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Nelles Guide - Syrien, Libanon
Syrien - Muriel Brunswig
DuMont Reiseführer Syrien
Jordanien - Wil + Sigrid Tondok
DuMont Reiseführer Jordanien
Uhrturm in Beirut
Jupitertempel in Baalbek
Baccustempel in Baalbek
Jupiter- und Baccustempel
Eisprung Fragen und Antworten rund um den Eisprung
VW Der Volkswagen für alle
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Im Nahen Osten
vom Mittelmeer ans
Rote Meer
Text und Fotos: Horst Wehrse
Auch dieser Reisewunsch entstand während eines
winterlichen Dia-Abends, es müsste zwei bis drei Jahre her sein. Die
Situation im Nachkriegs-Libanon hatte sich stabilisiert und von Reisenden,
die Syrien und Jordanien besucht hatten, hörte man ebenfalls nichts
Negatives, im Gegenteil, sie alle kamen begeistert zurück.
Und dann, ich hatte den Flug schon gebucht, wurde Mitte Februar in Beirut
das Attentat auf den ehemaligen Regierungschef Rafik Hariri verübt. Einige
weitere Anschläge folgten. Auch Syrien wurde, zumindest verbal, von George
W. Bush heftig attackiert.
Ein paar Freunde bestärkten mich darin, die Reise doch anzutreten und eine
Nachfrage im Reisebüro stimmte mich ebenfalls optimistisch, Stornos hatte es
nicht gegeben.
So steige ich dann am 10. April 2005, an einem Sonntagnachmittag, ins Taxi
und fahre zum Flughafen. Der Fahrer, ich glaube es ist ein Türke, versteht
die Welt nicht mehr, als ich ihm mein Flugziel nenne und erklärt wortreich,
warum ich lieber ein anderes Urlaubsland wählen sollte.
Im Flugzeug von Amsterdam nach Beirut bin ich der einzige europäische
Tourist, jedenfalls sehe ich nur Menschen arabischer Herkunft unter den
Mitreisenden. Aber jetzt gibt es kein Zurück mehr, wird schon schiefgehen.
Rund 4 ¼ Stunden dauert der Flug, die Strecke beträgt knapp 3.200 km. Ich
bestelle die obligatorische Flasche Wein und erfreue mich an dem
Sonnenuntergang über den Wolken, es ist ein beeindruckendes Naturschauspiel.
Libanon
Zwei Tage bzw. Nächte habe ich für Beirut eingeplant und ein Zimmer, da ich
nach Mitternacht ankomme, bereits im Internet gebucht. Ein Fahrer holt mich
am Flughafen ab und bringt mich ins Hotel "Le Marly", zentral im
Stadtviertel Hamra gelegen.
Hier im Libanon ist es schon eine Stunde später und ich stelle meine Uhr
vor. Nun noch ein paar Flaschen Bier an der mehr als einfachen Hotelbar und
dann ab ins Bett. Beim Bezahlen der Getränke werde ich übers Ohr gehauen,
aber das stelle ich erst später fest. Mein Zimmer ist mit Aircondition
ausgestattet, das Thermometer zeigt um diese Zeit ca. 20 Grad an.
Am nächsten Morgen stelle ich fest, dass ich zwar nicht der einzige Gast im
Hause bin, aber nur einige Zimmer belegt sind. Zum Frühstück gibt es in Tuch
eingeschlagenes traditionelles Fladenbrot, das möglichst warm gegessen
werden sollte, Orangenmarmelade und Kishk, ein Gemisch aus Sauermilch und
Hartweizenschrot. Dazu wahlweise Tee oder Nescafe.
Der Geldumtausch ist etwas zeitaufwendig, Travelerschecks werden bei den
Banken nicht akzeptiert, und die meisten Tausch-Büros nehmen auch lieber
Bargeld. Ein freundlicher älterer Herr ist mir bei der Suche nach einem
Wechselbüro sehr behilflich. Für einen Euro erhalte ich 1.940 libanesische
Lira (Pfund).
Zu Fuß mache ich mich auf den Weg in die Altstadt, in den Beirut Central
District (BCD). Manchmal ist der Weg nicht eindeutig zu erkennen und ich
frage einige Passanten, aber es ist nicht leicht, englisch oder französisch
wird längst nicht immer verstanden, und so hole ich meinen Reiseführer aus
dem Rucksack, zeige auf das Bild des Uhrturms am Stern und dann wird mir
gestenreich geholfen.
Der erste Eindruck von der Stadt ist nicht überwältigend, die Auswirkungen
des Bürgerkrieges, der von 1975 bis 1990 tobte, sind noch allgegenwärtig.
