[ Reiseberichte ]

[ nächste Seite ]

 

Go East 2009
Landkarte von StepMap
StepMap Go East 2009


modernes Manama
modernes Manama

Bab al Bahrain
Bab al Bahrain

Mc Donalds in Bahrain
Mc Donalds in Bahrain

im Flughafen
im Flughafen

Buchtipps

cover

Stefan Loose Travel Handbuch Malaysia Brunei und Singapore (Broschiert) von Renate Loose (Autor)

cover

Nelles Guide Malaysia (Reiseführer) / Singapur - Brunei (Taschenbuch) von Günter Nelles (Herausgeber)

 

Petronas Towers
Petronas Towers

in den Petronas Towers
in den Petronas Towers

Petronas Towers
Petronas Towers

in den Petronas Towers
in den Petronas Towers

indischer Tempel
indischer Tempel

alter Bahnhof
alter Bahnhof

Guanacos kreuzen den Weg Reiseberichte (Taschenbuch)
von Horst Wehrse (Autor)

Royal Regalia Museum
Royal Regalia Museum

Lapau
Lapau

Dewan Majlis
Dewan Majlis

im Royal Regalia Museum
im Royal Regalia Museum

Moschee und Barke
Moschee und Barke

Kampong Ayer
Kampong Ayer

Go East
Landkarte von StepMap
StepMap Go East


 

Rizal Park
Rizal Park

Rizal Park
Rizal Park

Straßenverkehr in Manila
Straßenverkehr in Manila

auf der Straße
auf der Straße

Tricycle
Tricycle

Bambusorgel
Bambusorgel

Roxas Boulevard
Roxas Boulevard

Flug nach Cebu
Flug nach Cebu

 

Go East!

(Bahrain), Kuala Lumpur, Brunei, Philippinen

Text und Fotos: Horst Wehrse

Bahrain

In Bahrain wollte ich eigentlich nur das Flugzeug wechseln – aber es kommt ganz anders als geplant. Mehr als drei Stunden Verspätung im Flughafen Frankfurt sorgen dafür, dass ich den Anschlussflug nach Kuala Lumpur nicht mehr erreiche und eine ungewollte Nacht in Manama verbringen muss. Hatte mir die Dame von Gulf Air beim Abflug noch versichert, dass man sich bei der Ankunft um mich kümmern würde, sieht die Realität ganz anders aus. Zwei überforderte Mitarbeiter brauchen unendlich lange, um den rund 30 Reisenden mit Zwangsaufenthalt in Bahrain ein Hotel zuzuweisen. Später muss auch noch über eine Stunde auf den Hotel-Shuttlebus gewartet werden. 5 ½ Stunden Flug liegen hinter uns, der Zeitunterschied zu Deutschland beträgt zwei Stunden. Ein Sudaner, bereits gestern aus den Vereinigten Staaten abgereist und wesentlich länger unterwegs, ist sichtlich genervt.

Doch nun genug der Klage. Gegen 22.oo h checke ich im zentral gelegenen Hotel "Bahrain International" ein, das Thermometer zeigt angenehme 25 Grad an, und das im November (2009). Was ist hier los! Fast alle Plätze an der Hotelbar sind belegt von mehr oder weniger angetrunkenen Arabern in ihren blütenweißen Dishdashas, den langen hemdähnlichen Gewändern. Den Kopf ziert ein rot-weiß kariertes Tuch, die Kafiya, gehalten von einer schwarzen Kordel.

Nebenan im Nachtclub "Rockland", der ebenfalls gut frequentiert wird, unterhält eine europäische Frauenband, die Akteurinnen alle blond und wohl proportioniert, die zumeist einheimischen Gäste. Das Heineken- und Budweiserbier fließt in Strömen. Frauen aus China und Thailand, aber auch verschleierte Araberinnen, bieten ihre Dienste an und verschwinden für ein Schäferstündchen in ihr Etablissement, das sich im Seitenflügel des Hotels befindet.

