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DUMONT direkt Riga: 12 Highlights. Aktuelle Internet-Links (Broschiert)

Riga, Tallinn, Vilnius: Rundgänge durch die Metropolen des Baltikums (Broschiert) von Volker Hagemann (Autor)

Baltische Metropolen (Merian live): Drei Städte im neuen Europa am Puls der Zeit. Kulturelle Vielfalt und landschaftliche Höhepunkte in Litauen, Lettland und Estland (Broschiert) von Christiane Bauermeister (Autor), Eva Gerberding (Autor)
Petrikirche
Blick von der Petrikirche
Blick von der Petrikirche
Blick von der Petrikirche
Roland
Schwedentor
Schwedentor
Jugendstilhäuser in der Neustadt
Jugendstilhäuser in der Neustadt
orthodoxe Kathedrale
Freiheitsdenkmal
Schwarzhäupterhaus
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"Miss Baltica" oder "Paris des Nordens"
eine
Reise nach Riga
Text und Fotos: Horst Wehrse
Nach 90minütigem Flug setzt die B 737 von Ryanair zur
Landung an. Kurz das Gepäck in Empfang nehmen, etwas Geld tauschen und schon
steigen wir in den Bus Nr. 22, der uns bis zum Bahnhof bringt. Von hier sind
es nur noch ein paar Schritte zum Hotel "Radi un Draugi". Die Zimmer hatten
wir vor Wochen reserviert. Vor 10 Jahren, bei meinem ersten Besuch der
baltischen Metropole, war das Haus leider ausverkauft. Ich kann diesen
Betrieb unbedingt empfehlen, er liegt zentral und das
Preis-Leistungsverhältnis ist optimal. Wir benötigen in den nächsten Tagen
kein Taxi und keinen Bus und sind auch nicht auf die "Hop on - hop off" -
Angebote angewiesen, die lettische Hauptstadt lässt sich wunderbar zu Fuß
erkunden. In Riga ist es wegen der Zeitverschiebung schon eine Stunde
später, heimische Währung ist der Lats, 1 LVL entspricht 1,40 Euro.
Wechselautomaten sind in der Stadt ausreichend vorhanden.
Doch nun hinein ins Geschehen. Wir schlendern ein paar
Meter und schon stehen wir vor der imposanten Petrikirche. Zwei Kinder
unterhalten die Vorbeigehenden mit Violine und Cello. Das Innere der Kirche
besticht durch seine Schlichtheit, zur Zeit unseres Besuches findet ein
Gottesdienst statt. Anschließend verabschiedet der Pastor seine Gäste mit
Handschlag. Ein Fahrstuhl bringt uns auf die Aussichtsplattform des Turms in
71 m Höhe. Von diesem Punkt kann ganz Riga überblickt werden. Dem Besucher
bietet sich ein wunderbares Panorama, die einzelnen markanten Bauwerke sind
auch aus dieser Höhe gut erkennbar, man erhält einen Eindruck über die
Stadtparks und über den Verlauf der Düna, eindrucksvolle Brücken überqueren
den Fluss.
Gleich hinter der Kirche beginnt der Rathausplatz,
der sicherlich zu den meist besuchten Stellen der Vecrĩga, der Altstadt mit
UNESCO-Weltkulturerbe-Auszeichnung, gehört. Stadtführer bieten ihre
Dienstleistung an. Das ursprünglich 1334 erbaute Schwarzhäupterhaus wurde
während des 2. Weltkriegs zerstört und in den 90er Jahren wieder
originalgetreu aufgebaut, es ist mit seinen Skulpturen und Reliefs
sicherlich der Blickfang dieses Platzes. Sein Name bezeichnet eine alte
Bruderschaft, die Compagnie der schwarzen Häupter, die nur unverheiratete
Kaufleute aufnahm. An einem der nächsten Tage werden Hartmut und ich dieses
Gebäude auch innen besichtigen und die Gemälde, Möbel und andere
Ausstellungsstücke in den Salons und Gemächern bewundern.
Riga liegt zu beiden Seiten der Düna oder Daugava, die
nach etwa 15 km in die Ostsee mündet. Gegründet wurde die Stadt im Jahre
1201 vom Bremer Domherrn Albert von Buxhoeveden, die teilweise Ähnlichkeit
mit Bremen ist frappierend. Auch hier steht ein Roland dominant vor dem
Rathaus, beide Städte gehörten der Hanse an. Im Bremer Haus Schütting, dem
Ort der Handelskammer, befindet sich ein Schwarzhäupterzimmer. Und auch auf
die Stadtmusikanten muss man nicht verzichten, sie stehen neben der
Petrikirche. Es handelt sich um ein Geschenk des Bremer Senats an die
Partnerstadt Riga anlässlich der Unabhängigkeit im Jahre 1991. Hinsichtlich
der Einwohnerzahl differieren die Reiseführer zwischen 725.000 und 890.000,
etwa jeder dritte Lette wohnt in der Hauptstadt, dem wirtschaftlichen und
kulturellen Zentrum des Landes, wenn nicht sogar des Baltikums.
