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Korsika von Wolfgang Kathe
Korsika von Marcus X. Schmid
Baedeker Allianz Reiseführer, Korsika
Turm von Pisa
Kap Corse
Kap Corse
Blick auf Bastia
bei SolenzaraBonifacio
Punta de la Parata
wird das köstlich schmecken!
Brautschleierwasserfall
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Korsika
wo Napoleons Wiege stand
Text und Fotos: Horst Wehrse
Freunde von uns waren schon einige Male auf Korsika und kamen immer
wieder mit leuchtenden Augen zurück. Also beschlossen Elisabeth und ich, der
Sache auf den Grund zu gehen und uns ein eigenes Urteil zu bilden. Wir haben
es nicht bereut, im Gegenteil, es war eine sehr erlebnisreiche Reise mit
interessanten Ortschaften und wunderschöner Natur.
Da Elisabeth nur während der schulfreien Zeit verreisen kann, sind wir auf
die Ferien angewiesen. Im April 1993 fahren wir los. Gerne hätte ich meinen
Golf Cabrio genommen, leider ist er in der Werkstatt und wird nicht
rechtzeitig fertig. Gerade jetzt im Frühling mit offenem Dach über die Insel
zu rauschen stelle ich mir besonders schön vor, aber es geht halt nicht.
Korsika hat etwa 220.000 Einwohner. Sie ist viertgrößte Mittelmeerinsel und
hat eine Ausdehnung von 184 km Länge und 83 km Breite.
Mit Elisabeths Kadett fahren wir zunächst bis in die Schweiz und übernachten
dort. Am nächsten Morgen geht es am Vierwaldstätter See und am Lago Maggiore
vorbei. Es ist leider sehr neblig und verhangen, die gewaltige Bergkulisse
lässt sich nur erahnen. Abends erreichen wir La Spezia und bleiben hier für
zwei Tage.
Jetzt haben wir noch ausreichend Zeit, eine kleine Tour durch die Toskana zu
machen, vor Jahren hatten wir hier zusammen unseren Jahresurlaub verbracht.
Trotzdem ist es schön, noch einmal die toskanische Landschaft zu erleben
oder einige Städte zu besuchen. Einen jeweils längeren Halt legen wir in
Massa, Lucca und Pisa ein.
Frühmorgens verlässt die Fähre den Hafen von La Spezia. Den Fahrschein
hatten wir schon vor Wochen in Deutschland erworben.
Nach etwa vierstündiger Fahrt ist Bastia, die mit ca. 50.000 Einwohnern
zweitgrößte Stadt Korsikas, erreicht. Wir halten uns nicht lange auf und
orientieren uns sogleich gen Norden in Richtung Kap Corse. Auf der Landkarte
sieht die Landzunge aus wie ein ausgestreckter Zeigefinger. Häufig halten
wir an und bewundern die prächtige Aussicht, das grün-blaue Wasser, die
herrlichen Buchten. Hier erhalten wir schon die erste Ahnung von der
Schönheit der Landschaft mit der blühenden und duftenden Macchia.
Besondere Sehenswürdigkeiten findet man in Bastia nicht vor. Wir verbringen
die erste Nacht hier und sehen uns die Stadt an, den Place St.-Nicolas im
Zentrum, den neuen Hafen, die Eglise St.-Jean-Baptiste und die Zitadelle in
der eigentlichen Altstadt.
Weiter geht es entlang der Ostküste in südlicher Richtung bis zum Strandsee
Etang de Diane, der früher wie heute für seine Austern bekannt und berühmt
ist. Es werden aber auch Miesmuscheln gezüchtet.
Etwas weiter auf der Route, in Aleria, besichtigen wir das auf einem Plateau
errichtete und weithin sichtbare Fort Matra und eine antike
Ausgrabungsstätte. Den nächsten Stopp legen wir in Solenzara ein, ein nicht
sehr einladend wirkender Badeort direkt an der Küste.
