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Polyglott ReiseBuch - Prag
Marco Polo Reiseführer - Prag
DuMont direct - Prag
Wenzelsplatz und Nationalmuseum
Astronomische Uhr im Altstädter Rathaus
Theinkirche
auf dem Altstädter Ring
Altstädter Ring mit St. Nikolauskirche und Hus-Denkmal
St. Nikolauskirche
Menschenmenge vor der Astronomischen Uhr
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Prag
ein Spaziergang durch die Goldene Stadt
Text und Fotos: Horst Wehrse
Nach knapp einstündigem Flug verlässt der Airbus die
dicke Wolkendecke und setzt zur Landung in Prag an, das Gelb der Rapsfelder
unter uns sticht sofort ins Auge und erweist sich als beliebtes Fotomotiv.
Der Service des Billigfliegers easyjet hat mir gefallen, es ging zügig und
reibungslos vonstatten, außerdem ist mein diesmaliger Abflughafen Dortmund
verkehrsgünstig an der Autobahn gelegen und ein Shuttlebus pendelt im
Abstand von 20 Minuten zwischen Parkplatz und Terminal.
Während ich auf mein Gepäck warte, lese ich an der Kurstafel der
Wechselstube, dass ein Euro etwa 22 Kronen (Kč) entspricht, Reiseschecks
werden akzeptiert.
Da der Ruf der Prager Taxifahrer nicht schlechter sein könnte, man spricht
von Betrug, Nepp, Abzocke und Tagedieben, fahre ich mit dem Bus 119 zur
Haltestelle "Dejvicka" und von dort mit der Metro Linie A zur Station
"Museum". Nun sind es nur noch ein paar Schritte zum Hotel "MUŠKETÝR" in der
Mezibranska, sehr zentral und in unmittelbarer Nähe zum Nationalmuseum oder
Wenzelsplatz. Auch diese relativ preiswerte Unterkunft im Herzen der Stadt
hatte ich im Internet gebucht.
Nun also hinein ins Geschehen. Die Wolken haben sich verschoben und der
Himmel zeigt sich in seinem besten Blau. Was liegt also näher, als die
ersten Eindrücke der Stadt in der warmen Nachmittagssonne auf sich einwirken
zu lassen. Und schon habe ich den letzten freien Platz auf der Terrasse des
ehrwürdigen Hotel Europa belegt, bestelle mir eine Portion Prager Schinken
und ein tschechisches Bier und beobachte das Treiben auf dem Wenzelsplatz.
Vieles kommt mir bekannt und vertraut vor, die Würstchenbuden, die vielen
Wechselstuben, die Buchläden und die zahlreichen Bier- und Weinlokale.
Elegante Frauen stehen vor den Schaufenstern der Mode-Boutiquen und lassen
sich vom Angebot inspirieren.
Selten habe ich in einer Stadt so viele Reisegruppen gesehen, permanent
kommen mir Führer mit hochgehaltenem Regenschirm oder Stock entgegen,
dahinter ihre wissenshungrigen Gäste.
Der Altstädter Ring, mein nächstes Ziel, ist total in touristischer Hand.
Besonders zur vollen Stunde, wenn sich einzelne Apostelfiguren im Fenster
der Astronomischen Uhr im altehrwürdigen Altstädter Rathauses zeigen, bildet
sich eine unvorstellbar große Menschentraube vor dem Gebäude. Aber der Platz
ist es auch wert, die Theinkirche, das besagte Rathaus, die St.
Nikolauskirche, das Hus-Denkmal und die alten und hervorragend renovierten
Rokoko- und Renaissancehäuser bilden ein Ensemble, das seinesgleichen sucht.
Restaurants und Bistros sind reichlich vorhanden und so kann man bei einem
Espresso dieses wunderschöne Panorama auf sich einwirken lassen.
Fiakerfahrer bieten sich für eine Stadtrundfahrt an.
In der Nähe des Platzes stehen Oldtimer und auch hier kann man eine Fahrt im
offenen Cabriolet zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt buchen. Zahlreiche
Geschäfte preisen böhmisches Kristall an.
