Go East!
(Bahrain), Kuala Lumpur, Brunei, Philippinen
Text und Fotos: Horst Wehrse
Bahrain
In Bahrain wollte ich eigentlich nur das Flugzeug
wechseln – aber es kommt ganz anders als geplant. Mehr als drei Stunden
Verspätung im Flughafen Frankfurt sorgen dafür, dass ich den Anschlussflug
nach Kuala Lumpur nicht mehr erreiche und eine ungewollte Nacht in Manama
verbringen muss. Hatte mir die Dame von Gulf Air beim Abflug noch
versichert, dass man sich bei der Ankunft um mich kümmern würde, sieht die
Realität ganz anders aus. Zwei überforderte Mitarbeiter brauchen unendlich
lange, um den rund 30 Reisenden mit Zwangsaufenthalt in Bahrain ein Hotel
zuzuweisen. Später muss auch noch über eine Stunde auf den Hotel-Shuttlebus
gewartet werden. 5 ½ Stunden Flug liegen hinter uns, der Zeitunterschied zu
Deutschland beträgt zwei Stunden. Ein Sudaner, bereits gestern aus den
Vereinigten Staaten abgereist und wesentlich länger unterwegs, ist sichtlich
genervt.
Doch nun genug der Klage. Gegen 22.oo h checke ich im
zentral gelegenen Hotel "Bahrain International" ein, das Thermometer zeigt
angenehme 25 Grad an, und das im November (2009). Was ist hier los! Fast
alle Plätze an der Hotelbar sind belegt von mehr oder weniger angetrunkenen
Arabern in ihren blütenweißen Dishdashas, den langen hemdähnlichen
Gewändern. Den Kopf ziert ein rot-weiß kariertes Tuch, die Kafiya, gehalten
von einer schwarzen Kordel.
Nebenan im Nachtclub "Rockland", der ebenfalls gut
frequentiert wird, unterhält eine europäische Frauenband, die Akteurinnen
alle blond und wohl proportioniert, die zumeist einheimischen Gäste. Das
Heineken- und Budweiserbier fließt in Strömen. Frauen aus China und
Thailand, aber auch verschleierte Araberinnen, bieten ihre Dienste an und
verschwinden für ein Schäferstündchen in ihr Etablissement, das sich im
Seitenflügel des Hotels befindet.
Am nächsten Morgen, nach einem sehr kargen Frühstück,
lerne ich dann endlich einmal Manama im warmen Sonnenschein kennen, denn vor
ein paar Jahren habe ich hier gefroren und das Land nur unter einer dicken
Wolkendecke erlebt.
Zunächst führt mich mein Spaziergang zum Bab al
Bahrain, dem Tor von Bahrain. Gleich dahinter beginnt der Souq von Manama,
der allerdings wegen seiner doch relativ modernen Betonbauten nicht mit den
üblichen arabischen Basaren verglichen werden kann. Mir ist es egal, kann
ich mich hier doch mit Kamm und Zahnbürste eindecken, schließlich befindet
sich meine Kulturtasche noch im Rucksack und der liegt hoffentlich an
richtiger Stelle im Flughafen.
Später marschiere ich am King Faisal Highway entlang,
trinke hier und da einen Kaffee und wundere mich wieder über die modernen
Hochhäuser, die an dieser Straße errichtet wurden. Gegen Abend checke ich
aus und lasse mich zum Airport fahren.
Dieses Mal heben wir pünktlich ab. Über die Straße von
Hormus geht es in Richtung Indien. Beim Dinner dürfen wir zwischen drei
Mahlzeiten auswählen. Nach sieben Stunden ist Kuala Lumpur erreicht. Riesige
Palmenwälder erschließen sich vor unseren Augen.
Kuala Lumpur
Jetzt beträgt die Zeitdifferenz zu Deutschland schon
sieben Stunden. Während ich auf mein Gepäck warte, kaufe ich an einem
Schalter eine Fahrkarte für den KLIA Ekspres, der direkt und nonstop zum
Hauptbahnhof fährt. Der Zug kostet 35 Ringgit (RM), auch Malaysia Dollar
genannt, was 7 Euro entspricht. Im Zug unterhalte ich mich mit einem
Einheimischen, der schon häufiger beruflich in Europa zu tun hatte. Er
empfiehlt mir, zukünftig nur noch von London mit Air Asia nach Asien zu
fliegen, preiswertere Angebote gäbe es nicht. Und, wie es der Zufall will,
in der Ausgabe 1/2010 des Reisemagazins "Reise & Preise" wird diese
Möglichkeit auch empfohlen. Nach knapp einer halben Stunde fahren wir in den
Bahnhof ein.
