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Litauen: Das komplette Handbuch für individuelles Reisen und Entdecken auch abseits der Touristenpfade Günther Schäfer (Autor)

LONELY PLANET Reiseführer Estland, Lettland & Litauen

ADAC Reiseführer Baltikum: Estland, Lettland, Litauen: Estland, Lettland, Littauen. TopTipps: Hotels, Restaurants, Stadtbilder, Museen, Naturparks, Feste, Aussichtspunkte, Kirchen, Christine Hamel (Autor)
die Nehrung
Blick auf die Nehrung
Juodkrante
Juodkrante
Juodkrante
Strand bei Juodkrante
Nida
Nida
die Parnidder Düne
die Parnidder Düne
Thomas-Mann-Haus
Ännchen von Tharau
Windjammer Meridianas
in Palanga
in Palanga
Weißer Schwan
Kaunas Rathausplatz
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Kaunas-Klaipeda-Kurische Nehrung
eine Reise durch Litauen
Text und Fotos: Horst Wehrse
Es ist schon dunkel, als die
Boeing der Ryanair in Bremen abhebt. Gut 100 Minuten und eine Skatrunde
später landen wir in Kaunas, hier ist die Uhr wegen der Zeitverschiebung
schon um eine Stunde vorgerückt. Die Abfertigung geht zügig vonstatten und
ein Pass oder Ausweis braucht nicht mehr vorgezeigt zu werden. Im Flughafen
versorgen wir uns an einem Automaten mit dem nötigen Kleingeld und fahren
dann mit einem Taxi zum Hotel "Kaunas".
Jetzt, bereits nach
Mitternacht, sind die Unterhaltungsmöglichkeiten gering. Eine Diskothek in
unserer Straße und ein Burger in der Nähe sorgen dafür, dass wir nicht
hungrig oder durstig ins Bett müssen. Unser Hotel liegt an der Laisvės alėja,
der Freiheitsallee, einer breiten Fußgängerzone mit schönen schattigen
Baumreihen in der Mitte, zentral und in Sichtweite zur Altstadt.
Am nächsten Morgen, nach
einem sehr guten Frühstück, fahren wir wiederum zum Flughafen und nehmen
dort unser Mietfahrzeug in Empfang. Es handelt sich um ein Auto japanischer
Herkunft, das von einigen unserer Mitreisenden argwöhnisch betrachtet wird,
mir aber bestens gefallen hat.
Bis Klaipėda sind es nur 217
km, wir können die Strecke auf der Autobahn also in gut zwei Stunden
schaffen. Fakt ist jedoch, dass wir erst nach 7-stündiger Fahrt eintreffen.
Das Wetter ist herrlich, die Sonne scheint vom Himmel und wir nutzen jede
Gelegenheit, um bei den reichlich vorhandenen Raststätten eine Spiel- und
Rauchpause einzulegen. Manchmal zwingt uns allerdings ein allzu heftiger
Wind, ins Lokal hinein zu gehen. Eine Speisekarte in englischer Sprache ist
in den meisten Fällen vorhanden, in der letzten Station werden nur
alkoholfreie Getränke verkauft.
Klaipėda
Gegen Abend erreichen wir
Klaipėda und fahren ohne Umweg direkt zum Hotel "Klaipėda", das vor einigen
Wochen in "Amberton" umfirmiert hat. Vor ziemlich genau 11 Jahren, während
meiner Reise durch das Baltikum, war ich hier ebenfalls abgestiegen. Aber
wie hat es sich verändert, ich erkenne rein gar nichts wieder. Der
postsowjetische Charme, den ich in Erinnerung habe, ist nicht mehr
vorhanden. Uns werden Zimmer im neuen Teil der Anlage, dem so genannten
K-Zentrum, zugewiesen, aber vorher fahren wir mit einem der
Panoramafahrstühle in die Bar im 20. Stock, spielen Karten, trinken frisch
gezapftes Bier und genießen den perfekten Blick auf das Kurische Haff, den
Hafen und die Nehrung – und das alles begleitet von einem romantischen
Sonnenuntergang.
Klaipėda, das frühere Memel,
hat rund 188.000 Einwohner, darunter knapp 30 % Russen. Alte Speicher und
Fachwerkhäuser zeugen davon, dass das Memelland bis zum Ausbruch des 2.
Weltkriegs zum deutschen Reich gehörte, denn der typische Baustil des
Baltikums ist anders und Fachwerk gehört absolut nicht dazu.
