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Irland. Reisehandbuch (Broschiert) von Ralph-Raymond Braun (Autor)
DuMont Reise-Taschenbuch Irland (Taschenbuch) von Susanne Tschirner (Autor)
Dublin. Marco Polo Reiseführer. Reisen mit Insider-Tipps. Mit Cityatlas (Marco Polo Reiseführer) (Broschiert) von John Sykes Autor)
Mietwagentour Irland
Castle in Kinvarra
bei Kinvarra
glücklich vereint
Black Head
Black Head
Brücke in Doolin
bei den Cliffs
bei den Cliffs
Cliffs of Moher
Pub in Doolin
Dublin, Temple Bar
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Irland
stürmische Tage auf der Grünen Insel
oder
unterwegs von Pub zu Pub
Text und Fotos: Horst Wehrse
Anstrengend werden sie werden, die nächsten Tage. Fünf
unternehmungsfreudige Männer im besten Alter und eine gut gefüllte
Skatkasse, die Voraussetzungen könnten nicht besser sein.
Dank Ryan Air liegt Dublin nur gut 1 ½ Stunden von Bremen entfernt und am
Preis für das Ticket ist auch nichts auszusetzen.
Wilfried hatte die Reise Ende letzten Jahres geplant, den Flug und die
meisten Übernachtungen im Internet gebucht und sich um ein Mietauto
gekümmert. Er wurde unterstützt durch Simon, der als echter Ire das Land und
die Szene perfekt kennt und sich freut, uns seine Heimat zeigen zu können.
Harms und Heiner sind mit von der Partie, dass ich an der Fahrt teilnehmen
kann, ergibt sich berufsbedingt erst einige Wochen vorher. Wir fliegen am
07. März 2008.
Den Dubliner Flughafen habe ich wesentlich kleiner und übersichtlicher in
Erinnerung, aber mein bisher einziger Irlandaufenthalt liegt auch schon rund
25 Jahre zurück. Simon meint, der Airport und die angrenzende
Verkehrsführung sei gerade in den letzten Jahren mächtig vergrößert und
erweitert worden.
Nach dem Auschecken begeben wir uns zur Autovermietung und nehmen den VW
Bora in Empfang.
Eigentlich wollten wir die ersten Tage in der Hauptstadt verbringen, aber
das an diesem Wochenende stattfindende Rugby-Länderspiel Irland vs. Wales
hat so viele Zuschauer angezogen, dass es uns unmöglich ist, eine Unterkunft
zu einem akzeptablen Preis zu erhalten. Also weiter westwärts bis Galway,
einmal quer über die Insel. Es dauert, bis wir das Straßengewirr um den
Flughafen herum hinter uns lassen können, Rush hour und die vielen
Baustellen erleichtern das Fortkommen nicht gerade. Simon erweist sich im
Linksverkehr aber als sicherer Fahrer.
Einmal verpassen wir im dicken Verkehrsgetümmel die richtige Abfahrt und
sind gezwungen, einen Passanten zu fragen. Und so erleben wir gleich am
ersten Tag irische Gastfreundlichkeit. Ein Mann erklärt uns nicht nur den
Weg, nein, er fährt gut 10 km vor uns her, bis wir wieder in der richtigen
Spur sind. Auf der Autobahn, hier ist eine Mautgebühr zu entrichten, geht es
zügig voran und wir haben Zeit genug, um unterwegs bei einsetzender
Dunkelheit noch eine Pause einzulegen.
Genüsslich stoßen wir in Kinegad auf einen schönen Urlaub an und lassen uns
die samtschwarze Flüssigkeit schmecken. In den folgenden Tagen werden wir
überwiegend dunkles Stout trinken, Guinness, Kilkenny und Smithwicks. Beim
Lagerbier handelt es sich meist um Importware, Heineken wird eigentlich in
jedem Pub ausgeschenkt.
