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Sizilien - Daniela Schetar, Friedrich Köthe
Marco Polo, Sizilien - Hans Bausenhardt
Teatro Romano
Fontana dell ´Elefante
Hafen von Catánia
Castello Ursino
Blick auf den Ätna
Taormina
Teatro Greco
auf dem Ätna
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Sizilien
Insel am Ende des Stiefels
Text und Fotos: Horst Wehrse
Trübe ist es in Deutschland, neblig und verhangen, also die beste Zeit
oder der geeignete Anlass, in den Süden zu jetten. Harms und Wilfried sind
meiner Meinung und so fliegen wir im November 1991 nach Catánia. Eigentlich
hat das Reisen in dieser Jahreszeit bei uns schon Tradition, denn bis vor
kurzer Zeit konnten wir Mitte November immer den Buß- und Bettag feiern und
brauchten für 1 ½ Wochen Ferien unser Urlaubskonto mit nur vier Tagen zu
belasten.
In Catánia angekommen, fahren wir mit einem Autobus ins Zentrum der Stadt
und suchen uns eine Bleibe für einige Tage. Jetzt sind wir in der mit
400.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt Siziliens, am Ionischen Meer gelegen.
Den Ätna können wir von unserem Hotel aus erkennen.
Wir gehen zunächst zum Teatro Romano in der Nähe unserer Unterkunft. Es ist
zu einem großen Teil freigelegt. Etwa 7.000 Zuschauer fanden früher auf den
im Halbkreis angebrachten Sitzreihen Platz. Heute kann man diese Dimensionen
nur noch erahnen.
Mittelpunkt der Stadt ist der Piazza del Duomo, der Domplatz, mit der
Fontana dell ´Elefante. Der aus Lavagestein hergestellte Elefant gilt als
Wappentier Catánias.
An der Ostseite des Platzes steht der Dom, ursprünglich im 12. Jh. erbaut,
durch Erdbeben zerstört und danach wieder fast komplett neu errichtet.
Im schönen Hafen sehen wir die Motorboote und kleinen Yachten im Wasser
schaukeln. Er liegt in der Nähe der Innenstadt, gilt wiederum als
zweitgrößter der Insel und ist sehr bedeutsam für Sizilien.
Längere Zeit verweilen wir im Castello Ursino, einem quadratischen Kastell
mit runden Ecktürmen. Im Inneren befindet sich ein Museum, das Museu Civico.
Es heißt, dass diese Festung früher auf einem Hügel am Hafen stand und ein
Ausbruch des Ätnas im Jahre 1669 die ganze Umgebung verändert hat. Durch
herabgeflossenen Lavastrom wurde ein Teil des Hafenbeckens zugeschüttet und
die Bodenfläche um über 10 m erhöht.
Während eines Spaziergangs lockt ein Schild vor einem gewöhnlichen
Restaurant mit einem preiswerten Mittagstisch. Wir treten ein und bestellen
jeweils eine Portion des angebotenen Gerichtes. Der Wirt fragt, ob wir noch
weitere Beilagen, Salat, Gemüse oder sonst was wünschen. Wir bejahen, denn
es ist ja nicht teuer. Zum Schluss präsentiert er uns die Rechnung und wir
fallen aus allen Wolken, mindestens der doppelte Preis ist fällig. Da wir
nicht so viel italienisches Bargeld mit uns führen, fragen wir, ob auch
Kreditkarten oder Euroschecks akzeptiert werden. Der Wirt verneint und droht
mit der Polizei, wir murmeln nur "Mafia". Harms schlägt vor, unsere gesamten
Devisen auf den Tisch zu legen, vielleicht finden wir ja einen Kompromiss.
Wir suchen in unseren Taschen und kommen auf knapp 80.000 Lire, die Rechnung
ist auf 120.000 Lire ausgestellt. Der Wirt schnappt sich das Geld, brummelt
in sich hinein, wir schnappen unsere Rucksäcke und hasten hinaus.
Wahrscheinlich haben gerade beide Parteien ein gutes Geschäft gemacht.
Mit dem Bus fahren wir zum vielleicht schönsten Ort Siziliens, nach
Taormina. Die Stadt, 10.000 Einwohner, liegt malerisch auf einem Hügel
direkt am Meer und ist touristisch sehr bedeutend. Ein Badestrand an beiden
Seiten des Kaps steht den Wasserratten und Sonnenanbetern zur Verfügung.
Wir steigen zum Kastell auf dem Monte Táuro hinauf und sind überwältigt von
der schönen Aussicht.
Am meisten beeindruckt hat mich jedoch das Teatro Greco, das Griechische
Theater, ursprünglich vor Christi Geburt gebaut und im 2. Jh. n. Chr. von
den Römern als Amphitheater umgestaltet. Zu Fuß gehen wir zu diesem wohl
berühmtesten Bauwerk Taorminas. Auch hier belohnt der Ausblick auf die
Umgebung und auf den Ätna die Mühsal der Wanderung und jeden Tropfen
Schweiss. Goethe soll sogar behauptet haben, das Theater hätte "die schönste
Kulisse der Welt".