Baumaschinen und Kräne, Baustellen und Gerüste bestimmen das Stadtbild.
Die Polizeipräsenz ist gewaltig, sicherlich eine Folge der Anschläge in den
letzten Monaten. Private Sicherheitskräfte stehen vor Büro- und
Hauseingängen. Autos werden vor der Einfahrt in eine öffentliche Garage
genauestens inspiziert, selbst unten wird mit Spiegeln nach Sprengsätzen
gesucht.
Vor einigen ausländischen Botschaften halten Panzer und ein Durchgehen ist
nicht gestattet.
Mein Weg führt am Großen Serail vorbei zu den Resten einer Römischen
Badeanlage und weiter zum Stern, hier trinke ich einen Kaffee und sehe doch
tatsächlich noch weitere Touristen. Der Uhrturm ist ein beliebtes Fotomotiv.
Zum Besichtigungsprogramm gehört dann noch das Rathaus, einige Moscheen, die
Kathedrale des heiligen Georg und der Place des Martys, der Platz der
Märtyrer. Bezeichnungen sind oft in französischer Sprache angebracht.
Gegenüber dem Platz wird in einem Zelt des ermordeten früheren Präsidenten
gedacht. Viele Menschen stehen vor den Bildern und Kerzen, in der ganzen
Stadt sieht man Fotografien von Hariri, sie prangen von vielen Hauswänden.
Das blaue Wasser des Mittelmeeres ist manchmal zu sehen und weit ist es
nicht bis dorthin. Aber, wie ich auch gehe, ich schaffe es nicht bis an den
Strand. Freundlich aber bestimmt gebieten mir die Soldaten, wieder
zurückzugehen.
Etwas missmutig erhole ich mich auf der Terrasse eines Hotels in der Nähe
des St. Georges Yacht Clubs und erkundige mich beim Kellner. Fünf Minuten
später habe ich die Promenade in Höhe des Hardrock-Cafés erreicht und kann
kilometerweit am Mittelmeer entlanggehen. Im oder am Wasser sehe ich nur
Männer, einige versuchen ihr Glück beim Angeln. Hübsche Frauen kommen mir
auf der Straße entgegen.
Hier, wo der Blick nicht durch Häuser und Baustellen verdeckt ist und man
weit aufs Meer hinaussehen und in der Ferne die schneebedeckten Berge des
Libanongebirges erkennen kann,
kommt Urlaubsfreude auf.
Den Rest des Tages verbringe ich auf der Rue Hamra mit ihren vielen
Geschäften, Cafés, Banken und Restaurants. Abends probiere ich
landestypische Gerichte, wie z. B. die leckere Kichererbsenpaste hummus und
tabbuleh, einen Petersiliensalat mit Tomaten. Dazu trinke ich einheimisches
Bier, das mir auch zusagt.
Im Fernsehen wird viel regionaler Fußball gezeigt, Vox wird in diesem Hotel
als einziger deutscher Sender empfangen, ich kann aber darauf verzichten.
In der Bar unterhalte ich mich mit Nissrine. Sie arbeitet seit einigen
Jahren im Hotel, schenkt mir einige Äpfel und erzählt von ihrem täglichen
Leben.
Am kommenden Morgen bezahle ich meine Rechnung mit Kreditkarte, bestelle ein
Taxi und fahre über eine halbe Stunde durch Beirut bis an den Stadtrand.
Alle Ausgangsstraßen sind verstopft und der Fahrer ist auf Schleichwege
angewiesen. Am Ziel sind lediglich sieben Dollar fällig, ich hätte mit
wesentlich mehr gerechnet, denn lt. Reiseführer sind die Mitarbeiter der
Taxizunft kleine Halsabschneider.
Kurze Zeit später sitze ich im Minibus nach Baalbek. Die Fahrt gefällt mir,
es geht ins Gebirge. Von oben erkennt man die einmalig schöne Lage von
Beirut, sieht, wie sich die Stadt ans Mittelmeer schmiegt. Wein und
Obstbäume wachsen auf den Feldern neben der Straße, aber es gibt auch viel
steinigen und unfruchtbaren Boden. Männer sitzen vor den Häusern beim
Brettspiel, einige rauchen eine Wasserpfeife, die hier Argila heißt.
Moscheen stehen am Weg, ab und zu auch eine christliche Kirche.
Im Bus wird geraucht, laute Musik ertönt aus den Lautsprechern, viele
Uniformierte gehören zu den Fahrgästen. Auch unterwegs erinnern Bilder an
den Häuserwänden an den Mord des früheren Präsidenten. An einer Tankstelle
wird die Wasserflasche aufgefüllt und den Mitreisenden zur Erfrischung
gereicht.