Am nächsten Morgen, nach einem sehr kargen Frühstück, lerne ich dann endlich einmal Manama im warmen Sonnenschein kennen, denn vor ein paar Jahren habe ich hier  gefroren und das Land nur unter einer dicken Wolkendecke erlebt.

Zunächst führt mich mein Spaziergang zum Bab al Bahrain, dem Tor von Bahrain. Gleich dahinter beginnt der Souq von Manama, der allerdings wegen seiner doch relativ modernen Betonbauten nicht mit den üblichen arabischen Basaren verglichen werden kann. Mir ist es egal, kann ich mich hier doch mit Kamm und Zahnbürste eindecken, schließlich befindet sich meine Kulturtasche noch im Rucksack und der liegt hoffentlich an richtiger Stelle im Flughafen.

Später marschiere ich am King Faisal Highway entlang, trinke hier und da einen Kaffee und wundere mich wieder über die modernen Hochhäuser, die an dieser Straße errichtet wurden. Gegen Abend checke ich aus und lasse mich zum Airport fahren.

Dieses Mal heben wir pünktlich ab. Über die Straße von Hormus geht es in Richtung Indien. Beim Dinner dürfen wir zwischen drei Mahlzeiten auswählen. Nach sieben Stunden ist Kuala Lumpur erreicht. Riesige Palmenwälder erschließen sich vor unseren Augen.

 

Kuala Lumpur 

Jetzt beträgt die Zeitdifferenz zu Deutschland schon sieben Stunden. Während ich auf mein Gepäck warte, kaufe ich an einem Schalter eine Fahrkarte für den KLIA Ekspres, der direkt und nonstop zum Hauptbahnhof fährt. Der Zug kostet 35 Ringgit (RM), auch Malaysia Dollar genannt, was 7 Euro entspricht. Im Zug unterhalte ich mich mit einem Einheimischen, der schon häufiger beruflich in Europa zu tun hatte. Er empfiehlt mir, zukünftig nur noch von London mit Air Asia nach Asien zu fliegen, preiswertere Angebote gäbe es nicht. Und, wie es der Zufall will, in der Ausgabe 1/2010 des Reisemagazins "Reise & Preise" wird diese Möglichkeit auch empfohlen. Nach knapp einer halben Stunde fahren wir in den Bahnhof ein.

Das Hotel "Melia Kuala Lumpur" ist meine nächste Bleibe, aus vorgenannten Gründen kann ich nur eine Nacht in der Zweimillionenstadt bleiben, dennoch bleiben mir fast zwei ganze Tage, um die Stadt zu erkunden.

Nach kurzer Pause steige ich in die Monorail und fahre ein paar Stationen, die Petronas Towers sind mein erstes Ziel. Das vom Mineralölkonzern Petronas gebaute Wolkenkratzerpaar, ein Bürogebäude der Superlative, misst 451,9 m und überragt alle anderen Hochhäuser der Stadt. Zeitweilig galt das gigantische Monstrum mit seinen 88 Stockwerken als höchstes Gebäude der Welt.

In den Innenräumen der Türme wetteifern Boutiquen und gastronomische Betriebe um Kunden, es ist sehr beeindruckend. Zum Zeitpunkt meines Besuchs ist es nicht möglich, auf die Brücke, die Skybridge, zwischen den beiden Türmen zu gelangen. Der Ticketverkäufer schenkt mir eine Eintrittskarte für 17.oo h, ich komme jedoch nicht wieder zurück, denn  einen guten Ausblick lässt das diesige Wetter heute nicht zu und insofern habe ich wohl nicht sehr viel verpasst.

Ein Besuch des alten Bahnhofs war mir sehr empfohlen worden, allerdings, ich schaffe es nicht, zu Fuß zu diesem Ziel zu gelangen. Alle Passanten, die ich nach dem Weg frage, raten mir, ein Taxi zu nehmen. Irgendwann resigniere ich und halte nach der Besichtigung des interessanten hinduistischen Mahamariamman-Tempels ein Auto an.

Der Bahnhof im orientalischen Baustil gefällt mir. Er wurde 1911 fertig gestellt, die Türme, Minarette und Kuppeln lassen nicht ahnen, dass hier früher Züge angekommen und abgefahren sind.  

