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Sardinien
Gabriela Vitiello, Frank Helbert
Polyglott on Tour - Sardinien
Link zum Thema:
Mit dem Wohnmobil quer über die Insel
San Simplicio in Olbia
Piazza Margherita in Olbia
Vor Golfo Aranci
Blick auf die Costa Smeralda
Porto Cervo
Bei Arzachena
Nuraghe Albucciu
tomba di giganti
Palau
Bei Palau
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Sardinien
Frühlingstage in der Gallura
Text und Fotos: Horst Wehrse
Endlich ab in den Süden, der Frühlingssonne entgegen!
Mittlerweile bieten auch schon sogenannte Billigflieger Flüge nach Sardinien
an, ich fliege im April 2004 von Hannover nach Olbia. Die B 737 benötigt für
diese Strecke weniger als 1 ¾ Stunden.
Da mir nur eine kurze Zeit zur Verfügung steht, entschließe ich mich, die
nächsten Tage ausschließlich im nördlichen Teil der Insel, in der Gallura,
zu verbringen.
Mit dem Stadtbus fahre ich als einziger Gast vom Flughafen in die
Innenstadt, mein Hotel "Terranova", das ich zu Hause per Internet gebucht
hatte, liegt sehr zentral und ich brauche nur einige Schritte zu gehen.
Olbia ist ein kleines Städtchen mit schönen Plätzen und interessanten
Restaurants. Aufgrund des Fährhafens und des Flughafens "Costa Smeralda" ist
dieser Ort für den Tourismus der Insel von großer Bedeutung.
Viele Stunden verbringe ich auf der Piazza Margherita und genieße die warmen
Sonnenstrahlen bei einem Glas Rotwein.
Sehenswürdigkeiten im klassischen Sinn bietet die Stadt nicht, wenn man
einmal von den punischen Mauerresten, einer Stadtbefestigung aus dem 4.
Jahrhundert v. Chr., absieht. Ein Besuch der Kirche San Simplicio aus dem
11. Jahrhundert wird im Reiseführer empfohlen und ich nehme diesen Tipp
gerne an, allerdings hat mir die San Paolo-Kirche in der Nähe meines Hotels
von außen besser gefallen.
Einen Strand gibt es nicht und so entscheide ich mich nach zwei Tagen, Olbia
den Rücken zu kehren. Fahre ich mit dem Bus weiter, die Verbindungen sind
nicht schlecht, oder miete ich ein Auto? Im Hotel liegen Prospekte einer
Autovermietung, ich frage nach, kann den Preis noch etwas drücken und bin in
den nächsten drei Tagen stolzer Besitzer eines grünen Fiat Panda. Im
Nachhinein freue ich mich über diese Entscheidung, kann ich doch an jeder
Bucht anhalten, mich an dem tollen Küstenpanorama begeistern und individuell
vorgehen. Ein Autobus hätte mich nur in den nächsten Ort transportiert.
Das Wetter ist prächtig und ich bin in bester Urlaubslaune. Bis zum ersten
größeren Ort, Golfo Aranci, lege ich einige Fotostopps ein und bin hin und
weg von der grandiosen Aussicht, dem glitzernden türkisfarbenen Wasser und
dem Gelb und Grün der üppigen Macchia.
Neben Olbia ist auch Golfo Aranci ein bedeutender Fährhafen in
Nordsardinien. Ich halte mich längere Zeit am Kai auf und beobachte das
Treiben.
Dann ist auch schon die Costa Smeralda, die Smaragdküste, erreicht. Prinz
Aga Khan hat Millionen investiert und ein Domizil für Reiche und Superreiche
geschaffen. Die Nachfrage des Jet-sets soll aber schon rückläufig sein.
Bei meinem nächsten Halt blicke ich auf das Hafenstädtchen Porto Rotondo und
mache einen Abstecher in die Ortsmitte. Die Häuser und Anlagen sind sehr
gepflegt, einige Touristen beschäftigen sich mit Shopping.
Porto Cervo, mein nächstes Ziel, ist ein mondäner Ort und gilt als Zentrum
der Smaragdküste.
Im Hafen dümpeln Luxusyachten vor sich hin. Ich mache einen längeren
Spaziergang und staune, wie harmonisch die teueren Anwesen in die Umgebung
integriert wurden. Über Treppen und Bogengängen gehe ich zur Piazetta und
genehmige mir einen Espresso. Der Kellner präsentiert mir eine Rechnung über
sechs Euro.
Weiter geht es über Baia Sardina nach Arzachena. Am Ortseingang, gegenüber
dem Infocenter, kann eine alte Nuraghe besichtigt werden, die Nuraghe
Albucciu. Sie liegt inmitten von Olivenbäumen und ist deshalb auf den ersten
Blick gar nicht auszumachen. Es handelt sich um einen alten Festungs- oder
Wehrturm aus wuchtigen Steinblöcken. Oben auf der Plattform treffe ich ein
Paar aus Deutschland.
In der näheren Umgebung besichtige ich dann noch ein tomba di giganti, das
Riesen- oder Hünengrab Coddu Ecchju oder Lu Coddu Vecchio mit der etwa 4 m
hohen Eingangsstele. Die Anfahrt ist zwar beschildert, dennoch verfahre ich
mich und muss einige Male nachfragen.
Am Spätnachmittag erreiche ich Palau und quartiere mich im Hotel "La Roccia"
ein. Der Ort liegt direkt am Meer und vom Hafen legen Fähren zu den Inseln
La Maddalena und Caprera ab. Angler, auch Frauen, versuchen an der Kaimauer
ihr Glück.
