|
[ Reiseberichte ]
[ nächste Seite ]

Slowenien. Reisehandbuch von Lore Marr-Bieger (Autor)
DUMONT Richtig Reisen Kroatien von Dietrich Höllhuber (Autor)
ADAC Reiseführer Kroatische Küste, Dalmatien von Rainer Höh (Autor), Peter Höh (Autor)
Bosnien-Herzegowina entdecken: Unterwegs zwischen Save und Adria von Marko Plesnik (Autor), Sabine Fach (Herausgeber), Bernd Schwenkros (Herausgeber)
Mozarts Geburtshaus
Mc Donalds in der Getreidegasse
Festung Hohensalzburg
Prešeren-Platz
Ljubljanica
Porec: Blick auf die Insel Sv Nikola
Porec: Sonnenuntergang am Hafen
Amphitheater in Pula
Amphitheater in Pula
Sergiusbogen
Pension Rudanovac
Nationalpark Plitwitzer Seen
Stadttor in Zadar
vor Trogir
Uhrturm in Trogir
Mostar: Blick von der Brücke
Dubrovnik
|
 |
An den Buchten des Balkans
eine Reise durch das ehemalige Jugoslawien
oder auch
Adria, Karl May und Sonne
Text und Fotos: Horst Wehrse
Starker Ferienverkehr und Staus auf der Autobahn bringen
meine Planung etwas durcheinander. Eigentlich wollte ich die erste Nacht
bereits in Österreich verbringen, schaffe es jedoch nur bis Bad Aibling in
der Nähe von Rosenheim. Aber auch in Bayern lässt sich ein Urlaub ganz gut
und angemessen beginnen. Aus beruflichen Gründen fahre ich bereits im
August, im September außerhalb der Ferienzeit wäre es sicherlich idealer
gewesen, kühler und preiswerter.
Salzburg
Am frühen Vormittag des nächsten Tages erreiche ich Salzburg, die Hauptstadt
des Salzburger Landes. Zwei 10-Tages-Vignetten für Hin- und Rückfahrt, in
Österreich auch Pickerl genannt, zieren schon meine Windschutzscheibe. Sie
sind für jeweils 7,70 Euro beim ADAC erhältlich. An der Tankstelle am
Stadteingang wundere ich mich über die günstigen Spritpreise, ein Liter
Superbenzin kostet nur 1,26 Euro, in Deutschland sind zu dieser Zeit 1,50
Euro fällig.
Bei schönem Sonnenwetter schlendere ich durch die Stadt, gehe ein Stück an
der Salzach entlang, trinke hier und da einen Kaffee, besuche Mozarts
Geburtshaus in der Getreidegasse und lasse mich einfach treiben. Die teils
schmiedeeisernen Geschäftsschilder und Zunftzeichen vor den Läden in den
großen Einkaufsstraßen finde ich äußerst gelungen, selbst Mc Donalds macht
auf diese Weise auf sich aufmerksam. Einige Male erhasche ich einen schönen
Blick auf die trutzige Festung Hohensalzburg. Bisher kannte ich die Stadt
nur im Winter als kulturellen Beitrag während des Ski-Urlaubs, ein Besuch
der Burganlage gehörte dazu.
Weiter geht es auf der Autobahn in Richtung Slowenien. Am Ende des 7.864 m
langen Karawankentunnels habe ich das Land erreicht, die Durchfahrt kostet
6,90 Euro, eine ebenfalls benötigte Jahresvignette 35,- Euro. Große
auffällige Schilder an der Autobahn informieren, dass eine Fahrt ohne diese
Mautkarte mit 300,- bis 800,- Euro bestraft wird.
Ljubljana
Die slowenische Hauptstadt, auf deutsch Laibach, ist kultureller,
wirtschaftlicher und auch geografischer Mittelpunkt des Landes. Ich habe
Mühe, einen Parkplatz im Zentrum zu finden, dann aber Glück und kann mein
Auto halbwegs günstig ein paar Meter vom Fluss Ljubljanica entfernt
abstellen. Die obligatorische Parkuhr füttere ich mit Eurocents.
