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DuMont direkt Brüssel von Margarete Graf (Autor)
Brüssel. MM-City von Petra Sparrer (Autor)
Galéries Royales
Grote Markt
Manneken Pis
Manneken Pis
Atomium

Informationen zu Unterkünften in Brüssel finden Sie auf casamundo.de
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Brüssel
ein Wochenende in der belgischen
Hauptstadt
Text und Fotos: Horst Wehrse
Die Zugfahrt bis Brüssel Nord dauert gut sechs Stunden,
jetzt noch einmal umsteigen und ein paar Minuten später bin ich am
Hauptbahnhof, am Gare Centrale, angelangt. Ein älterer Herr, den ich nach
dem Hotel "NH Grand Place Arenberg" frage, bedeutet mir, äußerst
vorsichtig zu sein. Zwischen 20.00 und 06.00 Uhr, so raunt er mir zu, sei
die Stadt gefährlich und man sollte nur gruppenweise ausgehen.
Ich checke ein und mache mich dennoch allein auf den Weg, so schlimm wird es
schon nicht werden. Dank der zentralen Lage des Hotels, einer Empfehlung von
Horst und im Internet reserviert, komme ich gar nicht in die Verlegenheit,
allein auf dunklen Straßen einer Gefahr ausgesetzt zu sein. Der September
zeigt sich von seiner besten Seite. Viele Menschen halten sich an diesem
milden Abend draußen auf und läuten das Wochenende an der frischen Luft
gebührend ein.
Den Grand-Place, fläm.: Grote Markt, habe ich nicht annähernd so
eindrucksvoll in Erinnerung. Bisher rangierte er in meinem persönlichen
Ranking hinter den Marktplätzen von Antwerpen und Bremen an dritter Stelle,
jetzt muss ich diese Einschätzung überdenken.
Das gotische Rathaus (Hôtel de Ville/Stadhuis) mit dem 97 m hohen Turm ist
der absolute Blickfang. Es hat mit seinen Arkaden und Verzierungen eine
elegante Ausstrahlung und wetteifert mit dem Maison du Roi/Broodhuis
gegenüber, der früheren Brothalle und heute Ort des Stadtmuseums.
Herrlich renovierte Zunfthäuser mit wunderschönen Fassaden verleihen diesem
Platz ein einzigartiges Flair, so u. a. das den Brauern gewidmete Maison des
Brasseurs. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Häuser der Herzoge von
Brabant, die eine ganze Seite des Grote Markt einnehmen.
Erschlagen aber auch begeistert von so viel alter Baukultur suche ich mir
ein freies Plätzchen an einem der vielen Bistrotische auf dem Grand-Place.
Ein Portraitmaler versucht sich unaufgefordert an meinem Konterfei und
bietet mir das Gemälde an. Es dauert, bis ich mich für ein Bier aus dem mehr
als umfangreichen Angebot entschieden habe.
Auch wenn ich an diesem Wochenende bei jeder Nachbestellung die Marke
wechsele, erhalte ich bei dem einzigartigen Sortiment doch nur einen ganz
winzigen Eindruck von der Vielfalt der belgischen Braukunst, immerhin soll
es über 1.000 verschiedene Sorten im Lande geben. Das dunkle Trappist ist
nicht so nach meinem Geschmack, das mit Himbeeren oder Kirschen angesetzte
Framboise oder Kriek gefällt mir besser. Gerade jetzt in der warmen
Jahreszeit ist es ein idealer Durstlöscher.
Der nächste Tag steht ganz im Zeichen der Stadtbesichtigung. Doch zunächst
frühstücke ich draußen in einem Bistro vor dem Eingang zu den Galéries
Royales. In dieser glasüberdachten Passage findet man Bücherläden,
Schmuckboutiquen, Cafés und Feinkostgeschäfte mit erlesener Schokolade und
feinsten Pralinen in allen Variationen.
Weiter geht es durch die Rue des Bouchers, der Straße der Metzger. Jetzt ist
noch alles ruhig und übersichtlich, in ein paar Stunden werden die Menschen
wieder in langen Schlangen durch diese enge Gasse ziehen und gegebenenfalls
in eines der vielen Lokale einkehren. Muscheln und Meerestiere scheinen der
Renner zu sein.
Die mächtige Kuppel der Börse ist nicht zu übersehen. Das Gebäude mit den
korinthischen Säulen und den steinernen Verzierungen scheint ein beliebtes
Fotoobjekt zu sein. Immer wieder überqueren interessierte Gäste die belebte
Hauptstraße, um auf der anderen Seite in den Genuss einer besseren
Perspektive zu kommen. Eine starke Ähnlichkeit mit der Pariser Oper ist
unverkennbar.
Manneken Pis, wohl das Wahrzeichen der Stadt, wenn nicht sogar Belgiens, ist
mein nächstes Ziel. Es sind nur ein paar Meter zu gehen. Ein Männerchor
steht vor der kleinen Statue und singt ein Ständchen. Zwei Männer
kontrollieren das Geschehen und plötzlich kommt Bier aus dem Körper. Die
Besucher grinsen und die Kameras surren.
Wegen kleiner Knieprobleme möchte ich die nächsten Punkte doch lieber
fahrend erreichen. Beim Zentralbahnhof besteige ich einen offenen
Doppeldecker und beginne die Stadtrundfahrt. An 11 Stellen kann aus- bzw.
zugestiegen werden.
Unsere Besichtigungstour beginnt in der Oberstadt, vorbei am
Musikinstrumentenmuseum, und wir halten zunächst beim Königspalast. Am Platz
Grand-Sablon/Grote Zavel steige ich aus und sehe mir die Zavel-Kirche mit
den bunten Glasfenstern an. Die Umgebung wird im Reiseführer wegen ihrer
schönen Häuser aus verschiedenen Epochen und wegen des Antiquitätenmarktes
als sehr sehenswert eingestuft, ich nehme sie allerdings mehr als Parkplatz
wahr.
