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[ Reiseberichte ]

Sabine Becht: Tunesien
Ursula u. Wolfgang Eckert: Tunesien
Polyglott on Tour: Tunesien
Medina in Hammamet
Moschee in Sousse
In Hammamet
El Djem
stille Genießer
In der Sahara
In der Sahara
Bergoasen
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Tunesien
im Land der 1001 Träume
Text und Fotos: Horst Wehrse
Tunesien hatte mich schon länger gereizt. Bekannte, die
das Land besucht hatten, erzählten von langen Sandstränden, von Oasen,
Kultur, Moscheen und Wüstenlandschaft. So buchte ich eine Pauschalreise nach
Hammamet, denn in dieser Stadt soll, so hörte ich, auch abends was los sein.
Am 14.04.1999 am Abend besteige ich das Flugzeug und gut 2 ½ Stunden später
sind wir bereits in Monastir, dem Zielflughafen. Jetzt noch ca. 1,5 Stunden
mit dem Bus und kurz nach Mitternacht erreiche ich das im Zentrum der Stadt
liegende "Hotel Emira". Glücklicherweise hat die Bar noch geöffnet. Die
Kellner sprechen durchweg Deutsch, man gut, denn mit meinem Schulfranzösisch
kann ich zwar leidlich Bestellungen aufgeben, aber keine Frage beantworten,
denn ich verstehe sie gar nicht mehr.
Am nächsten Morgen bin ich etwas enttäuscht, die Sonne hat sich hinter
dicken Wolken versteckt, es ist diesig und recht kühl. Aber das hält mich
nicht von einem ausgedehnten Spaziergang ab, und kurz darauf bessert sich
meine Laune auch schon zunehmend, denn Hammamet hat durchaus etwas zu
bieten.
Die Medina, die Altstadt, liegt direkt am Meer. Enge Gassen führen an weißen
Häusern vorbei, eine Mauer reicht fast komplett um den Komplex herum. Viele
Souvenirhändler bieten ihre Waren feil.
Am westlichen Rand der Medina befindet sich die Kashba, die Festungsanlage.
Im Innenhof liegen noch einige Kanonen. Von den Festungsmauern hat man eine
hervorragende Aussicht auf das Meer und die Altstadt.
Einige Gäste sitzen am Strand, ein Mann zieht gemütlich an seiner
Wasserpfeife oder an der Chicha, wie man hier sagt.
Beim Geldtausch erhalte ich für eine DM den Gegenwert von 0,65 Dinar (TD).
Es ist relativ ruhig, das Hotel fast leer. Der Barkeeper erzählt mir, dass
der erste Touristenansturm, vorwiegend Engländer, Anfang Mai erwartet wird.
Erstmals gehören auch Polen zu den Gästen, ein polnischer Aushang über dem
Tresen informiert über touristische Möglichkeiten.
Die Abende verbringe ich vorwiegend in einer Diskothek, aber auch hier ist
die Anzahl der Besucher recht übersichtlich.
Hammamet und später auch die anderen Orte in Tunesien erscheinen mir recht
sauber. Kein hektischer Verkehr auf den Straßen, kein endloses Gehupe, wenig
Anmache und Nepp.
Kurz: Afrika oder Orient für Einsteiger.
Tunesien gilt als eines der fortschrittlichsten Länder der arabischen Welt
und auch als sicheres Reiseland.
An einem der nächsten Tage fahre ich mit dem Autobus in die mit 125.000
Einwohnern drittgrößte Stadt Tunesiens, nach Sousse, in Hammamet leben etwa
45.000 Menschen.
Ich schlendere durch die Altstadt, sehe mir die Souks an, besichtige die
große Moschee und besteige den etwa 30 m hohen Wehrturm, den Ribat. Eine
wunderbare Aussicht belohnt die Mühe. Die Medina ist von einer 2,5 km langen
Stadtmauer umschlossen. Auf den Straßen, vor und in den Geschäften herrscht
wesentlich mehr Gedränge als in Hammamet.
