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Stephansdom
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Karlskirche
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Parlament
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Rathaus
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Burgtheater
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im Riesenrad
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Belvedere
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Johann-Strauß-Denkmal
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Blick auf die Hofburg
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Burg in Bratislava
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Dom St. Peter und Paul in Brünn
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                        Wien                          2mal Silvester im 3/4-Takt

Text und Fotos: Horst Wehrse

Das erste Mal

Mit ausreichend Rotwein im Gepäck steigen Elisabeth und ich am Tag nach Weihnachten 1991 in Bremen in den Nachtzug nach Wien. Etwas benommen lassen wir uns am nächsten Morgen mit einem Taxi zur "Pension Nossek", zentral am Graben, bringen und belegen unser vor Wochen reserviertes Zimmer.
Schönes Winterwetter empfängt uns, es ist recht kühl aber sehr sonnig. Mein letzter Besuch der österreichischen Hauptstadt liegt schon über 15 Jahre zurück und so ist mir, als beträte ich Neuland.

Unsere Pension liegt in Reichweite der Hofburg und des Stephansdoms und binnen kurzer Zeit erreichen wir einige der bekanntesten Bauwerke der Stadt. Wir besichtigen den gewaltigen Innenraum des Doms mit der schönen figurenreichen Kanzel, steigen hinterher auf den Südturm und haben von dort einen weiten Blick über Wien. Es ist ein schönes Bild, die Weihnachtsbeleuchtung wurde noch nicht abmontiert und alle Schaufenster sind noch festlich geschmückt.

Die Kärntnerstraße ist voller Menschen, edle Geschäfte offerieren ihre erlesenen Waren. Viele Lokale und Restaurants buhlen um Kundschaft.
Das "Hotel Sacher" sehen wir uns von außen an.

Wir gehen dann zu der nach dem Stephansdom zweitwichtigsten Kirche der Stadt, der Karlskirche. Besonders beeindruckt bin ich von der schönen mächtigen Kuppel und von den beiden an Minarette erinnernden Türmen.

Als nächstes besichtigen wir die Hofburg, denn ein kleiner Teil dieser immensen Anlage ist für Zuschauer geöffnet. Angeblich beherbergt dieser gewaltige Komplex etwa 2.500 Räume. Der Prunk, wertvolle Teppiche, Bilder und Möbel, ist überwältigend.
Die Spanische Reitschule ist hier ebenfalls vorzufinden, oft hatte ich Bilder von den Lippizanern im Fernsehen verfolgt.

Über den angrenzenden Heldenplatz geht es weiter, ein Denkmal erinnert an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Fiaker stehen am Straßenrand und warten auf Kundschaft. Schöne Museen flankieren den Maria-Theresien-Platz auf der anderen Seite des Burgrings.

Das Parlamentsgebäude mit den prächtigen Säulen und dem Pallas-Athene-Brunnen davor schließt sich als weiteres bemerkenswertes Bauwerk an. Dann kriege ich ein heimatliches Gefühl, ein Denkmal für Theodor Körner wurde am Parkrand errichtet, in Bremen wohne ich in der Theodor-Körner-Straße. Wie nun das? Der hier Vorgestellte war Bürgermeister der Stadt und Bundespräsident von Österreich, der Namensgeber meiner Straße hat nichts mit ihm zu tun, er war Dichter der Freiheitskämpfe.

Zum Abschluss dieses geschichtsträchtigen Spaziergangs sehen wir uns noch das in diesem schönen Park gelegene neugotische Rathaus mit dem imposanten Turm und das gegenüber liegende Burgtheater an. In einem der vielen gemütlichen Kaffeehäuser erholen wir uns von den Anstrengungen bei einem Ein- oder Zweispänner.

Die nächsten Tage gehören ebenfalls der Stadterkundung. Wir fahren mit der U-Bahn, der Straßen- oder Schnellbahn in die Außenbezirke über den Ring, der die Innenstadt umschließt, hinweg. So sehen wir uns den trüben Donaukanal, die weiter entfernte und gar nicht blaue Donau und auch das Flüsschen Wien an. Im Stadtpark lassen wir uns vom Leuchten des Johann-Strauß-Denkmals blenden, die Bronzefigur hebt sich markant vom weißen Marmor ab. In einer urigen Kneipe in Grinzing trinken wir standesgemäß bei leiser Schrammelmusik einen Heurigen.

Längere Zeit verweilen wir im Prater mit seinen schönen Sportstätten inmitten der wohltuenden Wald- und Parklandschaft. Natürlich gehört auch eine Fahrt mit dem Riesenrad zum Programm. Die Aussicht können wir allerdings nicht so sehr genießen, es ist leider zu diesig, dafür sind wir aber fast die einzigen Gäste und das Rad dreht sich mehr oder weniger exklusiv für uns.