Gegenüber im ebenfalls kolonialen KTM-Gebäude ist die Eisenbahnverwaltung untergebracht.

Bis zur Nationalmoschee, der Masjid Negara,  ist es nicht weit. Die Säulenhalle ist sehr eindrucksvoll, der Gebetsraum für Nichtmoslems tabu, man darf aber hineinsehen. Ein Würdenträger versorgt mich mit vielen Informationen, so erklärt er mir, dass das im Christentum gebräuchliche Wort "Halleluja" aus dem Begriff "Allah" stammen soll.

Ein 75 m hohes Minarett kündigt die 1956 erbaute Moschee von weitem an. Auf einer Gesamtfläche von 8.000 qm ist Platz für 15.000 Gläubige. Freitags erscheint auch der Präsident zu einem Gebet.

Zum Abendessen gehe ich ins Shoppingcenter "Times Square", gegenüber meinem Hotel gelegen. Alle Etagen sind weihnachtlich dekoriert. Dann steige ich in ein Taxi und lasse mich zum Nachtmarkt in Chinatown fahren und nun sehe ich doch tatsächlich zum ersten Mal westliche Touristen in dieser Stadt. Hier kann man alles kaufen, riesige Menschenmassen schieben sich durch die kleinen Gassen. Viele Massagesalons machen auf sich aufmerksam. Mein Taxifahrer meint, man muss unbedingt konsequent bargain, also handeln oder feilschen.

Er persönlich kauft sich notwendige Artikel lieber im Kaufhaus zu einem Festpreis, der in der Regel günstiger ausfällt.

Eigentlich möchte ich noch einen Blick auf die illuminierten Petronas Towers werden. Was liegt näher, als zum Kuala Lumpur Tower zu gehen, um von dort die Aussicht zu genießen. Aber auch dieser Spaziergang will nicht enden, immer gehe ich auf belebten Straßen, habe den Turm im Fokus, aber keine Möglichkeit, auch dort hin zu gelangen. Leider kommt kein Taxi vorbei, ich wäre bestimmt eingestiegen. Irgendwann bin ich doch am Ziel und durch gutes Zureden fährt der Shuttlebus noch einmal nach oben zum Eingangsbereich. An der Kasse, die gerade schließen will, erwerben wir, drei junge Männer aus Polen und ich, nach längerem Verhandeln doch noch die begehrte Eintrittskarte.

Die Aussicht auf das nächtliche Kuala Lumpur ist wunderbar, die  Petronas Towers sind gut zu erkennen und ragen dominant aus dem Lichtermeer heraus.

Den Rest des Abends verbringe ich in der Hotelbar, im Saal nebenan wird eine Hochzeit gefeiert.

Am nächsten Morgen fahre ich mit der Monorail ins Zentrum, streife durch den Times Square und beobachte die Handwerker im Hotel beim Anbringen der Weihnachtsdeko.

Nachmittags geht es mit dem KLIA Ekspres zum Flughafen. Dort erfahre ich, dass Flüge mit Air Asia im einige Kilometer entfernten LCC Terminal abgefertigt werden, also wieder ins Taxi ….

Es herrscht großes Gedränge, ich habe noch etwas Zeit und warte inmitten der Menschenmassen, dass mein Abfertigungs-Counter öffnet. Eine Putzfrau fragt besorgt, ob sie mir helfen könne. Der Skytrain bringt uns zum richtigen Gebäude. Mit einer Stunde Verspätung heben wir ab. Verpflegung muss unterwegs gekauft werden. Die Billigflieger von Air Asia tragen die Aufschrift: Now everyone can fly.

Nach zweistündigem Flug landen wir in Brunei. Jetzt bin ich also in Asiens reichstem Land.
 

Brunei

Die Abfertigung geht zügig vonstatten, ich tausche und erhalte für 50 Euro 98 Brunei Dollar  (B$). Die Menschen sind sehr freundlich. Mit einem Taxi fahre ich auf beleuchteten Straßen ins Zentrum von Bandar Seri Begawan, der Hauptstadt des Sultanats, und checke im bereits reservierten Hotel "Brunei" ein. Auch hier herrscht Linksverkehr.

