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Geo Special Kt: China
Andreas Fülling, Oliver Fülling China
Manual
Polyglott on Tour: China
Im White Swan Hotel
Blumenpagode in Kanton
In Kanton
Markt in Kanton
Guilin
Guilin
Grotte im Fu Bo Shan
Schweinetransport
Jade-Buddha
In Shanghai
In Shanghai
Eiertransport in Shanghai
Link zum Thema:
Rundreise China
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China und Transsib
hinein ins fernöstliche Abenteuer
Text und Fotos: Horst Wehrse
Einige Tage vor dem Abflug ist meine Vorfreude auf den Nullpunkt
gesunken, habe ich mich doch bei der Arbeit am Fuß verletzt und kann kaum
noch gehen. Am letzten Abend, während ich auf dem Sofa liege und kühle
Umschläge auf den geschwollenen Fuß lege, raten meine Freunde mir noch,
die Reise abzusagen. Aber dank Tabletten und Zäpfchen kann ich mich
wenigstens humpelnd bewegen und eine Stornierung kommt überhaupt nicht in
Frage. Dass es sich um Gicht handelt, erfahre ich erst Wochen später nach
der Rückkehr.
Natürlich bin ich etwas nervös, ich habe zwar einige Urlaube im Ausland
verbracht, aber meist zu zweit und, bis auf eine Reise in die Vereinigten
Staaten, immer in Europa. Jetzt geht es allein und mit gesundheitlicher
Beeinträchtigung nach Asien.
Vor Monaten hatte ich eine sogenannte Mini-Package-Tour bei Panda-Tours,
Frankfurt, gebucht, d. h. um Inlandsflüge, Flughafentransfers und Hotels
brauche ich mich nicht mehr zu kümmern. Heute würde ich es anders machen
und individuell vorgehen.
Zur Einstimmung und Vorbereitung hatte ich u. a. die Reiseführer von
Doris Knop über China und die Transsib gelesen, mir eine Sprachkassette
Chinesisch-Deutsch gekauft und bei der Volkshochschule einen Russischkurs
belegt.
Am 02. April 1987 geht es los, zuerst fliege ich von Bremen nach London
und habe dort noch einen halben Tag frei, fahre mit der U-Bahn zum
Piccadilly-Circus und besichtige die Sehenswürdigkeiten in der Umgebung
wie Westminster Abbey, Houses of Parliament, Big Ben, Downing Street usw.
Es ist ein sonniger Frühlingstag, ich kann ihn aber nicht so richtig
genießen, denn das Gehen bereitet mir doch große Schwierigkeiten.
Die Boeing 747 hebt mit geringfügiger Verspätung ab, in Bombay wird ein
Zwischenstopp eingelegt, und nach fünfzehn Stunden landen wir in
Hongkong.
Hongkong
Marsha wartet bereits im Flughafen auf mich und begleitet mich dann in
das sündhaft teuere und moderne Hotel "Riverside Plaza" im Stadtteil New
Territories. Es ist etwas neblig.
Sie schlägt vor, am Abend gemeinsam eine neue Kaufhauspassage zu
besichtigen, ich habe aber keine Lust auf einen Schaufensterbummel und
ziehe lieber auf eigene Faust los. Beim Geldtausch erhalte ich für 50 US$
den Gegenwert von 366 Hongkong$.
Was für ein Treiben ist in der Stadt, Menschen über Menschen, Lampen,
Lichtreklame, hier ein Leuchten und Glitzern, dort Neon in allen Farben.
Ich schlendere durch die Nathan Road und durch andere Straßen und Gassen
von Kowloon, die Läden sind bis 23.oo Uhr geöffnet.
In einem Restaurant wird mir zunächst ein Waschtuch zum Reinigen der
Hände gereicht. Leider hatte ich versäumt, das Essen mit Stäbchen zu
üben, der Kellner beobachtet mich eine Weile, hat dann ein Einsehen und
reicht mir unaufgefordert eine Gabel. Es ist lecker und preiswert. Später
habe ich immer weniger Probleme mit dem Holzbesteck, kann aber kein
Verständnis für die heimische Uncle-Ben´s Reiswerbung aufbringen, die
besagt, dass der Reis angeblich nicht klebt und locker ist. Gerade die
festen Reisklumpen machen mir am wenigsten zu schaffen.
Hier im Restaurant beobachte ich einige Engländer beim Essen von
Garnelen. Die Tiere werden erst lebend in Eiswasser, danach in kochendes
Wasser getaucht.
Hongkong gehört in dieser Zeit noch zu England, lt. Marsha besteht die
Bevölkerung der Stadt zu 98 % aus Chinesen.
Mit der Fähre fahre ich dann zur Insel Hongkong und berausche mich an dem
Panorama der beleuchteten Skyline.
