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[ Reiseberichte ]

Portugal-Handbuch Marita Korst
Portugal - H.-P. Burmeister
Gebrauchsanweisung für Portugal Eckhart Nickel
fliesengeschmückte Wand
Rossio mit Nationaltheater
Christo Rei
Brücke des 25. April
Denkmal der Entdeckungen
Denkmal und Brücke des 25. April
Turm von Belem
in Queluz
maurisches Wartehäuschen
Brücke Dom Louis
Brücke mit barcos rabellos
Portweinboot
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Lissabon und Porto
zwei Wochen im
vorweihnachtlichen Portugal
Text und Fotos: Horst Wehrse
Lissabon, im November 1988
Wir treffen uns im Hauptbahnhof Osnabrück. Inge und Harms sind in Minden,
ich in Bremen losgefahren. Zusammen geht es dann nach Amsterdam und von dort
weiter mit Air Portugal.
Wieder einmal gestattet uns die Buß- und Bettagswoche einen Kurzurlaub.
Einige Zweifel plagen uns schon, ist es der rechte Zeitpunkt, Lissabon zu
besuchen, schließlich wütete am 25. August 1988 ein Großfeuer und zerstörte
einen bedeutenden Teil der Altstadt.
Während des Fluges haben wir einen herrlichen Ausblick auf die Pyrenäen.
Nach der Ankunft am Spätnachmittag, wir fliegen etwa 2 ¾ Stunden, suchen wir
uns ein preiswertes Hotel in der Alfama mit Sicht auf das Castello de Sao
Jorge, gerade abends im Flutlicht ein schönes Bild.
Um den ersten Tag der Reise gebührend zu würdigen, kehren wir in ein
Fischrestaurant am Hafen ein und sorgen dafür, dass der Wein während des
Essens nicht ausgeht. Geld hatten wir vorher schon getauscht, 1,- DM
entspricht 77 Escudos.
Wohlig gesättigt bitten wir um die Rechnung, sie wird uns präsentiert, wir
gucken uns an, schlucken ein paar Mal und müssen dann akzeptieren, dass wir
gerade unser halbes Urlaubsbudget verjubelt haben.
Lissabon, größte Stadt Portugals, hat zu dieser Zeit etwa eine Million
Einwohner, zählt man die Vorrote dazu, dürften es knapp zwei Millionen sein.
Die Stadt liegt auf einem hügeligen Gelände am rechten Ufer des Tejo.
Am nächsten Morgen konzentrieren wir uns zunächst auf die Alfama, eines der
ältesten Wohnviertel. Wir steigen hinauf zum Castello de Sao Jorge und
genießen den Blick auf die Altstadt, die Unterstadt Baixa und die Oberstadt
Chiada. Die Burg liegt auf dem höchsten der östlichen Stadthügel und war
früher auch königliche Residenz. Eine ebenfalls phänomenale Aussicht bietet
der Aussichtspunkt Santa Luzia.
Der Gang durch das maurische Viertel ist sehr interessant, es riecht nach
Fisch, kleine Bars laden zur Pause ein, in den Straßen herrscht geschäftiges
Treiben. Vor den Häusern ranken Bougainville und zwitschern Kanarienvögel,
schöne Fliesen schmücken die Hauswände ganz oder teilweise. Kleine
verwinkelte Gassen schlängeln sich den Berg hinunter, vor den Häusern hängt
Wäsche zum Trocknen.
Sehenswert ist die Sao Vicente de Fora, eine nach dem Erdbeben 1755 zum Teil
wieder restaurierte Kirche mit schöner Innenausstattung, besonders
beeindruckt bin ich von den Azulejos im Kreuzgang.
Die Kathedrale Sé gehört ebenfalls zu unserem Besichtigungsprogramm. Auch
dieses Bauwerk wurde einige Male durch Erdbeben zerstört. Zwei
zinnengekrönte Glockentürme und eine Fensterrosette zeigen sich dem Besucher
als erstes.
Unser nächstes Ziel ist der Praca do Comércio. Der "Handelsplatz", der sich
zum Tejo öffnet, ist Sitz verschiedener Ministerien. Die den Platz
begrenzenden Gebäude sind mit schönen Arkadengängen versehen, in der Mitte
erhebt sich das Reiterstandbild von König José.