Deutschbaltische Kaufleute spielten eine bedeutende Rolle
in der Geschichte von Riga. Sie bildeten damals zusammen mit den Adligen die
Oberschicht, auch meine Lehrfirma hatte hier ihre Wurzeln. Nach der
Unabhängigkeit entwickelte sich die Wirtschaft. An die sowjetische
Vergangenheit erinnert nicht mehr viel, abgesehen von den Russen, die mit
einem Drittel der Gesamtbevölkerung die größte ethnische Minderheit
repräsentieren.
Jedoch macht sich auch hier die aktuelle Wirtschaftskrise
bemerkbar. Die Arbeitslosigkeit steigt an, viele Letten sind derzeit nicht
in der Lage, in der Hauptstadt mit den relativ hohen Preisen einzukaufen
oder hier ein Restaurant zu besuchen. Ältere Leute bieten Produkte aus dem
heimischen Garten an, um ihr Einkommen aufzubessern. Auch Bettler bitten um
ein Almosen. Diese Schicht steht in starkem Kontrast zu den modisch
bewussten Rigaer Frauen, die mit ihren Miniröcken und High Heals Blicke auf
sich ziehen. Es ist schon bemerkenswert, wie sie in ihren hochhackigen
Schuhen elegant über das Kopfsteinpflaster der Plätze schreiten, zumeist mit
dem Handy am Ohr.
Aber jetzt setzen wir den Spaziergang fort. Der Dom ist
unser nächstes Ziel. Bei dem wuchtigen Backsteingebäude handelt es sich um
das größte Gotteshaus des Baltikums. Etwa 5.000 Gläubige finden Platz in
dieser Kirche. Berühmt ist ihre Walcker-Orgel, wir haben Glück und können
ihren schönen Klang bewundern.
Auf dem Domplatz legen wir eine Pause ein und sind doch
erstaunt über die relativ hohen Preise für kleine Snacks, dafür ist das
einheimische Bier wohlschmeckend und preiswert. Bei Selbstbedienung kostet
ein Halber nur 1 Lats. Zwei Damen aus dem Salzburger Land leisten uns
Gesellschaft. Plötzlich ziehen dunkle Wolken auf und ein mächtiger Regenguss
treibt uns ins Lokal hinein. Es wird der einzige Schauer bleiben. An den
nächsten Tagen erfreut uns regelrechtes Sommerwetter und Temperaturen über
25 Grad bei strahlendem Sonnenschein sind nicht die Ausnahme. Wir schreiben
zwar Ende August/Anfang September 2009, aber der Herbst scheint noch in
weiter Ferne zu sein und so können wir jeden Abend draußen sitzen, unter
freiem Himmel essen, Karten spielen und bis in die Nacht hinein an der
frischen Luft verbringen.
Beim Weitergehen kommen wir zwangsläufig am Pulverturm
vorbei, dem einzig erhaltenen Festungsturm. Er ist über 25 m hoch und
beherbergt ein Kriegsmuseum, das wir aber nicht besichtigen. Ganz in der
Nähe befindet sich das Schwedentor, ein Relikt aus der schwedischen
Besatzungszeit. Die Soldaten brachen angeblich einfach, um schneller zurück
in die Kaserne zu kommen, ein Loch in ein Wohnhaus. Zwei junge Frauen stehen
unter dem Gemäuer und unterhalten die Passanten mit ihrer Musik.
Und dann sind wir auch schon am Freiheitsdenkmal. Eine
Ehrenwache schützt dieses bedeutendste Denkmal des Landes. Wir haben Glück
und können einer Wachablösung beiwohnen. Während der sowjetischen
Besatzungszeit wurde immer wieder versucht, die Statue zu entfernen oder
umzudeuten, glücklicherweise ohne Erfolg.
Nun verlassen wir die Altstadt und steuern über den
Stadtkanal auf den Esplanade-Park zu. Auf einer Bühne vor dem Rainis-Denkmal
zeigen junge Männer ihr akrobatisches Können und ihre Ballgeschicklichkeit.
Während wir uns bei einem kühlen Bier entspannen, hören wir aus dem Radio
die lettische Fassung des alten Schlagers "Ich möchte der Knopf an deiner
Bluse sein".
Am Rande der Esplanade erhebt sich die russisch-orthodoxe Christi-Geburt-Kathedrale. Die große goldene Kuppel ist weithin sichtbar.
Das Gotteshaus wurde während der Sowjetzeit als Planetarium zweckentfremdet,
ist jetzt aber wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt, wie wir an
einem der nächsten Tage auch sehen können.
Nach ein paar Minuten erreichen wir die Albertstraße (alberta
iela) und sind im Zentrum der Jugendstil-Baukultur. Die etwa Anfang des 20.
Jahrhunderts erbauten Häuser mit ihren Masken, Tieren und Figuren sind eine
Augenweide und unbedingt eine Besichtigung wert.
Am Livenplatz lassen wir in einem der zahlreichen Lokale
den Abend ausklingen. Täglich wechselnde Lifebands unterhalten die Gäste,
Stücke von CCR, der Creedance Clearwater Revival-Band, sind hier immer noch
sehr angesagt.
