|
[
Reiseberichte ]
[
nächste Seite ]

Oskar Weggel: Indochina
Geo Special Kt - Vietnam, Kambodscha, Laos
Thailand
Notre Dame in Saigon
Cao Dai-Tempel
Cao Dai-Tempel
Eingang in die Cu Chi-Höhlen
Unterwegs in Vietnam
Auf dem Mekong
Links zum Thema
viet an tour |
 |
Vietnam und Kambodscha
nach Krieg und Terror im Aufbau begriffen
Text und Fotos: Horst Wehrse
Ursprünglich wollten wir die Reise zu zweit antreten, private Gründe
haben Uwe dann veranlasst, zu Hause zu bleiben. Allein nach Vietnam zu
reisen stelle ich mir nicht schlimm vor, aber Kambodscha? Meine Vorfreude
kriegt einen kleinen Dämpfer.
Es ist Neujahr, der 01.01.1995. In Europa schneit es, der Cityhopper von
Bremen nach Amsterdam hebt mit einer Stunde Verspätung ab, auch der Jumbo "Carachi"
startet den Flug nach Saigon mit Verzögerung. Die Start- und Landebahnen und
natürlich auch die Flugzeuge müssen erst vom Schnee befreit werden.
Erwartungsvoll lehne ich mich zurück und harre der Dinge, die da kommen
werden. Gebucht hatte ich einen Gabelflug Saigon - Bangkok.
Wir fliegen über Berlin, Moskau, Pakistan und den Golf von Bengalen. Kleine
Tannenzweige an der Gepäckablage vermitteln noch ein klein wenig
Feiertagsstimmung in der Kabine.
Nach zwölf Stunden wird in Kuala Lumpur ein Stopp eingelegt, leider hat die
Maschine einen Schaden, wir müssen aussteigen, durch den Zoll und im
nahegelegenen Hotel einchecken.
An der Hotelbar lerne ich Peter und Harri aus Hamburg kennen, beide sind
bereits viel gereist, Peter war schon einmal in Vietnam.
Gerade als wir uns auf einen gemütlichen Abend in Malaysia einstimmen
wollen, erfolgt der Aufruf zum Weiterflug.
Die Luftfeuchtigkeit ist dermaßen hoch, dass dichter Nebel durch die
Lüftungsventile dringt.
Nach 1,5 Stunden Flug ist das erste Ziel erreicht: Saigon, jetzt offiziell
Ho-Chi-Minh-Stadt genannt.
Vietnam
Mürrische, unfreundliche Grenzbeamte nehmen uns in Empfang, Reisende ohne
Hotelangabe auf der Zollerklärung werden wieder zurückgeschickt.
Peter und Harri haben eine Reservierung im "Bong Sen Hotel", übersetzt
"Lotus-Hotel", schnell schreibe ich diesen Namen auf meine Deklaration und
schließe mich ihnen an, immerhin ist es schon nach Mitternacht und ich habe
keine Lust, noch um diese Zeit nach einer preiswerten Unterkunft zu suchen.
Das Hotel liegt sehr zentral, für eine Übernachtung mit Frühstück werden 30
USD verlangt. Die Zeitverschiebung beträgt sechs Stunden.
Vor dem Einschlafen steuern wir noch einige Bierbars an, Hütten mit einigen
Stühlen und Petroleumlampen-Beleuchtung.
Das frühere Saigon, dieser Name ist immer noch populär, war von 1956 bis
1975 Hauptstadt der Republik Vietnam.
Auf den Vietnamkrieg will ich hier nicht weiter eingehen, es ist an anderen
geeigneteren Stellen umfangreich darüber berichtet worden. Einige
hoffentlich abschreckende Zahlen seien mir erlaubt, auch wenn es sich um
einen Reisebericht handelt: so sind auf vietnamesischer Seite rd. 1 Mio.
Soldaten und 2 Mio. Zivilisten gefallen, weitere 2 Mio. Menschen waren
chemischen Waffen ausgesetzt (Napalm, Agent Orange) und 2 Mio. Vietnamesen
wurden verstümmelt.
