Nach einem Abschiedsfrühstück in Bremen, an das ich mich
in den nächsten Wochen oft erinnern werde, fahren Wilfried und ich zunächst
mit dem Zug nach Hamburg, fliegen dann nach London und setzen dort mit
reichlicher Verspätung den Flug fort.
Acht Stunden später erreichen wir am frühen Morgen des 03. Januar 1994 Neu
Delhi, unser erstes Ziel. Der Zeitunterschied beträgt 4,5 Stunden.
Beim Auschecken und vor der Passkontrolle sind wir gleich Zeuge der
Klassengesellschaft, immer wieder drängeln sich vermeintliche Mitglieder
höherer Kasten vor.
Zum besseren Eingewöhnen und zur Akklimatisierung wollen wir sofort ins
kleinere Jaipur weiterfahren und Delhi zum Schluss unserer Reise
besichtigen. War wohl ein Irrglaube, findet man doch in der Hauptstadt an
Europa erinnernde Zustände vor, in Jaipur allerdings Asien pur.
Nachdem wir im Flughafen getauscht haben, 3.100 Rupien (Rs.) für 100,- US$,
fahren wir mit einem privaten Taxi zum Busterminal Bikaner House, nahe dem
India Gate. Selbstverständlich fordern der Guide, der uns zum Auto bringt,
und der Fahrer, der einen weit überhöhten Preis abrechnet, Trinkgeld.
Die Busfahrt kostet 213 Rs. für zwei Personen, ich bin froh, als sich der
Bus in Richtung Jaipur in Bewegung setzt und wir die in einer gewaltigen
Smogglocke liegende Hauptstadt verlassen.
Der Fahrer gibt sich redlich Mühe, alle anderen Fahrzeuge zu überholen.
Gleich zu Beginn der Reise sehen wir auch die ersten Kühe auf oder neben der
Straße. Es herrscht hektischer Verkehr, ich döse etwas, Wilfried beobachtet
lieber das Treiben auf der Fahrbahn.
Jaipur
Nach fünf Stunden sind wir am ersten Punkt unserer Rundreise angelangt,
leider verlassen wir den Bus etwas zu früh, da ein Tuk-Tuk-Fahrer es mit der
Wahrheit nicht so genau nimmt und ein Geschäft wittert. Unterwegs zum "Jaipur-Inn",
unserer nächsten Unterkunft, hält er an und bietet ein anderes, natürlich
wesentlich besseres und preiswerteres, Hotel an, wir hatten aber schon in
einem Reiseführer gelesen, dass dies eine übliche Vorgehensweise ist. Der
Inhaber des "Jaipur-Inn", ein alter Luftwaffenoberst, zahlt keine Provision.
Wir belegen ein sauberes Doppelzimmer für 100 Rs./Nacht und fühlen uns wohl,
geborgen und sicher.
Jaipur, die Hauptstadt Rajasthans, zählt gut 1 Mio. Einwohner und liegt in
einem Tal. Die Gebäude im Zentrum, der Pink City, wurden aus rotgelbem
Sandstein gebaut und bei bestimmten Sonneneinfall leuchten sie in einem
zarten Rosa.
Im dichten Straßenverkehr drängen sich nicht nur Autos, Tuk-Tuks oder
Fahrräder, nein, auch Kamele, Kühe und Esel gehören dazu.
Vor unserem Hotel warten einige Rikscha-Fahrer auf Kundschaft, einer spricht
mich sofort an und holt ein Referenzbuch unter dem Sattel hervor mit
Danksagungen in allen Sprachen der Welt.
Viele Einwohner haben kein Dach über dem Kopf und schlafen im Zelt oder
unter freiem Himmel neben der Straße, ein Lagerfeuer vermittelt etwas Wärme.
Bei der Stadtbesichtigung müssen wir uns den Weg durch Menschenmassen
bahnen. Neben der allgemeinen pulsierenden Hektik ist auch viel Leid zu
erkennen, Krüppel, Leprakranke, Bettler.
Der an Kuppeln und Turmspitzen reiche "Palast der Winde" ist die vielleicht
bekannteste Sehenswürdigkeit der Stadt. Früher konnten die Frauen des
Palastes durch die vielen Gucklöcher ungesehen und vor fremden Blicken
geschützt die Paraden und Prozessionen beobachten.
Wir klettern auf verschiedene Erker und haben von hier oben eine prächtige
Sicht auf das Straßenleben.
