|
[ Reiseberichte ]
[
nächste Seite ]

Zu Besuch in Neuwerk - Oliver Neß
Landkarte Neuwerk West 1:25000
Start
Pferdefuhrwerke kommen uns entgegen
Blick auf Neuwerk
Gas Vergleichen Sie Ihr Gas
Blick auf Sahlenburg
Sonnenuntergang über der Nordsee
Sonnenuntergang über der Nordsee
|
 |
Durchs Watt nach Neuwerk
Text und Fotos: Horst Wehrse
Was haben wir für ein Glück! Tage vorher regnet es und
die Sonne zeigt sich nur so dann und wann. Doch jetzt, gegen Mittag des 19.
August 2006, scheint sie vom Himmel, als ob sie was gutzumachen hätte, keine
Wolke trübt das Bild.
Wir sind insgesamt 39 Personen. Michael hat die Reise geplant und
organisiert und freut sich über die gewaltige Resonanz. Die Werbung für
diesen Ausflug bei den Veranstaltungen seines
Coaching Centers muss wohl
doch erfolgreich gewesen sein.
Um 12.30 Uhr setzt sich der Bus in Bewegung und nach gut 90minütiger Fahrt
erreichen wir Sahlenburg, den Ausgangspunkt unserer Wattwanderung. Doch was
ist hier los! Etliche andere Gruppen verfolgen dasselbe Ziel wie wir, das
kann ja heiter werden, meine Laune kriegt einen kleinen Dämpfer.
Jetzt noch etwas Sonnencreme auftragen, die Mütze auf den Kopf, und schon
setzen wir uns in Bewegung. Die meisten unserer Reisegruppe gehen mit ihren
Nordic-Walking-Stöcken, einige ohne diese Hilfsmittel, andere fahren mit der
Pferdekutsche über das Watt.
Vor uns liegen gut 11 oder knapp 12 Kilometer, der Wanderweg ist durch
Sträucher gekennzeichnet und Neuwerk vom Festland gut sichtbar. Sofort legen
Karin, eine pensionierte Lehrerin, und ich etwas Tempo vor und überholen so
lange die vor uns gehenden Wattläufer, bis wir freie Sicht auf die Insel
haben und sich niemand mehr vor uns befindet.
Die Wanderung ist hervorragend, besonders nachdem wir die restlichen
Teilnehmer hinter uns gelassen haben. Sonnenschein, das Wasser, die Ruhe,
ich weiß nicht, was mir am besten gefallen hat, es ist jedenfalls ein großes
Erlebnis, durch den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer zu gehen.
Einige Leute, die wir unterwegs überholen, laufen barfuß und haben manchmal
Probleme mit den scharfen Muschelkanten oder mit dem Gestein. Der erste
Priel, den wir durchqueren, hat eine relativ starke Strömung und ich freue
mich, dass die Walking-Stöcke auch hervorragend geeignet sind, um die
Balance im Wasser zu halten, das an einigen Stellen bis über das Knie
reicht.
Hin und wieder werden wir von Reitern überholt. Eine, wahrscheinlich
ungeübte, Reiterin soll, so höre ich später, mit dem Pferd gestürzt und
unter das Tier gefallen sein. Manchmal begegnen uns Pferdefuhrwerke mit
Gästen oder Treckergespanne, die das Gepäck der Inselbesucher
transportieren.
Das Gehen ist relativ einfach, der Boden ist meistens hart und fest, nur an
einigen Stellen sackt man etwas ein und kommt nicht so zügig voran, bei den
Prielen ist manchmal etwas Vorsicht angesagt. Auf wie viele Wattwürmer, die
mit der Farbe des Bodens getarnt sind, mögen wir getreten haben?
Ein paar Kilometer sind noch zu laufen, als die "Watt-Oase" vor uns
auftaucht, ein Gummiwagen mit Bier und anderen Getränken, den ein findiger
und geschäftstüchtiger Inselbauer ins Watt gefahren hat. Einige Gäste
erfrischen sich, ich persönlich halte diesen Service für mehr als
überflüssig.
Nach einer Stunde und vierzig Minuten sind wir am Ziel und betreten die
Insel Neuwerk. Glücklich und auch ein wenig stolz ob dieser Zeit geben Karin
und ich uns die Hand und gratulieren uns gegenseitig. Michael, ein jüngerer
Teilnehmer aus unserer Gruppe, hatte uns überholt und wartet bereits auf dem
Deich. So nach und nach stellen sich die anderen ein und sind ebenfalls
erfreut, eine gute Zeit erreicht zu haben.
Nachdem wir uns an einer Waschstelle reinigen und erfrischen konnten,
orientieren wir uns zum Hof von Hans-Werner Fock, der dort "Das alte
Fischerhaus" betreibt.
Die Kaffeetafel ist schon gedeckt und so gönnen wir uns eine kleine Pause.
Zwischendurch möchte ich mich über die Bundesliga informieren, aber mein
Handy hat Empfangsprobleme. Auf dem Deich geht es besser und so erfahre ich,
dass Werder gegen Leverkusen souverän gewonnen hat.
Nun haben wir noch etwas Zeit zur freien Verfügung und zusammen mit Ingrid
laufe ich ein Stück auf dem Deich entlang und genieße die
Spätnachmittagssonne, den Blick auf die Insel und auf das glitzernde
Wattenmeer bei einsetzender Flut. Später steigen wir noch auf den Wasserturm
und treffen hier auf Karin und Mechthild. Die Aussicht von hier oben ist
berauschend. Der Turm ist, so erfahren wir, Hamburgs ältestes Bauwerk, denn
Neuwerk gehört zur Stadt Hamburg. Ein Tatort, an den ich mich zu erinnern
glaube, mit Manfred Krug und Charles Brauer, wurde hier teilweise gedreht.
Grund genug, um in dem Turmlokal noch ein Getränk zu bestellen.
Im Internet lese ich später, dass die Insel rund drei Quadratkilometer groß
ist und man etwa eine Stunde benötigt, um sie auf dem Hauptdeich zu
umrunden. Bademöglichkeit bieten ein paar kleine Strände in der Nähe des
neuen Radarturms.
Zum Abendessen treffen wir uns wieder im "Alten Fischerhaus", das Menü
hatten wir schon im Bus auf der Hinfahrt ausgewählt. Ich bekomme
fangfrischen Seelachs mit Salat und Bratkartoffeln und es schmeckt
hervorragend. Später verteilt der Wirt noch Nachschlag auf Wunsch. Das Bier
steht binnen kurzer Zeit auf dem Tisch, die Bedienung weiß, dass die meisten
Gäste nur begrenzt Zeit haben und mit dem Schiff zurückfahren müssen, alles
ist bestens und sehr professionell organisiert. Ein Heuhotel gehört zum
Haus.
Die Fahrt mit dem Schiff nach Cuxhaven dauert etwa 1,5 Stunden und wir
erleben einen Sonnenuntergang, den ich in Deutschland ganz selten gesehen
habe, die Fotos könnte ich auch meinen Karibik-Bildern untermischen, ohne
dass jemand Verdacht schöpft, einfach wunderschön.
Unser Bus wartet bereits am Hafen, zufrieden und in der Gewissheit, einen
tollen und erfolgreichen Nachmittag erlebt zu haben, treten wir die
Heimfahrt an. Unterwegs auf dem Weg zurück nach Bremen werden wir von einem
Gewitter überrascht und es regnet heftig, aber wen stört das schon …

[
nächste Seite ]
|