Das Wetter hat sich nachmittags gebessert, nach der Rückkehr gehe ich wieder
an den Strand und freue mich über das in der Abendsonne glitzernde blaue
Meer und über den leuchtenden weißen Sand.
Jetzt habe ich noch einige Tage Zeit und überlege, ob ich mich in die Sonne
lege und faulenze oder mir noch etwas vom Land ansehe. Die Entscheidung
fällt nicht schwer, ich buche eine Zweitagerundfahrt in den Süden und, um es
vorwegzunehmen, es hat sich wirklich gelohnt.
Die Reisegesellschaft besteht größtenteils aus Deutschen, die aus den
Ferienanlagen um Hammamet abgeholt werden. Ich sitze neben einer Zahnärztin
aus Ostberlin, sie ist mit Mutter und Tochter unterwegs und wir unterhalten
uns glänzend.
Den ersten Stopp legen wir bei El Djem, dem drittgrößten Amphitheather der
Welt oder dem größten Nordafrikas, ein. Das relativ gut erhaltene Bauwerk
aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. fasziniert mich, wenn man sich vorstellt,
dass hier vor Hunderten von Jahren Sportveranstaltungen, Löwenkämpfe und
andere Kriegsspiele stattgefunden haben.
Weiter geht es durch die Sahelzone zu den Höhlenwohnungen in Matmata,
inmitten einer gebirgigen Kraterlandschaft, die auch bei Filmaufnahmen zu
"Krieg der Sterne" schon als Kulisse diente. Die von Berbern im Lehmboden
erstellten Behausungen sind meist nicht mehr bewohnt und haben mehr
Museumscharakter. Jedenfalls ist es unten schön kühl.
Am Spätnachmittag erreichen wir Douz am Rande der Sahara. Die Kameltreiber
warten schon und fordern uns auf, uns wie Berber zu verkleiden. Mir ist das
zu albern und ich steige in ziviler Kleidung auf mein Kamel. Dann reiten wir
in die Wüste hinein. Nach kurzer Zeit ist nur noch Sand vor, neben und
hinter uns zu sehen, gewaltige Dünen erstrecken sich bis zum Horizont.
Die Nacht verbringen wir in einem Hotel in der Wüstensiedlung Douz. Nach dem
Abendessen unterhalte ich mich an der Bar längere Zeit mit einem
sympathischen Reiseleiter einer anderen Gruppe. Er erzählt, dass sich ein
Italiener im Vorjahr mit dem Motorrad in der Sahara verirrt und nicht
zurückgefunden hat. Seine Begleiterin gibt eine Vermisstenanzeige auf, die
von der Behörde aber ignoriert wird. Aus Sorge, dass die Einheimischen bei
der Suche Antilopen schießen könnten, die tatsächlich in der Wüste
anzutreffen sind, verweigern sie den Suchauftrag.
Dabei kennt die einheimische Bevölkerung die Gegend wie die eigene
Westentasche, hat Orientierungspunkte und an bestimmten Stellen Trinkwasser
vergraben, so erzählt es zumindest mein Gesprächspartner.
Er klärt mich auch auf, dass die Dame neben uns dem ältesten Gewerbe der
Welt nachgeht, das hätte ich hier nun nicht vermutet.
Am nächsten Morgen geht es zeitig weiter. Wir fahren auf einem Damm über den
Chott El Djerid, einen ausgetrockneten Salzsee, der eine Ausdehnung von 200
km hat. Die Salzkristalle auf der Oberfläche sind durch den Wüstensand braun
gefärbt und als solche gar nicht erkennbar.
An einem Stand, der sich aus dem Nichts erhebt, halten wir an und bewundern
die angebotenen Souvenirs. Besonders angetan bin ich von den aus der Erde
geborgenen Sandrosen. Meine Busnachbarin, die aufgrund der bekannten
Vergangenheit noch nicht häufig im Ausland war und natürlich noch nicht über
größere Erfahrungen verfügen kann, akzeptiert das erste Preisangebot und
kauft ein paar Souvenirs. Ich warte bis kurz vor der Weiterfahrt des Busses
und erhalte nach kurzer Verhandlung einen wesentlich besseren Preis.