Wir gehen über den Fluss
Danė (Dange), der Windjammer "Meridianas" liegt hier nach wie vor fotogen
vor Anker. Natürlich steuern wir auch die vielleicht bekannteste
Sehenswürdigkeit der Stadt an, das Standbild "Ännchen von Tharau" mit dem
Simon-Dach-Brunnen auf dem Theaterplatz. Tagsüber ist diese Gegend den
Souvenirhändlern vorbehalten. Das Alte Theater und das Schauspielhaus,
verschiedene Restaurants und Bistros sind hier angesiedelt. So auch ein paar
Schritte weiter das "Memelis", ein alter Speicher direkt am Fluss. Wir
nehmen, obwohl der Kalender schon Herbst anzeigt, draußen auf der Terrasse
Platz, spielen Karten und essen zu Abend. Später wechseln wir noch ins "Hemingway´s".
Kurische Nehrung
Der nächste Tag steht ganz
im Zeichen der Kurischen Nehrung. Gefühlte zwei Minuten benötigt die
Autofähre, die uns von Klaipėda über das Haff auf die Nehrung bringt. Eine
große Hinweistafel am anderen Ufer versorgt uns mit Informationen. Im
Reiseführer wird Wilhelm von Humboldt zitiert: "Die Kurische Nehrung ist so
merkwürdig, dass man sie gesehen haben muss, wenn einem nicht ein
wunderbares Bild in der Seele fehlen soll".
Die Landzunge misst
insgesamt 98 km, 52 km befinden sich auf litauischem Gebiet und 46 km in der
Kaliningrader Oblast. Eingeschlossen wird die Nehrung im Westen von der
Ostsee und an der östlichen Küste vom Kurischen Haff, die breiteste Stelle
beträgt knapp vier Kilometer. Der Nationalpark gehört zum UNESCO-Welterbe.
Nachdem wir 50 Litas für
Maut, das entspricht rund 14,50 Euro, entrichtet haben, kann die Reise
beginnen. Simon erweist sich wieder als sicherer Fahrer, Harms, Heiner und
Wilfried sitzen im Fond und überlassen mir als Rekonvaleszenten
freundlicherweise den Beifahrerplatz.
Nach einigen Kilometern
halten wir an und gehen ans Haff, es herrscht friedliche Samstagsstille, ab
und zu fährt ein Auto vorbei. Einige Vogelschwärme fliegen über uns,
angeblich befindet sich hier in der Gegend die größte Kormorankolonie des
Landes. Auch Elche sind noch auf der Nehrung beheimatet, wir jedoch haben
keinen gesehen. Die Sonne meint es gut mit uns so wird dieser Tag als
Höhepunkt unserer Litauen-Reise in Erinnerung bleiben.
Kurz darauf ist Juodkrantė
(Schwarzort) erreicht. Wir spazieren am Haff entlang und legen dann eine
kleine Kartenpause ein. Schöne Holzhäuser, viele restauriert und frisch
angestrichen, verleihen diesem Ort einen gewissen Charme. Gemütliche Hotels
in malerischen Gebäuden lassen in uns den Gedanken keimen, vielleicht noch
einmal hierher zurück zu kehren. Ich kannte Juodkrantė bisher nur vom
Durchfahren, denn bei der ersten Reise hatte ich mich nur in Nida
aufgehalten. Dass es sich um einen früheren weltbekannten und mondänen
Kurort handelt, ist heute nur schwer vorstellbar.
Kurz hinter dem Ortsschild
verlassen wir die Hauptstraße und fahren über einen holprigen Waldweg an die
Ostsee. Kleine Holztritte erleichtern das Klettern über die Dünen und dann
liegt der Strand vor unseren Augen. Zu beiden Seiten kilometerlanger weißer
Sand – und das exklusiv für uns, denn es ist so gut wie keine weitere
Menschenseele in Sicht. Man hätte jetzt, Ende September, bestimmt noch ins
Wasser gehen und baden können, wenn da nicht die roten Warnflaggen gewesen
wären.
Häufig begegnen wir
Pilzsammlern, ihre Körbe bersten unter der Last der reifen Früchte.
Am frühen Nachmittag
erreichen wir Nida (Nidden), die bekannteste und wohl auch beliebteste
Ferienstätte der Nehrung. Wir fahren durch den Ort und halten vor einem
kleinen Lokal. Deutsche Gäste sitzen davor an Holztischen und versichern
uns, dass es hier den besten Fisch gibt. Wir brauchen nicht lange zu
überlegen und nehmen die Empfehlung gern an. Der Zander schmeckt
ausgezeichnet und gibt uns die nötige Kraft für die Dünenbesteigung.
