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im Casa Granda
casa particular
Taxi
in Guardalavaca
biertrinkender Esel
Oldtimer
Nocturno
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merengue - salsa - mojitos
Kuba im Doppelpack
Die zweite Reise
Eliza wartet schon in der Empfangshalle des Flughafens und schaut durch die
Tür, während Uwe und ich unser Gepäck vom Band nehmen.
Wir hatten in den letzten Monaten einige Briefe gewechselt und sie hatte mir
telegrafiert, dass sie mich in Holguin abholt. 1 ½ Tage braucht sie für die
Strecke von Santiago zum Flughafen, meist ist sie auf einem LKW mitgefahren.
Uwe ist ebenfalls zum zweiten Mal in Kuba. Auf dem Flug durfte wieder
geraucht werden, der Protest der vornehmlich niederländischen Passagiere hat
Wirkung gezeigt.
Ein Taxi bringt uns gemeinsam nach Santiago de Cuba und wir checken im
"Hotel Universitario" ein, das "Las Americas" war leider ausgebucht.
Jetzt, im April 1996, ist es wieder riesig heiß, die Kleidung klebt am
Körper. Wir verbringen den Abend zusammen und Eliza schaut sich die vielen
Geschenke an, die ich ihr für ihre Kinder mitgebracht habe, Kleidung aller
Art, die mir freundliche und hilfsbereite Kolleginnen eingepackt hatten.
Aber der Funke springt nicht über und als sie merkt, dass ich auf ihre
Geldwünsche nicht sofort oder gar nicht reagiere verabschiedet sie sich und
kehrt auch nicht zurück.
Uwe und ich wandern in die Innenstadt und erholen uns im Schatten des Parque
Céspedes. Später nehmen wir ein Getränk im Casa Granda, einem
Hotelrestaurant am Park mit wunderschöner Terrasse.
Zum Besichtigungspunkt gehört auch ein Ausflug zur Morro-Festung mit dem
unbeschreiblich schönen Ausblick über die Bucht.
Den Abend verbringen wir in oder bei der Calle Heredia, dem gastronomischen
Zentrum der Stadt.
Zusammen mit zwei jungen Frauen nehmen wir uns ein Taxi zum Badestrand Playa
Siboney, die beiden Begleiterinnen müssen beim Eintritt ihren Ausweis
vorzeigen.
Es ist eine schöne kleine Bucht und die Erfrischung im Wasser ist sehr
angenehm und tut gut.
Auf der Hin- und Rückfahrt haben wir insgesamt drei Mal eine Reifenpanne,
beim ersten Mal kann ja noch der Ersatzreifen gewechselt werden, beim
zweiten und dritten Vorfall ist es nicht ganz so einfach. Unser Fahrer
fragt, ob wir uns nicht an den Reifenkosten beteiligen wollen, Uwe ist es
egal, ich verneine jedoch, später mache ich mir Vorwürfe und ärgere mich,
nicht souverän genug gewesen zu sein.
Die letzte Panne ist in Höhe des Valle de la Prehistoria gegenüber einer
Kaserne. Während des Wartens haben wir Gelegenheit, uns die Dinos noch
einmal anzusehen, werden aber von den Soldaten auch argwöhnisch beobachtet.
Eine unserer Begleiterinnen arbeitet als Kinderärztin in einem Krankenhaus.
Sie meint, dass mindestens die Hälfte der Kubaner trotz der Probleme im
Lande hinter Fidel Castro steht. Wie es wird, wenn sich die wirtschaftliche
Situation immer weiter verschlimmert, vermag sie auch nicht einzuschätzen.
Mit einem privaten Taxi fahren wir am nächsten Tag nach Guardalavaca und
gehen wieder in das mir schon bekannte Hotel. Jetzt, in der Osterzeit und in
den Ferien, trifft man auf viele Touristen. Abends bin ich allerdings
enttäuscht, in den Diskotheken tanzen nur Urlauber, von den Einheimischen
keine Spur, wie hat es sich in einem Vierteljahr geändert!
Im "La Roca", wo im November noch kaum ein Bein an die Erde zu kriegen war,
wo Stimmung, Ausgelassenheit und Freude mit den Händen greifbar war,
herrscht gähnende Leere. In den Hoteldiskotheken der gleiche Zustand, am
Strand nichts mehr los. Die Faszination, das Flair ist dahin.
Was war geschehen? Die Verwaltung, so berichtet man mir, hat den
Einheimischen, insbesondere den kubanischen Frauen, jeglichen Aufenthalt in
touristischen Zentren verboten. Polizeiwachen überprüfen die Einhaltung
dieser Vorschrift. Angeblich haben sich europäische Besucher über die
Zudringlichkeit der "jineteras", Kubanerinnen, die auf schnelle Dollars aus
sind, beklagt und beschwert und letztendlich diesen Zustand herbeigeführt.