Das Hotel "Melia Kuala Lumpur" ist meine nächste
Bleibe, aus vorgenannten Gründen kann ich nur eine Nacht in der
Zweimillionenstadt bleiben, dennoch bleiben mir fast zwei ganze Tage, um die
Stadt zu erkunden.
Nach kurzer Pause steige ich in die Monorail und fahre
ein paar Stationen, die Petronas Towers sind mein erstes Ziel. Das vom
Mineralölkonzern Petronas gebaute Wolkenkratzerpaar, ein Bürogebäude der
Superlative, misst 451,9 m und überragt alle anderen Hochhäuser der Stadt.
Zeitweilig galt das gigantische Monstrum mit seinen 88 Stockwerken als
höchstes Gebäude der Welt.
In den Innenräumen der Türme wetteifern Boutiquen und
gastronomische Betriebe um Kunden, es ist sehr beeindruckend. Zum Zeitpunkt
meines Besuchs ist es nicht möglich, auf die Brücke, die Skybridge, zwischen
den beiden Türmen zu gelangen. Der Ticketverkäufer schenkt mir eine
Eintrittskarte für 17.oo h, ich komme jedoch nicht wieder zurück, denn
einen guten Ausblick lässt das diesige Wetter heute nicht zu und insofern
habe ich wohl nicht sehr viel verpasst.
Ein Besuch des alten Bahnhofs war mir sehr empfohlen
worden, allerdings, ich schaffe es nicht, zu Fuß zu diesem Ziel zu gelangen.
Alle Passanten, die ich nach dem Weg frage, raten mir, ein Taxi zu nehmen.
Irgendwann resigniere ich und halte nach der Besichtigung des interessanten
hinduistischen Mahamariamman-Tempels ein Auto an.
Der Bahnhof im orientalischen Baustil gefällt mir. Er
wurde 1911 fertig gestellt, die Türme, Minarette und Kuppeln lassen nicht
ahnen, dass hier früher Züge angekommen und abgefahren sind.
Gegenüber im ebenfalls kolonialen KTM-Gebäude ist die
Eisenbahnverwaltung untergebracht.
Bis zur Nationalmoschee, der Masjid Negara, ist es
nicht weit. Die Säulenhalle ist sehr eindrucksvoll, der Gebetsraum für
Nichtmoslems tabu, man darf aber hineinsehen. Ein Würdenträger versorgt mich
mit vielen Informationen, so erklärt er mir, dass das im Christentum
gebräuchliche Wort "Halleluja" aus dem Begriff "Allah" stammen soll.
Ein 75 m hohes Minarett kündigt die 1956 erbaute
Moschee von weitem an. Auf einer Gesamtfläche von 8.000 qm ist Platz für
15.000 Gläubige. Freitags erscheint auch der Präsident zu einem Gebet.
Zum Abendessen gehe ich ins Shoppingcenter "Times
Square", gegenüber meinem Hotel gelegen. Alle Etagen sind weihnachtlich
dekoriert. Dann steige ich in ein Taxi und lasse mich zum Nachtmarkt in
Chinatown fahren und nun sehe ich doch tatsächlich zum ersten Mal westliche
Touristen in dieser Stadt. Hier kann man alles kaufen, riesige
Menschenmassen schieben sich durch die kleinen Gassen. Viele Massagesalons
machen auf sich aufmerksam. Mein Taxifahrer meint, man muss unbedingt
konsequent bargain, also handeln oder feilschen.
Er persönlich kauft sich notwendige Artikel lieber im
Kaufhaus zu einem Festpreis, der in der Regel günstiger ausfällt.
Eigentlich möchte ich noch einen Blick auf die
illuminierten Petronas Towers werden. Was liegt näher, als zum Kuala Lumpur
Tower zu gehen, um von dort die Aussicht zu genießen. Aber auch dieser
Spaziergang will nicht enden, immer gehe ich auf belebten Straßen, habe den
Turm im Fokus, aber keine Möglichkeit, auch dort hin zu gelangen. Leider
kommt kein Taxi vorbei, ich wäre bestimmt eingestiegen. Irgendwann bin ich
doch am Ziel und durch gutes Zureden fährt der Shuttlebus noch einmal nach
oben zum Eingangsbereich. An der Kasse, die gerade schließen will, erwerben
wir, drei junge Männer aus Polen und ich, nach längerem Verhandeln doch noch
die begehrte Eintrittskarte.
Die Aussicht auf das nächtliche Kuala Lumpur ist
wunderbar, die Petronas Towers sind gut zu erkennen und ragen dominant aus
dem Lichtermeer heraus.