Kurze Zeit später erreichen wir Porto-Vecchio mit seinen tollen Buchten und
Felsenklippen, den langen Sandstränden und großen Pinienwäldern. Der
mittlerweile bedeutendste Fremdenverkehrsort der südlichen Ostküste lebt
außer vom Tourismus noch von der Korkeichenindustrie, von Wein- und
Olivenanbau.
Nun sind wir an der südlichsten Stelle Korsikas angekommen, in Bonifacio.
Der Ort hat etwa 3.000 Einwohner und liegt weithin sichtbar auf einem
Kreidefelsen. Etliche Häuser sind direkt am Rand der Steilküste erbaut und
aus der Ferne meint man, sie könnten gleich ins Meer stürzen. Laut
Reiseführer handelt es sich um einen der schönsten Orte der Insel und ich
kann diese Einschätzung nur bestätigen.
Eine romantische Altstadt mit malerischen Häusern und die herrliche Lage
hoch über dem Wasser eines Fjordes begründen diese Wertung unter anderem.
Es ist Gründonnerstag und eine größere Prozession zieht durch den Ort.
Elisabeth ist von dem Gesehenen ganz angetan, mich packt ein Schüttelfrost
und so gehe ich lieber ins Bett.
Von Bonifacio fahren täglich einige Fähren zum Nachbar Sardinien.
Bei strahlendem Sonnenschein erreichen wir mittags am Ostersonntag die
Hauptstadt Ajaccio. Napoleon wurde hier im August 1769 geboren, zwei Monate
vorher, nach der Schlacht von Ponte Nuovo, war Korsika französisch geworden.
Etwa 55.000 Menschen leben in dieser Stadt, die auf einer Landzunge liegt.
Wir suchen uns ein Hotel und bleiben einige Tage hier. Die Küste im Zentrum
ist meist felsig, manchmal mit kleinen Sandstränden versetzt.
Wir gehen am Fischerei- und Yachthafen vorbei, halten uns eine ganze Weile
am Place M. Foch auf und schlendern durch die Boulevards. Abends lassen wir
uns zur Feier des Tages frischen Fisch munden.
Von den Wurst- und Schinkenspezialitäten Korsikas schwärme ich noch heute.
Man erzählt uns, dass viele Hausschweine noch "halbwild" in der Gegend
herumlaufen und sich im Wald oder in der Macchia ernähren. Durch diesen
Umstand sollen die Schlachtprodukte diesen besonderen Geschmack erhalten.
Auf der Weiterfahrt taucht vor uns der 60 m hohe Punta de la Parata auf, ein
Felskegel mit Genuesenturm, umgeben von einer knallgelb und lila blühenden
Macchia. Der Stopp wird mit einem herrlichen Ausblick über den Golf belohnt.
Nun geht es landeinwärts nach Corte. Unterwegs sehen wir einige Male die
halbwilden schwarzen, weißen oder schwarzweiß gefleckten Schweine und freuen
uns schon auf das nächste Abendessen.
In der Höhe von Bocognano machen wir einen Abstecher zum höchsten Wasserfall
der Insel, dem 150 m hohen Cascade de la Voile de la Mariée, übersetzt
Brautschleierfall.
Corte, 5.500 Einwohner, liegt im Zentrum der Insel, die Altstadt mit der
Festung auf einem steil abfallenden Hügel ist weithin sichtbar. Der Ort
liegt malerisch in einer Berglandschaft.
Vom Place Paoli gehen wir über den Place Gaffori zur Zitadelle. Der Ausblick
in die Umgebung ist grandios.
Porto an der Westküste ist unser nächstes Ziel. Zuerst regnet es, dann
kommen wir, je höher wir fahren, in einen Schneesturm und können kaum noch
etwas erkennen. Einmal denken wir sogar an Umkehr. Aber nach einiger Zeit
hört der Schneefall auf und die Weiterfahrt ist, trotz Sommerreifen,
problemlos. Eine Ziegenherde läuft vor uns und es dauert etwas, bevor wir
sie überholt haben. Die Natur ist wieder gewaltig, tief unter uns windet
sich ein Bach zwischen zwei hohen Bergen.