Ein erster Erkundungsspaziergang überzeugt mich, dass ein Nachtleben nicht stattfindet, abgesehen von ein paar dürftig besetzten Restaurants. Also esse ich im Hotel zu Abend. Alkohol ist während der nächsten Tage nicht gestattet, in Brunei gibt es kein Bier und keinen Wein zu kaufen. Als westlicher Urlauber hätte ich eine Mindestmenge Alkoholika einführen dürfen, aber angesichts der im Land vorherrschenden Gesetze verzichte ich gerne und begnüge mich mit Tee und Mineralwasser.

Das Sultanat zählt etwa 380.000 Einwohner, ca. 76 % sind malaiischer Abstammung. In der Hauptstadt wohnen gut 80.000 Menschen. Aufgrund der Erdöl- und Erdgasvorkommen brauchen die Einwohner keine Steuern zu zahlen, Gesundheitsvorsorge, Ausbildung und Rente sind kostenlos. Dem Sultan wird ein Vermögen von rd. 35 Mrd. US-Dollar zugeschätzt, er ist somit einer der reichsten Menschen der Welt.

Am nächsten Morgen regnet es, zum Glück werden im Hotel Regenschirme verliehen. Mein erster Gang führt mich ans Wasser, an den Brunei River. Von hier hat man einen guten Blick auf Kampong Ayer, Pfahlbauten-Dörfer mit über 30.000 Einwohnern. Die Anwesen sind entweder mit Boot oder über einen Steg erreichbar, mit Strom und Wasser versorgt, lediglich der einfach ins Wasser geworfene Müll stört mich. Ein Boot rast heran und der Steuermann fragt, ob ich mitfahren möchte.

Beim Weitergehen zur Mesjid Sultan Omar Ali Saifuddin, der zentralen in einem künstlichen See erbauten Moschee, komme ich an der deutschen Botschaft vorbei. Dem ebenfalls am Weg liegenden Kaufhaus werde ich später noch einen Besuch abstatten.

Ein steinerner Nachbau der Sultansbarke ist mit dem aus Granit und Marmor hergestellten islamischen Gotteshaus verbunden. Zu bestimmten Zeiten ist der Besuch auch Nichtmoslems gestattet, das Fotografieren im Innenraum ist verboten. Kronleuchter aus England und Teppiche aus Belgien verleihen der Stätte ein würdiges Ambiente, die 52 m hohe goldene Kuppel ist mit über 3 Mio. Mosaiken bedeckt. Sehr gelungen finde ich die Kerzenhalter in Minarettform mit goldenem Turm. Eine Rolltreppe sorgt dafür, dass auch Gläubige mit Handicap die obere Etage erreichen.

Interessant ist die Besichtigung des Royal Regalia Building, dem Museum der Kroninsignien. Natürlich wird kein Eintritt erhoben. Im vorderen Bereich darf fotografiert werden, später muss ich meine Kamera abgeben. In der Mitte der Halle wird die Kutsche gezeigt, die der Sultan während der Krönungsfeierlichkeiten 1968 nutzte. Verträge und andere historische Dokumente, Throninsignien, Krone etc. sind zu besichtigen. Beeindruckt hat mich die Sänfte, die anlässlich des Thronjubiläums 1992 von jeweils rund 25 Helfern gezogen bzw. geschoben wurde. Auch die Firma Shell International & Co. Ltd. hat es sich nicht nehmen lassen, zu diesem Ereignis ein Präsent beizusteuern.

Gegenüber des Gebäudes hat man einen Blick auf zwei der Öffentlichkeit nicht zugängliche Bauten: Lapau, die königliche Zeremonienhalle und Dewan Majlis, das Parlament bzw. die Kongresshalle.

Es regnet immer weiter, unter dem Dach einer öffentlichen Bedürfnisanstalt warte ich einige Minuten auf besseres Wetter und setze mich dann in ein Café. Hier sehe ich die einzigen europäischen Gäste während meiner Zeit in Brunei. Ein Schild an der Wand warnt vor der Schweinegrippe.