Nun orientiere ich mich weiter zur Karlsbrücke, gehe durch kleine Gassen mit
zahlreichen Souvenirläden und kleinen Lokalen, ab und zu weist ein Schild
auf die Aufführung eines Schwarzlichttheaters oder auf ein klassisches
Konzert in einer der vielen Kirchen hin. In einer Straße begegne ich
Polizisten in einem "Smart", einem idealen Stadtfahrzeug.
Einige hundert Besucher sind bestimmt auf der Brücke, die die Moldau von der
Altstadt zur Kleinseite überspannt. Was ist hier nur los: Portraitzeichner,
Souvenirhändler, Gitarristen, eine Jazzband, und dann der atemberaubende
Blick auf die Prager Burg, den Hradschin.
Lange höre ich der Musik zu, sehe mir die einzelnen Figuren an, die die
Brücke einrahmen, und mache etliche Fotos von der Burg, dem Treiben auf der
Brücke und auf der Moldau.
In den nächsten Tagen werde ich noch häufiger hier sein. Natürlich
besichtige ich auch den Hradschin mit dem St.-Veits-Dom, der Basilika St.
Georg, dem Pulverturm, der schönen Garten- und Parkanlage und dem Goldenen
Gässchen. Für bestimmte Gebäude auf der Prager Burg muss Eintritt entrichtet
werden, so auch für den Besuch des Goldenen Gässchens. Nach Zahlung von 50
Kč, die Preise sind hier und auf vielen anderen Preislisten auch in Euro
angegeben, kann die kleine Straße mit den alten und romantischen Häuschen
betreten werden. Es hat den Vorteil, dass der interessierte Gast nicht
permanent gegen Menschenströme ankämpfen muss, da nicht jeder Tourist bereit
ist, für diese paar Meter Geld auszugeben.
Bei meinem letzten Besuch der tschechischen Hauptstadt im Oktober 1991 war
der Eintritt noch frei, dementsprechend groß der Andrang und ich habe
verzagt und mir den Besuch des Goldenen Gässchens versagt. Erstmalig war ich
1974 hier, an das Treiben in dieser Straße erinnere ich mich nicht mehr,
wohl aber an die Hinfahrt. Damals herrschte noch der kalte Krieg. Mein
Aussehen entsprach nicht dem Passbild und der Busfahrer, der im Rhythmus von
2 Wochen nach Prag fuhr und die Situation und Schikane an der Grenze kannte,
war sicher, dass ich mit Vollbart nicht in die damalige Tschechoslowakei
einreisen dürfte.
So hielten wir auf einer Autobahnraststätte in der Nähe von Würzburg an, wo
er eine Toilettenfrau mit Schere und Rasierer kannte, ich rasierte mich und
ließ kurz vor der Grenze in Waidhaus in einer Drogerie, die dem Fahrer auch
bekannt war, neue Visumbilder anfertigen.
Beim Grenzübergang schwitzte ich Blut und Wasser, hatte ich doch mein in
Deutschland getauschtes Geld im Strumpf versteckt, mein Mitreisender hatte
die Kronenscheine in seinem Fön untergebracht. Aber es ging alles glatt.
Später vor Ort konnten wir auf dem Schwarzmarkt noch bessere Kurse erlösen.
Ein anderer Spaziergang führt mich durch den Boulevard Pařížská (Pariser
Straße) in der Josefstadt zum Rudolfinum, auch Haus der Künstler genannt.
Heute finden in diesem ehemaligen Parlamentsgebäude Konzerte statt. Auch
hier ist der Blick auf die Burg begeisternd. Ich gehe am Moldauufer zurück
und besichtige dann das Smetana-Museum.
Mit der Metro fahre ich anderntags auf den Vyšehrad und genieße von der
Aussichtsplattform auf dem Hügel die wirklich einmalige Sicht auf Stadt und
Moldau, allein fünf Brücken liegen im Blickfokus. Die Kirche ist nur gegen
Eintrittsgeld zu besichtigen und so bleibe ich draußen. Auf dem nahen
Friedhof wurden viele Prager Persönlichkeiten begraben.
