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Seidenstraße
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Zentralasien. Kunst - Reiseführer.

Lenin-Denkmal in Bishkek
Lenin-Denkmal in Bishkek

Gebäude in Bishkek
Gebäude in Bishkek

Ein kleines Stück entlang der Seidenstraße

 

In Bishkek angekommen tauschen wir im Busbahnhof etwas Geld und nehmen, zusammen mit einem Schweizer, ein Taxi zum Hotel im Business-Center. Im 4. Stock sind Zimmer der Business-Class, wir nehmen mit einem Doppelzimmer parterre in der Economie-Class vorlieb.

Der Schweizer, ein Postbeamter, der acht Monate Urlaub sammeln kann, war mit der Eisenbahn über Moskau nach Almaty gekommen und dann im selben Bus wie wir nach Bishkek weitergefahren.

Den Nachmittag verbringen wir zusammen, genießen die ruhige Atmosphäre in der Innenstadt und wundern uns, dass es doch tatsächlich an bester Stelle, vor dem Museum, noch ein gewaltiges Lenin-Denkmal gibt.

Bishkek gefällt uns, wir haben schönes, sonniges und warmes Herbstwetter, die Stadt ist übersichtlich, die Menschen sind freundlich. Hier kann man es gut aushalten. Die Stadt hat imposante Gebäude, breit angelegte Straßen, einen Vergnügungspark mit Disco, in der Ferne Schneeberge - gerade in der Abendsonne ein wunderschönes Panorama.

Entlang der Straßen haben viele ambulante Obsthändler ihren Stand aufgebaut. Viele Männer, meist ältere, tragen einen lustigen Hut. Die Menschen lassen es gemütlich angehen, oft sieht man sie in einer kleinen Gruppe zusammen hocken. Eine kleine Änderung in der Zeitverschiebung, jetzt sind es nur noch fünf Stunden Zeitunterschied zu Deutschland.

Im Internet können wir uns über die politischen Ereignisse informieren, mit beklommenem Gefühl verlassen wir das Café.

Der Kauf des Bustickets nach Taschkent war nicht so einfach, die Dame am Schalter versteht weder Deutsch noch Englisch, mit Aufschreiben und gutem Willen gelingt es schließlich doch.

Wir haben noch etwas Zeit und essen im Bahnhofsrestaurant zu Mittag. Hier hat es vor 30 Jahren vermutlich genauso ausgesehen. Es gibt Borschtsch, Brot und Tee für einen Minipreis, insgesamt sind umgerechnet knapp DM 3,-- fällig. Neben der elektronischen Kasse steht noch ein Abakus.

Kreditkarten konnte man selten anwenden, Travellerschecks waren nur in bestimmten Banken einzulösen. In Kirgistan ist ausschließlich Papiergeld im Umlauf, das "Wechselgeld" besteht teils aus Zigaretten, einmal gab es usbekische Münzen zurück (was ich aber erst zu Hause gemerkt habe).

Uns bleibt noch genügend Zeit, um Verpflegung für die Nachtfahrt einzukaufen. Zu unserem Bedauern gab es keine Tour tagsüber und ein Taxi war uns zu teuer. Die Plätze im Bus sind vorgegeben, leider auch unsere. Das Fenster an unserer Seite war durch eine Sperrholzplatte ersetzt, schöne Bescherung. Beim Einsteigen wird noch eine Nachgebühr für das Gepäck abverlangt.

Mit einstündiger Verspätung setzt sich der Bus in Bewegung. Wir fragen einen Offiziellen, ob wir uns nicht umsetzen dürfen, schließlich wollen wir doch was sehen. Er bittet eine Frau, für uns Platz zu machen, wir gehen jedoch ganz nach hinten und haben endlich die gewünschte Beinfreiheit.

Auf geht's in den Abend hinein, links schneebedeckte Berge, die anmutig die letzten Strahlen der Abendsonne reflektieren, rechts Graslandschaft im Sonnenuntergang. Ab und zu begegnet uns eine Kuhherde.

Die Strecke Bishkek/Taschkent führt ein kleines Stück durch Kasachstan, aber wir haben uns erkundigt und im "Lonely-planet" nachgelesen, dass ein separates Visum nicht erforderlich ist.

Gegen 22.30 erreichen wir die Grenzstation, schnell an den kirgisischen Zöllnern vorbei, dann Passkontrolle auf der anderen Seite. Wilfried wird aus dem Bus herausgewunken, kurze Zeit später bin auch ich an der Reihe. Der Grenzer erklärt, dass wir ohne Visum nicht weiter dürfen. Wilfrieds Transitvisum, das er für die letzten Tage vor dem Rückflug braucht, wird erst in zehn Tagen gültig, an meinem ist nichts auszusetzen, da für 4 Wochen ausgestellt. Umständlich blättert man in den Formularen, nimmt ein Blatt hervor, legt es wieder weg. "Wieviel Trinkgeld müssen wir denn wohl abdrücken", denken Wilfried und ich unisono.