Dann fahren wir mit dem Lift hoch in die Bairro Alto. Hier sind die
Auswirkungen des Feuers noch gut erkennbar. In einem Restaurant erholen wir
uns von den Strapazen der letzten Stunden. Ein Küchenmitarbeiter ist dabei,
Fischspieße herzurichten. Es sieht sehr lecker aus und uns läuft das Wasser
im Mund zusammen. Dieses Gericht, so erklärt man uns, wird erst am Abend
angeboten. Für uns ist es sofort klar, dass wir wiederkommen werden.
So nutzen wir den Spätnachmittag, um eine Fahrt mit der Straßenbahn zu
unternehmen, und es hat sich gelohnt.
Insbesondere die Strecke durch die Alfama ist mir nachhaltig in Erinnerung.
Das Auf und Ab, das Bremsen, das Hantieren mit den Bremsrädern und die
Fahrkunst des Chauffeurs, all das verlangt nach Bewunderung und Beifall. Die
Wagen der "Elektrico" sind alt, die Sitzbänke noch aus Holz und die Kurbeln
scheinen noch aus einer anderen Epoche zu sein.
Dann, zurück in der Bairro Alto, steuern wir das uns schon bekannte Lokal an
und genießen den Fisch.
Nach dem finanziellen Desaster des ersten Abends achten wir jetzt mehr auf
die Preise. Alles in allem kommt mir Lissabon nun doch relativ preiswert
vor. Für eine warme Mahlzeit mit einer Flasche Wein werden rd. 10,- DM
verlangt, auch der gelegentliche Drink zwischendurch ist bezahlbar. Wir
bestellen uns normalen Rot- oder Weißwein, aber natürlich auch den
weltbekannten Portwein, der mir allerdings nicht so besonders schmeckt.
Allabendlich trinken wir im Zentrum immer ein Glas Aufgesetzten mit Kirsche.
Das Frühstück nehmen wir im Hotel ein, es ist recht übersichtlich, u. a.
wird Tomatenmarmelade serviert, ich hatte sie vorher noch nicht gegessen.
Der Chefportier, ein Österreicher, ist den Kunden gern behilflich, einem
ausländischen Gast versichert er, "that goes in order".
Natürlich sehen wir uns auch den Rossio an, einen schönen imposanten Platz
im Mittelpunkt der Stadt mit Brunnen und einer Statue von König Pedro IV.
Das Nationaltheater befindet sich hier, außerdem eine Reihe von Lokalen und
Souvenirgeschäften.
Von hier sind es nur ein paar Schritte zur Praca da Figueira und zur Praca
dos Restauradores mit dem Obelisk, der an die Männer, die Portugals
Unabhängigkeit von Spanien hergestellt haben, erinnert. An diesem Platz
beginnt die Prachtstraße Lissabons, die Avenida da Liberdade. Sie ist 1.200
m lang, 90 m breit und endet an der Rotunda bzw. an der Praca Marques de
Pombal mit dem gleichnamigen Denkmal. Die Avenida ist Adresse für
internationale Fluggesellschaften, für Spitzenhotels und Kinopaläste.
Aus der Ferne von verschiedenen Aussichtspunkten haben wir die "Brücke des
25. April" schon erblickt, sie ist weithin sichtbar und führt über den Tejo
zum Problemviertel der Stadt. Aber auf dieser Seite wurde auch die bekannte
Christus-Statue errichtet. Und da wollen Harms und ich zu Fuß hin, Inge
kennt uns und versucht gar nicht erst, uns aufzuhalten oder umzustimmen, es
hätte ja doch keinen Zweck.
Dann gehen wir los. Es dauert, bis wir endlich oben sind, kalter Wind pfeift
uns um die Ohren und ein Bürgersteig ist nicht vorhanden. Harms schreitet
voran, ich hinterher, wir marschieren so weit rechts, wie möglich, der
Verkehr braust an uns vorbei. Mit einer Hand halten wir uns permanent am
Geländer fest, es ist sehr mühsam. Plötzlich werden wir von einer
Polizeistreife überholt und aufgeklärt, dass die Brücke nur für Fahrzeuge,
nicht aber für Fußgänger erlaubt ist. Es folgt eine kurze Diskussion, die
aber von Verständigungs- oder Sprachschwierigkeiten beherrscht wird. Wir
stellen uns dumm und geben vor, nichts zu verstehen. Schließlich gebieten
uns die Polizisten, in ihr Auto einzusteigen und fahren uns ans andere Ende
der 2,3 km langen Brücke, die damals zu den längsten Europas gehörte.