Dem City Palace statten wir auch einen Besuch ab. Dieser Palast ist teils
Residenz des Maharadschas und teils Museum. Besonders beeindruckt hat mich
die Audienzhalle. Wächter in farbenfrohen Uniformen sorgen für Sicherheit
und Ordnung.
Das in der Nähe liegende Observatorium Jantar Mantar ist noch gut erhalten,
angeblich sollen auch heute noch exakte Berechnungen möglich sein.
Ein Rikschafahrer überredet uns, mit ihm eine Tour zur Mogul-Town zu
unternehmen. Wir stimmen zu und haben es auch nicht bereut. In diesem Bezirk
arbeiten viele Handwerker, leider auch Kinder, hier werden Steine
geschliffen, Schmuckstücke hergestellt und andere Kunstwerke geschaffen.
Zurück gehen wir zu Fuß, werden einige Male von Kindern und Bettlern
angesprochen und landen dann in einem Laden mit Flaschenbierverkauf. Wir
dürfen nur hinter Säcken versteckt trinken und werden vom Ladenbesitzer
argwöhnisch beobachtet. Mit dem Sooker fahren wir zum Jaipur-House, wechseln
einige Travellerschecks und gehen dann ins Hotel zurück, gelegentlich sind
Affen zu sehen.
Am nächsten Morgen geht es zeitig zum Bahnhof, es ist noch dunkel. Hier
herrscht schon großes Gewühl und Gedränge. Die Zugfahrt nach Agra kostet 128
Rs. für zwei Personen.
Schnell steigen wir in unser reserviertes Abteil, unsere Namen stehen auf
einer Liste am Wagen.
Wir fahren 2. Klasse auf harten Holzbänken. Die Zugfenster sind vergittert.
Es wird eine interessante Fahrt, meist durch fruchtbare Landschaft, aber
kurze Zeit auch durch wüstenartige Gegend. Manchmal sind Dampflokomotiven zu
sehen. Vorbei geht es an Raps-, Reis- und Kartoffelfeldern, auf einigen
Bahnhöfen laufen Schweine herum, Kühe liegen auf den Gleisen, Frauen formen
Kuhfladen, der getrocknet als Brennstoff verwendet wird, Zeltunterkünfte,
Männer und Frauen am wärmenden Lagerfeuer, Menschen im Fluss, sich oder
Wäsche waschend, Frauen am Brunnen mit Wasserkrügen auf dem Kopf, Geier,
Marabus, Händler auf dem Bahnsteig und im Zug, Schuhputzer.
Unser Zug ist gut gefüllt, er wird von einer Diesellok gezogen. Nach fünf
angenehmen und sehr abwechslungsreichen Stunden, überhaupt nicht
vergleichbar mit der wilden Busfahrt nach Jaipur, fahren wir in den Bahnhof
Agra ein. Einige Männer rasieren sich kurz vor der Ankunft.
Agra
Mit einem Tuk-Tuk begeben wir uns zum "Tourist Rest House", unserer nächsten
Bleibe. Den Tipp hatte uns eine Holländerin im Jaipur Inn gegeben.
Das Zimmer mit Sitztoilette kostet 120 Rupien.
Unser Fahrer wartet noch draußen und bringt uns dann zum Taj Mahal, dem wohl
bekanntesten Bauwerk Indiens.
Nie habe ich zuvor so viel symmetrische Eleganz und Perfektion gesehen. Das
Mausoleum wurde im 17. Jahrhundert als Grabstätte für eine Prinzessin, die
bei der Geburt eines Kindes starb, errichtet. Laut Reiseführer waren 20.000
Menschen rund 20 Jahre mit dem Bau dieser unbeschreiblich schönen und
harmonischen Anlage beschäftigt. Im Inneren sind zwei Sarkophage zu
besichtigen, die sterblichen Überreste sollen jedoch noch tiefer in einem
Gewölbe ruhen.
Ein Wärter ermuntert mich, im Innenraum gegen Trinkgeld ein paar Fotos
aufzunehmen.
Es ist nicht überlaufen, viele einheimische Frauen in bunten Saris und Sikhs
mit Vollbart und Turban gehören zu den Besuchern.
Neben dem Grabmal befinden sich noch eine Moschee und ein Pilgerhaus. Wir
bezahlen je 2 Rs. Eintritt, nach 16.oo Uhr sind 100! Rs. fällig. Gegen 15.oo
Uhr wird es hektisch, etliche Busgesellschaften bevölkern das Gelände,
vermutlich Touristen auf einer Tagestour.
