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Provence (Reise Know-How) - von Stefan Brandenburg (Autor), Ines Mache (Autor)

DuMont Reisen für Genießer Provence - von Klaus Simon (Autor)

Provence / Cote d' Azur - von Ralf Nestmeyer (Autor)
Charolais-Rinder
Landschaft in Burgund
Sonnenblumenfeld bei Sisteron
am Ortseingang Sisteron
Zitadelle in Sisteron
Grand Canyon du Verdon
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Lavendelblüte in der Provence
oder auch
wie schön es doch im Schatten ist
Text und Fotos: Horst Wehrse
Das Autothermometer zeigt nachmittags 38 Grad an, selbst
gegen 20.00 Uhr, als ich im kleinen luxemburgischen Ort Dudelange oder
Diddeling auf der Hotelsuche gegen die stechende Abendsonne blinzele und
fast nichts auf der Straße erkennen kann, sind es noch über 30°. Das
"Cottage-Hotel" ist meine nächste Bleibe. Den ersten Abend des Sommerurlaubs
verbringe ich draußen in verschiedenen Lokalen und großer Vorfreude auf die
kommenden Tage. Jetzt, Mitte Juli 2007, ist zwar Ferienzeit, der Verkehr
stark und der Preis höher, aber um die Lavendelblüte zu erleben, muss ich
diesen Kompromiss eingehen. In manchen luxemburgischen Orten hängt noch die
Weihnachtsbeleuchtung.
Etwas müde, denn ich hatte ein Zimmer direkt an der Straße, mache ich mich
am nächsten Morgen auf den Weg und bin nach einigen Minuten schon in
Frankreich. Eine genaue Fahrtroute habe ich mir nicht ausgedacht, denn
eigentlich will ich mich nur in Richtung Süden orientieren und dabei
möglichst nicht auf der Autobahn fahren. Gar nicht mal wegen der Gebühr,
sondern vor allem wegen der Möglichkeit, die schönen französischen Orte zu
erleben, hier etwas zu essen oder dort etwas zu trinken.
Auch die kleineren Straßen sind gut ausgebaut und bequem zu nutzen. So geht
es über Nancy, Épinal und Besançon nach Burgund. Hier bleibe ich eine
längere Zeit auf der D 996 und lasse mich von der fantastischen Landschaft
verwöhnen. Immer wieder halte ich an, um das Panorama zu genießen oder um zu
fotografieren. Mittlerweile sind es wieder über 30 Grad und ich bemühe mich,
immer einen Parkplatz im Schatten zu finden.
Mittags gönne ich mir ein menue du jour, denn meine Baguette-Bestellung kann
nicht angenommen werden, da leider das ganze Brot aufgegessen wurde. Auf dem
Fernsehbildschirm ermittelt "Derrick".
Im Bresse-Gebiet, das ich durchfahre, gibt es in jedem Ort viele
Hinweisschilder auf die für dieses Gebiet bekannte Geflügelhaltung. Weiße
Charolais-Rinder grasen auf der Weide. Ein Auto mit dem Hinweisschild "convoi
agricole" warnt vor einem folgenden Mähdrescher.
Die blühenden Sonnenblumen heben sich fotogen vom Grün der Landschaft ab.
Nach Bourg en Bresse orientiere ich mich in Richtung Alpen und fahre bis
kurz vor Grenoble für einen Moment auf der Autobahn. In Monestier de
Clermont, einem kleinen Bergdörfchen, bleibe ich dann über Nacht im ruhigen
Hotel "Piot".
Tags darauf geht es in südlicher Richtung weiter, doch immer wieder halte
ich an und berausche mich an der schönen Landschaft. Eine längere Pause lege
ich in Sisteron ein. Das Städtchen liegt im Tal der Durance und ist von fast
senkrechten Felsen umsäumt. Die gewaltige Zitadelle ist weithin sichtbar.
Und die Sonne scheint gnadenlos vom wolkenlosen Himmel.