Eigentlich sind wir ganz froh, dass die Sache so gut ausgegangen ist.
Inge wartet, verschmitzt lächelnd, auf uns und zu dritt besuchen wir Christo
Rei. Wir müssen unseren Kopf gewaltig in den Nacken legen, um die 28 m der
Staue bestaunen zu können, der Ausblick auf die Innenstadt gegenüber ist
grandios.
Am nächsten Vormittag schlendern wir über den Diebesmarkt, einen Flohmarkt,
der einmal wöchentlich stattfindet. Mein Versuch, hier ein Paar Turnschuhe
zu kaufen, schlägt leider fehl, denn ich finde keine passende Größe und lebe
wohl auf zu großem Fuß.
Nachmittags fahren wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln in den westlichen
Stadtteil Belém und besichtigen zunächst das Heinrich dem Seefahrer
gewidmete Denkmal der Entdeckungen. Es ist dem Tejo zugewandt und dem Bug
einer Karavelle nachgebaut.
Ebenfalls in dieser Gegend am Fluss befindet sich der Torre de Belém, ein
Turm, der früher als Festung, Leuchtturm und Gefängnis diente.
Das Mosteiro dos Jerónimos oder auch Hieronymuskloster, das wir als nächstes
besuchen, erinnert an die Kolonien Portugals bzw. an die großen Entdeckungen
Mitte des letzten Jahrhunderts. Hier befindet sich auch der Sarkophag von
Vasco da Gama, dem Entdecker Indiens.
Während wir auf den Bus ins Zentrum zurück warten, lädt uns ein freundlicher
älterer Herr zu einem Glas Wein ein und wir folgen seiner Einladung gern.
Anderntags auf dem Weg nach Queluz kommen wir an einem Aquädukt vorbei. Es
sind gut 15 km zu fahren und der Ausflug hat sich gelohnt. Der pinkfarbene
Palácio Nacional und der schön angelegte Garten werden auch das „Versailles
Portugals“ genannt. Früher königliche Sommerresidenz, dient der Rokokopalast
heute noch als Gästehaus für den Hochadel oder wird für
Repräsentationszwecke genutzt. In der Schlossküche können alte Gerätschaften
bewundert werden.
Abends entscheiden wir uns für Kultur und besuchen ein Fadolokal in der
Bairro Alto. Der für mein Verständnis melancholische Nationalgesang, der die
Schönheit Portugals und die Liebe besingt, ist mir zu traurig und ich bin
froh, als der Vortrag zu Ende ist. Vielleicht hätte es mir besser gefallen,
wenn mehrere Gäste zugehört und entsprechend Stimmung gemacht hätten.
Am letzten Urlaubstag unternehmen wir einen Ausflug nach Sintra und sehen
uns den Königspalast mit den konischen Küchenschornsteinen, den Wahrzeichen
des Schlosses, an. Der Innenraum wird von schönen Azulejos, die u. a.
Jagdszenen darstellen, geschmückt.
Auf dem Weg zur Maurenburg hinauf, kommen wir an einem wunderschönen
Wartehäuschen mit maurischen Bögen vorbei. Oben angekommen ist der Ausblick
auf Sintra und Umgebung phantastisch. Der Nationalpalast von Pena (Palácio
Nacional da Pena), unser letzter Besichtigungspunkt, erinnert an bayrische
Königsschlösser. Wen wundert´s, er wurde von einem deutschen Baumeister
erstellt.
Nun heißt es leider Abschied nehmen, Inge und Harms bleiben noch ein paar
Tage in Lissabon, ich muss leider zurück. Eine schöne, interessante und
harmonische Woche in Portugals Hauptstadt neigt sich dem Ende zu.