Was ist hier los, Bistros, Restaurants, Cafés, ich fühle mich an Italien
erinnert. Viele Gäste sitzen draußen an einem Tisch auf dem Bürgersteig und
lassen sich das Eis oder Getränk schmecken. Es macht einfach Spaß, durch die
Altstadt zu gehen und die Szene zu beobachten.
So spaziere ich über den Prešeren-Platz (Prešernov trg) mit den schönen
Jugendstilhäusern und den Stadtplatz (Mestni trg), wo sich u. a. das Rathaus
befindet.
Am Alten Platz (Stari trg) suche ich mir ein schattiges Plätzchen und lasse
mich von der slowenischen Gastronomie verwöhnen, immer die Burg (Ljubljanski
grad) im Blick, die seit Jahrhunderten über der Altstadt schwebt.
Poreč
In südlicher Richtung geht es weiter. Bis Koper in Istrien, südlich von
Triest, fahre ich auf der Autobahn, überquere dann die Grenze nach Kroatien
und bleibe über Nacht in Poreč. Nur eine Straße trennt das Hotel "Poreč" vom
adriatischen Meer. Autos parken dicht an dicht, so dass ich auf einen
öffentlichen kostenpflichtigen Parkplatz ausweichen muss.
Die Stadt zählt etwa 11.000 Einwohner. Am Strand stehen die Verkaufsstände
eng aneinander gedrängt und bieten ihre Waren an, Wassertaxis und
Linienboote warten auf eine Überfahrt zu den vorgelagerten Inseln. Obwohl
Bistros, Restaurants und Pizzerien in der Altstadt mehr als zahlreich
vorhanden sind und das Straßenbild bestimmen, habe ich Mühe, einen freien
Tisch für das Abendessen zu finden. Die Kellner verbreiten etwas Hektik,
angeblich ist ein Teil des Personals krankheitsbedingt ausgefallen. Aber die
gegrillten Tintenfische schmecken köstlich.
Später spaziere ich am Strand entlang, fotografiere einen schönen
Sonnenuntergang und besuche einige Bars. Teilweise wird in den Lokalen
Lifemusik angeboten.
Am nächsten Morgen zeigt das Thermometer um 10.00 Uhr bereits 32 Grad an.
Ich gehe einer Empfehlung meines Reiseführers nach und besichtige die
Eufrasius-Basilika, die hier als sakrales Prunkstück Istriens beschrieben
wird. Die Verzierungen und Mosaiken dieser Kirche sind aber auch wirklich
einzigartig.
An schönen Weinbergen vorbei fahre ich zu meinem nächsten Ziel.
Pula
Mit etwa 64.000 Einwohnern ist Pula größte Stadt Istriens und die Metropole
der Halbinsel. Die Straßenschilder sind zweisprachig, nämlich in
Italienisch
und Kroatisch.
Das Amphitheater ist sicherlich das Wahrzeichen der Stadt. Ein deutscher
Tourist schenkt mir 4 Kn für den Parkautomat, denn hier komme ich mit meinen
Euromünzen nicht mehr weiter. Beim Anstellen vor dem Ticketschalter wird mir
bewusst, dass ich mich in der Ferienzeit befinde, viele Familien mit Kindern
im schulpflichtigen Alter stehen ebenfalls an, um eine Eintrittskarte zu
erwerben. Ich zahle 40 Kn und steige in die Arena.
Das Theater soll im 1. Jahrhundert gebaut worden sein, es bietet 23.000
Zuschauern Platz. Ich liebe antike Bauwerke dieser Art und halte mich auch
eine ganze Weile im Innenraum auf. Später besuche ich das Museum im
Kellergewölbe.
