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Tulúm
Caye Caulker
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Tikal-Tempel II
Tikal-Nördl. Akropolis
Tikal-Blick vom Tempel V
Copán-Treppe der Hieroglyphen
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Centro América
auf
den Spuren der Maya
oder auch
Urlaub stufenweise
Tulúm
Es ist nicht sehr weit bis zu meinem nächsten Ziel, nach zweistündiger
Busfahrt erreichen wir Tulúm und ich entscheide mich, die Nacht in der
Cabaña "Playa Condesa" zu verbringen. Die Unterkunft liegt direkt am türkis
schimmernden Meer, ist preiswert, hat einen Ventilator und ein Moskitonetz.
Der Strom wird mit Generator erzeugt und ist deshalb nicht immer verfügbar.
Nachdem ich mich sorgfältig mit Sonnencreme eingerieben habe, gehe ich am
weißen Strand entlang zu der nächsten Maya-Anlage, nach kurzer Zeit kann ich
sie bereits erblicken und eine Viertelstunde später bin ich am Ziel.
Eindrucksvoll erhebt sich die archäologische Stätte auf einem Plateau über
der Karibik, die Lage ist einzigartig. Ich weiß nicht, was mich mehr
fasziniert, der puderweiße Sand und das grün-blaue Meer oder die Festung.
Auf einer kleinen Anhöhe erhebt sich El Castillo, das vielleicht
imposanteste Gebäude dieser Anlage.
Im Vergleich zu den an den Tagen zuvor besuchten Maya-Stätten ist Tulúm nur
eine "Kleinstadt", die Lage jedoch ist unübertroffen. Nach der Besichtigung
kann man hinabsteigen und ein Bad nehmen, unglaublich.
Eine Amerikanerin bittet mich, sie zu fotografieren und will sich dann mit
einem Foto von mir revanchieren, leider streikt meine Kamera und ich muss
zähneknirschend feststellen, dass der Akku leer ist, und das bei diesen
Motiven.
Aber das Problem lässt sich beheben, ich leihe mir einfach für einige
Schnappschüsse die Batterien eines anderen Touristen.
Auf dem Rückweg begegne ich einem Fischer, der mit seiner Harpune fünf
Fische erlegt hat.
Seiner Bitte nach einer Zigarette kann ich leider nicht entsprechen.
Abends ist am Wasser bzw. am Strand und in den benachbarten Cabañas nicht
viel Betrieb, aber das macht nichts. Auf der Hotelterrasse esse ich
köstlichen Fisch und lasse ihn mit einigen Flaschen Corona und Sol
schwimmen. Langsam senkt sich die Dunkelheit über uns und man hört nur noch
das Rauschen des Meeres, Urlaubsromantik pur und gar kein Vergleich mit dem
kommerziellen Trubel in Cancún.
Die Busfahrt an den Grenzort Chetumal dauert 3 ½ Stunden, im Busbahnhof
erwerbe ich eine Fahrkarte für die Weiterfahrt nach Belize-City. Viele
Frauen tragen ein weißes Kleid mit bunten Blumenmustern.
Belize
Man merkt sofort, dass man in einem anderen Land ist. Im Bus nach
Belize-City, der wesentlich älter ist und dreckigere Fensterscheiben als
vergleichbare Fahrzeuge in Mexiko hat, sitzen hauptsächlich Kreolen,
Nachfahren schwarzafrikanischer Sklaven und britischer Piraten. Amtssprache
ist englisch, aber ich habe arge Probleme, die Mitreisenden zu verstehen.
Gegen 18.oo Uhr erreichen wir die größte Stadt des Landes, Belize-City.
Leider fahren keine Boote mehr zu den vorgelagerten Cayes und so nehme ich
ein Zimmer im "Hotel Bellevue", wiederum direkt am Meer. Es ist Sonntag und
mir scheint, der relativ junge Taxifahrer, der bei jeder hübschen Frau auf
die Hupe drückt, hat eine Alkoholfahne.