Zu meinem Leidwesen verspätet sich der Abflug um neun Stunden und man
beruhigt uns mit verschiedenen Ausreden, einmal heißt es Nebel in Faro, dann
Nebel in Amsterdam, später ist die Crew nicht komplett und einmal ist ein
technischer Defekt Ursache.
Jedenfalls ist der letzte Zug von Amsterdam nach Bremen bereits abgefahren.
Ein junger Mann fragt, ob er mir bei der Zimmersuche behilflich sein dürfe,
ich bejahe und wir treten in ein Hotel ein. Er geht zur Rezeption und
bespricht die Angelegenheit, erhält von mir, da nur Gulden akzeptiert
werden, einen Hundertmarkschein, mein letztes Geld, und geht zum Wechseln.
Ich warte und warte. Nach geraumer Zeit frage ich den Portier. Natürlich, so
sagt er, erinnere er sich an den jungen Mann, er hat sich nach der Adresse
eines anderen Hotels erkundigt......
Geld weg, Laune weg, Urlaub vorbei – die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges am
nächsten Morgen scheint stillzustehen, kein Bett, kein Zimmer, keine
Winterbekleidung – und dann die nasskalte Novemberwitterung. Ich ärgere mich
über meine eigene Dummheit.
Porto, im Dezember 1997
Dieses Mal bin ich nur drei Tage unterwegs, Harms und Heiner sind schon tags
zuvor nach Porto geflogen und haben ein Hotel in der Innenstadt organisiert.
Der Buß- und Bettag wurde in Deutschland abgeschafft, stattdessen gönnen wir
uns jetzt im Herbst ein "Skat-Trainingslager" mit unterschiedlicher
Beteiligung.
Porto, zweitgrößte Stadt des Landes, hat über 300.000 Einwohner und liegt am
rechten Ufer des Douro, der nach etwa 5 km in den Atlantik mündet. Die Stadt
ist durch den Portwein weltberühmt, Fischerboote mit Portfässern, die barcos
rabelos, dümpeln malerisch auf dem Fluss, sind aber nur noch als Fotomotiv
von Bedeutung.. Das Weingeschäft ist weitgehend unter britischer Herrschaft.
Zu den eindrucksvollsten Bauwerken der Stadt gehört die zweistöckige Brücke
Dom Luís, die das Stadtzentrum und den Vorort Vila Nova de Gaia verbindet.
Durch diese Zweistöckigkeit ergibt sich eine direkte Verbindung zwischen den
höher und tiefer gelegenen Stadtvierteln beiderseits des Flusses.
Gefallen hat mir auch die Prachtstraße Avenida dos Aliados und das schmucke
Rathaus. Wir bummeln durch die Stadt und besichtigen die Kathedrale Sé, die
ebenfalls über einen Kreuzgang mit schönen Azulejos verfügt. Auch ein Besuch
der Kirche dos Clérigos mit dem hohen Glockenturm steht auf unserem
Programm.
Begeistert bin ich vom Bahnhof mit den schönen Fliesenmalereien im
Innenraum, gar nicht zu vergleichen mit den funktionellen Abfertigungshallen
anderer Orte.
Natürlich sind wir auch in einem der etwa 80 Portweinkellereien am linken
Douro-Ufer eingekehrt und haben uns von der Güte des heimischen Produktes
überzeugt. Aber, wie vorher schon angedeutet, ein richtig temperierter Tinto
ist mir lieber.
Frischen Fisch genießen wir in verschiedenen Variationen, besonders typisch
für diese Region ist der Stockfisch oder Kabeljau (bacalhau), viele
Speiselokale preisen ihn mittags auf einer Tafel an. Auch Sardinen gehören
zum üblichen Fischangebot.
Am Sonntagnachmittag fahren wir mit der Vorortbahn nach Matosinhos direkt an
den Atlantik und spazieren eine Weile am Strand entlang. Aber es ist grau,
verhangen und manchmal nieselt es etwas. Dann doch lieber in eine
gemütliche, warme und trockene Bar einkehren und die Skatkarten hervorholen.
Während wir am nächsten Nachmittag auf den Heimflug warten, hält ein Bus vor
dem Flughafen, der Mannschaftsbus des FC Porto. Kurz darauf erscheinen die
Spieler und gesellen sich zu den anderen Fluggästen.
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