Den selben Weg mögen wir nicht zurückgehen, statt dessen marschieren wir
nach Giardini-Naxos. In einem Lokal spielen wir einige Runden Skat und
trinken ein paar Flaschen Wein.
Es ist bereits dunkel geworden und Zeit zum Abendessen. Wilfried und ich
suchen, weinselig wie wir sind, eine Trattoria auf und bestellen Spaghetti.
Es ist das beste Pastagericht, das ich bisher in meinem Leben gegessen habe.
Harms wartet noch auf dem Beckenrand eines Brunnens auf uns. Von der
Busfahrt zurück nach Taormina kriege ich nichts mit, ein fester Schlaf hat
mich übermannt.
Am nächsten Morgen geht es zum berühmtesten Vulkan der Insel. Der weiße
Gipfel des Ätnas ist hinter dicken Wolken verborgen. Je höher wir kommen,
desto nebliger wird es, vereinzelt liegt Schnee neben der Straße. Wir fahren
bis Nicolosi, der Porta dell ´Etna, in etwa 700 m Höhe. Leider spielt das
Wetter nicht mit und die Seilbahn wird zu unserem großen Bedauern nicht in
Betrieb genommen.
Stunde um Stunde verrinnt, aber es wird nicht besser und leider ergibt sich
witterungsbedingt keine Möglichkeit, höher auf den Vulkan zu kommen,
wenngleich auch auf dieser Ebene schon Krater zu besichtigen sind.
Etwas frustriert kehren wir nach Catánia zurück. Harms und Wilfried fahren
am nächsten Tag nach Palermo weiter, ich versuche noch einmal, auf den Ätna
zu kommen und kehre wieder nach Nicolosi zurück. Aber leider hat Petrus sich
auch heute wieder gegen mich verschworen und unverrichteter Dinge begebe ich
mich am späten Nachmittag ebenfalls zum Bahnhof und kaufe eine Fahrkarte
nach Palermo.
Jetzt sind wir also in der mit ca. 650.000 Einwohnern größten Stadt
Siziliens, in der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und, wenn man den
Gazetten glauben soll, der Hauptstadt der Mafia.
Was hatten wir nicht alles gelesen und vernommen, man soll immer mehr als
vorsichtig sein, bestimmte Plätze und Stellen meiden, bei Stadtrundfahrten
werden die Bustüren von innen verriegelt etc.
Wir waren zu keiner Zeit davon betroffen, haben von der Existenz der Mafia
nichts wahrgenommen und uns genauso sicher gefühlt wie in Venedig, Genua
oder anderen italienischen Städten. Warum sollte man uns auch was anhaben,
wir bringen doch Devisen und füllen die Kassen der Firmen, Institutionen und
Vereinigungen, die am Tourismus partizipieren. Man würde sich nur ins eigene
Fleisch schneiden.
In einem Prospekt wird ein arabischer Schriftsteller aus dem 14. Jahrhundert
zitiert:
"Palermo ist schmutzig und märchenhaft, wie ein Zug aus einer
Haschischpfeife."
Die Altstadt ist sehr sehenswert und die meisten touristisch interessanten
Punkte sind zu Fuß bei einem Rundgang gut erreichbar.
Unser Spaziergang führt uns an dem Teatro Massimo und am Politeama
Garibaldi, einem schönen Theater an der Piazza Rugero Settimo, vorbei, bevor
wir im Giardino Inglese, im Englischen Garten mit alten Bäumen, Palmen und
Statuen, eine Verschnaufpause einlegen.
Vom Quattro Canti, einem kreisförmigen Platz, begeben wir uns zur Kathedrale
aus dem 12. Jahrhundert. Könige und Kaiser wurden hier beigesetzt.
Der Palazzo dei Normanni, unser nächstes Ziel, ist heute Sitz des
sizilianischen Parlaments.
Über Monte Pellegrino, wo wir uns einen Moment aufhalten, fahren wir weiter
nach Cefalù. Das 13.000 Einwohner große Städtchen liegt am Fuße des Felsens
Rocca di Cefalù.
Der Ort ist arabisch geprägt, eine Palme vor den beiden Türmen der
Kathedrale vermittelt mediterranes Flair.
Am nächsten Tag fahren wir zurück nach Catánia und verbringen dort die
restliche Zeit unseres Sizilienurlaubs. Auf dem Rückflug, kurz vor der
Zwischenlandung in Neapel, ist der Vesuv unter uns. Einen kurzen Moment
gelingt uns ein Blick in den Krater. Wenn wir schon nicht in den Ätna
hineinsehen können............
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