Große Apfelplantagen werden durch ein Netz geschützt, manche Flussbette sind
leer. Die Fahrt geht jetzt südöstlich weiter und um 12.25 Uhr erblicke ich
das erste blühende Lavendelfeld und bin entzückt. Natürlich wird dieses
wichtige Erlebnis in mehreren Fotos festgehalten. Das Autofahren macht jetzt
richtig Spaß. Zwar habe ich mir wegen des offenen Verdecks einen mächtigen
Sonnenbrand auf den Armen eingeholt, aber was macht das schon aus. An den
Straßenrändern ist permanent ein lautes Konzert von Grillen oder anderen
Tieren zu hören.
In Castellane habe ich Probleme, einen Parkplatz zu finden. Gewaltige
Touristenscharen haben diesen kleinen Ort bevölkert und genießen in den
vielen schattigen Bars und Restaurants den warmen Nachmittag. Die auf einen
180 m hohen Felsen gebaute Kapelle Notre-Dame-du-Roc ist markantes
Wahrzeichen des Dorfes.
Und dann bin ich an der vielleicht schönsten Stelle dieser Reise angelangt,
an der Verdon-Schlucht, auch Grand Canyon du Verdon genannt. Es ist ein
grandioses Naturerlebnis, anzusehen, wie sich der Fluss Verdon durch den
Kalkstein gearbeitet hat und so Schluchten von bis zu 700 m Tiefe entstanden
sind. Immer wieder muss ich anhalten und staunen. Mal leuchtet das
smaragdgrüne Wasser nur für einen kurzen Moment auf, mal sieht man den Fluss
in seiner ganzen Breite unter sich vorbeifließen. Der Rafting-Sport scheint
hier sehr beliebt zu sein.
Glücklicherweise sind ausreichend Haltemöglichkeiten vorhanden, eigentlich
möchte man den Blick von diesem Schauspiel gar nicht lösen. Vor fast 30
Jahren, 1979, war ich mit Elisabeth erstmalig hier, aber so faszinierend, so
schön und so eindrucksvoll habe ich die Verdon-Schlucht nicht in Erinnerung.
Kurz hinter La Palud-sur-Verdon ist außerdem noch ein blühendes Lavendelfeld
an der Straße, auch hier halten viele Fahrzeuge. Der Verdon fließt malerisch
in den Lac de Ste. Croix und mündet später in die Durance.
Mein Weg führt mich dann in die Orte Riez, Puismoisson und Valensole, denn
hier sollen sich die schönsten Lavendelfelder befinden. Und es stimmt, ich
weiß nicht, wie viele Stopps für einen andächtigen Blick oder für ein Foto
ich einlege. Besonders angetan bin ich auch von dem Duft, der von dieser
Pflanze ausgeht, vom Aroma, das man selbst noch an abgeernteten Feldern
spürt. In Valensole kaufe ich einige Lavendelsträucher sowie Öl und Honig.
Der Bauer ist besorgt wegen der Rauchwolken, die sich dem Dorf nähern.
Nun verlasse ich die Haute-Provence und fahre zurück bis Sisteron und dann
weiter westlich, bis ich endlich, nach drei Absagen wegen Überfüllung, in
Die ein Zimmer im Hotel "Le Viaduc" belegen kann. Im Restaurant sind die
Stühle schon hoch gestellt, aber die Wirtin ist so freundlich und bereitet
mir noch ein leckeres Abendessen. Viele kleine lästige Fliegen stören
allerdings ganz erheblich. Im Zimmer ist es besser, dort kann ich die
Klimaanlage einschalten und das Fenster geschlossen halten.
Mag die Hotelauslastung mit der gerade stattfindenden Tour de France
zusammen hängen? Vielleicht, denn gegen Abend hatte ich ein Schild gesehen,
das eine Ortsdurchfahrt der Radfahrer für den nächsten Tag ankündigte.
Den Tag lasse ich mit einigen Drinks in einer Bar im Zentrum des Ortes
ausklingen. Im Fernsehen wird "Spiel mir das Lied vom Tod" gezeigt.