Auf amerikanischer Seite fielen knapp 60.000 Soldaten.
Nach dem Zusammenbruch Südvietnams flohen große Teile der Bevölkerung ins
Ausland, an Nachrichten über Flüchtlinge auf dem Meer, die boat people, kann
ich mich noch gut erinnern.
Ein Jahr später, 1976, wurden Nord- und Südvietnam zur Sozialistischen
Republik Vietnam wiedervereinigt. Es folgten Jahre der Unterdrückung und
Entbehrung. Südvietnamesen, Intellektuelle, Künstler und Geistliche wurden
verhaftet und eingesperrt.
Man wird als Tourist permanent an den Krieg erinnert. Menschen, denen ein
Bein oder ein Arm fehlt, gehören zum normalen Stadtbild, Bettler und Krüppel
bitten um Zuwendungen.
Cyclofahrer, die vietnamesischen Rikschafahrer, mit nur einem Bein warten
auf Kundschaft. Bei vielen Fahrern handelt es sich um ehemalige Soldaten und
manchmal erzählen sie einiges aus der grausamen Zeit.
Der Tourismus steckt 1995 in Vietnam noch in den Kinderschuhen und die
touristische Infrastruktur ist noch nicht weit entwickelt. Dennoch habe ich
in den nächsten Wochen eigentlich nur angenehme und eindrucksvolle
Begegnungen und Erlebnisse, treffe interessante und liebenswerte Menschen
und erfahre ein Land, das dabei ist, sich von der schrecklichen
Vergangenheit zu erholen - Vietnam ist mehr als ein Schauplatz für
Nachkriegs-Voyeurismus.
Vor dem Hotel warten einige Cyclo-Fahrer und wir, Harri, Peter und ich,
verabreden uns zu einer Stadtrundfahrt. Die am Saigon-River gelegene Stadt
zählt etwa 4 Mio. Einwohner. Das Fahrrad ist das beliebteste
Fortbewegungsmittel, Autos sieht man selten.
Wir sehen uns einige Pagoden an und halten uns geraume Zeit im chinesischen
Viertel, in Cholon, auf. Hier besichtigen wir die Thien Hau-Pagode und den
Bin Tay Markt mit seinen vielen Lebensmitteln und Haushaltswaren.
Im Militärmuseum werden uns die Schrecken des Krieges wieder vor Augen
geführt. Amerikanische Benzinfeuerzeuge von gefallenen Soldaten werden, wie
perfide, als Souvenir verkauft, ich glaube allerdings eher, dass es sich um
nachgebaute Exemplare handelt.
Die Wiedervereinigungshalle können wir nur von außen besichtigen.
Beeindruckt hat mich die Kathedrale Notre Dame mit ihren beiden 40 m hohen
Türmen und das Rathaus, das Hotel de Ville, ebenfalls ein Produkt der
französischen Kolonialarchitektur. Davor steht ein Ho Chi Minh-Denkmal.
Die französische Herrschaft dauerte von 1859 bis 1954. Außer den Gebäuden
erinnern noch die guten und leckeren Baguettes und der Karamelpudding Flan
an die Franzosen. Nie zuvor und auch nicht danach habe ich in Südostasien
köstlicheres Brot gegessen.
In der Nähe des Saigon-Rivers gehen wir in einen Friseurladen und lassen uns
rasieren, danach wird die Lehne des Frisierstuhls nach hinten geklappt, wir
legen uns hin und genießen eine Entspannungsmassage. Neben uns werden
währenddessen andere Kunden frisiert.
Die Informationsbeschaffung erweist sich als überaus schwierig. Han, mein
Fahrer, empfiehlt, zum Cafe Sinh zu fahren. Wir nehmen seinen Vorschlag gern
auf und werden nicht enttäuscht, denn das Cafe entpuppt sich als
Multifunktionsladen: Bar, Restaurant, Informations- und Ticketschalter. Wenn
man überhaupt von einer Traveller-Szene sprechen kann, hier findet man sie
ansatzweise vor.
