Australien
Erlebnisse in Down under
Text und Fotos: Horst Wehrse
Pünktlich um 18.oo Uhr
hebt die Boeing 747 ab und stößt durch die dicke Wolkendecke über Frankfurt.
Es ist Spätsommer in Deutschland, wir schreiben den 02. September 1997.
Den ersten Stopp wollen
wir, das sind Reiner und ich, in Singapur einlegen. Nach knapp 12 Stunden
setzt der Flieger zur Landung an, über 10.200 km liegen hinter uns, der
Zeitunterschied beträgt sechs Stunden und es ist bereits Mittag.
Singapur
Das "New Park Hotel" in der Kitchener Road
hatten wir schon in Deutschland gebucht, wir steigen in ein Taxi und kurze
Zeit später können wir einchecken. Im Hotel-Foyer zeigt ein Monitor die
Abflugzeiten an. Es ist sehr lebhaft, immer klingelt irgendwo ein Handy.
Trotz der schwülen Tropenhitze wagen wir
einen Spaziergang, orientieren uns Richtung Arab-Street und lassen uns dann
doch lieber in einer Trishaw chauffieren, den Preis können wir auf die
Hälfte herunterhandeln.
Nach dem Besuch der Sultan-Moschee genießen wir die
angenehme Kühle in einem riesigen supermodernen Kaufhaus. Den ersten Abend
verbringen wir im Hotel, die Cocktails sind zwar immens teuer, dafür gibt es
aber ein gutes Restaurant, Diskothek und Life-Musik.
Am nächsten Morgen nehmen wir an einer Stadtrundfahrt
teil und besuchen u. a. Little India, China-Town mit den schönen
chinesischen Tempeln und dem beeindruckenden Sri Mariamman Tempel, dem
bedeutendsten tamilischen Heiligtum des Stadtstaates.
Zum Schluss fahren wir noch in den
botanischen Garten.
Unser Mittagessen nehmen Reiner und ich im
Marine-Center in einem "Hawker-Stall" ein, hier sind etliche preiswerte
Garküchen unter einem Dach angesiedelt und man kann sich sein Menü an
verschiedenen Ständen zusammenstellen.
Das legendäre Raffles-Hotel sehen wir nur von außen,
unser nächster Gang führt uns zum Merlion, dem Wahrzeichen Singapurs.
Besonders beeindruckt hat mich diese wasserspeiende Löwenfigur aber nicht.
Den Abend genießen wir am Singapur-River,
hier gibt es zahllose Restaurants und Bars, Life-Musik und Entertainment.
Während des Essens werden wir Zeuge einer Filmaufnahme.
Der Weg zurück ins Hotel ist sehr
kompliziert, erst nach langer Zeit gelingt es, ein Taxi anzuhalten, nachdem
uns etliche Taxifahrer einfach ignoriert hatten, warum auch immer.
Die Kinder in Singapur wachsen zweisprachig
auf, sie lernen englisch als Verwaltungssprache und entweder malaiisch,
mandarin (chinesisch) oder tamil (indisch), je nach Herkunft oder
Zugehörigkeit.
Aufgrund der Bevölkerungsexplosion müssen
dem Meer riesige Flächen Land abgerungen, befestigt und bebaut werden und
ein Ende ist noch immer nicht abzusehen. Vor 25 Jahren lag ein Teil der
jetzigen Innenstadt noch im Wasser.
Dem Land fehlen rund 500.000 Arbeitskräfte, sie
werden, so gut es geht, aus dem Ausland rekrutiert, Singapur vergibt
jährlich 30.000 Greencards.
Obwohl ich schon viel über die Sauberkeit
Singapurs gelesen habe, bin ich doch mehr als erstaunt und kann gar nicht
begreifen, dass wir hier in Asien sind. Nicht nur Papierkörbe sind neben der
Straße angebracht, auch Aschenbecher stehen in verschiedenen Abständen zur
Verfügung, wo hat es das auf diesem Kontinent schon gegeben.