Den Rest des Abends verbringe ich in der Hotelbar, im
Saal nebenan wird eine Hochzeit gefeiert.
Am nächsten Morgen fahre ich mit der Monorail ins
Zentrum, streife durch den Times Square und beobachte die Handwerker im
Hotel beim Anbringen der Weihnachtsdeko.
Nachmittags geht es mit dem KLIA Ekspres zum Flughafen.
Dort erfahre ich, dass Flüge mit Air Asia im einige Kilometer entfernten LCC
Terminal abgefertigt werden, also wieder ins Taxi ….
Es herrscht großes Gedränge, ich habe noch etwas Zeit
und warte inmitten der Menschenmassen, dass mein Abfertigungs-Counter
öffnet. Eine Putzfrau fragt besorgt, ob sie mir helfen könne. Der Skytrain
bringt uns zum richtigen Gebäude. Mit einer Stunde Verspätung heben wir ab.
Verpflegung muss unterwegs gekauft werden. Die Billigflieger von Air Asia
tragen die Aufschrift: Now everyone can fly.
Nach zweistündigem Flug landen wir in Brunei. Jetzt bin
ich also in Asiens reichstem Land.
Brunei
Die Abfertigung geht zügig vonstatten, ich tausche und
erhalte für 50 Euro 98 Brunei Dollar (B$). Die Menschen sind sehr
freundlich. Mit einem Taxi fahre ich auf beleuchteten Straßen ins Zentrum
von Bandar Seri Begawan, der Hauptstadt des Sultanats, und checke im bereits
reservierten Hotel "Brunei" ein. Auch hier herrscht Linksverkehr.
Ein erster Erkundungsspaziergang überzeugt mich, dass
ein Nachtleben nicht stattfindet, abgesehen von ein paar dürftig besetzten
Restaurants. Also esse ich im Hotel zu Abend. Alkohol ist während der
nächsten Tage nicht gestattet, in Brunei gibt es kein Bier und keinen Wein
zu kaufen. Als westlicher Urlauber hätte ich eine Mindestmenge Alkoholika
einführen dürfen, aber angesichts der im Land vorherrschenden Gesetze
verzichte ich gerne und begnüge mich mit Tee und Mineralwasser.
Das Sultanat zählt etwa 380.000 Einwohner, ca. 76 %
sind malaiischer Abstammung. In der Hauptstadt wohnen gut 80.000 Menschen.
Aufgrund der Erdöl- und Erdgasvorkommen brauchen die Einwohner keine Steuern
zu zahlen, Gesundheitsvorsorge, Ausbildung und Rente sind kostenlos. Dem
Sultan wird ein Vermögen von rd. 35 Mrd. US-Dollar zugeschätzt, er ist somit
einer der reichsten Menschen der Welt.
Am nächsten Morgen regnet es, zum Glück werden im Hotel
Regenschirme verliehen. Mein erster Gang führt mich ans Wasser, an den
Brunei River. Von hier hat man einen guten Blick auf Kampong Ayer,
Pfahlbauten-Dörfer mit über 30.000 Einwohnern. Die Anwesen sind entweder mit
Boot oder über einen Steg erreichbar, mit Strom und Wasser versorgt,
lediglich der einfach ins Wasser geworfene Müll stört mich. Ein Boot rast
heran und der Steuermann fragt, ob ich mitfahren möchte.
Beim Weitergehen zur Mesjid Sultan Omar Ali Saifuddin,
der zentralen in einem künstlichen See erbauten Moschee, komme ich an der
deutschen Botschaft vorbei. Dem ebenfalls am Weg liegenden Kaufhaus werde
ich später noch einen Besuch abstatten.
Ein steinerner Nachbau der Sultansbarke ist mit dem aus
Granit und Marmor hergestellten islamischen Gotteshaus verbunden. Zu
bestimmten Zeiten ist der Besuch auch Nichtmoslems gestattet, das
Fotografieren im Innenraum ist verboten. Kronleuchter aus England und
Teppiche aus Belgien verleihen der Stätte ein würdiges Ambiente, die 52 m
hohe goldene Kuppel ist mit über 3 Mio. Mosaiken bedeckt. Sehr gelungen
finde ich die Kerzenhalter in Minarettform mit goldenem Turm. Eine
Rolltreppe sorgt dafür, dass auch Gläubige mit Handicap die obere Etage
erreichen.