Ein kleines Mädchen kommt an unseren Tisch, zeigt auf einen Block und sagt
etwas, das ich nicht verstehe. Es sieht aus, als ob sie ein Los verkaufen
möchte. Ich schüttele bedauernd den Kopf und sie entfernt sich. Kurze Zeit
später herrscht uns eine junge Frau, nicht die Mutter, an und beschwert
sich, dass wir das Kind verstört hätten. Simon versucht noch, die Sache
richtig zu stellen, die Frau lässt ihn aber gar nicht aussprechen. Meine
Mitreisenden zögern nicht, mich in den nächsten Tagen an diesen Vorfall zu
erinnern.
Gegen 22.00 Uhr sind wir an unserem ersten Ziel, checken im Hotel "Kingsvalley"
am Stadtrand von Galway ein und lassen den Tag in der Bodkin´s Bar
ausklingen.
Nach einem guten irischen Frühstück mit Eiern, Bacon, Würstchen und Black
Pudding steigen wir wieder in unser Auto und orientieren uns in Richtung
Cliffs of Moher. Die Landschaft ist fantastisch und schon nach kurzer Zeit
können wir den ersten Blick auf die Galway Bay erhaschen. In Kinvarra halten
wir an, spazieren am Wasser entlang, erfreuen uns an den farbigen Häusern,
fotografieren das romantische Dungaire Castle und legen dann eine kleine
Pause in einem gemütlichen Pub ein. Jetzt sind wir im "Burren" angekommen,
einem schroffen Karstland. Manche Wohnungen werden noch mit Torf geheizt,
der Geruch des Rauchs, der aus dem Schornstein steigt, ist unverkennbar.
Die Weiterfahrt ist sehr interessant, das Wetter wird stürmischer und rauer,
hohe Wellen peitschen an die immer steiler werdende Küste. Einen besonders
guten Eindruck von der Natur erhalten wir am "Black Head".
Gegen Mittag kommen wir in Doolin an, dem Zentrum der irischen Folkmusik.
Nach einem überaus reichhaltigen Lunch geht es weiter und kurze Zeit später
haben wir unser Tagesziel erreicht, die Cliffs of Moher.
Die Klippen sind 8 km lang, weithin sichtbar und sicherlich eine der
Attraktionen der irischen Westküste. Bei meinem letzten Besuch konnte ich
noch direkt an die bis zu 230 m hohe Steilküste fahren, jetzt muss das Auto
auf einem Parkplatz abgestellt werden. Ein Besucherzentrum wurde direkt in
den Fels hineingebaut. Wir spazieren bis zum O ´Brien`s Tower und
beobachten, wie sich die Wellen unter uns an der Felswand brechen, es ist
ein grandioses Schauspiel. Gerade der Sturm und die jetzt einsetzende
Dunkelheit verleihen dem Naturspektakel noch einen ganz besonderen und
einmaligen Reiz.
Den Rest des Tages bleiben wir in Doolin, die Übernachtung im "Tir Gan Ean
House" hatte uns der Hotelier aus Galway tagsüber telefonisch vermittelt.
Eigentlich wollten wir abends in den auch im Reiseführer beschriebenen
O´Connor`s Pub, einer bekannten Musikkneipe, aber es regnet und eine Frau
empfiehlt uns ein Lokal in der Nähe. Gern nehmen wir den Vorschlag an, essen
etwas und frönen anschließend dem Kartenspiel. Irgendwann beginnt ein Trio
mit irischer Volksmusik und kurze Zeit später ist der Pub zum Bersten voll.
Wir erleben eine Stimmung, wie sie besser und ausgelassener nicht sein
könnte. Gäste aller Altersklassen vergnügen sich hier, erfreuen sich an der
Musik und feiern fröhlich in den Sonntag hinein. Die Band, Akkordeon,
Gitarre und Flöte, selbst dem heimischen Bier nicht abgeneigt, sorgt in
bester Manier dafür, dass der Wirt einen guten Umsatz einfährt. Gegen 1.00
Uhr wird der Zapfhahn hoch gestellt.
Unsere nächste Tagestour planen wir bis Clifden. Simon hatte den Ort schon
häufiger besucht und wir folgen gern seiner Empfehlung. So kehren wir nach
Galway zurück, legen eine kurze Rast ein und fahren dann in nordwestlicher
Richtung weiter in die Region "Connemara", einem einsamen Moorland mit
vielen kleinen und urigen Seen. Schafe grasen auf dem wenig fruchtbaren
Boden, auf einem Hof wird, welche Überraschung, eine kleine Lamaherde
gehalten.