Der Abschied von Singapur rückt näher und schon sitzen wir im Flugzeug, das auf dem Weg nach
Sydney noch je einen Stopp in Jakarta und Denpasar einlegt.
Erstaunlicherweise fragt keiner beim Auschecken nach Drogen und noch mehr
wundere ich mich, dass die Flughafensteuer nicht, obwohl im Reiseführer so
beschrieben, verlangt wird.
Australien
Nach gut fünf Stunden Flugzeit sind wir endlich am Ziel, ein herrlicher Sonnenaufgang verschönert
uns den letzten Teil der Strecke.
Die Passformalitäten gehen schnell über die
Bühne, nur der Zoll scheint etwas gegen Rucksacktouristen aus Singapur zu
haben und kontrolliert sorgfältig deren Gepäck. Nun sind wir an der Reihe.
Ein freundlicher Mann fragt mich, ob ich Drogen, Waffen oder andere
verbotene Sachen bei mir habe und ob die Zolldeklaration richtig ausgefüllt
ist, danach packt er meinen ganzen Rucksackinhalt aus. Reiner ist längst
abgefertigt, ich werde nach Beruf und Einkommen gefragt. Es dauert und
dauert, auch das Flugticket muss ich vorzeigen, es kommen weitere
Dienstgrade hinzu, prüfen mein Gepäck, und endlich erklärt mir jemand das
Problem: Bei der Menge der Visumstempel in meinem Pass ist es nach Meinung
der Zollbeamten einfach nicht möglich, nur als Tourist unterwegs zu sein,
wahrscheinlich verschweige ich die wahren Hintergründe der Reise.
Aber man kann mir logischerweise nichts
anhängen und nach einer guten halben Stunde ist die Prozedur beendet, wir
steigen in den Autobus und fahren zur "Challis Lodge" im Stadtteil Kings
Cross, das Zimmer hatten wir im Flughafen telefonisch reserviert.
Nach kurzer Erholungspause gehen wir dann in
die Innenstadt und lassen uns vom Zauber der Stadt gefangen nehmen. Die
gewaltige Harbour-Bridge und die wunderschöne Schwimmoper, jetzt stehen wir
davor. Man hat den Eindruck, dass das Opera House mit seinen segelförmigen
Dächern auf dem Wasser schwimmt. Auf der einen Seite des Gebäudes wurden
etliche Blumensträuße anlässlich des Todes von Prinzessin Diana
niedergelegt.
Wir schließen uns einer Führung durch die
Oper an und erfahren, dass der Bau bis zur Fertigstellung einige Skandale zu
überstehen hatte. Die Kosten wurden zunächst mit 10 Mio. Dollar
angesetzt, zum Schluss war der zehnfache Preis fällig. Der Schöpfer der
genialen Konstruktion, ein Däne, hat zwischendurch die Arbeit frustriert
niedergelegt und das fertige Bauwerk angeblich nie gesehen.
Auf einer Hafenrundfahrt kann man die
interessante Skyline von Sydney bestaunen, das Ensemble Oper und
Harbour-Bridge immer dominant im Vordergrund. Aber auch sonst war es eine
schöne Bootstour, die Bewohner von Sydneys Außenbezirken leben nicht
schlecht.
In Darling-Harbour, dem alten und früher
verwahrlosten Hafenbezirk, verbringen wir einen Nachmittag und einige
Abende. Etliche Lokale und andere Attraktionen laden ein zum Verweilen,
Menschen strömen durch die Straßen und es ist viel los. Einmal fahren wir
mit der Monorailbahn und besuchen das Aquarium. Aber auch den normalen
Bierkneipen in Kings Cross, dem Rotlichtviertel, statten wir einen Besuch
ab.
Alles in allem ist Sydney für mich eine
pulsierende, moderne, interessante und freundliche Stadt, die ich gerne noch
einmal wiedersehen möchte.