Interessant ist die Besichtigung des Royal Regalia
Building, dem Museum der Kroninsignien. Natürlich wird kein Eintritt
erhoben. Im vorderen Bereich darf fotografiert werden, später muss ich meine
Kamera abgeben. In der Mitte der Halle wird die Kutsche gezeigt, die der
Sultan während der Krönungsfeierlichkeiten 1968 nutzte. Verträge und andere
historische Dokumente, Throninsignien, Krone etc. sind zu besichtigen.
Beeindruckt hat mich die Sänfte, die anlässlich des Thronjubiläums 1992 von
jeweils rund 25 Helfern gezogen bzw. geschoben wurde. Auch die Firma Shell
International & Co. Ltd. hat es sich nicht nehmen lassen, zu diesem Ereignis
ein Präsent beizusteuern.
Gegenüber des Gebäudes hat man einen Blick auf zwei der
Öffentlichkeit nicht zugängliche Bauten: Lapau, die königliche
Zeremonienhalle und Dewan Majlis, das Parlament bzw. die Kongresshalle.
Es regnet immer weiter, unter dem Dach einer
öffentlichen Bedürfnisanstalt warte ich einige Minuten auf besseres Wetter
und setze mich dann in ein Café. Hier sehe ich die einzigen europäischen
Gäste während meiner Zeit in Brunei. Ein Schild an der Wand warnt vor der
Schweinegrippe.
Meines Erachtens findet man in Bandar Seri Begawan
viele Läden, die mit Gold und Goldprodukten handeln.
In nächster Zeit besichtige ich noch den chinesischen
Tempel und den Markt. Das Wetter hat sich etwas gebessert, es regnet nicht
mehr permanent, aber die Sonne versteckt sich noch hinter dicken Wolken.
Auf dem Weg zum Flughafen kommen wir an der prächtigen
Hassanil Bolkiah-Moschee vorbei. Auch im Airport staune ich über die vielen
Goldläden.
Beim Weiterflug mit Royal Brunei Air sitze ich am
Notausgang und werde von den reizenden Stewardessen instruiert, wie ich mich
im Notfall zu verhalten habe.
Vor dem Abflug wird gebetet. Eine Stunde und 45 Minuten
später landen wir in Manila.
Manila
Jetzt bin ich also auf den Philippinen. Wie oft hatten
Schimmi und ich uns bei einem Glas Beck´s im "Halben Mond" unser Wiedersehen
in der Hotelbar in Manila ausgemalt. Aber es kommt ganz anders. Eine Bar
gibt es im "Bay View" nicht und ein romantischer Blick auf die Manila Bay
ist auch nicht mehr möglich, seitdem Hochhäuser die Sicht auf die Bucht
versperren. Aber dank SMS haben wir uns nach kurzer Zeit in einem anderen
Lokal getroffen und mit ein paar Flaschen SMB (San Miguel Beer) auf die
nächsten Wochen angestoßen.
Schimmi war schon öfter auf den Philippinen, der letzte
Besuch liegt allerdings rund 30 Jahre zurück. Er war vor unserem Treffen
einige Wochen in Thailand und ist ein paar Stunden vor mir in Manila
gelandet. Mal sehen, was die nächste Zeit bringen wird ….
Das Land besteht aus 7.107 Inseln, wovon etwa 2.000
bewohnt sind. Die Einwohnerzahl beträgt knapp 90 Mio., davon rd. 10 Mio. in
Groß Manila (Metro Manila) auf Luzon, der größten Insel des Landes. Lange
Zeit stehen die Philippinen unter spanischer Herrschaft. Magellan erreicht
die Insel im Jahre 1521, findet aber den Heldentod, als er spanische
Besitzansprüche geltend machen will. Später, 1565, beginnt die spanische
Kolonialherrschaft. Ende des 19. Jahrhunderts gerät das Land unter
amerikanische Herrschaft und erhält 1946, nach dem 2. Weltkrieg, die
Unabhängigkeit. Über 80 % der Bewohner gehören dem römisch-katholischen
Glauben an. Auf den Philippinen wird wieder auf der rechten Straßenseite
gefahren.
Der erste Eindruck vom Land dämpft meine Vorfreude ganz
erheblich. Das Taxi, das mich vom Flughafen zum Hotel bringt, steht mehr im
Verkehrsstau als dass es sich bewegt. Man kann wählen, ob man ein Auto mit
Festpreis bucht oder einen Wagen mit Taxameter. Ich habe mich für die zweite
Möglichkeit entschieden und bin damit auch etwas günstiger gefahren.