Es ist wenig Verkehr an der Grenze, ab und an kommt ein bewaffneter Posten herein, unsere Angelegenheit stagniert. Ich hole den Reiseführer hervor, lese die entsprechende Passage vor, keine Reaktion. Jetzt nur nicht aus der Haut fahren. Wir erklären, daß er uns die Pässe geben soll, wir fahren zurück, auch das ist im Moment nicht möglich, Formulare, Formulare. Irgendwann kommt ein LKW-Fahrer herein, er spricht, welch ein Glück, fließend Deutsch. Unser Glücksfall hat lange in Bremen gewohnt, jetzt lebt er im Nachbarort Oyten, wie klein die Welt doch ist. Er kann die Grenze erst ab 0.00 Uhr überqueren, vorher ist seine Genehmigung nicht gültig.

Von ihm erfahren wir, dass es tatsächlich keine Schikane ist, sondern dass die Vorschriften vor einigen Monaten geändert wurden. Mit seinem Partner, so bietet er uns an, können wir zurückfahren nach Bishkek. Vorher muss Wilfried noch unterschreiben, dass ihm an der Grenze nichts widerfahren ist, auf das er einen Entschädigungsanspruch hat.

Auf kirgisischer Seite gibt es keine Probleme, mit Handschlag verabschieden wir uns vom Grenzpolizisten.

Irgendwann nach 24.00 Uhr und einigen Flaschen Bier steigen wir in den Mercedes des Begleiters und fahren die Strecke zurück, gefolgt von einem LKW mit dem Autokennzeichen HB.

Wir mögen vielleicht eine halbe Stunde gefahren sein, schon wieder eine Polizeikontrolle, nach kurzer Zeit kann die Fahrt fortgesetzt werden.

Nachdem die Hälfte der Strecke zurückgelegt ist, hält der Wagen in einem Ort an. Der LKW fährt in eine Hofeinfahrt, wir wechseln in einen Transporter und setzen die Fahrt fort, einmal unterbrochen von einer Kontrolle und dem obligatorischen Händedruck. Unser Freund setzt uns vor dem Businesscenter-Hotel ab, wir checken ein und sinken zähneknirschend in Schlaf.

Was ist zu tun? Am nächsten Morgen stehen wir zeitig auf, um im Hotel die Flugmöglichkeiten nach Taschkent zu erkunden. Auch muss, falls wir am selben Tag nicht weiterkommen, Wilfrieds Visum verlängert werden, am nächsten Tag ist es bereits ungültig. Die Mitarbeiterin im Hotel bemüht sich redlich, ein rechter Erfolg ist ihr allerdings nicht beschieden.

Im Reiseführer entdecken wir ein Büro, das uns vielleicht weiterhelfen kann, leider geschlossen. Kurz daneben ein weiteres Reisebüro. Wir treten ein, erhalten für den nächsten Tag einen Flug und die Adresse von OVIR.

Dorthin gehen wir, schon mit stark verbesserter Laune. Es empfängt uns eine ältere Dame mit dem Charme einer Beamtin an der DDR-Grenze, ein lustiger Herr und eine weitere, aber freundliche Dame.

Der Mann erklärt uns, es ist Samstag, keiner arbeitet, es wird Wodka getrunken. Schließlich und nach gutem Zureden geht es doch, nach einer Stunde sollen wir wiederkommen und das Visum in Empfang nehmen.

Den Tag verbringen wir bei herrlichem Wetter in der Stadt, machen einen langen Spaziergang durch den Park, sitzen an der Hauptstraße im Café und beobachten die vorbeiflanierenden Leute. Hübsche, modisch gekleidete Damen lustwandeln auf der Straße, verschleierte Frauen bilden die Ausnahme.

Im Schatten der Bäume werden selbstgebackene Torten verkauft. Ein Musiker fährt mit seinem Equipment per Taxi vor.

Gegen Abend beobachten wir vor dem Weißen Haus, dem Präsidenten-, Kabinetts- und Parlamentsgebäude, einen Wachwechsel. Der Stechschritt steht dem der russischen Kollegen in nichts nach.

Aufgrund der politischen Situation entscheiden wir uns, von Taschkent sofort nach Samarkand, dem eigentlichen Höhepunkt unserer Reise, weiterzufahren. Auf Taschkent und andere Stätten wollen wir, sollte es zu einer plötzlichen Abreise kommen, eher verzichten.

Der Flughafen Manas liegt eine halbe Fahrtstunde außerhalb der Stadt. Es gibt Bordkarten, aber ohne Platzbezeichnung, jeder setzt sich im Flugzeug hin, wo er will. Nach 60 Minuten Flug, vorbei an Bergen mit weißen Gipfeln, landen wir in Taschkent und dürfen die Uhr wieder umstellen. Jetzt beträgt die Zeitdifferenz nur noch vier Stunden.

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