider ist es schon zu spät, die Capilla Real, die
Grabstätte der Katholischen Könige, zu besichtigen. Mein Ärger hält sich
jedoch in Grenzen, da ich früher schon einmal Gelegenheit zu einem Besuch
hatte.
Am Plaza de la Trinidad suche ich mir draußen einen
gemütlichen Platz, ruhe mich ein wenig aus und entspanne mich mit ein paar
Flaschen Alhambra-Bier. Das Gesehene und Erlebte muss erst einmal
verarbeitet werden. Was passt besser dazu als ein Bocadillo Andaluz, ein
Brötchen mit Serrano-Schinken und Sobrasada, einer Paprikastreichwurst.
Abends halte ich mich in mehreren Tapas-Bars auf und
genieße die andalusische Gastfreundschaft. Zu jedem Getränk wird kostenlos
ein Schälchen mit leckeren Tapas gereicht. So stärke ich mich mit Oliven,
Serranoschinken, Baguette, gekochtem Fleisch und kann auf ein separates
Abendessen verzichten. Auf meine Bestellung nach einem vino tinto wird
meistens ein wirklich angenehm temperierter und gut trinkbarer Rioja zu
einem akzeptablen Preis serviert. Auf großen Bildschirmen flimmern
Aufzeichnungen der Fußballspiele des Wochenendes. Hin und wieder kommen
fliegende Händler, meist mit schwarzer Hautfarbe, und bieten preiswerte CDs
und DVDs an.
Nach einem kleinen Frühstück in einer Bar in der Nähe
des Hotels fahre ich anderntags zurück zum Busbahnhof. Etwa 100 Menschen
stehen vor den zwei Fahrkartenschaltern und hoffen, dass es bald weitergeht.
Einen derartigen Andrang habe ich an einem solchen Ort noch nicht erlebt.
Plakate werben für Busfahrten nach Rumänien für 80,- Euro.
Zurück in Torremolinos checke ich einmal mehr im
bekannten Hotel ein und halte mich nachmittags am Strand auf, spaziere am
Wasser entlang und verweile in einigen Beach-Bars. Es ist warm und sonnig.
Hohe Wellen peitschen über die stürmische See. Den Abend verbringe ich
wieder im Zentrum und zum Schluss kehre ich noch in eine Bar in Hotelnähe
ein und belohne mich mit leckerem Serrano und ein paar Gläsern Rioja. Auf
einem Bildschirm wird die Championsleague-Begegnung Chelsea vs. Inter
Mailand, auf dem anderen das Spiel Sevilla gegen Moskau gezeigt. Am ersten
Abend hatte ich hier verfolgt, wie Barcelona gegen Valencia 3 : 0 gewonnen
und Messi 3 Tore im Gehäuse von Werders nächstem Europaleague-Gegner
versenkt hatte.
Wurde mir beim letzten Mal der Eintritt in die
Halbinsel Gibraltar verwehrt, weil ich keine Ausweispapiere dabei hatte,
habe ich vorgesorgt und gehe am folgenden Tag mit allen wichtigen Dokumenten
versehen zum Busbahnhof. Die Fahrt nach La Línea de la Concepción dauert
etwa 2 ½ Stunden.
Von hier sind es nur noch ein paar Schritte bis zur
Grenze. In Torremolinos werden auch Tagesausflüge nach Gibraltar für 15,--
Euro angeboten, allerdings starten sie schon um 7.00 Uhr, und das kommt für
mich auf keinen Fall in Frage.
Gibraltar
Jetzt bin ich also in Großbritannien. Was für ein
Unterschied zum spanischen Festland: Rote Telefonhäuschen, rote
Doppeldeckerbusse, Geschäfte mit englischem Namen und Straßenbezeichnungen
in englischer Sprache. Allerdings herrscht kein Linksverkehr, hier hat man
doch die Tradition des Festlandes bewahrt.
Mit dem Bus Nr. 3 fahre ich zur Talstation der Cable
Car. Gleich hinter der Grenze wird die Start- und Landebahn des Flughafens
von einer öffentlichen Verkehrsstraße geteilt. Für die Fahrt mit der
Seilbahn auf den Upper Rock sind 11,50 Euro zu entrichten und ist somit kein
billiges Vergnügen. Oben angekommen werden alle Fotoapparate auf die fotogen
auf den Mauern sitzenden Affen gerichtet. Es ist aber auch wirklich drollig,
den agilen Tieren zuzusehen und zu beobachten, wie sie elegant und behände
ihre Kletterkünste zeigen. Leider ist es heute etwas diesig und die Sicht
reicht nicht allzu weit. Bei gutem Wetter soll man von hier einen guten
Blick bis Marokko haben.
Mit der Cable Car fahre ich zurück zur Mittelstation
beim Affenfelsen Apes Den. Am Straßenrand parken ein paar Minibusse. Die
Fahrgäste erfreuen sich an den niedlichen Affen, die hier in noch größerer
Anzahl anzutreffen sind. Auf dem Weg ins Tal komme ich noch an den Great
Siege Tunnels vorbei, versage mir aber den Besuch, da Eintritt verlangt
wird. Nach Kriegschauplatz und Verteidigungsanlagen steht mir heute nicht
der Sinn. Auch hier sitzen etliche Affen auf den Mauern und, wie auf
Kommando, lausen sie sich gegenseitig. Etwas weiter unten ist noch das
Moorish Castle, ein maurisches Kastell aus dem 14. Jahrhundert, zu
besichtigen.
Natürlich darf ein Besuch eines englischen Pubs nicht
fehlen und so kehre ich im Zentrum in ein Lokal ein und bestelle mir ein
Pint. Man hat wirklich den Eindruck, auf der britischen Insel zu sein.
Entlang der Main Street gehe ich in Richtung Grenze und überquere, nachdem
ich mich überzeugt habe, dass von links und rechts kein Flugzeug kommt, zu
Fuß die Start- und Landebahn. Die Grenzbeamten werfen einen gelangweilten
Blick in die Tüten der ausreisenden Gibraltar-Besucher.
Mit dem Bus geht es zurück, in Marbella muss ich, warum
auch immer, das Fahrzeug wechseln. Das Abendessen nehme ich in der Nähe des
Busbahnhofs in einer sehr reizvollen Tapas-Bar ein. Erstaunlicherweise
herrscht hier in den Lokalen noch kein Rauchverbot.
In der Hotelbar des "Marina Sur" haben die Animateure
das Wort. Zeit für mich, schnellstens das Haus zu verlassen, denn an
angenehmen und interessanten Lokalen mangelt es in Torremolinos wirklich
nicht.
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