Nach kurzer Pause am Hafen steige ich hinauf auf das Kastell, einer alten
Festung in der Nähe der Nikolauskirche. Eine herrliche Sicht auf die Adria
belohnt die Anstrengung.
In einem schattigen Cafés beim Espresso beobachte ich das Treiben in der
Innenstadt. Auf dem Weg zu meinem Auto komme ich noch am Sergiusbogen, einem
Triumphbogen aus dem 1. Jh. v. Chr., vorbei.
Die Weiterfahrt ist recht interessant, führt sie doch über atemberaubende
Viadukte und durch lange Tunnel, das Passieren des 5.760 langen Mala Kapela
Tunnels kostet 28 Kn.
An einer Tankstelle putzen hübsche junge Frauen in aufregenden Hot Pants die
Windschutzscheiben der Kunden.
Ich fahre bis Rijeka und dann südwärts bis Senj, von dort sind es noch rund
80 km bis zum Nationalpark Plitwitzer Seen. Bauern legen am Wegesrand ihre
Produkte zum Verkauf aus und so mancher Autofahrer hält an und deckt sich
mit Olivenöl, Honig oder Käse ein.
Nationalpark Plitwitzer Seen
An der Abzweigung nach Korenica beende ich die heutige Tagesetappe und mache Halt
in der Pension Rudanovac, die einem sehr freundlichen Ehepaar gehört. Da sie
kein Restaurant betreiben, empfehlen sie mir ein Bistro an der Hauptstraße.
Wenn ich ihre Visitenkarte vorlege, so empfehlen sie mir noch, würde die
Portion besonders üppig ausfallen.
Der rustikale Tisch draußen an der frischen Luft ist so recht nach meinem
Geschmack und nach einigen erfrischenden Gläsern Bier bestelle ich das hier
überall gegenwärtige Spanferkelgericht. Es schmeckt sehr lecker, ich bleibe
noch ein paar Stunden sitzen, lese etwas und mache mich bei einsetzender
Dunkelheit auf den Heimweg.
Leider gibt es keine Straßenbeleuchtung und ich fürchte bei dem sehr
offensiven Verkehr um meine Sicherheit. Lieber durch den Wald gehen, die
Pensionswirtin hatte doch einen Waldweg erwähnt. Aber es ist dunkel und ich
kann so gut wie nichts mehr erkennen. Schließlich sehe ich ein Autolicht,
stelle mich mitten auf die Straße und bitte den Fahrer, der weder deutsch
noch englisch versteht, mich zu meiner Unterkunft zu fahren. Und es hat
funktioniert, beim dritten Versuch sind wir am Ziel. Meine Herbergseltern
stehen schon in banger Erwartung vor der Tür, hatten bereits im Bistro
angerufen und erfahren, dass ich vor geraumer Zeit losgegangen sei. Aus
Freude über die glückliche Rückkehr gibt Herr Zakula ein paar Gläser seines
selbst gebrannten Slibowitzes aus.
Viele Karl-May-Filme mit Pierre Brice und Lex Barker, darunter alle
Winnteou-Folgen, wurden im Gebiet der Plitwitzer Seen gedreht. Ein
Beherbergungsbetrieb in der Nähe des Eingangs schmückt sich auch mit dem
bezeichnenden Namen "Pension Winnetou". Meine Zimmerwirtin rät mir, mein
Auto auf einem der kostenlosen Hotel-Parkplätze abzustellen.
Nun bin ich also im größten Nationalpark Kroatiens, Fläche rund 300 qkm und
seit 1979 Weltkulturerbe der UNESCO. Für die Erkundung stehen Schiff und
Bahn zur Verfügung. Gleich hinter dem Eingang 2 besteige ich ein
Ausflugsboot, das mich ans andere Ufer des Sees bringt. Der dann
anschließende Rundgang ist sicher eines der Highlights dieser Reise. Zwar
kommen mir immer mal andere Besucher entgegen, aber meistens bin ich allein
in der wunderschönen Natur und werde von keinem anderen Menschen gestört.