An der Hotelrezeption kann ich noch etwas handeln und muss letztendlich 100
Belize-Dollar bezahlen, was genau 50 USD entspricht, die Währung ist an den
amerikanischen Dollar im Verhältnis 2 : 1 gekoppelt.
Das Restaurant im Hause hat geschlossen und der Wirt empfiehlt mir, mit
einem Taxi in ein Lokal am anderen Ende der Stadt zu fahren, er winkt ein
Auto herbei, den Fahrer scheint er zu kennen.
So steige ich in einen etwa 40 Jahre alten Dodge mit Lenkradschaltung, der
Fahrer murmelt etwas von "if you need girls..." usw. und ich erkenne, dass
er sternhagelvoll ist. Glücklicherweise herrscht nicht viel Verkehr und so
kommen wir doch noch sicher ans Ziel, immer im selben Gang, geschaltet wurde
nicht. Erleichtert steige ich aus.
Später in einer Bar unterhalte ich mich mit einigen jungen Männern, sie
haben sich eine Flasche Rum in einem Geschäft gekauft, das einheimische Bier
zeigt wohl nicht genug Wirkung. Aber, wie schon zuvor ausgeführt, die
Sprache zu verstehen bereitet mir große Schwierigkeiten, so höre ich mit
Mühe und Not heraus, dass mein Gesprächspartner arbeitslos und die
Arbeitssituation im Land schlecht ist. Die Menschen aus den spanisch
sprechenden Nachbarländern Guatemala und Honduras arbeiten für weniger Geld
und bilden eine große Konkurrenz.
Im Fernsehen wird der James-Bond-Film "Goldeneye" gezeigt.
Das Boot, das mich am nächsten Morgen zum Caye Caulker bringt, liegt nur
einige Schritte vom Hotel entfernt im Wasser. Die Insel ist etwa 35 km von
Belize-City entfernt und wir brauchen eine Dreiviertelstunde für die
Überfahrt. In einigen Reiseführern wird "Mara´s Place" als preiswerte
empfehlenswerte Unterkunft vorgestellt und ein Mann bietet sich an, mich
dort hinzubringen. Warum nicht.
Nach etwa 10 minütigem Fußmarsch schnappt er sich eine Fahrradrikscha und
radelt mich hin, auf direktem Weg hätten wir nur fünf Minuten gehen müssen.
Aber er ist sehr freundlich und ich zahle gern den gewünschten Betrag.
Auch dieses Zimmer liegt fast direkt am Wasser, auf der Veranda kann man in
einer Hängematte liegend das Strandleben beobachten. Nach einer kleinen
Stärkung erkundige ich mich im Internet nach den neuesten Nachrichten und
versende einige mails. Danach ist nur baden, lesen und baden angesagt. Viele
Touristen kommen hierher, um in den Korallenbänken des Barrier Reef zu
schnorcheln oder zu tauchen.
Zwischendurch mache ich einen kleinen Spaziergang und erledige einige
Besorgungen. Eine Frau stillt ihr Kind, während sie mir ein Busticket für
die Weiterfahrt nach Flores verkauft.
Belize ist teurer als Mexiko.
Auf der Insel fahren keine Autos oder andere Motorfahrzeuge, von einigen
Elektrotaxis abgesehen. In einer Strandbar bereite ich mich auf den
Sonnenuntergang vor. Auf einem Schild ist folgender gutgemeinter Satz zu
lesen: If you drink to forget - pay before you drink.
Und dann ist der Moment gekommen, wo die Sonne wie ein glutroter Feuerball
im Wasser versinkt und die ganze Umgebung in den herrlichsten Rotfarben
leuchten lässt, diesen Moment werde ich sicher nicht vergessen,
unbeschreiblich schön, unglaublich beeindruckend.