Weiter geht es zum Liegeplatz der Dschunken, zum Teiphone Shelter, man
lädt mich zur Mitfahrt ein, ich lehne aber dankend ab.
Mein nächstes Ziel heißt Kanton in der Volksrepublik China. In meinem
Zugabteil treffe ich auf eine Reisegruppe aus Bramsche bei Osnabrück, die
bemüht ist, mit mir nicht ins Gespräch zu kommen.
Hier aus dem Zugfenster sehe ich zum ersten Mal Arbeiter auf den
Reisfeldern, sie sind meist barfuß.
Andere bearbeiten den Acker mit einem Büffel oder Ochsen vor dem Pflug.
Es fällt mir gleich auf, dass selten ein oder zwei Personen, sondern
immer größere Gruppen tätig sind.
Kurz nach der Abfahrt bildet sich vor dem Speisewagen eine lange
Schlange, um das Mittagessen entgegen zu nehmen. Wegen des Qing
Ming-Festes sind viele Hongkong-Chinesen im Zug. Kleinkinder werden
eingewickelt auf dem Rücken getragen.
Es regnet, als wir Kanton erreichen.
Nun bin ich also im bevölkerungsreichsten Staat der Erde angekommen, gut
1 Mrd. Menschen leben hier. China ist von der Fläche her etwa so groß wie
ganz Europa und nach der UdSSR und Kanada drittgrößtes Land der Welt. Die
Ausdehnung von Norden nach Süden entspricht etwa der Entfernung vom
Nordkap bis Kreta. Trotz mehrerer Zeitzonen gilt nur eine einheitliche
Zeitrechnung, die Pekingzeit.
Kanton
Die größte Stadt Südchinas, auch Guangzhou genannt, hat etwa 5 Mio.
Einwohner. Nach mäßiger Kontrolle treffe ich vor dem Bahnhof auf meinen
Abholer und wir fahren gemeinsam zum riesigen "White Swan Hotel", direkt
am Perlfluss gelegen. Auch dieses Hotel ist supermodern, Farbfernseher
und Telefon gehören zur Grundausstattung, im Zimmer finde ich eine
Thermoskanne mit heißem Wasser und einige Teebeutel vor.
Beim Tausch erhalte ich für eine DM zwei Yuan.
Mir wird das Geld in spezieller Währung für Ausländer ausgehändigt,
Foreign Exchange Certificates (FEC), mit diesem Geld kann ich in
Freundschaftsläden einkaufen und in bestimmten Hotels, die nur Ausländern
vorbehalten sind, bezahlen.
Das Geld für Einheimische heißt Renmimbi, ein Yuan ist in 100 Fen
eingeteilt.
Den Abend verbringe ich mit einer Frau aus Bramsche, die sich in der
Gruppe nicht wohl fühlt und lieber mit mir weiterziehen möchte, was
natürlich nicht geht, schließlich hat sie die komplette Reise schon
bezahlt.
Das Hotelpersonal ist, entgegen der Information im Reiseführer,
empfänglich für Trinkgeld.
Der erste Eindruck von Kanton ist eher mäßig, die Stadt kommt mir
verfallen und dreckig vor, erstaunt bin ich über die vielen Radfahrer.
Viele Kinder schauen sich nach mir um, bärtige Langnasen gehören noch
nicht zum bekannten Stadtbild.
Im Park macht ein Schattenboxer seine Übungen.
Sehr beeindruckt hat mich der Qingping-Markt, was gibt es hier nicht
alles zu sehen: Obst, Gemüse, Fisch, Vögel, Geflügel, Schlangen und
Frösche. An einem Stand werden Frösche enthäutet. Und dann die
Menschenmassen.
Mit dem Taxi fahre ich anschließend in den Norden der Stadt, in den
Yuexio Shan Gongyuan, einen Park mit künstlich angelegten Seen, Brücken
und Inseln und klettere hier auf den 28 m hohen Turm Zhen Hai Lou, früher
Festung jetzt Museum.
Zur Stadtbesichtigung gehört ferner der Besuch der Dr. Sun
Yatsen-Gedächtnishalle, die zu Ehren des Gründers der Republik erbaut
wurde und mir sehr gut gefallen hat, und des Liu Rong Si-Tempels (Tempel
der 6 Banyan-Bäume) mit der schönen neunstöckigen Blumenpagode.
Häufig ruft man mir "hello" oder ähnliche Wörter zu, wenn ich dann auf
das Gespräch eingehe, treffe ich selten einen Menschen mit größerem
englischen Wortschatz.
Auf dem Heimweg schlendere ich noch über einen anderen Markt. Hier staune
ich ebenfalls über das Angebot wie Frösche, Schalentiere, Schlangen,
Krebse, Schildkröten und lebende Fische, die in Schalen mit ganz wenig
Wasser zappeln und teils an den Flossen zusammengebunden sind.