Meines Erachtens findet man in Bandar Seri Begawan viele Läden, die mit Gold und Goldprodukten handeln.

In nächster Zeit besichtige ich noch den chinesischen Tempel und den Markt. Das Wetter hat sich etwas gebessert, es regnet nicht mehr permanent, aber die Sonne versteckt sich noch hinter dicken Wolken.

Auf dem Weg zum Flughafen kommen wir an der prächtigen Hassanil Bolkiah-Moschee vorbei. Auch im Airport staune ich über die vielen Goldläden.

Beim Weiterflug mit Royal Brunei Air sitze ich am Notausgang und werde von den reizenden Stewardessen instruiert, wie ich mich im Notfall zu verhalten habe.

Vor dem Abflug wird gebetet. Eine Stunde und 45 Minuten später landen wir in Manila.
 

Manila

Jetzt bin ich also auf den Philippinen. Wie oft hatten Schimmi und ich uns bei einem Glas Beck´s im "Halben Mond" unser Wiedersehen in der Hotelbar in Manila ausgemalt. Aber es kommt ganz anders. Eine Bar gibt es im "Bay View" nicht und ein romantischer Blick auf die Manila Bay ist auch nicht mehr möglich, seitdem Hochhäuser die Sicht auf die Bucht versperren. Aber dank SMS haben wir uns nach kurzer Zeit in einem anderen Lokal getroffen und mit ein paar Flaschen SMB (San Miguel Beer) auf die nächsten Wochen angestoßen.

Schimmi war schon öfter auf den Philippinen, der letzte Besuch liegt allerdings rund 30 Jahre zurück. Er war vor unserem Treffen einige Wochen in Thailand und ist ein paar Stunden vor mir in Manila gelandet. Mal sehen, was die nächste Zeit bringen wird ….

Das Land besteht aus 7.107 Inseln, wovon etwa 2.000 bewohnt sind. Die Einwohnerzahl beträgt knapp 90 Mio., davon rd. 10 Mio. in Groß Manila (Metro Manila) auf Luzon, der größten Insel des Landes. Lange Zeit stehen die Philippinen unter spanischer Herrschaft. Magellan erreicht die Insel im Jahre 1521, findet aber den Heldentod, als er spanische Besitzansprüche geltend machen will. Später, 1565, beginnt die spanische Kolonialherrschaft. Ende des 19. Jahrhunderts gerät das Land unter amerikanische Herrschaft und erhält 1946, nach dem 2. Weltkrieg, die Unabhängigkeit. Über 80 % der Bewohner gehören dem römisch-katholischen Glauben an. Auf den Philippinen wird wieder auf der rechten Straßenseite gefahren.

Der erste Eindruck vom Land dämpft meine Vorfreude ganz erheblich. Das Taxi, das mich vom Flughafen zum Hotel bringt, steht mehr im Verkehrsstau als dass es sich bewegt. Man kann wählen, ob man ein Auto mit Festpreis bucht oder einen Wagen mit Taxameter. Ich habe mich für die zweite Möglichkeit entschieden und bin damit auch etwas günstiger gefahren.

Im Zentrum, auf großen und frequentierten Straßen, sieht man Not und Elend. Menschen, die auf dem Bürgersteig, mit nur einem Stück Pappe als Unterlage, die Nacht verbringen. Ihre Habseligkeiten liegen daneben in ein kleines Tuch eingewickelt. Und das im pulsierenden Stadtteil Ermita in der Nähe des Roxas Boulevard. Schimmi, der Manila von früher kennt, ist erschüttert und frustriert. Die Szene hat sich total verändert, romantische Bars mit Blick auf die Bay sind verschwunden, gemütliches Ambiente ist Fehlanzeige. Es ist überhaupt nicht motivierend, durch die Straßen zu schlendern. Nachdenklich gehe ich zu Bett.

