Nach etwa zweistündigem Flug landen wir in Barçelona.
Jetzt, im März 1998, ist Frühling in Europa. Warmer Sonnenstrahl empfängt
mich beim Verlassen des Flugzeugs, bei der Abreise in Deutschland war ich
froh, meinen Anorak dabei zu haben.
Mit der S-Bahn fahre ich in die Innenstadt und suche mir eine Unterkunft.
Ich habe Glück, das Hotel "Roma Reial", zentral am Plaça Reial in
unmittelbarer Nähe der Rambla, hat gerade noch ein Zimmer frei. Nach dem
Einchecken gehe ich hinaus auf den Platz, suche mir einen Tisch unter den
wunderschönen Arkaden und genieße den ersten Espresso und das erste Glas
Wein. Es ist einfach toll hier. Beeindruckende Straßenlaternen von Gaudí
schmücken das Refugium, schöne Brunnen und Palmen vermitteln sogleich ein
mediterranes Flair. Der Urlaub mag beginnen.
Barçelona ist mit rd. 2 Mio. Einwohnern die
größte Stadt Kataloniens, das Zentrum der Mode und des Designs, aber lt.
Reiseführer auch Hochburg der Taschendiebe. Glücklicherweise bin ich mit
diesen Spezies, um es vorwegzunehmen, nicht in Berührung gekommen.
Natürlich spaziere ich erst mal die Rambla entlang. Die Siesta hat noch
nicht begonnen und ich gewinne einen ersten Eindruck vom Leben und Trubel
dieser bekanntesten Straße der Stadt, sehe die Stände und Verkaufsauslagen,
esse etwas an einer Imbissbude und trinke einen Wein im Schatten der Bäume.
Straßenmusikanten bitten um eine kleine Gabe, manchmal kommen mir Bettler
entgegen, ein Pantomime mit weißem Haar erfreut die Anwesenden. Unter einem
Dach werden Wellensittiche und Kanarienvögel feilgeboten, an mehreren Ecken
Lotterielose verkauft. Blumen, Souvenirs, Ansichtskarten, Schmuck, alles ist
zu haben. Es ist wirklich was los auf der Straße.
Ich gehe weiter bis zum belebten und verkehrsreichen Plaça de Catalunya und
dann zurück zur Kolumbussäule am Ende der Rambla, dahinter befindet sich
schon das Mittelmeer. Das Monument wurde 1888 errichtet und ist 66 m hoch.
Von oben soll man einen herrlichen Blick auf die Stadt und das Meer haben,
zur Zeit meines Besuchs war eine Auffahrt jedoch nicht möglich.
An den Molen liegen Yachten und Sportboote, etwas weiter, hinter der Moll
d`Espanya, warten Restaurants, Bars und andere Lokalitäten auf Kundschaft.
In diesen Tagen habe ich mich überwiegend von leckerem Fisch ernährt, aber
natürlich auch die berühmten Tapas nicht vernachlässigt.
Gegen 20.oo Uhr hat man die Speisegaststätte noch für sich allein, erst nach
21.oo Uhr füllt es sich und eine Stunde später wird getafelt. An einem
Abend, beim Aperitif in einer Bar, wird der verbale Ausbruch von Mister
Trappatoni, der ja wohl schon Kultstatus erlangt hat, im Fernseher
übertragen und ich amüsiere mich köstlich.
Mit der katalanischen Sprache bin ich nicht vertraut, aber es ist kein
Problem, denn die Speisekarten und andere für Touristen wichtige
Schriftstücke sind in Spanisch geschrieben, Kellner und Hotelmitarbeiter
verstehen meistens Englisch, zumindest die für ihren Beruf notwendigen
Wörter und Redewendungen. Ein Mitarbeiter dieser Zunft antwortet auf meine
in Spanisch gestellte Frage oder Bestellung immer auf Englisch, als ich ihn
später nach einer Zugverbindung um Auskunft bitte, wechselt er jedoch ganz
schnell in seine Muttersprache.