Einige Geier auf einem Baum beobachten das Treiben.
Es liegt permanent ein verbrannter Geruch in der Luft. Unser Fahrer versucht
uns für den Besuch einiger Souvenirshops zu begeistern. Er erhält, auch wenn
wir nichts kaufen, 50 Rs. für die Vermittlung, zumindest versucht er uns mit
diesem Argument zu locken. Wir vertrösten ihn auf später.
Wilfrieds rötlicher Bart wird von vielen Menschen bestaunt.
Abends gehen wir Richtung Restaurant Sonam. Ein Rikschafahrer begleitet uns
und hofft auf ein Geschäft. Mit Erfolg, wir hatten uns etwas verlaufen und
sind dankbar für seine Hilfe.
Er warnt uns, mit fremden Indern nach Hause zu gehen, angeblich wird häufig
ein Schlaf- oder Rauschmittel dem Tee beigemischt und man ist leichte Beute.
Das Abendessen ist sehr gut, wir essen vegetarisch. Ich hatte mir die
Speisen wesentlich schärfer vorgestellt. Im Sonam verkehren ausschließlich
Touristen.
Der Fahrer bringt uns ins Hotel zurück und wir beschließen den Abend mit
reichlich Whisky.
Etwas verkatert besichtigen wir am nächsten Tag das Rote Fort, eine
Befestigungsanlage, die von einem 2,5 km langen Schutzwall umgeben ist. Das
Taj Mahal ist im Dunst zu erkennen.
Eine in Tuch gehüllte Leiche wird an uns vorbeigetragen.
Dann tun wir unserem sympathischen Fahrer den Gefallen, besichtigen eine
Teppich- und eine Marmorfabrik und kaufen einige Andenken. Er hat einen
Freund zu Hilfe geholt und wir sind jetzt mit zwei Fahrrädern unterwegs,
denn wir hätten, so meint er, "bodies like a maharaja".
Unserem Tuk-Tuk-Fahrer hatten wir die Fahrt zum Flughafen versprochen. Bei
der Ankunft im Hotel spricht uns ein anderer uns fremder Fahrer an und
entschuldigt seinen Kollegen, der angeblich eine andere Tour hat. Kurze Zeit
später kommt unser bekannter Chauffeur zurück und weiß von nichts. Sein
missgünstiger Wettbewerber hat sich aus dem Staube gemacht.
Der Flug nach Varanasi, früher auch Benares genannt, kostet 57 US $. Im
Flughafen, der hermetisch abgesichert ist, werden wir stark kontrolliert.
Aus Sicherheitsgründen werde ich sogar aufgefordert, die Batterie aus meinem
Fotoapparat zu entfernen.
Wir fliegen mit einer fast vollständig besetzten Boeing 737, in Khajuraho
wird kurz gelandet. Von oben ist die schöne Tempelanlage gut zu erkennen.
Nach 2 ¾ Stunden setzen wir zur Landung an.
Varanasi
Ein Bus bringt uns in die Innenstadt, mit einem Tuk-Tuk fahren wir zum Hotel
"Garden View" und belegen ein Zimmer für 100 Rs. Der Besitzer bietet seine
Hilfe an, besorgt uns eine Bootsfahrt auf dem Ganges an den Ghats vorbei für
je 50 Rs. und kennt eine Stelle, wo man eingerissenes Geld, das im Hotel, in
Restaurants und in Läden nicht angenommen wird, umtauschen kann.
Anschließend zeigt er uns die unvermeidliche Referenzliste, ein Gast hat in
deutscher Sprache kommentiert, dass er uns wohl unweigerlich in eine
Seidenfabrik führen wird.
Auf den Straßen laufen viele Ziegen herum, einige sind sogar bekleidet.
Wohlhabende Männer schmücken sich mit einem Ring auf dem Zeigefinger.
Morgens um 5.3o Uhr werden wir zur Ghat-Fahrt abgeholt, ich hatte schlecht
geschlafen, viel geträumt und mit einer Mücke einen aussichtslosen Kampf
ausgefochten.