Es fängt heftig an zu regnen und ich suche Schutz unter einem
Ladenvorbau. Plötzlich spricht mich eine junge hübsche Frau an. Lily ist
Krankenschwester in einem hiesigen Hospital und auch kundig im Umgang mit
Akupunktur. Sie ist mit einem Chinesen aus New York verheiratet, der sie
z. Zt. besucht. Später möchte sie ihm in die USA folgen. Aufgrund
irgendwelcher UNESCO-Verbindungen spricht sie leidlich Englisch und sogar
ein paar Brocken Deutsch.
Nach kurzer Unterhaltung lädt sie mich zum Abendessen ein. Gemeinsam
gehen wir zu ihr nach Hause. Ihr Mann beäugt mich bei der Vorstellung
etwas argwöhnisch, ihre Schwägerin, die auch noch den Raum mit ihnen
teilt, ist aufgeschlossener. Die gesamte Wohnung ist etwa so groß wie das
Badezimmer in meinem Hotel, der Herd steht draußen.
Man sagt, auch wenn dieser Satz schon mächtig abgedroschen ist, dass in
Südchina alles gegessen wird, was vier Beine hat, außer Tischen oder
Stühlen. Und so zwinge ich mich, meinen Teller ohne großes Nachdenken zu
leeren. Das Mahl ist sehr lecker, es gibt Suppe, Reis, Geflügel und
Gemüse, meine Sorge war also unbegründet. Gern hätte ich ein paar
Musikkassetten als Dank verschenkt, aber ich hatte leider den Rucksack
nicht dabei.
Auf dem Weg zum Hotel staune ich über die vielen Straßenbaustellen. In
der Hotelhalle wachen einige uniformierte Männer, sie sind unbewaffnet
und unaufdringlich.
Der Flug nach Guilin dauert 45 Minuten.
Guilin
Die Chinesen lieben es, sich fotografieren zu lassen, vor dem Start,
während des Fluges und nach der Landung, immer stehen einige Personen in
unnatürlichen Posen und lachen in die Kamera.
Im Flugzeug wird leckerer Chrysanthementee und ein Anhänger als Geschenk
verteilt. Bücher werden meist, wie auch bei uns, waagerecht, manchmal
aber auch senkrecht gelesen.
Das Spucken ist eine gewöhnungsbedürftige Angewohnheit der Chinesen, ich
beobachte es auf der Straße und in der Eisenbahn, selbst im Flieger.
Der Landeanflug ist wunderschön, die Berge entlang des Li Jiang-Flusses
erscheinen mir von oben wie Zubehör einer Modelleisenbahn.
Die Stadt hat 300.000 Einwohner und ist wegen der herrlichen Lage
inmitten der zuckerhutförmigen Berge ein beliebtes Ausflugsziel.
Es ist wesentlich ruhiger als in Kanton.
Zusammen mit einem jungen Mann aus Baden-Württemberg, den ich im
Flughafen kennengelernt habe, fahre ich ins Hotel. Im Zimmer stehen
Puschen bereit, sie sind aber viel zu klein für meine Füße.
Wir mieten uns eine Rikscha und fahren zum Sieben-Sterne-Park mit den
schönen Höhlen und Stelen, die mehrfarbige Beleuchtung ist mir allerdings
zu kitschig.
Danach geht es zum Berg Fu Bo Shan. Nach dem Aufstieg besichtigen wir
eine Höhle und genießen später die herrliche Aussicht.
Unterwegs sehen wir viele Kinder in der praktischen traditionellen
Kleidung mit Schlitz in der Gesäßgegend.
Zwei junge Frauen winken uns in ein Café und beobachten uns ganz
konzentriert, während wir unseren Kaffee trinken.
Später sucht ein Student das Gespräch mit uns, begleitet uns eine ganze
Weile und erzählt viele Geschichten aus dem Studentenleben. Zum Schluss
bittet er, ihm sein einheimisches Geld in FEC zu tauschen. Er möchte sich
eine Schreibmaschine kaufen und der Laden akzeptiert keine
Renmimbi-Währung. Wir geben ihm den gewünschten Betrag im Kurs 1 : 1,
laut Reiseführer hätte man wesentlich mehr verlangen können.
Bei einer Suppe in einer Garküche lassen wir den Tag ausklingen. Das
Hotel ist längst nicht so feudal wie bisher gewohnt, eine Sitztoilette
ist nicht obligatorisch.
Mit dem Taxi begebe ich mich zur Schilfrohrflötenhöhle, einer 240 m
tiefen Tropfsteinhöhle, und werde von einem chinesischen Paar begleitet.