Unser nächstes Ziel heißt Adelaide, reine
Fahrzeit etwa 23 Stunden. Mit der U-Bahn fahren wir zur Central-Station und
checken am Schalter der Buslinie "Firefly" ein.
Das Wetter ist sehr unterschiedlich, mal
regnet es, mal scheint die Sonne, genau wie bei uns im April. Während der
Fahrt schlafe und lese ich viel, es werden auch Videos gezeigt.
Nach 12 langen Stunden erreichen wir gegen
20.oo Uhr Melbourne, steigen in einen anderen Bus, einen Doppeldecker, und
fahren in die Nacht hinaus.
Am Busbahnhof in Adelaide warten bereits
einige Fahrzeuge der Backpackerhotels auf uns. Wir lassen uns die Angebote
unterbreiten und entscheiden uns für das "Adelaide Backpacker Inn", es ist
gemütlich, preiswert und zentral gelegen.
In einer uralten Straßenbahn mit Schaffner
fahren wir an den Indischen Ozean und faulenzen dort den ganzen Nachmittag,
abends berauschen wir uns an einem schönen Sonnenuntergang.
Die Innenstadt ist wie vom Reißbrett
angelegt, die Straßen verlaufen schachbrettartig. Es gibt viele Parks. Dem
20 Autominuten entfernten Cleland Conservation Park statten wir einen Besuch
ab und schauen uns Känguruhs, Dingos, Emus, Koalas und den Tasmanischen
Teufel an.
Das Abendprogramm ist nicht mit dem von
Sydney zu vergleichen, aber wir haben nichts auszustehen. Hier in Adelaide
habe ich immer das Gefühl, in England zu sein. Die Gebäude, die Kirchen, die
Pubs - man hätte sie auch in Manchester vorfinden können.
Das Outback ruft!
Pünktlich um 14.oo Uhr setzt sich der Ghan,
der legendäre Zug von Adelaide nach Alice Springs, schwerfällig in Bewegung.
Zunächst schnauft er an Gemüseplantagen vorbei, der erste Halt erfolgt nach
drei Stunden. Einen gewaltigen Sonnenuntergang erleben wir gegen 18.oo Uhr
auf dem Bahnhof in Port Auguste. Einige Tafelberge sind in der Ferne zu
erkennen, dann legt sich schwere Dunkelheit über das Land.
Der Zug ist in drei Klassen eingeteilt, wir
fahren in der preiswerten. Leider dürfen wir uns nur am Kiosk bedienen, das
Restaurant bleibt uns verschlossen und nur den besseren Plätzen vorbehalten.
Aber wir kommen auch so zurecht. Genau wie im Flugzeug zeigen auch hier
Monitore den Streckenverlauf an.
Auffallend viele Aborigines reisen mit uns,
knapp 200.000 der Ureinwohner sollen noch in Australien wohnen. 1967 wurden
ihnen zwar die Bürgerrechte verliehen, sie sind aber nicht in die
Gesellschaft integriert, werden vom Staat unterhalten und müssen nicht
arbeiten. Es besteht zwar Schulpflicht, aber niemand kontrolliert die
Einhaltung. Der Rassismus ist noch gegenwärtig.
Am nächsten Morgen befinden wir uns schon im
"red country", rote Erde, soweit das Auge reicht. Ich habe schlecht
geschlafen und bin froh, dass die Nacht vorbei ist. Einige Kinder quengelten
und immer lief jemand an meinem Platz vorbei zum Raucherabteil.
Als wir Alice Springs kurz nach 10.oo Uhr
erreichen, warten schon diverse Fahrzeuge der Backpackerhotels auf uns, wir
entscheiden uns für "Nomads Ossies Homestead", das Doppelzimmer kostet 32
Austr. Dollar oder rund 40,- DM. Als Haustiere leisten uns drei Känguruhs
Gesellschaft.
Wir organisieren die nächsten Trips und
tauschen Geld. Ein Austr. Dollar entspricht etwa 1,30 DM. Die
Bankangestellten haben ein Namensschild mit Vornamen angesteckt.