Während des Rückwegs überquere ich einige Male die Moldau und besichtige zum
Schluss "Ginger und Fred", das Tanzende Haus, das tatsächlich mit ein wenig
Phantasie an ein tanzendes Paar erinnern lässt. Am Ufer des Flusses liegen
zwei deutsche Flusskreuzfahrtschiffe, darunter die "Johannes Brahms" aus
Hamburg.
Ganz in der Nähe befindet sich das vielleicht bekannteste Lokal Prags, das
"U Fleků", ich trinke ein Glas Schwarzbier und mache mich dann wieder auf
den Weg, hier ist mir doch zu viel Rummel und mittags schon nach der Melodie
"Schwarzbraun ist die Haselnuss" zu schunkeln, ist auch nicht mein Ding.
In anderen Lokalen bin ich hingegen gern gewesen und gerade in den nicht
ganz so frequentierten Seitenstraßen ist die Krone noch ihr Geld wert, so
zahle ich dort beispielsweise für zwei große Biere und eine Flasche Wasser
drei Euro. Auch im rustikalen Kellerrestaurant meines Hotels ist der Verzehr
recht preiswert und ich kehre hier öfter ein, aber auch wegen der
Atmosphäre. Viele tschechische Gäste kommen zum Abendessen in dieses urige
Gewölbe.
Knödel verzehre ich in allen Variationen, dazu meist Schweinefleisch, aber
auch Ente auf böhmische Art ist sehr beliebt und fehlt auf keiner
Speisekarte. Zu allen Mahlzeiten wird leckeres Graubrot in dicken Scheiben
gereicht. Und zum Schluss darf natürlich ein Palatschinken und ein Glas
Becherovka nicht fehlen.
Einen Abend gehe ich zum Essen ins Restaurant "Pelikan", hier ist es etwas
teurer als in den vorherigen Lokalen, aber dennoch preiswerter als in
Deutschland. Das Haus wird im Reiseführer empfohlen und ist dementsprechend
von ausländischen Gästen besucht.
Mehrere Stunden verbringe ich bei einer Tasse Kaffee oder einem Glas Bier in
den traditionellen Cafés der Stadt, so im "Slavia" oder im "Hotel Europa",
aber auch im "Louvre", daneben befindet sich der Jazzclub "Reduta", wo ich
mich ebenfalls an einem Abend aufhalte und den Klängen eines Trios lausche.
Bei meiner zweiten Pragreise war ich auch in der Laterna magika, kann mich
aber nicht mehr an Einzelheiten erinnern, so entschließe ich mich, den
Besuch zu wiederholen und ich habe es nicht bereut. Der Eintritt kostet 680
Kronen, Kreditkarten werden akzeptiert. Auf dem Programm steht "Don
Giovanni", die Vorführung gefällt mir sehr, das Zusammenspiel von Theater,
Kino und Musik ist einfach außergewöhnlich unterhaltsam und interessant.
Viele Gäste der Stadt sind meiner Meinung und ich habe bei einem
Theaterbesuch noch nie so viele Besucher in Outdoor-Kleidung und mit
Tagesrucksack gesehen.
Anschließend verbringe ich die letzten Stunden des Abends in einem der
vielen Cabarets am Wenzelsplatz. Bei den meisten Besuchern handelt es sich
um Ausländer, aber auch ein paar einheimische Männer wagen sich hierher und
feiern Junggesellenabschied.
Am letzten Tag gehe ich vom Altstädter Rathaus über die celetná zum
Pulverturm aus dem 15. Jahrhundert und sehe mir dann das Repräsentationshaus
mit der schönen Frontfassade an. Etwas weiter, in der St. Jakobskirche,
findet ein Gottesdienst statt, der von einem sehr guten gemischten Chor
musikalisch umrahmt wird.
Auf dem Altstädter Ring baut man gerade eine Großleinwand zur Übertragung
des Hockeyfinales auf.
Wieder geht es mit Metro und Bus zum Flughafen, ein Taxi habe ich während
meines gesamten Aufenthalts nicht gebraucht. Das Flugzeug ist nur zur Hälfte
belegt. Noch ein letzter Blick auf die gelben Farbflecken der Rapsfelder und
schon sind wir über den Wolken.
Fazit: Prag lohnt und ist unbedingt empfehlenswert.
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