Mitten in der kargen Landschaft halten wir vor einem unscheinbaren Pub an
und glauben anfangs, nicht mehr in Irland zu sein. Hier wird nur Gälisch
gesprochen, das Fernsehen überträgt eine Partie des in dieser Region sehr
populären Sports "Hurling" und der Kommentar kommt lautstark in gälischer
Sprache aus dem Radio. Einige Gäste fragen interessiert, wie das Spiel
heißt, dem wir so leidenschaftlich am Kartentisch nachgehen.
Auf kleinen Landstraßen geht es weiter, das Wetter hat umgeschlagen und es
ist wieder trübe, windig und regnerisch. Die Beschilderung erfolgt meist
zweisprachig, allerdings vermissen wir häufig Hinweise auf die folgenden
größeren Orte, Vorwegweiser könnten in Irland ruhig zahlreicher angebracht
sein.
In strömendem Regen erreichen wir gegen 21.00 Uhr unser Ziel. Clifden, am
Owenglin River gelegen, zählt rund 2.000 Einwohner und ist einzige Stadt in
Connemara. Im "Foyles Hotel" verbringen wir die nächste Nacht, vorher
stärken wir uns noch im benachbarten Restaurant mit leckeren Flusskrebsen
und beenden den Sonntag mit gemütlichem Kartenspiel.
Auch am anderen Morgen hat sich das Wetter nicht verbessert. Wir orientieren
uns wieder in Richtung Galway. Einmal nehmen wir eine falsche Abzweigung, da
ein Spaßvogel am Verkehrsschild gedreht hat. Ein paar Fotos mache ich im bei
Anglern sehr bekannten und beliebten Ort Oughterard, konzentriere mich aber
auf die im Zentrum befindliche alte Steinbrücke und auf die graue
Ortskirche. Die Stadt Galway lassen wir dank des an vielen Kreuzungen
vorherrschenden Kreisverkehrs relativ zügig hinter uns und in Ballinasloe
ist Mittagspause angesagt.
Hier trifft mich der Schreck, habe ich morgens im Hotel doch meinen
Brustbeutel mit Führerschein, Personalausweis etc. vergessen. Das ist mir
auf allen bisherigen Reisen noch nie passiert!
Aber die Angelegenheit findet ein gutes Ende, wir verabreden telefonisch,
dass meine Wertsachen per Express an das bereits reservierte Hotel in Dublin
versandt werden – und es hat geklappt.
Gegen Abend kommen wir in Bray an. Diesen Ort wollten wir seit vielen Jahren
besuchen, da Simon hier geboren wurde und lange gelebt und gearbeitet hat.
Leider ist es schon dunkel und wir können nur erahnen, wie schön es tagsüber
sein kann. Das Lokal "Jim Doyle & Sons", das Simon früher betrieben hat und
nun seinem Bruder gehört, liegt direkt an der Promenade. Die Lage an der
Strand Road könnte nicht besser sein und wir sind sehr beeindruckt. Zwar
haben wir schon häufig über die Zeit und Arbeit in Bray gesprochen, aber
dennoch, der Besuch dieses Pubs hat uns mehr als überrascht. Wir lernen
Simons Verwandtschaft kennen und verbringen den Abend in seiner alten
Heimat. Ein paar 100 m weiter liegt das Geburtshaus von James Joyce, dem
wohl bekanntesten Schriftsteller des Landes.
Gegen Mitternacht halten wir vor dem "Eganshouse Hotel" in Dublin, unserer
letzten Station auf dieser Reise.