Abends esse ich einen Lobster am Strand und komme mit einem Paar aus
Deutschland ins Gespräch, die schon viele Orte Zentralamerikas gesehen
haben. Nach und nach schließen die Cafés und Restaurants und alle Jungen und
Junggebliebenen versammeln sich an der Strandbar. Eine Steelband macht
Livemusik, ansonsten ist Reggae angesagt.
Am nächsten Morgen geht es mit dem Boot nach Belize-City und mit der "Linea
Dorada" weiter nach Flores, es sind fast nur Touristen, darunter zwei Frauen
aus Bayern, im Bus. Wir kommen an Holzhäusern auf Stelzen vorbei, an einem
wurde eine Alka-Selzer-Werbung angebracht. Rinder grasen am Straßenrand, die
unvermeidlichen Kuhreiher immer in der Nähe. Nach zwei Stunden erreichen wir
die Grenze nach Guatemala, die gesamte Abfertigungsprozedur dauert eine
halbe Stunde. Ich tausche bei einem ambulanten Geldwechsler an der Straße
und erhalte für einen US-Dollar 7,5 Quetzal.
Nach insgesamt vierstündiger Busfahrt sind wir in Flores angekommen.
Flores
Flores ist Hauptstadt des Departemento Petén und liegt auf einer kleinen
Insel im Lago Petén-Itzá. Die meisten Touristen, die Tikal besuchen wollen,
landen hier, deshalb gibt es eine ordentliche Gastroszene, viele Reisebüros
und eine Reihe von preiswerten Hotels.
Beim Petén handelt es sich um den siebtgrößten tropischen Regenwald der Erde
mit einer großartigen Fauna und Flora.
Das "Hotel Villa del Lago" ist mein nächstes Zuhause, es liegt direkt am
See. Nach dem Einchecken organisiere ich die nächsten Fahrten. Die
Mitarbeiter sind sehr freundlich und hilfsbereit, später schenke ich ihnen
einige Souvenirs aus Bremen.
Der eigentliche Stadtkern ist recht übersichtlich und man kann sich gut
orientieren, die Schwesterstadt, Santa Elena, hat mir nicht so zugesagt.
Auffallend sind die einheimischen Taxis, dreirädrige Fahrzeuge, vergleichbar
mit den Tuk-Tuks in Asien.
Nach dem Abendessen in einem Steakhaus verweile ich noch einige Stunden in
einer Bar und unterhalte mich. Es gefällt mir sehr gut, die Guatemalteken
sind freundlich und ich fühle mich hier sehr willkommen. Die Lokale haben
sich für Halloween geschmückt und herausgeputzt, im Fernsehen wird
überwiegend Baseball gezeigt.
Man hatte mir geraten, den ersten Bus nach Tikal zu nehmen, einmal, weil die
Temperatur dann noch sehr erträglich ist, zum anderen hat man Platz und muss
sich nicht durch Busladungen kämpfen.
Um 5.oo Uhr fahren wir ab, eine knappe Stunde später haben wir die gut 60 km
geschafft und erreichen die wohl eindrucksvollste Maya-Stätte dieser Reise.
Auf Anraten von Travellern, die ich bisher getroffen habe, schließe ich mich
einer Kleingruppe mit Führer an und ich habe es auch nicht bereut. Zu viert
machen wir uns auf den Weg, ein sympathisches Paar aus Loewen in Belgien,
der Guide und ich.
Auch Tikal, inmitten des gleichnamigen Parque National gelegen, gehört zum
UNESCO Weltkulturerbe. Der Ort wurde schon 600 v. Chr. besiedelt, erlebte
aber seine Blütezeit von 250 bis 900 n. Chr., eine halbe Million Menschen
sollen hier damals gelebt haben.
Die geschichtliche Erforschung und Freilegung der Tempel, Pyramiden und
anderen Bauten begann um 1880. Alles war vollständig überwachsen und nur als
Hügel wahrzunehmen.
Die University of Pensylvania begann 1956 ein Ausgrabungsprojekt.