Durch kleine verwinkelte Gassen werden wir zum Fluss gelotst, es ist noch
total dunkel. Immer wieder denke ich an den Artikel im Reiseführer, in dem
über eine vor die Tür gelegte Leiche geschrieben wird. Vielleicht wird ja,
so kann man lesen, von den Vorbeigehenden genug Geld für eine Zeremonie
gespendet. Viele Alte und Kranke kommen nach Varanasi, um hier zu sterben,
denn, so heißt es, wer hier stirbt, ist vom ewigen Kreislauf der
Wiedergeburten erlöst.
Mit dem Boot fahren wir an den Ghats entlang und erleben den Sonnenaufgang
über dem Ganges. Es herrscht eine eigenartige etwas angespannte Stimmung,
unser Bootsführer spricht nur das Nötigste. So nach und nach kommt Leben
auf, Gläubige baden im Wasser, Brahmanen und Geldwechsler kümmern sich um
sie, auf Booten werden Devotionalien und Blüten verkauft.
Beim Verbrennungsghat, an den wir ganz nah heranfahren, darf nicht
fotografiert werden.
Eine mit Blumen geschmückte Leiche wartet auf ihre Verbrennung, gestapeltes
Feuerholz ist zu sehen. Kinder lassen daneben ihre Drachen steigen.
Bei aller Toleranz kann ich mir nicht vorstellen, dieses Wasser aus
rituellem Grund zu trinken oder mir damit die Zähne zu putzen.
Ein Holländer, den wir hier kennenlernen, erzählt, bei seinem Besuch des
Verbrennungsghats hätte er einen Hund mit einem Menschenarm im Maul gesehen.
Wir machen anschließend einen längeren Spaziergang und müssen das Gesehene
erst mal verdauen. Kühe auf der Straße behindern den ohnehin schon
gnadenlosen Verkehr. Frauen arbeiten als Handlanger auf dem Bau, sie
transportieren jeweils sechs Steine auf dem Kopf.
Der Hotelmanager gibt uns neues umgetauschtes Geld und bittet um Zusendung
von deutscher Nivea-Creme. Die in Indien verkaufte taugt angeblich nichts.
Die Busfahrt nach Nepal kostet 150 Rs. und dauert neun Stunden.
Glücklicherweise können Wilfried und ich über drei der kleinen Plätze
verfügen und uns etwas ausstrecken.
Die Menschen sitzen vor ihrem Haus in der Hocke, Frauen formen Kuhfladen,
einige verrichten ihr Geschäft an der Straße, ohne sich an den
Vorbeigehenden zu stören.
Kinder in Schuluniform werden draußen unterrichtet.
Wir legen mehrere Pausen ein, das Mittagessen wird uns im Salatblatt
gereicht, den Reis essen wir mit den Fingern. Das Leben spielt sich meistens
draußen ab, dort wird gekocht und gegessen. Manchmal wird das Essen auf
provisorischen Steinöfen oder direkt am offenen Feuer zubereitet.
Die Grenzprozedur ist unproblematisch, freundliche und frohgelaunte Beamte
auf nepalesischer Seite verlangen je 40 US$ für ein Visum.
Bhairahawa
Mit einer Rikscha fahren wir in den 4 km entfernten Ort Bhairahawa und
quartieren uns für 150 Rs. im "City Guest House" ein. Ein anderer Mann
begleitet uns die ganze Zeit und versucht, das Hotel lächerlich zu machen,
später erfahren wir, dass er auch Inhaber eines Gästehauses ist.
Das Bierangebot ist reichhaltiger als in Indien, auch westliche Zigaretten
kann man kaufen. Für 1 DM erhalten wir 28 Rs., in der Bank ist es wegen
Stromausfalls dunkel.
Lumbini, der Geburtsort von Buddha, steht als nächstes auf dem Programm, mit
dem Bus brauchen wir eine gute Stunde. Eine Familie mit einem kranken,
ausgemergelten jungen Mann besteigt den Bus, ein älterer Herr, vermutlich
der Vater, hält den Kranken im Arm und zeigt Röntgenbilder. Die Begegnung
macht uns sehr betroffen.
Wir besichtigen die gesamte Anlage und gehen in den nepalesischen und
tibetischen Tempel. Vor letzterem bittet uns ein Mann aus einer Reisegruppe,
dass er sich mit uns fotografieren lassen darf. Zurück geht es dann per LKW,
auf der Ladefläche sind Sitze montiert.
Dieses Mal liegt unser Hotel im Dunkeln, wieder Stromausfall.
Der Chitwan-Nationalpark ist unser nächstes Ziel. Es gibt eine Busverbindung
nach Narayanghat für 50 Rs., die Fahrt dauert knapp 3 ½ Stunden.