Im warmen Schein der Vormittagssonne setzen wir am
nächsten Morgen unsere Stadterkundung fort. Die Gildehäuser am Livenplatz,
Symbole hanseatischer Macht, sind unser nächstes Ziel. Heute
beherbergt die Große Gilde einen Konzertsaal der Philharmonie. Vor über 600
Jahren hatten sich hier deutsche Kaufleute zusammengeschlossen, desgleichen
deutsche Handwerker in der Kleinen Gilde. Letten hatten lange Zeit keinen
Zutritt. Aus diesem Grund entstand eine weitere Sehenswürdigkeit der Stadt,
das Katzenhaus, 1909 von einem enttäuschten, reichen, lettischen Kaufmann
erbaut, dem die Mitgliedschaft in der Gilde verwehrt wurde. Zwei schwarze
Katzen auf dem Dach des Hauses zeigten den arroganten Deutschen ihr
Hinterteil. Später wurde er doch aufgenommen und musste seine Figuren
umdrehen lassen.
Die "Drei Brüder", unser nächstes Ziel, haben, außer,
dass es sich jeweils um ein Haus handelt, nichts miteinander zu tun. Sie
stehen nebeneinander, sind aber unterschiedlich im Alter, in der Farbe und
im Baustil. Es soll sich um eine Anlehnung an die "Drei Schwestern" in
Tallin handeln. Zwei Musiker mit Tenorhorn und Bariton begrüßen alle
ankommenden Gäste mit "Ännchen von Tharau".
Auf dem Weg zum Fluss kommen wir noch am Rigaer Schloss
vorbei, das allerdings mehr einer Burg ähnelt. Heute Sitz des Präsidenten,
war es früher einige Jahrhunderte lang Hauptsitz des Deutschen Ordens. Am
Ufer der Daugava haben wir einen wunderbaren Blick auf die moderne Brücke im
Norden, das futuristische Bankgebäude gegenüber und auf die Eisenbahnbrücke
im Süden. Später gehe ich noch auf die andere Uferseite und genieße die
Aussicht auf Riga und die eindrucksvolle Silhouette mit den vielen Türmen.
Den Rest des Nachmittags erholen wir uns in einem Steakhaus (Steiku Haoss
oder Steiku Restorãns) im Zentrum und wechseln später zum Domplatz. Auch
hier werden wir mit Lifemusik erfreut.
Nach ausgiebigem Frühstück marschieren wir anderntags in
Richtung Bahnhof und wundern uns über die vielen Kinder und Erwachsenen im
Sonntagsanzug und in Festtagstracht, die meisten mit Blumen in der Hand. Wir
halten einige junge Leute an, fragen und erfahren, dass heute erster
Schultag ist und er auf gebührende Weise gefeiert wird.
Mit dem Zug brauchen wir etwa 25 Minuten, um an den
Ostseestrand von Jurmala zu gelangen. Holzhäuser am Stadtrand und in den
kleineren Ortschaften prägen das Bild. An der Station "Majori" steigen wir
aus und ein paar Minuten später haben wir den ganzen weißen Strand fast nur
für uns. Lediglich ein paar Spaziergänger nutzen die Gunst der Stunde und
ich nutze die Gelegenheit für ein kühles Bad im baltischen Meer. Das Wetter
meint es wieder gut mit uns und so verbringen wir hier fast den ganzen
Nachmittag.
Später in Riga besuchen wir das "Reval Hotel Latvija",
fahren in den 26. Stock und genießen in der Skyline Bar bei ein paar
Flaschen Bier das unvergleichlich schöne Stadtpanorama im Glanz der
untergehenden Sonne. Auf dem Weg zurück ins Zentrum haben wir Gelegenheit
für eine Besichtigung der Christi-Geburt-Kathedrale. Es findet gerade eine
Andacht statt. Das Haus wurde weitgehend restauriert und schöne wertvolle
Ikonen sind an den Wänden zu bewundern.
Der letzte Tag steht zur freien Verfügung. Ich mache
einen Spaziergang, an der Nationaloper und dem Freiheitsdenkmal
vorbei, zur Neustadt. Auf dem Rückweg verweile ich geraume Zeit im schönen
Park Esplanade. Später auf dem Domplatz treffe ich Horst und wir trinken ein
paar Gläser Bier zusammen, er hatte sich in der Stadt einige Kaufhäuser
angesehen.
Gegen Abend besuche ich zusammen mit Hartmut das von den
Einheimischen auch "Schwarzer Sarg" genannte Okkupationsmuseum neben dem
Schwarzhäupterhaus. In seinen Räumen wird die Besetzung durch die
Nationalsozialisten und später die Sowjets eindrucksvoll dokumentiert.
Nun ist der letzte Tag angebrochen. Mit einem Taxi fahren
wir zum Flughafen, checken ein und lassen uns wohlig und zufrieden in die
Flugzeugsessel fallen, der Ausflug hat sich gelohnt.
Paldies Riga
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