Zum Abendessen lassen wir uns
Känguruhfleisch munden, es schmeckt sehr lecker, wir hätten uns auch für
Kamelfleisch entscheiden können. Später habe ich es einmal probiert, mochte
es aber nicht so gern. Einige Trucker am Nebentisch schaufeln Unmengen in
sich hinein, kleine Steaks, einige Würstchen, Speck und riesige Portionen
Pommes, es passt beinahe nicht auf den Teller.
Im Vergleich zu Sydney und Adelaide sehen
wir hier viele Aborigines, einige sitzen im ausgetrockneten Flussbett und
betrachten diesen Platz als ihr Heiligtum.
Leider kann ich mich gegen Reiner nicht
durchsetzen und so schließen wir uns einer Tour zum Ayers Rock an, ich hätte
mir lieber ein Auto gemietet.
Aber es ist auch so aufregend und
interessant. Wir fahren in einem Minibus, das Gepäck im Anhänger. Als erstes
steuern wir eine Kamelfarm an. Ralph, unser Fahrer und Guide, erzählt uns,
dass es in Australien noch sehr viele Kamele gibt, dass sogar viele Tiere
exportiert werden, u. a. nach Saudi Arabien.
Am Straßenrand liegen viele Reifen, ab und
zu ein Tierkadaver. Einmal halten wir noch an und sammeln Holz für das
abendliche Lagerfeuer.
Plötzlich geht ein Raunen durch den Bus, der
Ayers Rock ist angeblich zu sehen, es ist aber "nur" der ebenfalls isoliert
in der Landschaft stehende Mt. Connor.
Dann endlich haben wir die 420 km geschafft
und belegen einige Zelte im Ayers Rock Resort.
Nach einer kurzen Pause fahren wir zum
ersten highlight des Tages, zu den Olgas. Der höchste der 36 Berge oder
Felsen, der Mt. Olga, ist mit 546 m noch höher als der Ayers Rock.
Nachdem Ralph sich überzeugt hat, dass wir
alle mit genügend Wasser versorgt sind, beginnen wir einen etwa einstündigen
Treck in die Olgas.
Dann, 30 Kilometer weiter, können wir ihn
erkennen, den Ayers Rock oder Uluru, Australiens bekanntestes Wahrzeichen.
Der Monolith ist knapp 350 m hoch und 3,5 km
lang. Wir fahren hin, den berühmten Sonnenuntergang erleben wir leider
nicht, da es zu bewölkt ist. Dennoch wird zur Feier des Tages Wein gereicht,
die Veranstalter in den Bussen neben uns schenken Sekt aus.
Zurück im Resort beginnen wir mit dem Kochen
und setzen uns anschließend um das Lagerfeuer herum. Ralph erzählt uns viele
Geschichten über die Entwicklung von Australien, über die Situation der
Aborigines und über andere aktuelle Begebenheiten.
Nachts regnet es etwas.
Am nächsten Morgen stehen wir um 5.oo Uhr
auf, Reiner meint, das ist doch kein Urlaub.
Nach einem kurzen Frühstück müssen wir
leider erkennen, dass das Erlebnis Sonnenaufgang auch nicht zu realisieren
ist, die Wolkendecke ist einfach zu dick.
Wir fahren zurück zum Uluru und umrunden ihn
einmal zu Fuß, es sind immerhin neun Kilometer. Einige Mitreisende besteigen
den Monolith, Reiner und ich nehmen davon Abstand, weil diese Besteigung den
religiösen Vorstellungen der Aborigines widerspricht.
Das Wetter bessert sich und in der Ferne
sind die Olgas im Sonnenlicht zu erkennen.
Einige Momente halten wir uns in der Basis-
oder Kulturstätte auf, ich kaufe ein paar Andenken. Danach geht es weiter
ins 300 km entfernte Kings Resort.