Schade!
Wir bleiben einige Tage in Guardalavaca, abends essen wir vornehmlich
privat, in einem casa particular. Es schmeckt sehr lecker, man nimmt Kontakt
zu den Mitbewohnern auf und erhält einen schönen Einblick in das private
Leben der Kubaner.
Eine Portion Langusten kostet 8 $, für Shrimps werden 6 $ verlangt. Dazu
trinken wir das einheimische Bier cerveza clara.
Aber irgendwie können wir unsere Enttäuschung doch nicht ganz ablegen und
fahren wieder zurück nach Holguin, die letzten Tage des Urlaubs wohnen wir
im "El Bosque".
In einer Diskothek lernen wir Lisett und Gisell kennen und verabreden uns
für den nächsten Tag. Lisett schwärmt für Eros Ramazotti und ich verspreche,
ihr einige Musikkassetten zu senden.
Der Ausflug zu einem Mirador, einem Aussichtspunkt, ist ganz interessant und
wir haben eine Menge Spaß. Ein biertrinkender Esel ist eine der
Attraktionen. In einer Bar zeichnet ein Maler unaufgefordert eine Karikatur
von Uwe und mir, eine einheimische Band unterhält uns mit fetziger Musik.
Am letzten Abend besuchen wir die Tanzveranstaltung "Nocturno" und es wird
ein unvergessliches Erlebnis. Eine super Salsa-Band, die farbigen Kostüme
und natürlich die hübschen Tänzerinnen, es ist einfach phantastisch.
Salsamusik auf diesem Niveau habe ich vorher noch nicht gehört. Einige
Kubaner, die uns begleiten, versorgen uns mit Bier, sie brauchen nur einen
Bruchteil dessen zu bezahlen, was von uns verlangt wird. Auch der
Eintrittspreis für die Show ist für sie erheblich günstiger, aber auch uns
werden nur fünf Dollar abverlangt.
Sollte ich noch einmal nach Havanna kommen, werde ich die dortige populäre
Veranstaltung, das Tropicana, auf jeden Fall besuchen.
Etwas schwermütig, schließlich geht es morgen wieder nach Hause, fahre ich
mit einem Taxi ins Hotel und unterhalte mich etwas mit dem Fahrer.
Er ist Sportlehrer und verdient 250 Pesos im Monat, was umgerechnet etwas
mehr als 10 USD sind. Sein Auto, ein 53 Jahre alter Dodge, wurde ihm vor 30
Jahren von seinem Vater geschenkt. Um zurecht zu kommen. muss er mehrere
Jobs annehmen.
Pro Jahr steht ihm eine Ration von zwei mal 20 Litern Benzin zu, für einen
Liter muss er zwei Pesos! bezahlen. Also werden Freunde und Verwandte
aktiviert, um an genügend Treibstoff für seine Geschäfte zu kommen.
Etwas irritiert von dieser Menge an Informationen nehme ich noch einige
Drinks in der Hoteldiskothek.
Am nächsten Morgen werden wir von unseren Bekannten zum Flughafen begleitet
und herzlich verabschiedet.
Fakten, Wissenswertes, Aufgeschnapptes
Kuba ist die größte Insel der Antillen und hat etwas mehr als 10 ½ Mio.
Einwohner, in der Hauptstadt Havanna leben 2,2 Mio. Einwohner.
70 % der Bevölkerung ist weiß und stammt hauptsächlich von den Spaniern ab,
17 % sind Mestizen und Mulatten, 12 % der Menschen sind Schwarze.
Eine Staatsreligion gibt es nicht.
Die Kubaner haben einen hohen Edukationsgrad, es gibt viele Menschen mit
höherer Schulbildung, wir treffen einige, die in der DDR studiert haben.
Die medizinische Versorgung bewegt sich auf einem hohen Standard.
Politische Schlagzeilen wie die Invasion in der Schweinebucht (1961) und die
Kubakrise (1962) will ich hier nicht weiter kommentieren, man mag es in den
jeweiligen Geschichtsbüchern nachlesen.
Die wirtschaftliche Blockade zwischen den USA und Kuba besteht weiterhin.
Durch einen Pachtvertrag aus dem Jahr 1903 nutzt die USA einen
Marinestützpunkt bei Guantánamo. Er ist zur Zeit (2004) häufig in den
Nachrichten zu hören, da Islamisten, Terroristen und solche, die dafür
gehalten werden, dort inhaftiert sind, auch ein Einwohner Bremens, ohne dass
es je zu einer Gerichtsverhandlung oder Verurteilung gekommen ist.
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