Auch heute sind viele Stätten nur zum Teil freigelegt und Archäologen sind
dabei, die Relikte aus vergangener Zeit ans Tageslicht zu bringen, zur Zeit
werden die "Sieben Tempel" restauriert, einige Wissenschaftler meinen, dass
es sich statt um sieben nur um einen Tempel handeln könnte. Die
statistischen Zahlen schwanken, in den Reiseführern lese ich, dass etwa 25 %
der Gesamtanlage ausgegraben ist, unser Begleiter meint 15 %, er sagt dass
Guatemalteken nur als Handlanger an diesem wichtigen historischen Prozess
beteiligt sind.
Während unserer Begehung hören wir, dass der hier oft anzutreffende Ceiba
oder Kapok der Nationalbaum des Landes ist, Mahagonibäume sehen wir
ebenfalls häufig.
Truthähne, Fasane, Falken, Papageien und Tukane sind auf den Bäumen oder am
Wegesrand zu erkennen, eine Ramon-Nuss, aus deren Mehl man Tortilla und Brot
herstellt, wird uns gezeigt.
Und dann sind wir auch schon an der wahrscheinlich eindrucksvollsten Stelle
der Anlage angekommen, an der Gran Plaza mit dem 52 m hohen Tempel I, auch
der Große Jaguar genannt, dem 42 m hohen Tempel II, der Nord-Akropolis auf
der einen und der Zentral-Akropolis auf der gegenüberliegenden Seite.
Wir haben genügend Zeit und Gelegenheit, die Akropolis und den Tempel II zu
besteigen. Dabei sind wir fast unter uns, nur einige Besucher sind um diese
Zeit unterwegs.
Danach gehen wir zur Mundo-Perdido-Gruppe mit der Großen Pyramide, am Tempel
III vorbei zum Tempel IV. Er ist mit einer Höhe von 65 m eines der höchsten
Bauwerke der Maya-Kultur. Eine Holztreppe führt nach oben und natürlich sind
die paar hundert Stufen kein Hindernis für uns. Ausgepowert und nach Luft
hechelnd komme ich oben an, aber der Aufwand hat sich gelohnt. Die Aussicht
ist berauschend, kann man doch bis zu 100 km über den Regenwald des Petén
schauen. Vor dem eigenen Auge erheben sich die Spitzen der anderen Tempel
aus dem grünen Blätterdach.
Bevor unser Guide sich nach vier Stunden von uns verabschiedet, führt er uns
noch zum Templo de los Ventanas, wo einige Fledermäuse ihren Tagesschlaf
halten. Er zeigt uns Mimosen, die sich bei kleinster Berührung
zusammenziehen und eine kleine Pflanze, Ajenjo, die, zu Tee gekocht, ein
wirksames Mittel gegen Malaria darstellt. Affenhorden begleiten uns,
Termiten und Ameisen pflügen durch den Waldboden. Schlangen haben wir nicht
gesehen, obwohl Hinweisschilder am Parkeingang davor warnen.
Auch in Tikal gibt es Beispiele, die belegen, dass die Maya früher viel von
der Astronomie verstanden haben, auch hier sind Komplexe so angeordnet, dass
sie zur Tagundnachtgleiche komplett im Schatten stehen oder dass die
Sonnenstrahlen taggenau auf eine Gerade aus verschiedenen Gebäuden scheinen.
Zusammen mit den beiden Belgiern gehe ich dann noch zum Tempel V, natürlich
besteigen wir das 57 m hohe Bauwerk, und anschließend zur Region G und
Gruppe Nord. Brüllaffen machen einen gehörigen Krach, sind aber nicht zu
sehen. Immer wieder gehen wir an baumbewachsenen Bergen vorbei und wissen,
auch hier befindet sich noch ein Bauwerk aus früherer Zeit. Jetzt um die
Mittagszeit ist die Gran Plaza oder Plaza Mayor nicht wiederzuerkennen,
Menschen über Menschen bevölkern den Platz, überall stehen Reisegruppen und
lauschen den Erklärungen des Begleiters.