Abends dann die gleiche Prozedur wie am
Vortag. Essen kochen, sich unterhalten, Bier trinken. Meine Aufgabe ist es,
Geflügel in Kräutern zu panieren.
Es schmeckt wieder köstlich. Die
Unterhaltung am Lagerfeuer ist auch heute sehr romantisch, interessant und
beeindruckend, ich muss aber oft nachfragen, denn das australische Englisch
ist doch sehr gewöhnungsbedürftig. Gestern habe ich zum Beispiel nicht
verstanden, dass wir uns duschen können, unter Ralphs "showering" verstand
ich immer nur "sharing" und konnte mir keinen Reim daraus machen. In der
Gruppe fühle ich mich sehr wohl, die Mitreisenden, zumeist Australier, sind
sehr freundlich und bemüht, dass es uns an nichts mangelt.
An diesem Abend können wir das Kreuz des
Südens gut erkennen.
Das Biertrinken bildet in Australien, die
Verschlüsse der Sorte XXXX haben Fragen und Antworten auf der Unterseite,
vergleichbar mit Trivial Pursuit.
Unser nächstes Frühstück nehmen wir stehend
am Lagerfeuer ein, Toast vom Rost, heißes Wasser vom Feuer.
Dann fahren wir zum Kings Canyon und wandern
einige Stunden in der Morgenkühle. Ein Teil des riesigen Canyons war vor 250
Mio. Jahren ein See, man sieht im Gestein noch die Rillen, ähnlich wie im
Wattenmeer.
Die Formationen sind sehr unterschiedlich,
manchmal denkt man, in der Wüste zu sein, kurz darauf wandert man durch den
Garten Eden, der hier wirklich so heißt. Einmal nehmen wir ein kühles Bad.
Die Aussichten sind grandios, man kann sich spektakulär an die Felskante
legen oder auf einen Felsausschnitt stellen
Auf dem Heimweg nach Alice Springs verspüre
ich leichte Zahnschmerzen und nehme vorsichtshalber eine Tablette.
Abends treffen wir uns fast komplett im
Scotties. Leeuw, die ebenfalls zu unserer Gruppe gehörte, ist Gitarristin
und hat dort einen Auftritt.
Beim Einchecken für den Weiterflug nach
Cairns wird nicht nach unserem Pass gefragt, auch die Hotels legen keinen
Wert auf Vorlage dieses Dokuments.
Wir können uns den besten
Platz aussuchen, denn von den 73 Sitzen im Flugzeug sind nur 25 belegt.
Nach etwas mehr als zwei Stunden setzen wir zur Landung an.
Die Stadt Cairns selbst interessiert uns
nicht so sehr, wir möchten lieber an den Strand und buchen im Flughafen ein
Appartement in den "Casablanca Domes" in Trinity-Beach.
Die einzelnen Unterkünfte sind Iglus
nachgebaut, wir müssen nur die Straße überqueren und schon sind wir am
Ozean. Meine Urlaubsfreude wird durch öfter wiederkehrende Zahnschmerzen
getrübt.
Am nächsten Morgen stehen wir zeitig auf und
erleben einen wunderschönen Sonnenaufgang, der das Meer in goldenen Farben
leuchten lässt.
Der Hotelinhaber hatte mir die Adresse eines
Zahnarztes gegeben. Er soll gut sein, aber übermäßig teuer, wenn er Probleme
mit seiner Frau hat. Ich lasse es darauf ankommen und fahre mit dem Taxi
hin. Die Praxis ist voll und ich werde auf den nächsten Tag vertröstet. Eine
Mitarbeiterin organisiert dann aber einen Termin bei der Konkurrenz im acht
Kilometer entfernten Smithfield House.
Gleich nach der Ankunft muss ich ein
Patientenformular ausfüllen, die Schmerzen verstärken sich und ich werde
langsam unruhig. In der allgemeinen Aufregung fällt mir nicht ein, was die
Frage bedeutet, ob ich "pregnant" sei, ich frage nach und ernte lautstarkes
Gelächter.