Mit der Straßenbahn begeben wir uns zum Hundertwasserhaus. So etwas hatte ich vorher noch nicht gesehen, es passt eigentlich gar nichts zusammen. Alles, was ich über Geometrie und Symmetrie gelernt habe, wird hier ad absurdum geführt, jede Regelmäßigkeit ist ausgeschlossen.

Gegen Abend schlendere ich gern noch den "Graben" entlang, es ist immer wieder ein Erlebnis, den angestrahlten Stephansdom, die Pestsäule direkt auf der Straße oder die prächtige Kuppel der Hofburg im Licht quasi vor der Haustür anzusehen.

Wir bemühen uns natürlich auch um Kultur und haben riesiges Glück, es gibt noch Karten für die Aufführung "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" von Edward Albee im Burgtheater, allerdings nur noch Stehplätze in einer Loge, aber das stört uns nicht. Das Ticket 2. Rang Loge 6 links kostet 50 öS, etwas mehr als 7,- DM.
Erwartungsvoll betreten wir das vornehme Gebäude in normaler Ausgehkleidung, denn Abendgarderobe haben wir nicht dabei, doch das macht nichts, viele jüngere Gäste sind nicht besser angezogen als wir.
Dann begeben wir uns zu unserem Platz und lassen uns in den Bann der Aufführung ziehen. Es ist für mich ein riesiges Erlebnis, noch dazu die Spitzenbesetzung, denn in den Hauptrollen spielen Elisabeth Trissenaar und Klaus Maria Brandauer.

In der Stadt werden Vorbereitungen für die Feier zur Jahreswende getroffen, Silvester kündigt sich schon Tage vorher an. Entlang des Silvesterpfades werden Buden, oder, wie man hier sagt, Standln, aufgebaut. Ab und zu sind Böller zu hören.

Wir fahren zum Belvedere und besichtigen die prächtige Barockanlage in einem weiträumigen, beeindruckenden und sehr gepflegten Park. Das Hauptschloss, das Untere Belvedere, ist etwa 1000 m vom Lustschloss, dem Oberen Belvedere, entfernt. Wie muss es hier erst im Frühling oder Sommer aussehen, wenn die Natur weiter gediehen ist.

Ein Höhepunkt des Tages ist die Besichtigung des Schlosses Schönbrunn. Hier hat Maria Theresia residiert, hier kam der Wiener Kongress zusammen. Der Palast verfügt über 1.700 Räume und birgt unermessliche Schätze. An den Wänden hängen u. a. Bilder der Königsfamilie. Prunk und Reichtum, wohin man auch blicken mag.
In einer Wagenburg sind Kutschen und Schlitten ausgestellt. Auf einem Hügel befindet sich die Gloriette. Das Maria-Theresia-Denkmal erinnert an die einstige Herrscherin. Viele Besucher verlaufen sich auf dem riesigen Areal.

Am Silvestertag bleiben wir im Zentrum, machen einen Schaufensterbummel und lassen es gemütlich angehen. Viele Leute sind unterwegs, halten hier einen Plausch oder trinken dort schon das erste Glas Sekt.

Abends gehen wir in ein Restaurant, das wir vor Tagen eher zufällig entdeckt und schätzen gelernt hatten. Zum erlesenen Festmenü gehören ausgesuchte österreichische Spezialitäten wie Tafelspitzbouillon und Mastochsenfilet. Dazu trinken wir einen herrlichen Blaufränkischen aus dem Burgenland.

Nachher schreiten wir den Silvesterpfad ab, trinken hier und da ein Glas Sekt, wagen ein Tänzchen in der kühlen Nachtluft oder stärken uns mit einer Kleinigkeit. Es wurden rund 100 Buden aufgebaut. Außer dem kulinarischen Angebot gehört auch Kultur zum Programm, Straßenmusikanten, Komödianten und andere Artisten zeigen ihr Können.

Rund um den Graben böllern die Menschen um die Wette, der Stephansdom ist Ziel etlicher Raketen, auf dem Domplatz ist kein Weiterkommen vor lauter Menschen. In einem Zelt spielt ein Streichorchester Tanzmusik nach alter Art, zumeist Walzer, und wir beenden den langen und ereignisreichen Tag im Dreivierteltakt.