Nach etwa zwei Stunden erreichen wir Baalbek, die Fahrt kostet umgerechnet
fünf Dollar und kann sowohl in amerikanischer als auch libanesischer Währung
bezahlt werden. Genau am Hotel "Palmyra" steige ich aus und organisiere ein
Zimmer.
Das Haus liegt supergünstig, ich brauche nur die Straße zu überqueren und
bin schon an der Tempelanlage. Einige Souvenirhändler bieten ihre Waren, ein
paar Guides ihre Dienstleistung an, ich ziehe es aber vor, alleine
weiterzugehen.
Der Tempelbezirk begeistert mich, die einzelnen Bauten sind teilweise noch
sehr gut erhalten und man kann sich mit etwas Phantasie vorstellen, wie es
früher ausgesehen haben mag. Kaiser Wilhelm II. war so angetan von dem
römischen Erbe, dass er Archäologen entsandte, um die Säulen, Türme und
Tempel zu retten. Seit 1984 ist Baalbek Weltkulturerbe der UNESCO.
Beeindruckend sind der 14 n. Chr. gebaute Jupitertempel und der gut 100
Jahre später erbaute Baccustempel, aber auch der Vorhof und die Propyläen.
Ein prächtiges Bild ergibt sich, wenn man über die Ruinen hinweg auf das
Gebirge mit den weißen Kuppen schaut. Es sind nur einige Besucher unterwegs.
Vor der Anlage werden Kutschfahrten und Kamelausritte angeboten.
Auf dem Heimweg gehe ich noch am Venustempel vorbei und lege anschließend
eine kleine Pause ein. Bei einem ambulanten Händler kaufe ich einen Satz
Ansichtskarten, muss aber beim Schreiben feststellen, dass sie noch
aneinander hängen und nicht perforiert sind. Ein Einheimischer bemerkt meine
Not, zückt sein Taschenmesser und schneidet die einzelnen Karten ab.
Am späteren Nachmittag gehe ich ins Zentrum der Stadt, schlendere durch die
Sucs und kaufe etwas ein. Auf dem Heimweg frage ich einen Mann in einem
Gartenteehaus, ob ich ihn mit seiner Wasserpfeife fotografieren darf, er hat
nichts dagegen.
In der Nähe des Hotels befindet sich noch eine Moschee mit dem Schrein eines
Imam, sie kann aber zur Zeit innen nicht besichtigt werden.
Vom Balkon meines Zimmers habe ich einen hervorragenden Blick auf die
Tempelanlage. Einmal glaube ich meinen Augen nicht zu trauen, auf der Straße
fährt ein alter VW-Bus mit der Aufschrift "Eikmeier Barenburg", einer mir
zumindest entfernt bekannten früheren Bäckerei. Vorher hatte ich schon viele
Fahrzeuge, LKW und Busse, mit deutscher Beschriftung gesehen, aber wenn man
den Namen kennt....
Im Hotel ist eine Nachbildung des Tempelbezirks zu besichtigen und man
gewinnt einen Eindruck, wie es früher gewesen sein könnte. An den Wänden
hängen einige handschriftliche Danksagungen von J. Cousteau, im Foyer steht
ein Poster mit dem Bild Kaiser Wilhelms.
Ein Mitarbeiter erzählt mir, dass man in Baalbek den Touristenschwund noch
nicht so merkt, schlimmer ist es in Beirut. Vor dem Bürgerkrieg wurden
täglich über 200 Gäste im Hotel beherbergt.
Abends wird die Anlage von Leuchtern angestrahlt und ich verbringe einige
Minuten auf dem Balkon und genieße die grandiose Aussicht. Hier ist es
kälter als in Beirut, glücklicherweise steht dickes Bettzeug zur Verfügung.
Am nächsten Morgen fahre ich mit einem Minibus nach Aanjar, unweit der
Grenze nach Syrien. Wieder sind einige Uniformierte im Bus, ich kann aber
nicht erkennen, ob es libanesische oder syrische Soldaten sind. In dieser
Zeit ist ja ein Umbruch, Syrien will oder soll seine Militärpräsenz aus dem
Libanon abziehen. Einige Gefechtsstände befinden sich am Straßenrand.
Mit einem gelben Sammeltaxi geht es weiter zur Grenze und dann in einem
Rutsch nach Damaskus. Die Einreise ist problemlos, allerdings muss ich den
Seyschellen-Stempel in meinem Reisepass, eine einheimische besonders
geformte Kokosnuss, erklären.
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