Natürlich werde ich später bei der Weiterfahrt gefragt, wieviel ich bezahlt
habe. Ich sage es und meine Begleiterin schlägt die Hände über dem Kopf
zusammen und kann gar nicht fassen, dass sie ihr Geld so aus dem Fenster
geworfen hat. In Hammamet bei einem Teppichkauf, so meint sie, ist es
ähnlich gewesen.
Am späteren Vormittag erreichen wir das Oasendorf Tozeur, das Tor zur Wüste.
Mit einer Kutsche werden wir durch den Ort gefahren und hören einiges über
den Anbau von Olivenbäumen, über Datteln und andere heimische Früchte. Auf
dieser Oase wachsen ca. 200.000 Dattelpalmen, die Anzahl der Bäume ist ein
Gradmesser für die Leistungsfähigkeit des Ortes. Es gibt außerdem Feigen,
Granatäpfel und Bananen. Der Fruchtanbau erfolgt dreistöckig: Oben die
Dattel, in der Mitte Bananen und anderes Obst, unten das Hennagras, aus dem
Farbstoff hergestellt wird.
Wir orientieren uns dann in Richtung algerische Grenze, fahren durch das
Atlas-Gebirge und besuchen die Bergoasen Chebika und Tamerza. Ein Teil der
Strecke muss in Jeeps zurückgelegt werden. Von einer Hügelspitze hat man
einen weiten Blick in die Umgebung und auf die Lehmbauten, teils ohne Dach.
Mitten im Ort erhebt sich ganz in weiß ein Marabut, die Grabanlage eines
bedeutenden Moslems.
Auf der Rückfahrt halten wir noch auf unser Bitten hin in Kairouan, der
heiligen Stadt von Tunesien. Nach Mekka, Medina und Jerusalem ist es die
viertheiligste Stadt der islamischen Welt. Ich bin sehr beeindruckt, dass
unser Fahrer unseren Wunsch respektiert und erfüllt, schließlich werden nach
Kairouan separate Tagestouren angeboten, alle Achtung.
Die uns zur Verfügung gestellte Zeit genügt, um das Wahrzeichen der Stadt,
die Große Moschee oder Sidi-Okba-Moschee zu besichtigen. Baubeginn war das
Jahr 671 n. Chr., die Außenmauer ist etwa 500 m lang. Der Gebetssaal fasst
bis zu 4.000 Gläubige und es handelt sich um die älteste und größte Moschee
des Landes.
Mit wunderbarem Gefühl steige ich abends in Hammamet aus dem Bus, glücklich,
einiges vom Lande gesehen und viele Informationen über Tunesien erhalten zu
haben.
An der Hotelbar lasse ich den Tag gemütlich ausklingen.
Statistische und andere Fakten:
Tunesien ist halb so groß wie Deutschland und hat rund 9 Mio. Einwohner
Ein Esel kosten 50 TD, ein Kamel bzw. Dromedar 900 - 1.000 TD
Von Dezember bis Februar ist Regenzeit, heißester Monat ist der August mit
bis zu 50 Grad im Schatten.
20 - 30.000 Tonnen Olivenöl werden p. a. exportiert, auch nach Frankreich,
der Olivenanbau ist meist staatlich, zwischen den Bäumen werden keine
weiteren Früchte angebaut, um Wasser zu schonen, Oliven werden meistens mit
der Hand gepflückt
Ein Landarbeiter verdient 10 TD/Tag bei achtstündiger Arbeit, im Sommer wird
der großen Hitze wegen in einigen Berufen nur halbtags gearbeitet,
Durchschnittslohn 300 - 350 TD
Das Schleiertragen ist Tradition und hat nicht unbedingt mit der Religion
oder dem Familienstand zu tun, die Schleierfarben sind regional
unterschiedlich
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