Das türkisfarbene Wasser und die leicht hügelige Landschaft, unterbrochen
von pittoresken Wasserfällen und Kaskaden, bieten ein Naturerlebnis sonder
gleichen. Kleine Brücken und Stege überqueren vereinzelt die Wasserarme und
bieten ein atemberaubendes Panorama. Als ich vor dem "Großen Wasserfall",
dem 78 m hohen "Veliki", stehe, sehe ich im Geiste Winnetou in Aktion vor
mir. Bester Laune und um viele herrliche Eindrücke reicher steige ich beim
Eingang 1 in die Touristenbahn und fahre zu meinem Auto zurück.
An den nächsten Tagen werde ich mich häufig nach den moderaten 22 Grad im
Nationalpark zurücksehnen. Auf dem Weg nach Trogir bleibe ich ein paar
Stunden in Zadar, habe allerdings kleine Probleme bei der Parkplatzsuche.
Ich gehe am Wasser entlang, sehe zu, wie die großen Adria-Fähren startklar
gemacht werden und lasse mich einfach nur treiben. Die Altstadt wird durch
eine große Stadtmauer geschützt, durch alte Tore gelangt man ins Zentrum.
Auf dem Marktplatz suche ich mir ein schattiges Plätzchen und beobachte das
Geschehen.
Während der Weiterfahrt halte ich immer wieder an, schaue auf das Meer und
genieße die unvergleichliche Aussicht auf die malerischen Buchten oder die
nahen Inseln.
Trogir
Am Ortseingang frage ich im Tourist Office nach einem Zimmer, aber die
Unterkünfte sind entweder ausverkauft oder zu teuer. Also auf eigene Faust
suchen. Und nach kurzer Zeit habe ich auch schon Erfolg und checke bei M.
Magič ein, einziger Wehrmutstropen: Die Aircondition funktioniert nicht.
Trogir gefällt mir, auch diese "Perle Zentraldalmatiens" gehört zum
Weltkulturerbe. Die Altstadt ist gut erhalten und für jeglichen Autoverkehr
gesperrt. Alle Plätze sind besetzt, als ich auf dem zentralen Trg Ivana
Pavla II, dem nach Papst Johannes Paul II benannten Paradeplatz, eine Pause
einlegen und ein kühles Eis essen möchte. Die Nachfrage ist allerdings
verständlich angesichts der tollen Aussicht auf das Rathaus, den Uhrturm und
die Laurentius-Kathedrale (Sveti Lovro). Für den Besuch der Kirche wird
Eintritt erhoben, die Investition lohnt sich aber.
Wahre Touristenmassen bewegen sich durch die kleinen Gassen. Prachtvolle
Paläste, schmucke Boutiquen und verwunschene Innenhöfe verleihen der Stadt
ein einzigartiges Flair. Den Rest des Tages halte ich mich in der Nähe der
Promenade am Kanal auf, zum Abendessen gibt es Goldbrasse. Im Garten des im
Reiseführer empfohlenen Restaurants Monica ist bei einsetzender Dunkelheit
kein Tisch mehr frei. Hübsche junge Mädchen verkaufen Blumen an die Gäste.
Später höre ich einem Alleinunterhalter in einem der vielen Lokale an der
Promenade zu und beschließe den Abend mit einem Bier auf dem Paradenplatz.
Ein DJ legt Platten auf, früher wurden die Gäste allabendlich von einer Band
unterhalten. In der Nacht schlafe ich sehr schlecht, es ist mir einfach zu
heiß im Zimmer.
Die Weiterfahrt ist traumhaft schön, der liebe Gott muss bei der Erschaffung
von Kroatien einen guten Tag erwischt haben. Wohin ich auch schaue, blaue
Adria, grüne Berge, traumhafte Inseln und grandioses Panorama. Mein Weg
führt durch schöne kleine Orte mit romantischen Badebuchten. Sonnenanbeter
und Wasserratten genießen das Sommerwetter.