Wir erkundigen uns über mögliche Ausflüge und den Weitertransport.
Den Abend verbringen wir auf der Dachterrasse des Hotel Rex im Zentrum. Von
hier haben wir einen phantastischen Überblick über die Stadt. Später gehen
wir noch in eine Diskothek. Man kann nicht viel erkennen, über der
Tanzfläche hängt eine kleine Lampe, ansonsten ist es total dunkel.
Han fährt mich am nächsten Morgen mit seinem Cyclo zum Cafe Sinh. Die
heutige Bustour zu den Cu Chi-Höhlen kostet 5 USD.
Beim Cao Dai-Tempel in Tay Ninh legen wir die erste Pause ein. Es ist ein
sehr interessantes Bauwerk, farbenfroh und hell. Man meint, zugleich in
einer Kathedrale und in einer Pagode zu sein. Hier findet man auch das
"Göttliche Auge", das höchste Symbol des Caodaismus.
Mehrmals am Tag kann man den über 100 Priestern in unterschiedlichen
Gewändern beim Gebet zusehen, so auch während unseres Besuchs. Ein Chor
untermalt die Andacht musikalisch.
Die Cao Dai-Religion spielt keine besonders große Rolle in Vietnam. Sie
besteht erst seit dem 20. Jahrhundert und ist eine Vermengung anderer
Religionen wie Buddhismus, Konfuzianismus, Hinduismus, Christentum und
Islam.
Der Buddhismus ist in Vietnam am stärksten vertreten.
Tay Ninh war früher eine Endstation des Ho-Chi-Minh-Pfads.
Unterwegs sehen wir viele Menschen bei der Arbeit auf den Reisfeldern,
einige erholen sich in Hängematten, die vor jedem Haus angebracht sind. Auf
abgeernteten Feldern suchen Gänse nach Futter. Die Orte kommen mir sehr
gepflegt vor, in Saigon hatte ich am letzten Abend noch einige Ratten auf
der Hauptstraße gesehen.
Im Bus unterhalte ich mich länger mit einer Schwedin, die bereits seit vier
Wochen ohne Probleme in Vietnam unterwegs und sehr angetan von der Reise
ist.
Die Tunnelanlage in Cu Chi hat mich total beeindruckt. Der Vietcong hat sich
in den unterirdischen Gängen, die zeitweise eine Länge von 200 km erreichten
und von Saigon bis zur kambodschanischen Grenze verliefen, aufgehalten und
die Umgebung kontrolliert. In den Höhlen, die teilweise über mehrere Etagen
angelegt waren, hielten sich bis zu 16.000 Menschen auf. Getarnte Falltüren,
Bomben und Minen unter der Grasnarbe erschwerten dem Gegner das Aufspüren
der Höhleneingänge, an den Lüftungsschächten hatte man Pfeffer und Chili
angebaut, um den Spürhunden der Amerikaner die Witterung zu nehmen. Das
System verfügte über Krankenhäuser, Waffenlager, Küchen und Wohnbereiche.
Bei der Führung erfahren wir, dass die Angriffe auf Saigon während der
Tet-Offensive von hier ausgingen. Die Amerikaner sollen etwa ½ Mio. Tonnen
Bomben auf die Gegend um Cu Chi geworfen haben.
Für Besucher sind einige Gänge zur Besichtigung freigegeben, es ist
unglaublich heiß und stickig. Ab und zu hört man Gewehrschüsse, um die
Touristen zu erschrecken. Ich finde es geschmacklos und makaber.
Jetzt wachsen auf dem durch Gifte und Agent Orange entlaubten Land wieder
Cashewnut- und Gummibäume und gedeihen prächtig. Bei einigen handelt es sich
um eine Spende aus dem Ausland.
Die Bauern sind zurückgekehrt und die Ernte soll wieder giftfrei sein.
