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Hans Wilhelm Apelt - Mit Bacchus auf Reisen

Kunstreiseführer Rheinhessen
unterwegs
im Senkgarten
Weingut Gebert
Weinprobe
Weinprobe
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Zwischen Rhein und Nahe
zur Weinprobe nach Rheinhessen
Text und Fotos: Horst Wehrse
Eine Weintour hatten wir vorher noch nicht zusammen
veranstaltet und so hatten Anita und Karin die verantwortungsvolle Aufgabe,
eine entsprechende Fahrt zu planen. Und sie waren erfolgreich.
Am Freitag, den 06. Oktober 2006, treffen wir uns in Neustadt und kurz nach
10.oo Uhr fahren wir los. Günter hat das Pech oder die Verantwortung, die
ganze Strecke zu chauffieren, die restlichen sechs Mitfahrer können die
Gegend genießen, sich entspannen oder unterhalten.
Nach etwa 5 ½ Stunden haben wir, der Dokoclub Nendorf und Umgebung, die rund
450 km geschafft und erreichen Siefersheim. Das Weingut Gebert, wo wir die
beiden nächsten Nächte verbringen werden, ist schnell gefunden.
Nach kurzer Erfrischungspause wird die erste Runde Doppelkopf im idyllischen
Senkgarten gespielt.
Das Abendessen nehmen wir im Nachbarort Wöllstein ein, denn Siefersheim ist
mit Restaurants nicht so reich gesegnet. Eine gute Viertelstunde Fußmarsch
und schon sind wir am Ziel. Auf einem Hinweisschild lesen wir, dass Dr.
Henning Scherf aus Bremen den Gottesdienst am Reformationstag mit gestalten
wird.
Den Rest des Abends lauschen wir den fachlichen Ausführungen der Eheleute
Gebert, die exklusiv für uns eine Weinprobe durchführen. Wir erhalten
allerhand Informationen über den Weinanbau und den Wein in Rheinhessen im
Allgemeinen, aber auch über die Arbeit unserer Gastgeber im Besonderen. So
werden wir mit vielen Fachausdrücken konfrontiert und erfahren etwas über
die spezielle Note der einzelnen Gewächse und Erzeugnisse, wie
beispielsweise Restzucker oder Säure.
Gängige Rebsorten in der Umgebung sind Riesling, Silvaner, Müller-Thurgau,
Burgunder und Chardonnay.
Wir beginnen unsere Exkursion mit einem Glas Federweißen und wenden uns dann
den trockenen und halbtrockenen Produkten des Hauses zu. Frau Gebert
überrascht uns mit einem frisch gebackenen Zwiebelkuchen.
Unser Hausherr ist Dipl. Ing. für Weinbau und Kellerwirtschaft. Seine
Familie arbeitet seit Generationen in dieser Branche. Jetzt wird sich
ausschließlich auf den Wein konzentriert, denn der Ackerbau und die
Viehhaltung, früher von den Eltern noch betrieben, waren nicht mehr
rentabel. In der Saison werden rumänische oder polnische Gastarbeiter
beschäftigt. Das Weingut hat eine Größe von 9 Hektar, die Vermarktung
erfolgt durch Direktverkauf.
Wir genießen die interessante Probe sehr und lassen es uns nicht nehmen, die
Gläser vollständig auszutrinken, im Gegensatz zu unserem Gastgeber. Mir
persönlich haben der Chardonnay, ein trockener Qualitätswein, und der Graue
Burgunder am besten geschmeckt.
Jetzt noch die Bestellung aufgeben und schon können wir wieder dem
Kartenspiel frönen.
Siefersheim, ein typisches Winzerdorf, liegt im Naherholungsgebiet
"Rheinhessische Schweiz", im Großraum Rhein-Main zwischen den Städten Bad
Kreuznach und Alzey. Bereits im 13. Jahrhundert begann hier die Besiedlung.
Der Geschmack des Weines wird durch das in dieser Region vorherrschende
Porphyrgestein beeinflusst. Einige Höfe geben sich als Strauß-Wirtschaft zu
erkennen, denn wie heißt es so schön: Wo es Sträuß´che hängt, wird
ausgeschenkt.
Am nächsten Morgen strahlt die Sonne vom blauen wolkenlosen Himmel und wir
beginnen unsere Wanderung durch die Weinberge, die so genannte Siefersheimer
Bänkelches-Route.
Es sind rund 8 Kilometer zu bewältigen. Leider bewölkt es sich und einmal
müssen wir in einer kleinen Hütte auf das Ende des Regens warten, aber wir
haben ja Weinproviant dabei.
Hin und wieder legen wir eine Kartenpause ein. Der Anstieg auf den etwas
über 200 m hohen Berg ist nicht besonders anstrengend, eigentlich ist die
Wanderung ganz entspannend. Etwa auf halber Strecke kommen wir am Ajaxturm
vorbei, den ein Winzer aus Liebeskummer erbaut hat. Zum Schluss erreichen
wir auch den Weinberg unseres Gastgebers und sehen bei der Lese ein paar
Minuten zu. Die Ernte ist sehr schlecht, der feuchte August hat viele Reben
faulen lassen, an einigen Rebstöcken sind 80 % der Trauben nicht verwertbar.
Aus diesem Grund kann hier nur manuell und nicht maschinell gepflückt
werden. In der Ferne sind Bingen und Rüdesheim zu erkennen.
Nachmittags zeigt Herr Gebert uns seinen Betrieb, führt uns in den
Weinkeller und lässt uns beim Keltern der heutigen Ernte zusehen.
Abends schließt sich uns noch Christel, eine Bekannte von Thea und Hermann,
an und lädt auf ein Glas Sekt in das romantische Gewölbe der Winzerschänke
Wagner-Stempel ein. Zum Essen gehen wir wieder zu Fuß nach Wöllstein und
verbringen die nächsten Stunden in einem gemütlichen Restaurant. Hier
probieren wir auch ein Glas des heimischen Tresters.
Nun ist der letzte Tag angebrochen. Nach dem Frühstück packen wir unsere
Sachen zusammen und besuchen Christel in ihrem Forsthaus mit den vielen
schönen selbst hergestellten Töpferwaren. Wir haben Rheinhessen verlassen
und befinden uns nun in der Pfalz.
Jetzt sind es noch gut 60 km bis Speyer, unserem nächsten und letzten Ziel.
Hier besichtigen wir natürlich den bekannten fast 1.000-jährigen Kaiserdom.
Er wird seit 1996 grundlegend renoviert und der Aufwand kostet täglich 6.500
Euro. Während unseres Besuches findet eine kleine Andacht statt und wir
haben das Glück, ein paar Momente der schönen Orgelmusik lauschen zu können.
Die Kathedrale zählt zu den bedeutendsten und größten romanischen Bauwerken
Deutschlands. Bekannt ist die Krypta mit den Kaisergräbern.
Nach einer Mittagspause, bei der wir endlich den lang ersehnten Saumagen
kosten dürfen, machen wir uns auf den Rückweg.
Bacchus, der Gott des Weines, war bestimmt
zufrieden mit uns
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