Auf kleinen Landstraßen geht es anderntags weiter. Viele Radfahrer kommen
mir entgegen, diese Berglandschaft scheint eine sportliche Herausforderung
zu sein. Ein älterer Ziegenhirte hütet seine Tiere und winkt mir freundlich
zu. In und um Bourdeaux warten auffällig viele Polizisten, ob das was zu
bedeuten hat? Kleine Türme erheben sich auf den Bergkuppen. Kurz vor
Montélimar leuchten wieder einige Lavendelfelder in voller Blüte. Die
Sommersonne zeigt sich wieder von ihrer stärksten Seite und meine Arme
glühen schon.
Nun wechsele ich auf eine komfortablere Nationalstraße und fahre in Richtung
Süden, Orange heißt mein nächstes Ziel. In Mondragon und Mornas sind die
Festungen ein Blickfang und von der Straße von weitem zu erkennen.
Orange, das Tor zur Provence, ist vor allem bekannt wegen seines rund 2.000
Jahre alten Amphitheaters. Es soll das einzige seiner Art sein, bei dem die
Szenenwand nicht zerstört wurde und noch gut erhalten ist. Seit 1869 werden
wieder Aufführungen dargeboten. Auch während meines Besuches sehe ich
mehrere Notenständer im Orchesterraum stehen und Plakate werben für aktuelle
Veranstaltungen.
Direkt neben dieser Stätte des Altertums befinden sich weitere römische
Ruinen, möglicherweise stand hier einmal ein Tempel. Bei der Weiterfahrt
halte ich noch kurz beim Triumphbogen aus dem 1. Jahrhundert v. Chr., er
steht genau und gut sichtbar inmitten eines Verkehrskreisels.
Nun geht es zurück durch das Rhônetal, vorbei an großen Weinbergen, die sich
malerisch an den Fluss schmiegen. Einige Tramper stehen am Straßenrand.
Wieder fahre ich auf der Nationalstraße. Viele Kreisverkehre ersetzen die
bei uns übliche Ampelanlage und ich halte diese Lösung für sehr gelungen.
Manche Tankstellen verfügen über eine Auto-Waschanlage, teilweise draußen
und nicht überdacht. In der Gegend um Montélimar komme ich an bedeutenden
Aprikosenplantagen vorbei, etliche Schilder weisen auch auf die hier
ansässigen Nougathersteller hin.
An Lyon vorbei geht es über Villefranche sur Saône und Mâcon bis Tournus.
Hier genieße ich die Gastfreundschaft des Hotel "Le Sauvage". Bis tief in
die Nacht hinein sitze ich in einer Bar draußen unter Platanen direkt am
Fluss Saône und genieße den hiesigen Wein.
Nun ist mein letzter Tag in Frankreich angebrochen. Gemütlich fahre ich
durch die bekannten Weinorte Burgunds und vergesse auch nicht, meinen
Eigenbedarf angemessen zu decken. In Beaune erhasche ich einen Blick auf das
bekannte Dach des Hotel-Dieu.
Einige Orientierungsprobleme stellen sich mir in Dijon, ich finde einfach
kein Schild, das auf meinen als nächstes angepeilten Ort Chaumont hinweist.
Eine Frau an der Tankstelle gibt mir dann leider eine falsche Auskunft und
ich mache einen stattlichen Umweg, allerdings wieder durch eine tolle
Landschaft und so stellt sich erst gar kein Ärger ein.
Jetzt noch durch die Champagne, wo etliche Soldatenfriedhöfe auf vergangenes
Leid hinweisen, und über die leichten Anhöhen der Ardennen. Kurz hinter
Reims verlasse ich die Grande Nation und erreiche Belgien.
Frankreich gehört ab sofort wieder zu meinen Favoriten.
Viele Kilometer habe ich in diesen Tagen absolviert und dabei nicht einen
Verkehrsunfall gesehen – ist das nicht wunderbar?
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