Auf dem Röntgenbild erkennt die Zahnärztin
eine starke Zahnfleischentzündung, die auf einen Zahn übergegangen ist.
Nachdem sie mich entsprechend versorgt hat folgt noch eine einstündige
Parodontose-Behandlung. Alles ins allem werden 140 Austr. Dollar fällig, ich
hatte mit mehr gerechnet, bezahlen kann ich mit Kreditkarte.
Die nächsten Stunden sind nicht besonders schön.
Abends bin ich dann allerdings überrascht,
im Fernsehen das Bild eines Kollegen zu sehen. Herr Bretz vom Verband der
Vereine Creditreform in Neuss gibt auf der Deutschen Welle ein Statement
über die schlechte wirtschaftliche Situation in der Bundesrepublik ab.
An einem der nächsten Tage fahren wir mit
der Sky-Rail, einer Seilbahn, durch den Regenwald nach Kuranda. Dort
besichtigen wir den Nachtzoo und machen einen Spaziergang auf dem
Dschungelpfad, auch hier treffen wir wieder auf viele Aborigines.
Mit einem Museumszug geht es zurück nach
Cairns, einmal halten wir an, um einen rauschenden Wasserfall aus nächster
Nähe zu betrachten.
Den Rest dieses schönen Tages beschließen
wir mit einigen Flaschen Rotwein.
Auf unserer Reise durch Down under soll ein
Besuch des Great Barrier Reefs, des längsten Riffs der Welt, nicht fehlen.
Im Hafen von Cairns besteigen wir die "Compass"
und nach etwa drei Stunden erreichen wir Michaelmas Reef. Es ist
paradiesisch!
Weißer Sand, türkisfarbenes Wasser, nur das
Rauschen des Meeres im Ohr.
Wir schnorcheln und lassen uns dann aber zu
einem Tauch-Schnupperkurs überreden. Man gut, dass wir diese Investition
nicht gescheut haben. In kleinen Gruppen tauchen wir in acht Metern Tiefe
und haben die ganze Pracht der Unterwasserwelt vor Augen, Herz, was willst
du mehr!
Korallen, leuchtende Fische in allen Variationen,
einmal sehen wir sogar einen gut zwei Meter langen Hai. Es ist berauschend
und nicht in Worte zu fassen.
Bei der Weiterfahrt begleitet uns eine
Schildkröte im Wasser, manchmal ist ein fliegender Fisch zu sehen. Den
nächsten Tauchgang absolvieren wir dann am Saxon Reef und auch hier erleben
wir eine traumhafte Landschaft unter Wasser.
Ein wunderschöner Sonnenuntergang krönt
diesen besonderen Tag, nachts strahlt das Kreuz des Südens wieder auf uns
herab.
Nach dem Frühstück gehen wir noch einmal ins
Wasser und fahren dann zum Hastings Reef. Und auch hier wieder Fischschwärme
in allen Farben und leuchtende Korallen, es ist eine eigene grandiose Welt.
Die letzte Nacht auf dem australischen
Kontinent verbringen wir in Cairns im Backpacker "Parkview".
Schweren Herzens nehmen
wir Abschied.
Auf dem Flug nach Bali wird noch ein einstündiger Zwischenstopp in Darwin eingelegt.
Bali
Im Flughafen Denpasar befindet sich eine Hotelvermittlung, wir buchen das "Rama Graha" oder auf
englisch "Rama Garden" in Legian. Da wir uns in der Nebensaison befinden,
wird der Preis für ein Doppelzimmer von 60 auf 35 USD reduziert.
Der Taxifahrer versucht während der ganzen
Fahrt zum Hotel uns ein anderes Haus aufzuschwatzen, wahrscheinlich erhält
er eine Provision. Aber wir bleiben hartnäckig und haben es auch nicht
bereut. Es ist sauber, hat eine europäische Toilette, einen Pool und bis zum
Strand sind es nur 100 Meter.