Porto, am gleichnamigen Golf gelegen, hat sich zu einem touristischen
Zentrum an der Westküste entwickelt, ausschlaggebend sind die wunderbare,
buchtenreiche Küste, der schöne Strand und die landschaftlich herrliche
Kulisse. Zwischen dem eigentlichen Wohnort und dem Sandstrand thront ein
Wachturm auf einem Felsen.
Ganz in der Nähe befinden sich die Calanche (kors.) oder Calanque (franz.),
Felsgebilde, die mit Zacken und Türmen 300 m aus dem Meer wachsen. Von der
Sonne angeleuchtet sehen sie feuerrot aus, wir können dieses Naturschauspiel
leider nicht bewundern, dicke, schwere Wolken ziehen uns einen Strich durch
die Rechnung. Mit etwas Phantasie kann man Tierfiguren in den Felsen
erkennen und so gibt es den Elefanten, den Hund und andere.
Viele Busse und Privatfahrzeuge am Straßenrand bezeugen, dass es sich wohl
um eine echte korsische Sehenswürdigkeit handeln muss.
Es ist ganz praktisch, mit einem PKW unterwegs zu sein. Man kann alle
wichtigen Utensilien mit sich führen, hat alles zur Hand und ist flexibel
und mobil. So legen wir an den meisten Tagen, immer wenn wir einen schönen
Platz sehen, eine ausgiebige Picknickpause ein.
Aufschnitt und frisches Baguette kann man in jedem Ort kaufen, ausreichend
Wasser und Wein ist im Auto immer vorhanden. An einem Nachmittag vespern wir
im Schatten einer schönen Korkeiche.
Jetzt haben wir schon so viele schöne und interessante Orte gesehen und es
gibt tatsächlich noch eine Zugabe.
Calvi (3.600 Einw.) sieht von weitem aus wie eine mittelalterliche Festung.
Trutzig erhebt sich die wuchtige Zitadelle auf einem steilen Felsvorsprung,
darunter die Marina, der Hafen mit Yachten und Fischerbooten. Zahlreiche
Touristen bevölkern den Ort, in den Bistros und Restaurants herrscht abends
ein großes Gedränge. Das ist wohl der Preis, den man für dieses einzigartig
schöne Stadtbild zahlen muss.
Wir belegen ein Zimmer in einem Hotel direkt am felsigen Ufer und haben von
der Terrasse einen weiten Blick auf das Mittelmeer.
Natürlich halten wir uns die meiste Zeit in der Nähe der Zitadelle auf, dem
Wahrzeichen der Stadt. Von den Befestigungsmauern hat man wieder ein
traumhaftes Panorama vor Augen. Der St. Jean Baptiste-Kirche statten wir
einen Besuch ab, über den Place Chr. Colomb gehen wir in die Unterstadt.
Dann machen wir einen längeren Spaziergang am steinigen Ufer entlang.
Nun geht es weiter zur Nordküste. Einige Stunden verweilen wir in L´Ile
Rousse und machen es uns im Zentrum, auf dem Place Paoli, in einem Café
gemütlich. Einige ältere Herrschaften spielen Boule im Schatten der großen
Platanen.
Wir haben noch genügend Zeit und keine Eile, nach Bastia zurückzukehren. So
fahren wir noch einmal in das Inselinnere nach Ponte Leccia. Der Ort selber
birgt keine sehenswerten Anlaufpunkte, die Umgebung und die Bergwelt
rechtfertigen aber jeden gefahrenen Kilometer.
Die letzte Nacht auf korsischem Boden verbringen wir in St. Florent. Etwa
1.300 Einwohner leben in diesem Ort am gleichnamigen Golf. Auch hier
verbringen wir geraume Zeit in der schönen Altstadt, genießen die Aussicht
von der Zitadelle und atmen im Hafen den salzigen Geruch des Meerwassers
ein.
Abends statten wir einem urigen Fischrestaurant einen Besuch ab und stoßen
mit einem Glas Wein auf den schönen Urlaub an. Morgen geht es in Bastia auf
die Fähre.
Salut Corse - Au revoir
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