Im Zentrum, auf großen und frequentierten Straßen,
sieht man Not und Elend. Menschen, die auf dem Bürgersteig, mit nur einem
Stück Pappe als Unterlage, die Nacht verbringen. Ihre Habseligkeiten liegen
daneben in ein kleines Tuch eingewickelt. Und das im pulsierenden Stadtteil
Ermita in der Nähe des Roxas Boulevard. Schimmi, der Manila von früher
kennt, ist erschüttert und frustriert. Die Szene hat sich total verändert,
romantische Bars mit Blick auf die Bay sind verschwunden, gemütliches
Ambiente ist Fehlanzeige. Es ist überhaupt nicht motivierend, durch die
Straßen zu schlendern. Nachdenklich gehe ich zu Bett.
Nach einem ordentlichen Frühstück beginnen wir
anderntags unseren Spaziergang. Zunächst laufen wir durch den sehr
angenehmen Rizal Park am Nordende des Boulevards. Die Anlage mit dem
Monument des Schriftstellers Rizal steht als Ruheoase inmitten der Stadt im
krassen Kontrast zum Lautstärkepegel in den Verkehrsstraßen.
Anschließend tauschen wir Geld in einer Bank. Es stehen
jedoch ausreichend Atm-Automaten zur Verfügung und man muss sich das sehr
umständliche Verfahren am Kassenschalter nicht unbedingt antun. Mit dem
nötigen Kleingeld versehen, suchen wir ein Reisebüro auf, um unseren
Weiterflug nach Cebu zu buchen. Ausflüge zu den Reisterrassen in Banaue sind
derzeit lt. Auskunft einiger Reiseagenten nur privat mit Taxi oder Minibus
möglich, der Preis ist entsprechend und so verzichten wir auf diese im
Reiseführer als 8. Weltwunder angekündigte Sehenswürdigkeit. Schimmi war auf
einer seiner ersten Reisen auch schon dort.
Jeepneys, alte umgebaute amerikanische Jeeps aus dem
Zweiten Weltkrieg, bestimmen das Straßenbild, aber auch Fahrradrikschas und
Tricycles, Motorräder mit Beiwagen, nehmen am Stadtverkehr teil.
Nach dem Besuch der Malate-Kirche steigen wir in einen
öffentlichen Bus und fahren zum Vorort Las Piñas. Ein Tricycle bringt uns
die letzten Kilometer zum Ziel: der San-José-Kirche mit der Bambusorgel. Es
soll sich dabei um das weltweit größte Musikinstrument aus diesem Holz
handeln, 1973 in Deutschland renoviert. Der Kirchinnenraum wird für eine
Hochzeit geschmückt und hergerichtet. Ein Jeepney bringt uns zurück zur
Bushaltestelle. Beim Warten auf die Heimfahrt haben wir einen erschütternden
Blick auf den Fluss, die Slums am Ufer und den Unrat im Wasser. Ein Anwohner
bietet Ziegen an, lebend oder geschlachtet.
Zurück in Ermita schlendern wir am Roxas Boulevard
entlang, rümpfen die Nase wegen des permanent vorherrschenden Smogs und
besuchen ein paar Bierbars. Abends bleiben wir in diesem Viertel und speisen
in einem Dachrestaurant. Der von uns favorisierte Garlic-Reis wird erst ab
einer Mindestbestellung von drei Portionen geliefert, also bestellen wir
jeder einen halben Teller der köstlichen Beilage nach. Mein Fisch schmeckt
sehr gut und das San Miguel Bier passt hervorragend dazu. Per Handzeichen
bestelle ich zwei weitere Flaschen, erhalte aber nur ein Getränk, weil nur
mein Zeigefinger, nicht aber der Daumen, als Mengenangabe mitgezählt wird.
Schimmi, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat, amüsiert sich prächtig, und
das auf meine Kosten.
Später besuchen wir noch einmal die Banana Bar und
unterhalten uns mit Ruby, die gern mit ins Hotel gekommen wäre, um uns ihre
Massagekünste zu beweisen. Ein Kutscher bietet eine Stadtrundfahrt im
Pferdewagen an. Später spaziere ich noch einige Zeit durch das Viertel, aber
in den Lokalen ist nicht viel los, von ein paar australischen Gästen
abgesehen. Die Szene soll sich in den Stadtteil Makati verlagert haben.
Der Flug nach Cebu gefällt mir. Endlich verziehen sich
die Wolken und die Sonne zeigt sich mit aller Macht. Wir fliegen über schöne
Inseln und haben eine prächtige Sicht. Meine Stimmung steigt zunehmend,
daran ändern auch die Flugbegleiterinnen mit Nikolausmütze nichts, als sie
fragen, wer denn ein Weihnachtslied aufsagen oder singen möchte. Nach 55
Minuten sind wir wieder auf dem Boden der Tatsachen. Jetzt aber hinein in
die Sommerbekleidung.
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