Serengeti, Ngorongoro und Träume im Indischen Ozean
Text und Fotos: Horst Wehrse
"Jambo" - "Karibu" ---- "Hallo" und "Willkommen",
so heißt es in Kenia und Tansania zur Begrüßung und wir werden diese Worte in den nächsten Tagen oft hören.
Mit einer bis auf den letzten Platz gefüllten Boeing 747 starten wir, Reiner und ich, am 03. September 2002 in London.
Nach gut 7 3/4 - stündigem Flug landen wir in Nairobi, es ist früher Morgen und auf dem Flughafen herrscht noch kein allzu
großer Betrieb. Die Einreise geht problemlos und zügig vonstatten, das Visum hatten wir schon Wochen vor Reiseantritt beantragt
und erhalten.
Nairobi
Eine Amerikanerin nimmt uns umsonst in ihrem Taxi mit ins Hotel, die Unterkunft im Grand Hotel Regency im Zentrum Nairobis
hatten wir schon in Deutschland gebucht. Beim Eintreten ins Zimmer bemerken wir, dass der Fernseher eingeschaltet ist,
"Welcome Mr. Horst" leuchtet es vom Bildschirm.
Nairobi, in Travellerkreisen auch Nairobbery genannt, -warum wohl- ist keine Stadt, bei deren Anblick man gleich ins
Schwärmen gerät.
Wir besichtigen den Nairobi-Nationalpark und kriegen gleich einen guten Vorgeschmack auf die geplante Safari in Tansania.
Mit einem Minibus fahren wir, das sind Reiner, drei junge Männer, die unterwegs zusteigen, und ich, die paar Kilometer zum Park
außerhalb Nairobis, vorbei an den Slums, in denen zigtausend Menschen ohne Strom und fließendes Wasser leben.
Am Parkeingang wird das Dach des Autos hochgehievt und wir haben freie Sicht.
Bereits nach kurzer Zeit kreuzt eine Giraffe unseren Weg, die Kameras und Videorecorder surren. Es ist ein sehr schöner,
sonniger, warmer Nachmittag, wir kommen voll auf unsere Kosten und sehen einen Teil der Big Five: Nashörner, Büffel, in der
Ferne einen Löwen, den man jedoch mehr erahnen als erblicken kann. Es ist schon eigentümlich, wilde Tiere und Hochhäuser
zugleich zu sehen, angeblich ist dies der einzige Nationalpark, der einen Blick auf eine Großstadt zulässt.
Nach einiger Zeit legen wir eine Pause ein und haben Gelegenheit zu einem kleinen Spaziergang. Wir begeben uns zum Hippopool,
doch leider sind keine Flusspferde zu sehen, dafür aber fünf Schildkröten, die sich hintereinander auf einem Baumstamm liegend
sonnen.
Im Park sind verschiedene Antilopenarten anzutreffen, Zebras, Perlhühner, Strauße, nur keine Elefanten.
Kurz vor dem Verlassen des Areals zeigt unser Fahrer uns noch die Stelle, wo 1989 mehr als 10 Tonnen Elfenbein im Wert von
mehreren Millionen Dollars verbrannt wurde, diese Aktion erregte weltweites Aufsehen und ich kann mich noch gut an die damaligen
Nachrichten erinnern. Am Parkausgang kreuzt eine Pavianfamilie unseren Weg, eine Mutter trägt ihr niedliches Kleines auf dem Rücken.
Auf dem Rückweg erkennen wir eine Statue, die anlässlich der 1963 erlangten Unabhängigkeit Kenias errichtet wurde.
Wir unterhalten uns mit unserem Fahrer in englisch, der offiziellen Landessprache, kisuaheli ist die Nationalsprache.
An einem der Abende findet in unserem Hotel eine Wahl zur Miss Maleika statt, der Eintritt von ca. 20 USD ist uns zu teuer,
manchmal kommt eine der wunderschönen Kandidatinnen heraus und lässt sich vor Blumenarrangements fotografieren. Allabendlich
wird das Hotelfoyer auch von Damen der Nacht besucht, wir unterhalten uns mit einigen und trinken etwas zusammen. Eine sehr
gute einheimische Band spielt im fast leeren Restaurant übliche Standards.