Die nächsten Tage schlendere ich durch verschiedene Stadtteile, besichtige
das Rathaus Ayuntamiento mit der interessanten Fassade, sehe mir die
ehemalige Barockkirche La Mercé an und besuche La Seu, die Kathedrale am
gleichnamigen Platz.
Selbstverständlich widme ich auch dem wahrscheinlich bedeutendsten Künstler
der Stadt genügend Aufmerksamkeit, nämlich dem weltbekannten Architekten
Antoni Gaudí.
Viele Bauwerke im katalanischen Jugendstil wurden von ihm erschaffen,
vornehme Häuser am Prachtboulevard Passeig de Gràcia und natürlich das
Wahrzeichen der Stadt, die Sagrada Família, die Unvollendete.
Die Kathedrale mit den bizarren Türmen ist, obwohl mit dem Bau 1882 begonnen
wurde, immer noch nicht fertiggestellt. Das Werk wird nur durch Spenden
finanziert um zu verhindern, dass der Klerus Einfluss auf die Ausführung
nehmen kann.
Zu meinem Programm gehört dann noch ein längerer Spaziergang durch den Parc
de la Ciutadella, beim Weitergehen komme ich am Triumphbogen vorbei.
Mit der Metro fahre ich zum Plaça d´Espanya und gehe zum Plaça de Toros mit
der Stierkampfarena. Sie ist aber nur von außen zu besichtigen. Eigentlich
bin ich ganz froh darüber, denn ich halte nicht viel von dieser Sportart.
Ganz in der Nähe befindet sich der Königliche Palast.
An einem Tag fahre ich mit der "Katalanischen Eisenbahn" nach Montserrat
bzw. zur Talstation der Schwebebahn und dann mit selbiger zum Kloster
hinauf. Die Aussicht unterwegs ist phantastisch, die Lage einmalig. Bei
klarem Wetter soll man sogar Mallorca von hier oben sehen können.
Etwa 80 Mönche leben in der benediktinischen Klostergemeinschaft, außerdem
Sängerknaben des ältesten Knabenchors Europas. Im Museum werden Exponate der
Alten und Modernen Malerei ausgestellt, archäologische Stücke des biblischen
Orients und Gegenstände der Goldschmiedekunst.
Nach ausgiebiger Besichtigung der Anlage mache ich noch einen längeren
Spaziergang auf einem empfohlenen Wanderweg und habe grandiose Aussichten
auf das Kloster und die Umgebung.
Mein Urlaub ist fast zu Ende, ich möchte die Costa Brava aber nicht
verlassen, ohne an einem der zahlreichen Strände gewesen zu sein und so
fahre ich mit dem Zug nach Lloret de Mar und belege ein Zimmer im Hotel "Norai".
Bekannte hatten mich vor diesem Ort gewarnt, denn Massentourismus,
Hotelburgen und Horden grölender Urlauber sind nicht das, was ich von einer
Reise erwarte oder in den Ferien liebe. Aber so schlimm ist es nicht, im
Gegenteil, ich bin fast der einzige Gast. Die meisten Restaurants haben noch
geschlossen und abends ist eigentlich nichts los, denn die Saison hat noch
nicht begonnen.
Der Strand ist sauber und es ist überhaupt kein Problem, in einem Café mit
Meeresblick einen freien Platz zu ergattern. Die Bedienung fragt in bester
deutscher Sprache nach meinen Wünschen und eine "Deutsche Metzgerei" bietet
bekannte Wurst- und Fleischwaren an.
Auf der Strandpromenade bin ich fast der einzige Spaziergänger, einmal sehe
ich einen Urlauber beim Paragliding. Um etwas Kultur zu haben, wandere ich
zum Schloss und habe von dort eine angenehme Sicht auf den Ort, den Strand
und das Meer.
Gut erholt und ausgeruht fahre ich am nächsten Tag zurück nach Barçelona und
trete den Heimflug an.