Der Hotelier spricht sehr gut deutsch und empfiehlt mir, den Capo d´Orso,
einen skurrilen Bärenkopf aus verwittertem Granit, nicht am nächsten Morgen,
sondern im Abendlicht zu besichtigen. Da ich überhaupt keine Lust verspüre,
wieder in mein sorgfältig geparktes Auto zu steigen, meint er, man kann den
Bären auch von der Fähre nach La Maddalena erkennen und alle 15 Minuten bis
in den späten Abend hinein wird die Insel angesteuert. So komme ich dann
noch in den Genuss einer Schifffahrt und tatsächlich, nach einigen Minuten
hat sich die Bergspitze in die Form eines Bären verwandelt.
Die Insel ist nach etwa einer Viertelstunde erreicht und ich mache dort
einen längeren Spaziergang in der Abendsonne. Viele Trattorias liegen in der
Nähe des Hafens, mir scheint, hier ist mehr los als in Palau.
Am nächsten Morgen lege ich in Santa Teresa di Gallura eine längere Pause
ein. Immer wieder hat man wunderschöne Aussichten auf das Mittelmeer. Die
Insel Korsika (Frankreich) ist 12 km von diesem nördlichsten Punkt
Sardiniens entfernt, ich kann sie vom Aussichtspunkt gut erkennen. Fähren
verbinden beide Länder und verkehren täglich über die Straße von Bonifacio.
Ein kleiner Badestrand ist vorhanden.
Einige Fahrminuten später begeistert mich der Capo Testa, von Wind und
Wetter geformte Granitfelsen und die senkrecht abfallende Steilküste,
Landschaftsbilder par excellence und zwischendurch immer wieder die
Farbtupfer der Macchia.
Die nächsten Stunden fahre ich an der Nordküste entlang und habe wirklich
permanent das glitzernde Meer im Visier. Traumhafte Küsten, malerische Natur
und verschwenderische Farben, mal sind es Sandstrände, mal rötliche Felsen,
wie die Costa Paradiso, es wird überhaupt nicht langweilig. In der Nähe von
Castelsardo, das Kastell auf der Bergspitze ist von weitem sichtbar, wieder
ein typisches Naturschauspiel, der Elefantenfelsen Roccia del `Elefante. Das
verwitterte Gestein sieht von der einen Seite tatsächlich aus wie ein
Elefant.
In Porto Torres, dem westlichsten Punkt meiner Rundfahrt, verweile ich einen
Moment an der Hafenmauer und sehe mir dann die alte Römerbrücke Ponte Romano
aus dem 12. Jahrhundert an.
Dann verlasse ich die Nordküste und fahre südlich bis Alghero. Hier ist
wesentlich mehr Tourismus als in den Orten, in denen ich vorher war. Die
Hektik und der Verkehr stören mich etwas und kurze Zeit später fahre ich ins
Inselinnere bis Ittiri. Der Ort sagt mir mehr zu und ich belege ein Zimmer
im Hotel "Coros". Abends ist nicht viel los, ich bin einziger Gast im
Restaurant Paradiso. Später an der Hotelbar kann ich ebenfalls über alle
Plätze verfügen.
Nun ist also der letzte Tag der Gallura-Rundfahrt angebrochen. Ich
orientiere mich in Richtung Sassari und fahre dort auf die Autobahn. Später
wechsele ich auf ruhigere Landstraßen und es geht durch kleine Ortschaften
an Feldern und Wiesen vorbei.
Mitten in der Landschaft erhebt sich die Dreifaltigkeits- oder
Saccargia-Kirche aus dem 12. Jahrhundert. Die früher zu einer Klosteranlage
gehörende Basilika ist eine der berühmtesten Kirchen Sardiniens.
Gegen Mittag erreiche ich Olbia und fahre, da ich das Auto bis nachmittags
nutzen kann, noch weiter bis Golfo Aranci. Draußen direkt am Fährhafen esse
ich zu Mittag.
Zufrieden lehne ich mich zurück, ich bin froh, ein Auto gemietet zu haben.
Diese Flexibilität hätte eine Busfahrt nicht bieten können. Allerdings hätte
ich manchmal gern einen Beifahrer gehabt. Immer, wenn ich einen bestimmten
Punkt gesucht habe, wurde ich durch die vielen Orientierungs- und
Reklameschilder irritiert und habe ab und zu den richtigen Hinweis
übersehen.
Der Aufenthalt auf Sardinien ist nicht billig, die Restaurantpreise haben es
in sich. Die Küche hat mich allerdings auch überzeugt. So habe ich häufig
ganz leckeren Fisch gegessen und besonders geschmeckt hat mir antipasto
sardo, eine Vorspeise mit Salami, Schinken und Oliven. Natürlich habe ich
auch spaghetti bottarga, Spaghetti mit Meeräschenkaviar, eine sardische
Spezialität, gekostet. Zu jeder Mahlzeit wird pane carasau gereicht,
hauchdünnes und lange haltbares Brot, das die Hirten früher mitgenommen
haben, wenn sie tagelang unterwegs sein mussten.
Auch der einheimische Wein hat mir gemundet, gewundert hat mich allerdings,
dass die in Bars eingeschenkten Gläser nicht mal halb voll sind.
Selbstverständlich gibt es auch Becks-Bier oder Heineken, ich habe aber
keinen Gebrauch davon gemacht.
Es regnet etwas, als ich am letzten Tag auf den Stadtbus zum Flughafen
warte. Mir kann es egal sein.
Beim Landeanflug auf Hannover sehe ich einige gelbe Rapsfelder unter uns, es
ist ein schönes Bild.
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