Auf dem Heimweg schlummere ich etwas, war wohl doch ganz schön anstrengend.
Wir fahren kurz am Flughafen vorbei, hier verabschiede ich mich von den
Belgiern, sie fliegen weiter nach Guatemala-City. Ich darf, obwohl schon
ausgecheckt, mich noch auf meinem Zimmer aufhalten und entspanne mich unter
einer warmen Dusche.
Nun also auf nach Copán, der letzten Maya-Stätte meines diesjährigen
Urlaubs. Es ist etwas umständlich, Direktbusse sind teuer und man müsste
zumindest zu dritt sein, damit es sich rechnet. Dann also lieber in Etappen.
Der Bus nach Guatemala-City startet pünktlich um 22.oo Uhr, in Santa Elena
ist er bereits fast voll. Wir werden aufgefordert, nur die uns zugewiesenen
Sitze einzunehmen. Ich falle sofort in tiefen Schlaf, vermutlich habe ich
das den vielen, vielen Stufen auf die Tempel hinauf zu verdanken.
Um ½ 6 erreichen wir die Hauptstadt und ich erkundige mich bei einem
Polizisten nach der Weiterfahrt. Mit dem Taxi muss ich zu einem anderen
Busbahnhof fahren und nach kurzer Preisverhandlung steige ich bei Oscar ins
Auto. Es ist nicht sehr weit und bei der Ankunft stürzen sich gleich etliche
Helfer auf mich, mein Rucksack ist schon im Bus, als ich noch die Taxifahrt
bezahle. Dann werde auch ich auf meinen Platz geschoben und schon geht es
weiter. 6.oo Uhr morgens und dann eine solche Hektik!
Die Fahrt zur Grenzstadt Esquipulas ist sehr schön und Guatemala gefällt mir
immer besser. Es ist sehr gebirgig, die Landschaft interessant. Kurz vor
11.oo Uhr sind wir am Ziel und der Bus ist fast leer. Auch hier werde ich
auf das Stichwort "Copán" sofort in ein Colectivo verfrachtet, ein
Geldwechsler erkennt die Situation und nutzt sie weidlich aus. So erhalte
ich für einen Dollar 16 Lempiras, der offizielle Kurs liegt bei 20.
Der Fahrer fährt sofort an der guatemaltekischen Grenzstation vorbei und
weiter zum Einreisebüro für Honduras. Als ich endlich abgefertigt werde,
klärt der Beamte mich auf, dass mir der Guatemala-Ausreisestempel fehlt.
Also noch mal zwei Kilometer zurück, auf halber Strecke nimmt mich ein Taxi
mit.
Der Grenzbeamte auf guatemaltekischer Seite verlangt eine Ausreisegebühr,
ich bitte um eine Quittung und schon winkt er mich weiter. Im Reiseführer
wird auf diese Abzocke hingewiesen. Dann geht alles recht zügig und kurze
Zeit später habe ich die gewünschten Einträge im Pass.
Es dauert, bis sich der Bus in Bewegung setzt. Auch diese Fahrt ist wieder
sehr interessant und ich schaue die meiste Zeit der 3 ½ stündigen Fahrt aus
dem Fenster. Wir überholen viele Reiter, Verkäufer mit Esswaren steigen in
den Bus und fahren mit bis zur nächsten Station. Das Autoradio ist mir etwas
zu laut.
An einem Wegekreuz steige ich aus und wechsele für den Rest der Strecke in
einen uralten gelben Bus mit Türkurbel und Hupe, die per Strang bedient
wird. Die Aussicht ist wiederum phantastisch, wir fahren die meiste Zeit auf
Serpentinen die Berge hinauf und hinunter. Am Wegesrand werden Bananen und
Ananas feilgeboten, der Busfahrer kauft sich ein paar Stauden. Viele Poster
mit Bibelsprüchen hängen neben der Straße, der Abfall wird einfach aus dem
Fenster geworfen.
Einmal wird im Autoradio die spanische Version von "Griechischer Wein"
gespielt.