Nach einem ordentlichen Frühstück beginnen wir anderntags unseren Spaziergang. Zunächst laufen wir durch den sehr angenehmen Rizal Park am Nordende des Boulevards.  Die Anlage mit dem Monument des Schriftstellers Rizal steht als Ruheoase inmitten der Stadt im krassen Kontrast zum Lautstärkepegel in den Verkehrsstraßen.

Anschließend tauschen wir Geld in einer Bank. Es stehen jedoch ausreichend Atm-Automaten zur Verfügung und man muss sich das sehr umständliche Verfahren am Kassenschalter nicht unbedingt antun. Mit dem nötigen Kleingeld versehen, suchen wir ein Reisebüro auf, um unseren Weiterflug nach Cebu zu buchen. Ausflüge zu den Reisterrassen in Banaue sind derzeit lt. Auskunft einiger Reiseagenten nur privat mit Taxi oder Minibus möglich, der Preis ist entsprechend und so verzichten wir auf diese im Reiseführer als 8. Weltwunder angekündigte Sehenswürdigkeit. Schimmi war auf einer seiner ersten Reisen auch schon dort.

Jeepneys, alte umgebaute amerikanische Jeeps aus dem Zweiten Weltkrieg, bestimmen das Straßenbild, aber auch Fahrradrikschas und Tricycles, Motorräder mit Beiwagen, nehmen am Stadtverkehr teil.

Nach dem Besuch der Malate-Kirche steigen wir in einen öffentlichen Bus und fahren zum Vorort Las Piñas. Ein Tricycle bringt uns die letzten Kilometer zum Ziel: der San-José-Kirche mit der Bambusorgel. Es soll sich dabei um das weltweit größte Musikinstrument aus diesem Holz handeln, 1973 in Deutschland renoviert. Der Kirchinnenraum wird für eine Hochzeit geschmückt und hergerichtet. Ein Jeepney bringt uns zurück zur Bushaltestelle. Beim Warten auf die Heimfahrt haben wir einen erschütternden Blick auf den Fluss, die Slums am Ufer und den Unrat im Wasser. Ein Anwohner bietet Ziegen an, lebend oder geschlachtet.

Zurück in Ermita schlendern wir am Roxas Boulevard entlang, rümpfen die Nase wegen des permanent vorherrschenden Smogs und besuchen ein paar Bierbars. Abends bleiben wir in diesem Viertel und speisen in einem Dachrestaurant. Der von uns favorisierte Garlic-Reis wird erst ab einer Mindestbestellung von drei Portionen geliefert, also bestellen wir jeder einen halben Teller der köstlichen Beilage nach. Mein Fisch schmeckt sehr gut und das San Miguel Bier passt hervorragend dazu. Per Handzeichen bestelle ich zwei weitere Flaschen, erhalte aber nur ein Getränk, weil nur mein Zeigefinger, nicht aber der Daumen, als Mengenangabe mitgezählt wird. Schimmi, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat, amüsiert sich prächtig, und das auf meine Kosten.

Später besuchen wir noch einmal die Banana Bar und unterhalten uns mit Ruby, die gern mit ins Hotel gekommen wäre, um uns ihre Massagekünste zu beweisen. Ein Kutscher bietet eine Stadtrundfahrt im Pferdewagen an. Später spaziere ich noch einige Zeit durch das Viertel, aber in den Lokalen ist nicht viel los, von ein paar australischen Gästen abgesehen. Die Szene soll sich in den Stadtteil Makati verlagert haben.

Der Flug nach Cebu gefällt mir. Endlich verziehen sich die Wolken und die Sonne zeigt sich mit aller Macht. Wir fliegen über schöne Inseln und haben eine prächtige Sicht. Meine Stimmung steigt zunehmend, daran ändern auch die Flugbegleiterinnen mit Nikolausmütze nichts, als sie fragen, wer denn ein Weihnachtslied aufsagen oder singen möchte. Nach 55 Minuten sind wir wieder auf dem Boden der Tatsachen. Jetzt aber hinein in die Sommerbekleidung.

[ nächste Seite ]


[ Home | Reiseberichte | Kontakt ]

This document maintained by horst.wehrse@t-online.de
Material Copyright © 2003-2010 Horst Wehrse

Powered by Syndicat