Abends gewöhne ich mich in einem Restaurant in der Nähe unseres Hotels
mühsam an das Essen mit Stäbchen, ich hätte es vorher wieder einmal üben
sollen. Im selben Haus befindet sich eine Diskothek, Taxigirls stehen vor
dem Eingang und warten auf Tanzkundschaft. Laut Reiseführer verdienen sie
ihr Geld tatsächlich nur mit Tanzen und nicht mit Sex, wie man vermuten
könnte.
Die Fahrt zum Mekong-Delta beginnt ebenfalls beim Sinh-Cafe. Wir bezahlen 20
USD für zwei Tage Busfahrt inklusive einer Hotelübernachtung.
Es ist eine wunderschöne Fahrt, an die ich noch oft zurückdenken werde.
Wieder ist die Landschaft geprägt von Reisfeldern, am Straßenrand liegen
Reis und Kokosnüsse zum Trocknen. Manchmal sieht man auf einem Feld eine
Grabstelle. Auf meine Frage, warum das so ist, erhalte ich zwei Antworten.
Einmal heißt es, die Angehörigen haben hier ja zu tun und es ist für sie
nicht weit, zum Beten herzukommen.
Bei der zweiten Variante wird argumentiert, der Bauer hat sein ganzes Leben
auf diesem Acker verbracht, also soll er hier auch seine letzte Ruhe finden.
In Tan-Huong halten wir an und besichtigen eine Bastmattenfabrik, später
legen wir noch eine Pause bei einer Jutefabrik ein. Es werden u. a. Hüte
hergestellt. Ein Jutehut kostet 3.000 Dong (d), für 1,- DM erhält man etwa
7.000 d. Die Arbeiter sollen hier angeblich 1,5 Dollar/Tag verdienen.
Weiter geht es durch fruchtbares Land mit vielen Mangobäumen. Auch hier sind
vor und in den Häusern, selbst auf den LKW, Hängematten angebracht.
Vollbepackte Busse kommen uns entgegen, sogar das Dach ist voll, mit Waren,
Hühnern und Gänsen.
Pünktlich zum Lunch erreichen wir den Ort Vinh Long.
Beim ersten Stopp am Mekong haben wir Gelegenheit, ein Kriegsmuseum zu
besichtigen. Ich mag davon nichts mehr hören und gehe spazieren. Eine Frau
aus Baden-Württemberg, die mit drei Freundinnen unterwegs ist und die ich
auf der Fahrt nach Cu Chi schon gesehen hatte, klagt ihr Leid. Sie sind
schon seit vier Wochen unterwegs und bei diesen Bustouren fühlen sie sich
zum Pauschaltouristen degradiert. Ich kann diese Meinung nicht teilen.
Dann endlich beginnt die Flussfahrt. Mit zwei Booten tuckern wir durch die
vielen Arme des Mekong, manchmal meint man, auf einem See zu sein. Kinder
baden im braunen Wasser, andere stehen am Ufer und winken uns zu, es ist
phantastisch. Wenn wir anlegen, sind wir sofort von einer Traube
freundlicher, lachender Kinder umgeben und ich habe an diesen Tagen kein Mal
erlebt, dass nach Geld oder Geschenken gefragt wird. Die Gegend ist noch
unberührt vom Tourismus.
Unterwegs besichtigen wir noch eine Gewächsanlage mit Sojamühle. Die Bohnen
werden gemahlen und zu Tofu weiterverarbeitet.
Dann laufen wir, immer einen romantischen Sonnenuntergang vor Augen, in Can
Tho ein und belegen unsere Räume im "Hotel Huy Hoang".
Mein Zimmer teile ich mit zwei Stuttgartern, sie sind zu fünft unterwegs.
Alle Betten sind mit einem Moskitonetz ausgestattet.
Nach dem Abendessen, es gibt leckeren Fisch und einige BGI-Biere, mache ich
noch einen längeren Spaziergang. In diesem Ort sehe ich nur Moped-Rikschas,
teilweise zu viert belegt.
[
nächste Seite ]
|