Die nächsten Tage lassen wir es uns gut
gehen, baden viel, liegen in der Sonne, lassen uns am Pool massieren,
wandern am Strand, gönnen uns jeden Abend einen Sundowner und genießen das
tolle Essen. In den Strandlokalen gibt es frischen und ganz leckeren Fisch,
den Lobster und Snapper kann ich nur weiterempfehlen.
Abends kann es schon mal vorkommen, dass
eine Moskito-Coile unter den Tisch gestellt wird, um die gierigen Mücken zu
verscheuchen.
Fledermäuse fliegen in wildem Zickzack durch
die Luft.
Das Bier wird in doppelwandige Gläser
eingeschenkt, in dem Zwischenraum befindet sich Eiswasser zur Kühlung des
Getränks.
Einmal unternehmen wir einen Ausflug über
die Insel zum Beratan Tempel. Der Taxifahrer verlangt 15 USD für eine
Tagestour, ansonsten bezahlen wir in der Landeswährung.
Eine DM entspricht dem Gegenwert von 1.600
Rupien.
Ketuh, unser Fahrer, freut sich über das
Geschäft und erzählt uns allerhand über das Leben auf Bali.
So erfahren wir, dass die Regierung
kostenlos Kondome verteilt, um ihre Vorstellung einer Idealfamilie, Ehepaar
und zwei Kinder, zu erreichen.
Seine Ehefrau trägt eine Spirale.
Die Arbeitslosigkeit ist relativ hoch,
Arbeitslosengeld gibt es nicht.
Ketuh erhält 25 % des Fahrterlöses. Um
finanziell klar zu kommen, hat er gleich zwei Fahrerjobs, einen von 07 bis
17 Uhr, den zweiten von 19 bis 24 Uhr.
Es besteht Schulpflicht, die Einschulung
erfolgt im Alter von sechs Jahren. Die Schüler haben drei Schuluniformen,
die an bestimmten Tagen zu tragen sind. Nach sechs Jahren wird man ins Leben
entlassen, es sei denn, man wechselt auf eine Universität.
Auf Bali werden zwei Sorten Reis angebaut,
eine wird einmal, die andere zweimal im Jahr geerntet. Frauen verdienen als
Erntehelfer 4.000 Rupien am Tag.
Die Fahrt ist interessant, wir kommen an
vielen Reisterrassen vorbei und können einen guten Eindruck von der Insel
gewinnen. Vor vielen Häusern werden Hähne, zumeist Kampfhähne, in Käfigen
gehalten, unser Fahrer hatte früher 11 dieser Tiere, hat sich dann aber
davon getrennt.
Einmal legen wir an einem Kakaobaum einen
Stopp ein.
Beim Tempel ist allerhand los, viele Busse
halten auf dem Parkplatz, diesen Rummel hatte ich nicht erwartet. Vor dem
Eingang stehen einige Trompetenbäume.
Auf dem Rückweg sehen wir uns dann noch den
Felsentempel an. Auch dieses Bauwerk ist sehr beeindruckend, es steht direkt
im Meer und kann trockenen Fußes nicht erreicht werden. Hohe Wellen
klatschen an das Gemäuer.
Am endlosen Strand in Legian oder Kuta ist
immer was los. Viele Sonnenanbeter liegen im Sand und lassen sich bräunen.
Man sagt, Bali ist das "Mallorca der Aussis".
Eisverkäufer buhlen um Kundschaft, Frauen
sitzen in kleinen Gruppen unter einem Baum im Schatten und warten auf
Massagekunden.
Das Meer ist manchmal unruhig und eine rote
Fahne warnt davor, ins Wasser zu gehen.
Im Ort drängen sich Shop an Shop, Bar an
Bar, Küche an Küche. Musik dringt aus allen Himmelsrichtungen ans Ohr. Wir
begeben uns ein letztes Mal zu unserem Stammlokal und bestellen den letzten
Sundowner. Morgen geht es nach Hause.
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