Das zweite Mal

Jetzt, Ende Dezember 1996, fahre ich allein mit der Eisenbahn nach Wien. Uwe war schon einige Stunden vorher aus Liechtenstein angekommen und wir hatten verabredet, uns in der mir schon bekannten "Pension Nossek" zu treffen. Aber es ist kein Zimmer mehr frei und Uwe hatte mir eine Nachricht hinterlassen und mitgeteilt, dass er im "Hotel Terminus", etwas außerhalb des Zentrums, unterkommen ist.

Es herrscht richtiges Winterwetter, die Straßen und Plätze sind mit einer weißen Schneeschicht überzogen. Wir machen uns auf den Weg, spazieren in die Innenstadt und absolvieren das übliche Pflichtprogramm.

Zunächst orientieren wir uns in Richtung Hofburg. Auf dem Heldenplatz fällt der Turm vom nahen Rathaus ins Auge. Die Kutscher haben ihren Pferden vor den Fiakern eine warme Decke umgehängt. Die prächtigen Bauten der barocken Anlage erheben sich wuchtig aus der Schneelandschaft.

Wien präsentiert sich wieder im schönsten Weihnachts- und Lichterschmuck. Die ersten Silvesterstandln sind schon aufgebaut und bereit für durstige oder hungrige Passanten.

Viele Menschen warten vor dem Stephansdom auf den Anbruch der Dunkelheit, vereinzelt werden Knaller gezündet.
Vor dem Rathaus wurde ein großes Zelt errichtet, darin findet der Silvester- und Neujahrsmarkt statt.

Es ist Silvester. Uwe und ich stärken uns in einem Restaurant und stürzen uns anschließend ins Vergnügen. Es ist furchtbar kalt und wir nutzen jeden Grog- oder Glühweinstand, um uns zu erwärmen, Sekt ist heute, zumindest für uns, nicht angesagt.
Der Pfad führt wieder am Stephansplatz vorbei, ist aber nicht identisch mit dem von 1991/92.
Die Attraktionen haben sich auch etwas geändert oder bereichert, so gibt es eine Astro-Show, eine Operettenübertragung, Karaoke und andere Darbietungen. In dicke Mäntel eingemummt wagen mehrere Personen ein Tänzchen unter freiem Himmel, wir begnügen uns mit dem Zuschauen.
Irgendwann ist es uns aber zu kalt und so steuern wir ein warmes, gemütliches Nachtlokal an und begrüßen das neue Jahr auf gebührende Weise.

Aus Gründen, auf die ich hier nicht weiter eingehen möchte, wollen Uwe und ich weiter nach Bratislava. Es ist gar nicht weit von Wien. Wir nehmen den Zug und sind bereits ein paar Stunden später am Ziel.

Die slowakische Hauptstadt empfängt uns im starken Schneetreiben. Wir steuern auf ein Taxi zu, nennen den Namen eines Hotels und fahren los. Der Fahrer setzt uns auch ordnungsgemäß ab, vergisst aber uns mitzuteilen, dass dieses Haus schon seit Monaten geschlossen ist.
So nehmen wir unser Gepäck und stapfen durch den hohen Schnee. Zum Glück taucht bald darauf der Hinweis auf ein anderes Hotel auf und wir haben für die nächsten Nächte eine Bleibe.

Am kommenden Tag machen wir uns auf Tour und gehen durch die verwinkelten kleinen Gassen, bewundern die gewaltige mehrspurige Donaubrücke und besichtigen die auf einem Hügel liegende Burg.

In der Innenstadt hat sich der weiße Schnee in dreckigen Matsch verwandelt und wir kehren lieber in ein Café ein, als uns nasse Füße zu holen. Später gehen wir noch zum Dom, dicker Schnee hat sich um die Weihnachtsbeleuchtung gelegt.

Das Abendessen nehmen wir in einem typischen Restaurant ein, es schmeckt sehr lecker und permanent werden, wie auch im Film "Feuerwehrball", böhmische Polkas gespielt. Das Essen ist deftig und das Bier mundet. Einige Lokale haben geschlossen, in den anderen geöffneten Gaststätten spielt sich nicht sehr viel ab, so dass wir uns in einem Nachtclub überlegen, weiter nach Brünn (tschech.: Brno) zu fahren.

Gesagt, getan. Wieder nehmen wir den Zug. Uwe kennt Brünn schon, er hat hier einige Zeit als Praktikant gearbeitet. Das Wetter ist auch heute nicht sehr einladend und wir gehen gleich in das altehrwürdige "Grand Hotel" in der Nähe des Bahnhofs.
Leider bekomme ich Fieber und so muss Uwe allein durch die Stadt gehen und das touristische Programm absolvieren. Ich bleibe im Bett.
 

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