Pünktlich um 8.oo h morgens setzt sich der Bus nach Arusha in Bewegung, bei den Fahrgästen handelt es sich je zur Hälfte
um Einheimische und Touristen. Unterwegs sehen wir Zebras, Zementfabriken, Kuh- und Ziegenherden der Massai, Steppe, Kirchen
und Moscheen, farbenfroh gekleidete Menschen, Esel, Impalas, Termitenhügel, Webervogelnester und vieles mehr.
Es sind etwa 270 km bis Arusha, nach 3 Stunden erreichen wir die Grenze. Bei der Einreise in Tansania muss das Gepäck
vorgezeigt werden.
Einige Touristen besorgen sich noch ein Visum, wir hatten unseres schon, da es in den Reiseführern so steht, in Deutschland
organisiert.
Tansania
Nun sind es noch 115 km bis zu unserem Ziel. In Arusha erwartet uns eine große Schar von Helfern, Trägern und Taxifahrern,
sehr geschäftstüchtig aber nicht übermäßig aufdringlich.
Wir hatten uns für das Hotel Mezza Luna entschieden. Auf dem Weg dorthin versucht der Taxibegleiter uns ein
"besseres" Haus anzubieten, wir lehnen aber ab. Auch der von uns avisierte Safari-Veranstalter "Roy Safaris"
(wird u. a. in der Reisezeitschrift "Reise & Preise" empfohlen) taugt angeblich nicht viel, ist entschieden zu
teuer und wird nur von Indern und anderen reichen Gästen frequentiert.
Die freundliche Dame an der Rezeption des "Mezza Luna" meint ebenfalls, dass es bessere Anbieter als Roy gibt, sie
empfiehlt "NYIKA TREKS & SAFARIS Ltd.". Nun gut, ich
telefoniere mit Roy und hole mir ein Angebot ein, 140 USD/Tag/Person, ein Mitarbeiter von Nyika besucht uns im Hotel, stellt
lange Berechnungen an und verlangt 125 USD, wir handeln und einigen uns schließlich auf 110 USD, immerhin eine Ersparnis von
30 USD pro Tag und Person.
Im Stadtbüro des Veranstalters wird ein Vertrag aufgesetzt, wir zahlen eine Hälfte in bar, den Rest mit Reiseschecks. Da
wir nach Beendigung der Safari gern auf schnellstem Weg nach Mauritius wollen, erkundigen wir uns in einem nahe gelegenen
Reisebüro nach Transportmöglichkeiten, möglichst am Mittwoch der nächsten Woche, denn dienstags kommen wir nach Arusha zurück.
Es ist nicht einfach, am darauf folgenden Sonntag wäre ein preiswerter Flug mit den Emirates ab Dar es Salaam über Dubai
möglich, noch fünf Tage länger in Arusha bleiben? Gefällt uns nicht.
Als Alternative wird uns ein erheblich teuerer Flug ab Nairobi am gewünschten Mittwoch angeboten, mit Zwischenstopp auf den
Seychellen.
Wir schlagen zu und müssen auch hier wieder bar bezahlen, so dass unsere flüssigen Mittel gleich zu Anfang der Reise arg
strapaziert werden. Am Automat der Nationalbank decke ich mich per Visa-Card mit ausreichend tansanischen Schillingen ein.
Die Abende verbringen wir im Gartenrestaurant unseres Hotels, nach dem Tusker in Kenia lassen wir uns hier das gute
Kilimandscharo-Bier munden. Eine Band unterhält die Gäste mit einheimischen Stücken, die mir gut gefallen, aber auch mit
"Ein Schiff wird kommen" und "Marina". Im Hotelservice herrscht ein hartes Regiment, die Kellner gehen
nicht, sie laufen! So etwas habe ich vorher noch nie gesehen.
Gleich nebenan im Impala-Hotel befindet sich ein Internet-Cafe und wir können die ersten Grüsse versenden.
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