Nida ist im Vergleich zu
meinem ersten Besuch noch schöner geworden. Die gemütlichen Fischerhäuser
mit ihren gepflegten Vorgärten strahlen um die Wette. Geschnitzte
Holzfiguren, die gelegentlich auf dem Rasen aufgestellt sind, verleihen dem
Ganzen noch einen besonderen Reiz. Hier ist in den letzten Jahren viel
investiert worden. Durch einen Kiefernwald nähern wir uns der 52 m hohen
Parnidder Düne. Nun sind noch 170 Treppenstufen zu bewältigen und schon ist
der Sandberg erklommen. Der Aufstieg ist unbedingt empfehlenswert, das
Panorama, das sich einem bietet, phantastisch. Das Haff, die Ostsee und das
Kaliningrader Gebiet, alles ist wunderbar zu erkennen. Viele andere Gäste,
darunter ein Brautpaar, genießen ebenfalls die wunderbare Aussicht. Es ist
schon außergewöhnlich, manchmal hat man den Eindruck, in Südeuropa zu sein.
Nach einer kurzen Pause
machen wir uns auf den Heimweg und fahren noch beim Thomas-Mann-Haus, das
allerdings geschlossen ist, vorbei. In diesem, auch "Onkel-Tom´s-Hütte"
genannten, Anwesen hielt sich der Nobelpreisträger während der Sommermonate
der Jahre 1930 bis 1932 auf.
Auf dem Rückweg verlassen
wir noch einmal die Hauptstraße und streifen einen kleinen am Kaff gelegenen
Ort. Meine Sorge, die Fähre nach Klaipėda könnte nach Einbruch der
Dunkelheit ihren Dienst schon eingestellt haben, erweist sich als
unbegründet, allerdings müssen wir eine knappe Stunde warten, bevor wir das
Schiff betreten. Ein satter Vollmond beobachtet das Treiben.
Die restlichen Abendstunden
verbringen wir wieder in der Nähe des Rathausplatzes. Unsere Stimmung könnte
besser nicht sein, hatte Werder doch gerade den HSV mit 3:2 besiegt. Jetzt
noch ein paar Skatrunden im 20. Stock unseres Hotels und ein wunderbarer Tag
neigt sich dem Ende zu.
Auch am nächsten Morgen
scheint, entgegen der Internet-Wettervorhersage, die Sonne. Da uns das Auto
noch den ganzen Tag zur Verfügung steht, entscheiden wir uns für einen
Abstecher nach Palanga, denn schließlich ist dieser Ort nur 27 km vom
früheren Memel entfernt.
Jetzt sind wir also im
größten Ferienort Litauens. Wir parken in der Nähe der Promenade und wandern
zum Strand. Auch hier weißer Sand, der sich bis zum Horizont erstreckt.
Viele Gäste machen ihren Sonntagsspaziergang, ich fühle mich etwas an
Jurmala bei Riga erinnert. Am Ende der Promenade laden feste Bänke zum
Verweilen mit Blick auf die Ostsee ein. Restaurants, Imbissbuden und
Souvenirläden sind in ausreichender Anzahl vorhanden. Trotz emsigen Spähens
gelingt es uns aber nicht, eine Matrjoschka als Mitbringsel zu erwerben. Das
Feilbieten dieser Puppe erinnert wohl doch noch zu sehr an die vergangene
sowjetische Zeit.
Nach Autobahn steht uns auf
der Weiterfahrt nicht der Sinn und so orientieren wir uns auf der Landstraße
nach Plungė und halten uns dann südlich. Einmal wollen wir noch einkehren,
verlassen die Straße und stoppen vor dem "Aleksandravo". Das wunderbar
restaurierte Haus liegt im Wald versteckt an einem kleinen See und wir
verbringen einige Stunden in dieser heimeligen Atmosphäre. Hier werden auch
Cepelinai angeboten, eine landestypische Speise aus geriebenen Kartoffeln
und Hackfleischfüllung. Mir haben sie gut geschmeckt.
Nun dauert es nicht mehr lange bis zur Autobahn.
Es ist schon dunkel, als wir
Kaunas erreichen. Das Wetter hat umgeschwenkt und die Scheibenwischer haben
Probleme, mit dem Regen fertig zu werden. Leider ist der Flughafen nicht
frühzeitig ausgeschildert und so müssen wir einmal an einer Tankstelle
nachfragen. Die Verständigung ist nicht besonders, da unser freundlicher
Helfer nur ein paar Brocken Englisch spricht. Schließlich erreichen wir doch
noch unser Ziel, geben das Auto ab und fahren mit dem Taxi ins Hotel.