Diesmal ist der Bus auf den letzten Platz gefüllt, in den Gängen stehen
weitere Gäste zwischen etlichen Gepäckstücken.
Narayanghat und Chitwan-Nationalpark
Ein Rikschafahrer bringt uns nach ausgiebigem Preisfeilschen zum "Ruby Guest
House", es sind weniger als 100 Meter. Lachend verabschieden wir uns, er hat
seinen Reibach gemacht und seinen Spaß gehabt.
Das Haus liegt an einer riesig breiten Hauptstraße, ansonsten ist absolut
nichts los. Glücklicherweise gibt es ein sehr gutes Restaurant im Ort, das
wir in den nächsten Tagen öfter besuchen werden, meistens essen wir das
leckere Biriyani, ein Reisgericht. Abends spielt ein Trio zur Unterhaltung
auf.
Ein Wanderzirkus baut sich in der Ortsmitte auf und vergnügt die Anwohner
mit akrobatischen Einlagen.
Pauschalarrangements zum Nationalpark sollen 50 bis 60 Dollar kosten,
deshalb entscheiden wir uns für eine Fahrt auf eigene Faust.
Zunächst nehmen wir den Bus nach Tandi, danach einen Jeep für 30 Rs./Person
nach Sauraha.
Bei Ankunft werden wir gleich an einen Führer weitergereicht und buchen für
den Nachmittag einen Elefantenausritt für 3500 Rs.
Wir haben genügend Zeit und machen wunderschöne Spaziergänge durch den
ruhigen Ort, besuchen das Elefantencamp und treffen eine deutsche Frau am
Fluss, die hier schon seit einigen Tagen ausspannt.
Die Einheimischen sitzen gelassen vor ihren gemütlichen Lehmhütten, Kinder
spielen auf den Wegen, Glucken kümmern sich um ihre Küken, Ziegen passen auf
die kleinen Zicklein auf.
Kein Vergleich mit dem lauten und hektischen Indien.
Elektrizität ist nicht vorhanden, weder Sauraha noch der Park sind an ein
Stromnetz angeschlossen.
Später unternehmen wir eine längere Kanufahrt, laufen allerdings einige Male
auf Sand. Nach einigen Kilometern legt das Boot an und wir gehen zu dritt
durch den Urwald zurück. Zuerst passiert nichts, dann sind etliche Affen und
einige Antilopen zu sehen und, nachdem unser Führer einige Male auf einem
Baum Ausschau gehalten hat, entdecken wir zwei Nashörner. Wir klettern
ebenfalls auf einen Baum und haben eine gute Aussicht.
Als wir wenig später wieder ein Geräusch im Dickicht hören, denken wir
natürlich an Nashörner, laufen davon und suchen Schutz auf dem Ast eines
Baumes. Aber es muss sich um ein anderes Tier gehandelt haben.
Einmal zeigt uns der Guide eine Tigerfährte. Er hat in 14 Jahren erst zwei
dieser Tiere gesehen. Sie gehen abends oder nachts zum Fluss zur Tränke.
Man schätzt, dass etwa 400 Nashörner und 80 Tiger im Park leben.
Die Elefantensafari dauert rund 90 Minuten. Es schaukelt etwas, zum
Fotografieren muss angehalten werden. Außer dem Lenker sind noch vier
Personen auf dem Elefantensitz.
Es ist sehr interessant, wir beobachten einige Nashörner, Wild, schöne Vögel
und einmal, wenn auch nur für einen kleinen Moment, einen Leoparden, der
sich äußerst selten zeigt.
Es ist bereits dunkel, als wir in Tandi auf den Bus warten.
Unglücklicherweise trete ich in ein Loch und habe schmerzhafte Wadenkrämpfe,
die mich auch die nächsten Tage plagen werden. Da die Mobilität doch
erheblich eingeschränkt ist, denke ich kurzzeitig daran, den Urlaub
abzubrechen.
Aber natürlich machen wir weiter!
Der Bus nach Kathmandu benötigt fünf Stunden. Wir kommen an vielen
Terrassenfeldern vorbei, an Hängebrücken, durch Berg und Tal, sehen aber
auch noch die verheerenden Schäden des Unwetters vom letzten August. Die
Fahrt kostet 80 Rs./Person. Unser Fahrer muss einige Male eine Straßengebühr
entrichten.