Beeindruckend ist der Justizpalast. Angeblich wurde das Gebäude in dieser
Mächtigkeit und Höhe erstellt, um dem kleinen Mann genügend Respekt vor der
Obrigkeit einzuflößen. Der Place Louise bietet eine schöne Aussicht auf das
Häusermeer der Unterstadt.
Mein nächstes Ziel heißt Gare de Luxembourg, denn dahinter erhebt sich das
Machtzentrum Europas, oder vielmehr das Europäische Parlament mit der
gewaltigen Glaskuppel. In Brüssel finden die Fraktions- und
Ausschusssitzungen der Abgeordneten statt, die Haushalts- und Plenartagungen
werden in Straßburg abgehalten. Ein altes Bahnhofsgebäude verliert sich in
der neuen gigantischen Architektur.
Auf dem Platz Galliers beeindruckt mich der Triumphbogen zwischen den
verschiedenen Museen. Am Rondpoint Schumann, benannt nach dem französischen
Außenminister, einem der Initiatoren der europäischen Einigung, befindet
sich das Palais Berlaymont, Sitz der Europäischen Kommission. Im Gebäude
gegenüber tagt der Ministerrat.
Nachdem wir an der Basilika des heiligen Herzens und an der Liebfrauenkirche
vorbei sind, steige ich ein letztes Mal aus, um eine Besichtigung der
Umgebung vorzunehmen. Jetzt ist das Atomium an der Reihe. Der Weg zu diesem
Wahrzeichen der Weltausstellung 1958 führt durch einen schönen Park mit der
König-Leopold-Gedenkstätte. Heute scheint ein Volkslauf stattzufinden, denn
viele Männer und Frauen hasten an mir vorbei, angefeuert von ein paar
Schlagzeugern. Die neun Kugeln des Atomiums sind durch Treppen bzw.
Rolltreppen miteinander verbunden. Ein Aufzug führt in die oberste, ich
versage mir allerdings dieses Erlebnis, da mir die Warteschlange vor dem
Eingang des Fahrstuhls einfach zu lang ist.
Auf einen Besuch des auch im Heysel-Parks befindlichen
König-Baudoin-Stadions verzichte ich ebenfalls. 1985 war ein Streit unter
Hooligans ausgebrochen und 39 Menschen kamen bei den Auseinandersetzungen zu
Tode. Im Jahre 1972 hatte ich hier, damals noch unter dem Namen
Heysel-Stadion, das Europapokalendspiel Deutschland – Russland gesehen, was
die Bundesrepublik bekanntlich gewonnen hat.
Auf der Rückfahrt in die Innenstadt kommen wir noch an den Königlichen
Gewächshäusern, dem Japanischen Turm und dem Chinesischen Pavillon vorbei,
bevor uns in Brüssel Nord die modernen Geschäftshäuser und
Verwaltungsgebäude gezeigt werden.
Die Fahrt im Sightseeing-Bus gefällt mir. Man kann die Erklärungen und
Erläuterungen mittels Kopfhörer in mehreren Sprachen verfolgen. Am späten
Nachmittag beende ich die Tour und besichtige noch die Kathedrale St-Michel,
die in absoluter Nähe zum Hotel liegt. Weithin sichtbar erhebt sich die
Kirche auf einer kleinen Anhöhe. Ihr imposantes Aussehen und ihre
Ausstrahlung passen gar nicht zu der von Bürohäusern dominierten Umgebung.
Noch eine kleine Erfrischung in der Galerie und dann lege ich eine Pause
ein. Mein Handy klingelt und Rolli teilt per SMS mit, dass Werder in München
mit 5:0 führt. Ich könnte jubeln. Noch am Atomium hatte mich ein junger
Bremer angesprochen und gemeint, dass wegen krankheitsbedingter Ausfälle
nicht mal ein Unentschieden möglich sein würde.
Jetzt macht der Abend natürlich Spaß. Da es mich zum Essen nicht in die
Touristenhochburgen Grand-Place und Rue de Boucher zieht, lande ich
letztendlich in einem Restaurant am Place St-Géry. Die verbleibenden Stunden
des Tages verbringe ich in dieser von Bistros, Cafés und anderen Lokalen
beherrschten Gegend.
Am nächsten Morgen spaziere ich wieder zum Grote Markt und schlendere
langsam durch die Galerie, erliege aber nicht den Verlockungen der Pralinen
und dem Reiz der Schokolade. Heute sind auffallend viele Radfahrer in der
Innenstadt unterwegs. Den Sonntag, so scheint es, nutzen die Brüsseler zum
Familienausflug.
Im Südbahnhof, dem Gare du Midi, steige ich in den belgischen Schnellzug
Thalys und fahre gemütlich nach Hause.
Einige Fakten
Belgien hat gut 10 Mio. Einwohner (Brüssel rd. 1 Mio.), davon wohnen rund 6
Mio. in Flandern, 3,5 Mio. in Wallonien und der Rest in der
Landeshauptstadt.
Diese drei autonomen Regionen verfügen jeweils über ein eigenes Parlament.
Das Land ist in drei Sprachengemeinschaften aufgeteilt, in Niederländisch,
Französisch und Deutsch.
Während des Zeitpunktes meiner Reise im September 2008 steckt Belgien in
einer politischen Krise, wieder einmal ist ein Streit über eine Staatsreform
zwischen den Flamen im Norden und den Wallonen im Süden des Landes
entstanden.
Brüssel selber ist zweisprachig, obwohl Hauptstadt des
niederländischsprachigen Flanderns, sind etwa 80 % seiner Bewohner
frankophon.
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