Irland hat sich in den vergangenen Jahren mächtig entwickelt, die früher
eher beschauliche Hauptstadt gehört jetzt zu den europäischen
Spitzenmetropolen. Wirtschaftswachstum, geringe Arbeitslosigkeit,
ökonomischer Mut und unternehmerische Weitsicht sollen aber, so Simon, auch
den Preis und die Inflation in die Höhe getrieben haben. So ist
beispielsweise der Immobilienverkehrswert im letzten Jahrzehnt gewaltig nach
oben katapultiert, man spricht von mehreren 100 %. Wir erleben diesen
Anstieg nur teilweise. Benzin kostet hier weniger als in Deutschland, die
Hotel- und Bewirtungspreise sind etwa mit den unseren zu vergleichen,
lediglich das Bier ist etwas teurer. An der Forderungshöhe unseres
Autovermieters ist auch nichts auszusetzen. Ich hatte mir, nach Simons
Erzählungen, den Aufenthalt doch preislich aufwändiger vorgestellt.
Das Land zählt gut 4 Mio. Einwohner, darunter rund 1 Mio. in der Hauptstadt.
Allerdings sollen über 40. Mio. Menschen noch einen irischen Pass besitzen.
Sie wohnen in allen Teilen der Welt, einen besonders hohen Anteil an
irischen Staatsbürgern haben Amerika (Boston, Massachusetts), England und
Australien. Seit 1949 gehört Irland nicht mehr dem Commonwealth an.
Mit dem Stadtbus fahren wir am nächsten Morgen ins Zentrum und steigen in
der 0´Connel Street aus, Dublins Prachtboulevard. Hier befindet sich u. a.
eine Statue von James Joyce und das geschichtsträchtige General Post Office,
dem Schauplatz des 1916 stattgefundenen Osterputsches. Heute werden in den
Räumen wieder Postgeschäfte abgewickelt und wir staunen über die prächtige
Einrichtung.
Da uns nur begrenzte Zeit zur Verfügung steht beschließen wir, uns einer
Bus-Stadtbesichtigung anzuschließen. Die Fahrzeuge halten an 23 markanten
Plätzen, man kann bei Bedarf aussteigen, sich die Gegend ansehen und mit
einem der folgenden die City Tour fortsetzen.
Gleich nach der Anfahrt wird uns der Millenium Spire erklärt, ein 120 m
hoher Leuchtturm aus Edelstahl: "Stiletto in the ghetto". Wir überqueren
dann den River Liffey und fahren am Trinity College vorbei, Irlands
bekanntester Hochschule. Am Merrion Square können wir beobachten, wie Oscar
Wilde sich auf einem Fels bequem in Stellung setzt. City Hall, Dublin Castle,
Molly Malone, ein Pub, der nur Platz für acht Personen hat, und Christchurch
Cathedral sind weitere Sehenswürdigkeiten auf dieser Tour. Die
Guinnesbrauerei und der Phoenixpark mit dem Wellington Monument sind die
nächsten Stationen. In der Nähe der Temple Bar verlassen wir den Bus und
verbringen den restlichen Tag in diesem Bezirk, der sich in den letzten
Jahren zum Zentrum des Dubliner Nachtlebens entwickeln konnte.
Harms, unser Geldverwalter, ahnt, dass die letzten Bar-Reserven draufgehen
werden.
Die Pubs, ihre Einrichtung und ihr Flair faszinieren mich. Natürlich
wechseln wir einige Male die Lokalität. Längere Zeit verweilen wir in der
Bar "The Oliver St. John Gogarty". Hier wird bereits nachmittags irischer
Folk angeboten. Ein Instrument ist mir nachhaltig in Erinnerung: Die Uileann
Pipe, eine Art Dudelsack, bei dem die Luft nicht mit dem Mund hinein
geblasen wird, sondern mit einem Blasebalg. Simon verlässt uns hier, um sich
mit seinen Kindern zu treffen. Später sehen wir uns wieder in der "Temple
Bar".
Dieser Pub hat es in sich. An einem ganz normalen Wochentag ist es fast
unmöglich, einen Sitzplatz zu ergattern. Die Atmosphäre ist einfach
einzigartig und die Stimmung könnte besser nicht sein. Das Duo mit Gitarre
und Banjo ist daran nicht ganz unschuldig. Bei dieser fetzigen Lifemusik
muss ganz einfach gute Laune aufkommen.
Man kann auch sagen: Ein Abschied nach Maß.
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