Kaunas
Jetzt sind wir also zurück
in Litauens mit über 350.000 Einwohnern zweitgrößter Stadt. Die Altstadt, wo
sich das touristische Geschehen abspielt, liegt etwa einen Kilometer vom
Hotel entfernt und ist schnell erreicht. In der an beiden Seiten von
Geschäften, Souvenirshops und Lokalen gesäumten Fußgängerzone finden wir
tatsächlich, obwohl nur 4 % der Stadtbevölkerung aus Russen besteht, die
begehrte Matrjoschka.
Kurz bevor wir den
Rathausplatz betreten, besuchen wir die St.-Peter-und-Paul-Kathedrale, das
größte Bauwerk der Altstadt und größtes gotisches Gebäude Litauens. Ihr 42 m
hoher Turm ist weithin sichtbar. Sehr beeindruckend ist der Hauptaltar.
Und dann sind wir auch schon
am Rathausplatz, auf dem früher Märkte abgehalten wurden. Unser Blick fällt
sogleich auf den "Weißen Schwan", ein weißes Gebäude im Zentrum des Platzes
mit schlankem 53 m hohem Turm. Das frühere Rathaus wird jetzt als Standesamt
genutzt, im Untergeschoss befindet sich ein Keramikmuseum. Am Platz bzw. in
unmittelbarer Nähe sieht man dann noch weitere Kirchen, Museen und
renovierte Bürgerhäuser. Das Wetter meint es wieder gut mit uns und
beschwingt machen wir uns auf den Weg zu den Aleksotas-Hügeln.
Auf der Vytautas-Brücke
überqueren wir die Nemunas, den Fluss, der in der deutschen
Vorkriegs-Nationalhymne noch als "Memel" bezeichnet wurde. Eine
Standseilbahn fährt lt. Reiseführer in regelmäßigen Abständen auf den Hügel,
allerdings nicht heute, denn sie wird repariert. Harms und Heiner lassen
sich davon nicht beirren und nehmen die 262 Stufen in Angriff. Die Aussicht
auf Stadt und Fluss ist, wie sie später berichten, sehr interessant.
Allerdings kann von dieser Stelle aus nicht der Zusammenfluss von Nemunas
und Neris, wie im Reiseführer beschrieben, erkannt werden.
Nach einer ausgedehnten
Mittagspause haben wir noch einen Punkt auf dem Programm, nämlich die
Burganlage, die erste Festung Litauens, gelegen am Ufer des Flusses Neris.
Ein Besuch der Kunstausstellung im Inneren ist nur während der Sommermonate
möglich und somit uns nicht mehr vorbehalten. Aber es stört nicht. Wir
suchen uns stattdessen ein Lokal mit stabilem Kartentisch. Es hat
mittlerweile angefangen zu regnen, aber auch das ist uns jetzt egal.
Nun ist auch schon der
letzte Tag unserer Reise angebrochen. Bevor wir zum Flughafen aufbrechen,
gehen wir noch zum Unabhängigkeitsplatz mit der Hl.-Erzengel-Michael-Kirche
und fahren dann mit einer anderen Standseilbahn auf den vor uns empor
steigenden Stadthügel. Hier kann die von der Innenstadt sichtbare moderne
Auferstehungskirche besichtigt werden. Zwei Runden Skat und ein Mittagessen
später rufen wir das Taxi.
Fazit
Die Reise hat sich gelohnt,
gerade von Bremen ist es dank Ryanair sehr einfach, Litauen zu erreichen.
Eine andere Möglichkeit, die wir auch schon vorher in Betracht gezogen
hatten, wäre, mit der Fähre von Kiel bis Klaipėda zu fahren. Allerdings
berichten die Medien gerade jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, von einer
Explosion auf einer Fähre zwischen Deutschland und Litauen.
Das Land hat sich seit der
Unabhängigkeit sehr entwickelt, auch wenn hier und da noch ein Tupfer Farbe
angebracht wäre.
Litauen ist ein sehr
preiswertes Urlaubsland. Das Preis/Leistungsverhältnis bei Essen, Trinken
und Unterkunft ist für europäische Verhältnisse sehr günstig.
Auch die Verständigung
stellt kein Problem dar. Von Ausnahmen abgesehen, fanden wir immer Menschen,
die uns auf Englisch weiterhelfen konnten, in den Lokalen und Hotels
sowieso. Und Verständigungsdefizite können ja auch durchaus den Reiz einer
Auslandsreise ausmachen.
Für Reisende aus EU-Ländern
und der Schweiz besteht keine Visumpflicht mehr.
Der Geldtausch ist relativ
einfache. Kreditkarten werden in den meisten Hotels und Geschäften
akzeptiert, Geldautomaten stehen, zumindest in den größeren Ortschaften,
ausreichend zur Verfügung.
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