Die Ehefrau ist als Verkäuferin beschäftigt und verdient 90 Yuan im
Monat.
Sie arbeitet sieben Tage und hat dann einen Tag frei usw.
Viele Chinesen waschen sich draußen unter einem Wasserhahn am
Hauseingang. Während eines Spazierganges habe ich das Glück, einem
Kormoran-Fischer zu begegnen. Den Vögeln wird der Hals so eingeschnürt,
dass sie den gefangenen Fisch nicht hinunterschlucken können.
Als nächster Punkt steht Shanghai auf dem Programm, nach rund 2,5
stündiger Flugzeit sind wir da.
Shanghai
Knapp 12 Mio. Menschen wohnen in dieser für Chinas Wirtschaft
bedeutendsten Stadt, man sagt, dass fast 50 % des Außen- und
Binnenhandels über Shanghai abgewickelt wird.
Auf dem Weg in die Innenstadt fällt mir eine draußen angeschlossene
Waschmaschine auf.
Einige Bettler halten sich auf der Straße auf. Ein junger Chinese
begleitet mich eine ganze Weile und stellt dann auch die unvermeidliche
Frage nach Geldumtausch, ich gehe aber gern darauf ein, kann ich doch in
kleineren Restaurants und auf dem Markt in der Renmimbi-Währung bezahlen.
In einem Speiselokal werde ich sogar nach beiden Geldsorten gefragt, das
Essen soll in Renmimbi und das importierte Carlsberg-Bier in FEC
entrichtet werden.
Sehr beeindruckt hat mich die größte Geschäftsstraße Shanghais, die
Nanjing Road, aber weniger wegen der Geschäfte und Warenangebote als
wegen der unendlichen Menschenmassen. Ich glaube nicht, irgendwann später
einen solchen Menschenauflauf gesehen zu haben.
Im übervollen Bus fahre ich zum Acrobatic-Theater, es hat aber leider an
diesem Tag geschlossen, schade. Dann weiter zur Exhibition Hall oder
Ausstellungshalle und schließlich zum Jade-Buddha-Tempel mit dem, wie der
Name schon sagt, wertvollen Buddha aus Jade.
Aber auch andere Buddha-Figuren sind hier zu besichtigen.
Der Gottesdienst oder die Unterweisung erfolgt durch Taktvorgabe. Die
hier lebenden Mönche, so erklärt mir mein Begleiter, dürfen nicht
heiraten, kein Fleisch, keine Eier und keinen Fisch essen.
Abends auf dem Weg ins Hotel zurück ist die Stadt dunkel, keine
Schaufensterbeleuchtung animiert zum Bummel. Manchmal fährt jemand auf
einem mit Hand angetriebenen Fahrrad. Einige Male kommen Frauen oder
Kinder zu mir und kraulen meinen Bart.
Taschentücher werden nicht benötigt, im Bedarfsfall wird ein Finger an
die Nase gedrückt und kräftig geschneuzt. Ober werden, wie man es aus
alten Filmen kennt, durch Klatschen gerufen, ich habe aber die
europäische Verhaltensweise vorgezogen.
Auf dem Bund, einer schönen mit vielen Bäumen bepflanzten Straße neben
dem Fluss, haben sich etliche Chinesen zum Schattenboxen aufgereiht.
Ich mache lange Spaziergänge, sehe mir den Hafen an und versuche, das
Shanghai zu finden, das ich aus Abenteuerbüchern kenne und das meiner
Vorstellung am nächsten kommt. Aber ich habe leider keinen Erfolg, die
Zeit, als Matrosen sich in Hafenkneipen aufhielten, als in lasterhaften
Opiumhöhlen gespielt wurde, ist vorbei.
Zu spät bemühe ich mich um eine Hafenrundfahrt, sie dauert 3 ½ Stunden
und passt leider nicht in meinen Zeitplan.
Es soll, so erzählt mir ein junger Mann, der mich zeitweise begleitet, 49
Universitäten in Shanghai geben, meine Nachfrage, ob er vielleicht
Fakultäten meint, wird verneint.
Auf dem Flughafen, vor dem Weiterflug nach Xian, spricht mich ein älterer
Mann an, er sieht an meinem Buch "Die Abenteuer des Sherlock Homes", dass
ich aus Deutschland bin.
Sechs Stunden wartet er bereits auf den Weiterflug. Wir kommen ins
Gespräch und er erzählt, dass er 70 Jahre alt und Arzt ist und sich auf
dem Weg zu einem Ärztekongress befindet.
Der Mann ist sehr belesen, kennt Werke von Nietzsche, Freud und
Schopenhauer, aber auch Conan Doyle.
Der Flug dauert zwei Stunden und gegen Mitternacht landen wir.
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