Eigentlich will ich kurz hinter Makarska landeinwärts nach Mostar in
Bosnien-Herzegowina fahren, verpasse aber die Abzweigung. So geht es auf der
immer noch bezaubernden Küstenstraße über Gradac weiter bis Metković und von
hier sind es noch 40 km. Am Ortsausgang beginnt schon die Grenzprozedur, ich
werde durchgewunken und brauche keine Dokumente vorzuzeigen.
Die Straßenzustände sind schlechter als in Kroatien, auch die Umgebung wirkt
ärmlicher und nicht so herausgeputzt. Viele Moscheen in Sichtweite der
Fahrbahn lassen erahnen, dass wir uns jetzt in einem vom Islam dominierenden
Land befinden. Die Orientierung bereitet keine Schwierigkeiten, ich brauche
nur der Beschilderung zu folgen und geradeaus zu fahren.
In glühender Nachmittagshitze erreiche ich das Ziel und das Autothermometer
zeigt 43 Grad an.
Mostar
Während der Fahrt in die Innenstadt komme ich an vielen Häusern vorbei, die
im Krieg zerstört wurden. Einschusslöcher an den Mauern, kaputte Dächer und
andere Ruinen geben Zeugnis von der Zeit der Kriegswirren zwischen 1992 und
1994. Kaum ein anderer Ort in Bosnien-Herzegowina wurde so in
Mitleidenschaft gezogen. Die Stadt war nach dieser Auseinandersetzung in den
kroatischen West- und moslemischen Ostteil getrennt, erst Anfang 2004 wurde
die Teilung aufgehoben.
Mostar ist Hauptstadt der Herzegowina und breitet sich zu beiden Seiten der
Neretva aus. Hans Koschnick, der frühere Bremer Bürgermeister, war hier von
Juli 1994 bis März 1996 als EU-Administrator tätig.
Das Wahrzeichen der Stadt, die Alte Brücke, Stari most, ist seit der
Zerstörung während der Kriegstage weltweit bekannt. Ich habe mir den
Wiederaufbau angesehen, originalgetreu hergestellt, im Beisein von Bill
Clinton und Kofi Annan feierlich eröffnet und 15 Mio. Euro teuer.
Von oben hat man hat einen guten Blick auf die Stadt mit seinen Moscheen und
anderen Türmen. Immer auf Schatten bedacht gehe ich über den alten Markt
Kujundiluk, der von Gold- und Kupferschmiedewerkstätten sowie Souvenirläden
beherrscht wird.
Cafés und kleine Bars stehen glücklicherweise ausreichend zur Verfügung und
ich zögere nicht, in mehreren Lokalen meine Defizite im Flüssigkeitshaushalt
wieder auszugleichen. Hier ist wirklich Tourismus pur und ich habe keine
Probleme, die Getränke in Euro oder Kuna zu bezahlen.
Bis Metković fahre ich die schon bekannte Strecke zurück, um mich dann,
wieder auf der nach wie vor unbeschreiblich schönen Küstenstraße, nach
Dubrovnik zu orientieren. Ein kleiner Teil dieser letzten Strecke, rund 15
km, führt durch das Hoheitsgebiet von Bosnien- Herzegowina. Immer wieder
halte ich an und lasse meine Blicke begeistert über die Adria schweifen.
Dubrovnik
Erstmal gilt es wieder, ein Hotel oder Appartement zu finden. Unterwegs
komme ich zwar an vielen Hinweisschildern privater Vermieter vorbei, die mit
"Sobre" (Zimmer) oder "Apartmani" auf sich aufmerksam machen, aber hier
möchte ich mich doch direkt in der Stadt einquartieren und mein Auto einfach
abstellen. Gar nicht weit von der Altstadt bemerke ich die Pension Kovacec
und schon sind die nächsten zwei Nächte gebucht.