Kurz vor der Ankunft in Copán Ruínas bietet der Busbegleiter an, mir gegen
entsprechendes Geld den Weg zum Hotel zu zeigen, ich bin ziemlich sauer ob
dieser Impertinenz, allerdings habe ich auch keine Lust, nach einer so
langen Fahrt planlos durch die Stadt zu laufen und so gebe ich ihm einen
halben Dollar und erhalte auch einige Informationen.
Copán
Aber ich hätte sie gar nicht nötig gehabt, denn direkt am Parkplatz erklärt
mir ein geschäftstüchtiger Mann mit einem Pick Up, dass das von mir
avisierte Hotel "Café Via Via" ausgebucht und er Inhaber einer preiswerten
Hospedaje ist. Ich habe nichts dagegen und so fahren wir gemeinsam zum
"Hotel Rosalila".
Eigentlich bin ich ganz froh, dass es sich so ergeben hat, der Ort ist sehr
hügelig und ich hätte mein Gepäck ganz schön hochschleppen müssen.
Heute scheint ein religiöser Feiertag zu sein, in Guatemala-City drängten
sich die Menschen frühmorgens in die Kirche, hier, auf dem zentralen Platz,
findet abens ein Open-Air-Gottesdienst statt.
Im Restaurant "Llama de Bosque" esse ich ein leckeres Steak, die restlichen
Stunden verbringe ich in einer Gartenbar. Das Auf- und Abgehen auf dem
Kopfsteinpflaster ist ziemlich anstrengend.
Kurz vor 8.oo Uhr marschiere ich am nächsten Morgen los zu den Ruinen, es
ist überhaupt kein Problem, die Anlage liegt direkt am Stadtrand. An der
Eingangskasse ist noch kein Betrieb und so zahle ich 10 $ Eintritt und
betrete den Park. Ein paar bunte Papageien suchen nach Futter.
Die Ruinen gehören zu den besterforschten Maya-Stätten Mesoamerikas und sind
auch Weltkulturerbe der Menschheit. Relativ gut erhaltene Stelen und Altare
zeugen von einer einzigartigen Baukunst. Insgesamt ist die Anlage recht
übersichtlich und von der Größe mit Chichén Itzá oder Tikal nicht zu
vergleichen, die Ausgrabungen jedoch sind archäologisch immens wertvoll.
Beeindruckt haben mich die Stelen auf der Gran Plaza, der Ballspielplatz und
die 21 m hohe Hieroglyphentreppe. Der Text auf den einzelnen Stufen konnte
teilweise entschlüsselt werden.
Auf dem Heimweg kaufe ich eine Tüte Ananas und frühstücke anschließend im
Café Via Via, natürlich hätte ich hier noch ein Zimmer gekriegt.
Mit einem Minibus geht es zurück nach Guatemala. Wir nehmen einen anderen
Weg und schon nach 15 Minuten sind wir in El Florido an der Grenze. Zu
meinen Begleitern gehören drei Amerikaner, die in Honduras an einem
Friedensprojekt arbeiten, zwei Madrilenen und ein Baske.
Auch diese Fahrt genieße ich sehr, große Gebirgszüge sind zu erkennen, viele
Einheimische halten vor ihrem Haus Siesta in einer Hängematte, anfangs
regnet es etwas.
Im Radio wird meist Merenguemusik gespielt. Um 18.3o Uhr kommen wir in
Guatemala-City an und setzen den Basken am Bahnhof del Norte ab, er will
weiter nach Flores. Die Madrilenen bringen wir zum Flughafen. Es ist Rush
Hour und wir kommen nur zögerlich voran. Ein guatemaltekischer Beifahrer
erklärt uns die Sehenswürdigkeiten, an denen wir vorbeifahren. Blitze zucken
vom Himmel, aber ein Donnerschlag ist nicht zu hören.
Um 2o.3o Uhr bin ich am Ziel, der Bus hält genau vor dem von mir
ausgesuchten Hotel.
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