Dubrovnik hat knapp 60.000 Einwohner und steht seit 1980 komplett unter
UNESCO-Denkmalschutz. Trotzdem wurde die Stadt während des Bürgerkrieges
Anfang der 90er Jahre erheblich von den Serben zerstört, Hinweistafeln
erinnern an die grausame Vergangenheit.
Zusammen mit einem Paar aus Bremen spaziere ich in die Innenstadt. Sie sind
schon einige Tage hier und stecken mich mit ihrer Begeisterung an. Aber auch
die Reiseführer und Prospekte geizen nicht mit Superlativen wie "schönste
Stadt an der Adria" oder "Perle der Adria". Von George Bernard Shaw, dem
berühmten irischen Dichter, kommt der Ausspruch: "Das Paradies auf Erden
findet man in Dubrovnik".
Die Altstadt ist für den Autoverkehr gesperrt, schon auf dem Weg dorthin
habe ich herrliche Ausblicke auf das Küstenpanorama und die Badestrände.
Durch das Pile-Tor betrete ich den alten Teil der Stadt, der durch eine bis
zu 25 m hohe Mauer geschützt wird. Einen Mauerrundgang muss ich mir wegen
kleiner Meniskusprobleme versagen.
Die Placa, eine mit Geschäften und Cafés ausgestattete Promenade, ist der
zentrale Trampelpfad der vielen Gäste. Treppen zweigen seitwärts ab und
führen zu malerischen Gassen hinauf, die hauptsächlich von romantischen
Restaurants eingenommen werden.
In den nächsten beiden Tagen werde ich mich überwiegend in diesem Teil von
Alt-Dubrovnik aufhalten und mir die Erlöserkirche SV Spas, den
Onofrio-Brunnen, die Orlando- oder Rolandsäule, den Uhrturm, den
Erzbischöflichen Sitz und viele andere Sehenswürdigkeiten der Stadt
anschauen.
Abends sitze ich in einem gemütlichen Lokal an der Stadtmauer und genieße
bei einsetzender Dunkelheit das Abendessen. Ein Duo mit Gitarre und
Mandoline vermittelt mit angenehmer Lifemusik die richtige Atmosphäre.
Schwalben suchen ihr Nest im Mauergestein.
Herr Kovacec, der mit einem Paar aus Rumänien auf der Terrasse seines Hauses
auf neue Gäste wartet, lädt mich zu einem Glas kroatischen Rotwein ein. Wir
unterhalten uns noch angeregt, bis es wirklich Zeit wird, ins Bett zu gehen.
Am nächsten Tag lasse ich es ruhig angehen, frühstücke ausgiebig und gehe
dann zum öffentlichen Strand in der Nähe meiner Pension hinunter. Das Wasser
ist phantastisch, klar und sauber, aber die spitzen Kieselsteine, die
unbarmherzig in die Füße stechen, sind nicht so nach meinem Geschmack.
Badeschuhe habe ich nicht dabei, hier wären sie angebracht. Trotzdem ist es
ein schöner Platz, wie die zahlreichen Badegäste belegen, und welche Stadt
verfügt schon über einen Badestrand mitten im Zentrum.
Den Rest des Tages verbringe ich wieder in der Altstadt, am Abend sehe ich
mir im Fernsehen die Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking an.
In südlicher Richtung geht es weiter und das Panorama wird noch schöner. Auf
einem Parkplatz strömen Gäste aus drei Reisebussen heraus und kämpfen um den
besten Platz für ein Foto der Adriaküste. Das kroatische Radio hat sich auf
ausländische Besucher eingestellt und überträgt den Verkehrsfunk auch in
italienischer, englischer und deutscher Sprache.
Vor dem Grenzeingang nach Montenegro verkaufen einige junge Leute für 10,-
Euro Vignetten, die seit kurzer Zeit wohl auch in diesem Land erforderlich
sind. Jetzt noch ein paar Kilometer und dann habe ich das nächste
Etappenziel erreicht.
[ nächste Seite ]
|